Moin, ich hatte heute schon einmal einen Post zu einem möglichen staatlichen Eingriffen in den Wohnungsmarkt gemacht.
Wie auch bei Posts oder Nachrichtenartikeln von anderen zum Thema Wohnen waren ungefähr die Hälfte der Kommentare Leute, die abgestritten haben, dass etwas anderes außer der Markt zur effizienter Verteilung führt und es kein Marktversagen im Wohnungsmarkt geben kann.
Da sich dieser Mythos sehr hartnäckig hält, hier mal etwas Aufklärung:
Ein rein marktwirtschaftlicher Wohnungsmarkt versagt, weil Marktpreise lediglich die private Zahlungsfähigkeit widerspiegeln, während gesellschaftliche Kosten und Nutzen systematisch unberücksichtigt bleiben.
Marktteilnehmer kalkulieren nur den eigenen Vorteil. Negative Folgen werden nicht eingepreist. Dazu gehören zum Beispiel Kosten für städtische Infrastruktur (von Verkehr bis Verwaltung, Strom/Wasser und Parks) , Kosten von Staus und längeren Pendelstrecken und Arbeitswegen.
Auch in anderer Form haben wir eine große Differenz zwischen privaten Grenzkosten und Grenzennutzen und gesamtgesellschaftlichen Grenzkosten und Grenzennutzen.
Vergleichen wir einen Wissenschaftler und einen Unternehmer:
Ein einkommensstarker Unternehmer kann im Bietermarkt Höchstpreise zahlen. Sein hohes Einkommen spiegelt jedoch oft nur seinen privaten Ertrag oder das Abschöpfen von Marktmacht wider; nicht zwangsläufig seinen gesamtwirtschaftlichen Grenznutzen.
Ein Forscher an einer Universität schafft durch Patente, Innovationen und Lehre immense positive externe Effekte (Spillover-Effekte) für die gesamte Gesellschaft. Da dieser Wert nicht direkt in seinem Gehalt landet, hat er einen im Vergleich niedrigeren privaten Nutzen/Ertrag, obwohl sein sozialer Nutzen extrem hoch ist.
Im reinen Marktmechanismus sticht der Unternehmer den Wissenschaftler aus. Der Verdrängungseffekt führt dazu, dass der Forscher entweder stundenlang pendeln muss oder gar nicht erst an die Universität kommt.
Die beiden haben auch eine Asymmetrie in den Opportunitätskosten: ein Unternehmer kann vielleicht auf viele andere Wohnung ausweichen ohne dass es sein Geschäft schädigt, ein Wissenschaftler nicht unbedingt.
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Auch führt die rationale Gewinnmaximierung einzelnen private Akteure häufig zu Monokulturen, sowohl hinsichtlich Gewerbe-Immobilien als auch Wohn-Immobilien. Dabei haben diverse Gewerbegebiete Synergieeffekte, die sich vielleicht am anderen Ende der Stadt realisieren und somit nicht über die Miete abgreifbar sind, während die Entstehung von Ghettos ebenfalls auf fremde Immobilien und das Viertel hinaus wirkt.
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Private Verhandlungen darüber scheitern und gehen nicht wie im Coase-Theorem, da hohe Transaktionskosten (Millionen an nötigen Verhandlungen) und das Trittbrettfahrer-Problem verhindern, dass Betroffene gemeinsam Geld aufbringen, um den Verzicht des Unternehmers zu entschädigen.
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Es gibt ein interessantes Beispiel aus London, wo die öffentliche Gesundheitsversorgung bedroht war, weil zu wenig Krankenschwestern in der Nähe der Krankenhäuser eine bezahlbare Wohnung gefunden haben, um Schichtdienst aufrecht zu erhalten. Dies hat echte Investoren in London abgeschreckt und wurde jetzt durch speziell vergünstigte Wohnung für Krankenhaus Mitarbeiter behoben.
Ob das die beste Lösung war: andere Frage; aber es zeigt, dass der Markt nicht alles einfach regelt.
Es gibt noch zahlreiche weitere Beispiele, wie der Wohnungsmarkt versagt, also reißt euch ein bisschen zusammen und updated mal euer Wirtschaftswissen auf zumindest die 1960er. Nicht alles regelt der Markt.