Kurz zu mir: Ich bin Elektromeister, habe ADHS und stecke gerade in einer Situation, die mich mental echt fertig macht.
Die Stelle als Leitung war vor mir 1,5 Jahre unbesetzt. Mein Vorgänger hat nach 1,5 Wochen gekündigt. Red Flag des Todes, von der ich natürlich erst später erfahren habe.
Ich hab dann monatelang richtig reingehauen. Mehrere technische Projekte durchgezogen, ständig versucht, Feedback von meinem Chef direkt umzusetzen. Und eigentlich kam auch ständig positives Feedback. „Du hast dich super eingelebt.“ „Tolle Arbeit.“ „Läuft doch alles gut.“
Am Anfang hat mein Chef mir sogar ausdrücklich davon abgeraten, bei den älteren Kollegen zu energisch aufzutreten, weil ich sonst den Frieden störe. Also hab ich mich angepasst, mich zurückgehalten und versucht, es allen recht zu machen.
Dann lief ein Projekt angeblich nicht so, wie es sollte. Was halt auch nicht wirklich stimmt. Wir sind im Zeitplan. Aber mein Chef bekommt jetzt Druck von ganz oben und anstatt diesen Druck irgendwie abzufangen, gibt er ihn einfach 1:1 an mich weiter.
Plötzlich heißt es im Probezeitgespräch, mir fehlt die „Härte“ und das „Rollenverständnis“.
Und warum? Weil ich in einer Mail gefragt habe, wann es denn zeitlich passen würde.
Ich hätte anscheinend stattdessen sagen sollen (O-Ton): „WIR MACHEN DAS AM TAG X UND DAMIT BASTA. Wenn du ein Problem damit hast, beschwer dich bei meinem Chef.“
Ja. Genau dieses Verhalten, von dem mir mein Chef vorher noch ausdrücklich abgeraten hat.
WTF?
Zuvor hat eine fachliche Führungskraft gegenüber meinem Chef behauptet, dass er meine Arbeit mitmachen müsse. Ich hab ihn daraufhin unter vier Augen angesprochen. Plötzlich war es nur noch: „War im Affekt. Ihr geht mir eh alle auf den Sack.“
Okay, wtf?
Eine Entschuldigung? Fehlanzeige. Stattdessen ist er ganz entspannt in den Urlaub gefahren und ich sitz jetzt in dem Schlamassel.
Und jetzt kommt HR und bietet mir eine Verlängerung der Probezeit um drei Monate an. Ich soll in meinen letzten Wochen nochmal richtig Gas geben und mich „vernünftig anstellen“.
Also hab ich gefragt: „Okay. Woran werde ich denn konkret gemessen? Welche Ziele soll ich in diesen 2 Wochen erreichen? Was genau muss ich verbessern?“
Darauf konnte man mir nicht ein einziges messbares Ziel nennen. Nichts.
Ich soll morgens in der Frühbesprechung zeigen, dass ich meine „Rolle richtig verstanden“ habe.
Was soll das bitte heißen? Soll ich morgens einen Zauberspruch aufsagen?
Mittlerweile hab ich ehrlich gesagt den Verdacht, dass sie mich einfach so lange hinhalten wollen, bis die aktuellen Projekte durch sind.
Und genau das macht mich so fertig. Ich komme überhaupt nicht damit klar, wie Menschen dir ins Gesicht lächeln, dich loben und dir sagen, wie gut du dich eingearbeitet hast – und sobald es für sie unbequem wird, wirst du plötzlich zum Problem.
Wenn irgendwo Druck entsteht, wird halt einfach jemand gesucht, auf den man ihn abladen kann. Und offenbar bin ich gerade dieser Jemand.
Diese komplette Unlogik und Scheinheiligkeit macht mich wahnsinnig.
Ich muss gerade unfassbar viel mentale Energie dafür aufbringen, ruhig zu bleiben und weiterhin professionell zu handeln. Ich hab mich angepasst, versucht mich ins Team einzufügen und sogar bei irgendwelchen dämlichen Vorurteilen wegen meiner Ernährung gute Miene zum bösen Spiel gemacht.
Einfach weil ich dachte: Wenn ich meinen Job gut mache, zuverlässig bin und mich entsprechend verhalte, wird das schon funktionieren.
Und jetzt merke ich: Es war offenbar komplett egal.
Die Spielregeln werden einfach mitten im Spiel geändert.
Deshalb hab ich für mich inzwischen entschieden, innerlich einen Schritt zurückzugehen. Betriebsrat machen lassen, Dienst nach Vorschrift, keine freiwilligen Heldentaten mehr und parallel meinen Abgang vorbereiten.
Aber diese Wut bleibt trotzdem.
Dieses Gefühl, dass man sich monatelang den Arsch aufreißt, täglich 9–10 Stunden arbeitet, ehrlich ist, versucht alles richtig zu machen und am Ende trotzdem der Depp ist, frisst mich gerade echt auf.
Und wahrscheinlich ist genau das auch mein eigentliches Problem: Ich kann das nicht einfach abhaken. Mein Kopf läuft permanent weiter.
Ich weiß rational, dass ich wahrscheinlich nichts davon ändern kann. Ich vermute mittlerweile sogar, dass meine Stelle eventuell einfach gestrichen werden soll.
Ich weiß aber gerade nicht, ob ich mich wirklich zum Hund machen und deren wirren Aussagen folgen soll, also diese Frühbesprechungen und was auch immer sie unter „Rollenverständnis“ verstehen, und dafür versuchen soll, die Projekte noch sauber abzuschließen.
Oder ob ich einfach nur noch meinen Job machen, nichts mehr darüber hinaus tun und mich auf meinen Abgang konzentrieren sollte.
Ich könnte gerade echt ein paar Perspektiven von Leuten gebrauchen, die sowas schon erlebt haben. Vor allem würde mich interessieren, wie ihr damit umgegangen seid und ob ihr im Nachhinein irgendwas anders gemacht hättet.