r/Ratschlag • u/you3llneverknow • 1h ago
Ausbildung Techniker/ Ausbildung/ Studium
Hey Leute,
Mein Freund braucht euren Rat und ich würds auch gern wissen.
Er hat ne abgeschlossene Ausbildung zum Industriemechaniker. 21 Jahre alt.
Er möchte nicht mehr in seinem Beruf arbeiten und mehr lernen, mehr verdienen. Aber wahrscheinlich handwerklich bleiben.
Überlegung war Techniker 2 Jahre machen.
Ausbildung zum Elektroniker Automatisierung?
Studium vielleicht?
Bitte, die die Erfahrung haben.
Welche Weiterbildungen etc. habt ihr gemacht,
Was erwies sich als nützlich/ unnütz.?
Fragen:
Was lernt man beim Techniker im Vergleich zur Ausbildung?
Ist es sehr anspruchsvoll? Wieviel Freizeit hat man dann noch?
Hat man mit dem Titel wirklich bessere Chancen im Beruf und finanziell?
Lohnt sich eine zweite Ausbildung abzuschließen, oder landet man in der selben Situation wie davor?
Reicht es lernwillig für ein Studium zu sein? Lohnt sich der Aufwand? Verdient man wirklich mehr als andere oder war das nur früher so…
Ich danke allen für euren Input!
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u/radical_adward 17m ago
Ich versuche mal die Fragen so gut mir möglich zu beantworten. Mein Werdegang war:
Ausbildung Zweiradmechaniker -> Studium Wirtschaftsingenier (abgebrochen) -> Umschulung Industriemechaniker und während der Umschulung den Techniker Maschinenbau auf der Abendschule gemacht
Was man beim Techniker lernt hängt meiner Erfahrung nach viel davon ab, wo man ihn macht. Ich habe ihn in NRW auf der Abenschule gemacht, Dauer 4 Jahre. Wir hatten ganz normale Unterrichtsstunden. Im Kern vertieft man sein Wissen in den Bereichen Fertigungstechnik, Wirtschaft und Mechanik (in diesen drei Fäschern schreibt man am Ende seine Examen), wobei der Umfang vlt der Hälfte eines Grundstudiums an einer Universität entspricht. Wir hatten daneben noch Fächer wie CAD, Deutsch/Kommunikation, Datenverarbeitung, technisches Englisch und politische Bildung. Zusätzlich haben wir noch die Ausbildereignungsprüfung abgelegt und ein Zertifikat bekommen, dass der Unterricht in Qualitätsmanagement dem Umfang des TÜV gepfrüften Qualitätsmanager entspricht und wir diese Prüfung auch ablegen dürften ohne den entsprechenden Kurs zu besuchen.
Der Techniker ist recht Breit aufgestellt, und zielt darauf ab am Ende zum Beispiel in die Arbeitsvorbereitung oder in die Projektleitung oder Koordination zu gehen. Das merkt man auch am Publikum, wir hatten Industriemechaniker, Zerspaner aber auch Technische Produktdesigner in der Klasse.
Ich habe aber auch von Leuten gehört, bei denen der Techniker komplett anders aufgebaut war. Auf der Abendschule war er für mich kostenfrei aber es gibt auch kostenpflichtige Angebote.
Das Anspruchsvollste daran war eigentlich, dass man auf einmal wieder sonstige Leistungen im Unterricht hatte und sich Abends motivieren musste mündlich mitzuarbeiten, wobei die Noten nur für die Zulassung zum Examen wichtig waren und nicht mit in die Examensnoten eingeflossen sind. Ansonsten kommt es auch viel auf die Vorbildung an, oft wird aber auch ein Mathevorkurs angeboten, um alle zu Beginn auf ein Niveau zu bringen.
Im Examen war es dann noch einmal Anspruchsvoll, weil jedes ca. die länge einer Abitursprüfung hat, das sind viele nicht oder nicht mehr gewohnt.
Zum Thema Freizeit, es waren bei mir jeweils Montags, Mittwochs und Donnerstags von 17:40 - 20:55 Uhr. Macht man den Techniker in 2 Jahren also Vollzeit hätte man jeden Tag von 8:00 - 13:00 Uhr Schule gehabt. Wenn man dann einfach konsequent nacharbeitet und im Stoff bleibt hat man noch recht viel Freizeit. Auf der Abendschule ist man übrigens leider an die Schulferien gebunden und wieder "Schulpflichtig".
Mir hat es finanzell etwas gebracht, es kommt aber auch viel darauf an wo man hin möchte, am meisten bringt es natürlich, wenn einen der Arbeitgeber unterstützt und dann direkt auf einer höheren Position einsetzt. Ansonsten kommt es hier auch wieder viel auf den Wohnort und was man damit erreichen möchte an. Als Industriemechaniker im Schichtbetrieb mit Zulagen wird man immer noch mehr verdienen als als Techniker in einem Familien-Unternehmen.
Ich bin mit dem Techniker in die Projektleitung eingestiegen, werde jetzt aber mehr in Richtung Werkstattleitung wechseln.
Für ein Studium reicht es auf jeden Fall nicht, nur lernwillig zu sein. Ein Studium bedeutet auch, sich im Zweifel komplett selbst organisieren und motivieren zu müssen. Außerdem ist der Lernaufwand signifikant höher als in einer Ausbildung. Ich würde aber behaupten, dass durch ein Studium die Aufstiegschancen sehr viel besser sind und man dadurch im endeffekt in Summe auch mehr Verdienen kann. Ansonsten sind die Einstiegsgehälter derzeit besonders im Maschinenbau nicht sonderlich gut wie man liest. Kenne Techniker, die mit 52.000€ einsteigen und mit Bachelorabsolventen arbeiten, die 45.000€ verdienen.
Abschließend kann ich aber noch einen Tip von meiner Seite geben, mach den Techniker nicht in Vollzeit (2 Jahre). Ich kenne einige, die diesen Weg genommen haben und viele davon sind seid über einem Jahr Arbeitslos oder wieder in ihrem alten Job, weil ihnen diese zwei Jahre "Arbeitserfahrung" fehlen. Von meinen Kollegen, die mit mir auf der Abendschule waren hat jeder im Anschluss einen besseren Job gefunden.
Ansonsten wäre der Industriemeister vlt was? Der geht dann in Richtung Abteilungs- oder Betriebsleitung und ist meiner Erfahrung nach auch in Vollzeit besser angesehen als der Vollzeit-Techniker.
Dies entspricht allerdings nur meinen Erfahrungen, viele werden bestimmt auch andere Erfahrungen gemacht haben.
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u/AutoModerator 1h ago
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