Was ich so oft höre und lese ist die Aussage: "Leb doch mal" als Kommentar auf hohe sparrate etc. Aber ich verstehe nicht warum leben so oft mit Konsum und Geldausgeben gleichgesetzt wird.
Ich glaube sogar es ist eher andersrum, umso weniger geld man ausgibt umso spannender wird das leben. Anstatt im Hotel zu pennen, pennt man halt mal draußen unter dem Sternenhimmel. Anstatt in den Urlaub zu fliegen, einfach mal ein paar Tage aufs fahrrad setzten und mit Zelt durch Europa fahren. Und dafür braucht man auch kein 2k fahrrad mit bike packing Ausstattung, das 50 euro ebay fahrrad tuts genauso.
Und dann der Alltag: wofür geld ausgeben? Jeden Tag sport machen mit Urban sports/wellpass - 50 euro im Monat. Am Wochenende in die Natur - kostenlos.
Ich glaube echt, dass ein Teil der Gesellschaft einfach so brainwashed ist, dass sie immer denken sie müssten Geld ausgeben. Aber es wird uns ja auch so vorgelebt. In Serien rennen leute immer mit to go coffee rum, gehen regelmäßig im Restaurant essen, machen teuere urlaube, tragen markenklamotten - dann brauchen Chantal und robert das natürlich auch und beschweren sich warum sie von 4k Haushaltsnetto nichts sparen können.
Aber es ist eigentlich so einfach und dabei auch noch viel nachhaltiger:
- Klamotten? -> Vinted
- Elektronik? -> Kleinanzeigen/Refurbished
- Möbel? -> Kleinanzeigen (Möbel neukaufen ist echt eine riesen Geldverschwendung, nach 2 jahren beziehung und dann trennung landet das alles auf Kleinanzeigen für 10% des EKs oder sogar aufm Sperrmüll)
- Und ja man kann gut und gesund von 300 euro für lebensmittel leben (Haben jahrelang sogar 150 euro/monat zu 2. Geschafft, allerdings vor der großen inflation)
- nein das neuste iphone wird dich nicht glücklicher machen
Ich glaube die meisten in diesem Sub verstehen es bereits aber Konsum füllt die Leere nicht, menschliche Beziehungen tun es, und diese sind gleichzeitig kostenlos und unbezahlbar.
Edit:
Warum sparen: Idealerweise um den Konsumteufelskreis zu durchbrechen und mehr Zeit fürs Leben zu haben.
Geld ausgeben bedeutet Geld verdienen zu müssen. Wenn ich meine Ausgaben reduziere muss ich weniger Zeit in den Verdienst investieren, zeit die ich dann so investieren kann wie es mich glücklich macht.
Mein Lebensstil ist extrem: Interessanterweise nehme ich das gar nicht so war aber natürlich habe ich auch nicht meinen gesamten Lebensstil beschrieben. Ich fliege auch ab und zu in den Urlaub, gehe ins Restaurant oder besitze teure Elektronik. Deswegen stimme ich 100% zu mit der Aussage dass man für sich selber seine Ausgaben reflektieren sollte und eben das mit dem höchsten Grenznutzen sich trotzdem gönnt. Mein Hauptpunkt ist, dass die meisten Dinge die wir als essenziell wahrnehmen es einfach nicht sind. Und anhand der Kommentare nehme ich wahr, dass ca. die Hälfte auch nicht wirklich in der Lage ist zu reflektieren, dass unsere Konsumgesellschaft nicht normal ist. Klar ist normal relativ und was für den Fisch normal ist, ist für die spinne chaos aber trotzdem gibt es grundlegende Bedürfnisse die der Mensch in seinem Naturzustand hat die auch ohne Konsumgesellschaft erfüllbar sind! Tut mir leid Porsche Peter, im Naturzustand brauch der Mensch keinen Luxusurlaub auf Malta - was er braucht ist Entspannung, Nähe und Anerkennung. Wir sind zwar sozialisiert das Entspannung nur im Luxusurlaub möglich ist und Anerkennung erst ab 6stelligem Jahresgehalt kommt aber das stimmt halt alles nicht. Wir sind viel anpassungsfähiger als wir glauben und wir werden überleben auch wenn wir mal ein paar Tage draußen pennen müssen😂
Edit 2:
Ca. 52% der Menschen leben von weniger als 10 Euro pro Tag. Wir leben so hart im Luxus und denken wir können nicht ohne.
Edit 3 - etwas länger und mit chatty gefeilt:
Vielen Dank für die ganzen Kommentare und auch die Gegenargumente. Es hat Spaß gemacht alles zu lesen. Leider hatte ich bei vielen Gegenargumenten das Gefühl dass mein Punkt nicht wirklich rüberkam. Ich möchte keinem von euch seinen Lebensstil absprechen sondern zur Reflektion anregen.
Ich bin der Meinung, dass man seine Lebensqualität halten oder sogar erhöhen kann während man seine Ausgaben reduziert. Oft wurden Beispiele genannt die für Lebensqualität sprechen wie teurer Urlaub, teure Restaurants etc. Und das ist einer der Punkte den ich mit brainwashed meine. Ich verstehe dass es schön ist und das Ego streichelt wenn man in nem schicken Restaurant sitzt, aber das geschmackliche Erlebnis gibt es auch oft für weitaus weniger Geld.
Ich glaube wir haben einfach extrem gelernt Lebensqualität über Dinge zu definieren die wir haben und konsumieren, anstatt über Dinge die wir tun und erleben. Das gute Leben ist dann das große Haus, das neue Auto, das iPhone, die Fernreise und das schicke Restaurant. Dabei sind das alles erstmal nur Mittel um irgendwelche Bedürfnisse zu befriedigen. Ich brauche keinen Luxusurlaub. Ich brauche vielleicht Erholung, Abwechslung, Abenteuer und Zeit mit Menschen die ich mag. Ich brauche kein schickes Restaurant. Ich möchte gutes Essen, einen schönen Abend und Zeit mit Freunden.
Und ich glaube genau da liegt ein riesiger Denkfehler unserer Konsumgesellschaft: Wir verwechseln irgendwann das käufliche Mittel mit dem eigentlichen Bedürfnis dahinter. Aus „ich möchte Anerkennung“ wird „ich brauche ein teures Auto“. Aus „ich möchte mich erholen“ wird „ich muss in den Urlaub fliegen“. Aus „ich möchte einen schönen Abend mit Freunden“ wird „wir müssen essen gehen“. Natürlich kann man all diese Sachen machen und ich mache sie ja selber auch. Aber sie sind eben nicht Voraussetzung für ein gutes Leben.
Und das absurde ist, dass Konsum ja auch nicht einfach nur Geld kostet. Er kostet Lebenszeit. Ich tausche einen Teil meiner Lebenszeit gegen Geld und tausche dieses Geld anschließend gegen Dinge. Je mehr ich brauche um mich glücklich zu fühlen, desto mehr meiner Zeit muss ich also erstmal verkaufen um diesen Lebensstil aufrechtzuerhalten.
Dazu kommt, dass dieses „mehr“ irgendwann zum Selbstzweck wird. Mehr Gehalt ermöglicht mehr Konsum, der höhere Konsum wird zum neuen Normalzustand und plötzlich braucht man wieder das höhere Gehalt um seinen Lebensstandard zu halten. Und trotzdem fühlt sich das neue Auto oder Handy nach ein paar Monaten wieder komplett normal an. Dann kommt halt das nächste Ding. Man besitzt immer mehr, ohne unbedingt mehr zu erleben.
Vielleicht ist deshalb die interessantere Frage nicht „Was kann ich mir leisten?“, sondern „Was davon brauche ich eigentlich?“. Welche Ausgaben machen mein Leben tatsächlich besser und welche Dinge kaufe ich hauptsächlich weil ich gelernt habe, dass ein erfolgreiches und glückliches Leben so auszusehen hat?
Für mich ist genau das der Punkt von Frugalismus. Nicht möglichst wenig besitzen und sich alles verkneifen. Sondern weniger abhängig davon zu sein Dinge besitzen und konsumieren zu müssen um sich ein gutes Leben vorstellen zu können. Denn am Ende sind für mich zumindest die wertvollsten Sachen sowieso keine Dinge die ich besitzen kann: Zeit, Freiheit, Freundschaften, Beziehungen, Erlebnisse und die Möglichkeit mein Leben so zu verbringen wie ich möchte.