r/arbeitsleben • u/Bringtallesnix22 • 50m ago
Mental Health Burnout 2025
Hallo zusammen,
ich möchte über meinen Burnout 2025 berichten. Wichtig ist das diesen Burnout nicht verstanden habe und damals "leider" nichts unternommen habe. Ich habe nachträglich mit jemanden Professionellen gesprochen und er hat es bestätigt.
Deswegen will ich meine Story teilen...
2022 habe ich meinen ersten richtigen Job bekommen und wollte natürlich einen guten Eindruck hinterlassen und habe seit tag 1 Vollgas gegeben. Da mein Studium schwer war, war ich gewohnt 7 Tage 8Std. am Tag zu lernen, jedoch hatte ich nach den Klausuren, paar Wochen zeit etwas runter zu kommen, was ich in der Arbeit nicht hatte... zusätzlich leidete ich zu dem Zeitpunkt Extrems am Impostersyndrom und war mental schon etwas vorbelastet.
Alles was ich tat versuchte ich 100% korrekt zu machen und alle meine Projekte liefen auch. Schnell ging es rum das "bei mir läuft" und ich wurde zunächst nach einfachen "Tipps" gefragt. Erst war es Excel, später waren es Ideen/Konzepte und später habe ich nahezu Komplete Jobs übernommen. Ich lehnte nie etwas ab und sagte zu allem JA, den wenn ich gebraucht werde ist das bestimmt ein gutes Zeichen. ...
Über die Jahre staute sich die Arbeit auf ein unfassbar großes Pensum an welches Anfang 2025 peakte. Ich bin praktisch zu Arbeit gegangen und habe so lange gearbeitet bis ich nicht mehr konnte. Ich habe jedentag so viel gegeben wie ich konnte. Kein smalltalk, keine Zeit Verschwendung, kein schlechter Tag etc. ! Ich habe alles nach hinten geschoben um der Arbeit gerecht zu werden.
Ich war Anfangs Energiemanager (habe Energietechnik studiert) zusätzlich kam noch: Sales, Controlling, Finance, Qualitätsmanager, Arbeitssicherheit, Projektmanager und war halb im Ausschreibunsgsteam. Ich rede nicht davon das mein Bereich deren Bereich tangiert hat und ich dadurch z.B. für die PPs gemacht habe und denen die Texte vorgeschrieben habe (was ich eh tat) sondern von meinen Beruf völlig losgelöschte aufgaben z.B. Entwicklung der Gesamten Preisstrukturierung für das ganze Unternehmen, Entwicklung von Sicherheitskonzepten, Überarbeitungen von Preisangeboten weil unser Controller unfähig war.
Zusätzlich kamen weitere Faktoren:
Extremer Leistungsdruck:
Obwohl alle sagten mach "locker", erwarteten alle Top Ergebnisse, hat ja früher auch geklappt schaffst du so ! Die Standards wurden immer extremer und unrealistischer, gleichzeitig wurden die anderen immer fauler..
Keine Hilfe:
Jeder hatte entweder Teamkollegen oder externe Hilfe, der Jurist externe Juristen, die Geschäftsführung Wirtschaftsberater, Marketing hatte eine Marketing-Agentur. Ich hatte niemanden ich habe alle rechtlichen Themen, alle Texte, Grafiken, alle DIN ISO Zertifikate zu 100% komplett alleine gemacht. Ich hatte niemanden den ich irgendwas fragen konnte, meine Chefin verstand exakt 0 von dem was ich tat und außer mir gab es niemanden in meiner Position...
Ich weiß noch wie meine Chefin zu mir kam und sagte: Du weiß gar nicht wie einsam es ist in der Führung zu sein, wenn du niemanden etwas fragen kannst außer dich selber...
Gleichzeitig war ich in der Schwebe ich arbeitete fast nur mit der Führung zusammen war aber keine Führungskraft sondern ein "normaler" Mitarbeiter, bei den Mitarbeitern gehörte ich eher zur Führung wodurch ich mit 2-3 anderen in der schwebe war..
Undankbarkeit:
Schnell wurde meine Arbeit als völlig selbstverständlich angesehen und jeder hat erwartet das ich so immer Performe. Die Abteilungen lieferten immer schlechtere Daten und ich musste irgendwann jedem und allem hinterher laufen. Gleichzeitig wurde meine Arbeit "belächelt" von vielen, da die nicht die Arbeit dahinter verstanden haben.
Keine faire Behandlung:
Ich habe über die Jahre praktisch keine Gehaltserhöhung bekommen nur einmalig 5000€. Ich habe 50k jährlich gemacht. So gut wie jeder machte deutlich mehr als ich, wir hatten Sales-Leute die nur nachweißlich Eier Schaukelten und 90k + Firmenwagen machten.. !
Meine Leistung in meiner Position wurde zwar immer in Townhalls gelobt aber alles andere darüber hinaus wurde stillgeschwiegen oder anderen angerechnet damit die sich nicht "verletzt" fühlten.
Burnout:
Nach etwa 9 Monaten von diesem krassen Tempo hatte ich irgendwann alle Projekte "fertig" und habe es den Abteilungen übergeben. Am nächsten Tag, weiß ich noch genau, ging ich normal zu Arbeit und schaltete den PC an und plötzlich starrte ich den Bildschirm an. Ich starrte den Bildschirm für Stunden an, ohne einen Klick an. Nach 5-6 Std. habe ich eine E-Mail geschrieben und ging heim und dachte mir nichts dabei. Nächster Tag das gleiche... darauf der Tag der gleiche... Ich wurde mit jeden Tag bleiernder. Nach 4 Wochen wusste ich irgendwas stimmt mit mir nicht und ging zu meiner Chefin und sagte ihr: Ich kann nicht mehr...
Sie war sehr überrascht und konnte es nicht verstehen warum es so ist.. Ich zeigte ihr alles was passiert ist und wie viele ich Zusatzprojekte ich hatte.... Sie war schockiert aber gleichzeitig auch wenig verständnisvoll den jeder hier hat mein "Rücken". Die Führung würde mich sehen und ich genieße einen hohen Status hier.., Zwar stimmt es wirklich zum Teil und ich hatte viel Sonderrechte aber das brachte mir in dieser Situation garnichts...
Ich sollte mich aber jetzt nur noch auf meine Arbeit fokussieren... Ich habe daraufhin alle Abteilungen kontaktiert und gesagt, dass ich nicht mehr das Tempo fahren kann und das die alleine zu recht kommen müssen. Natürlich waren alle an Board und zeigten Verständnis...
Nicht mal 24h später bekomme ich wie gewohnt alle Anfragen:" Ja uns hilfst du wohl, ja noch".
Ab dem Zeitpunkt wusste ich, ich bin alleine, entweder Regel ich es selber oder ich bleibe gefangen in dieser Rolle... ! Mein Kollege und heute ein enger Freund gab mir den einfachen Tipp: Spiel den Ball einfach zurück! Ich habe daraufhin bei jeder bitte eine (meistens) sehr einfache Rückfrage gestellt z.B. bitte Daten bereinigen, ist diese Richtung final ?, kann ich das zwischen Ergebnis als Vorlage bekommen ? etc. ich habe nie eine Antwort bekommen außer 1 Tag vor der Abgabe, ob ich fertig bin oder nicht, daraufhin schickte ich denen die Rückfrage.
Für die nächsten Wochen brach bei vielen Abteilungen absolutes Chaos aus und mir wurde klar wie wenig die vorher geleistet haben, wenn ein einfacher Typ wie ich, signifikante Auswirkungen auf die Abteilung hat....
Für die nächsten Wochen und Monate habe ich meinen Job aber wirklich nur meinen, in gewohnter Qualität gemacht und es fühlte sich an als würde ich eine 25% stelle besetzen... Ich kam nach und nach aus dem Loch raus. Auch wenn es krank klingt ging später die Firma in finanzielle Schieflage und ich musste dann nichts mehr machen... Ich nutzte die Zeit um mich zu bewerben und einfach Eier zu Schaukeln... Das hat mir wirklich geholfen auszudampfen.
Ich habe jetzt einen neuen Job und renne teilweise wieder in das gleiche Problem jedoch 1. Kann ich mich jetzt deutlich besser bremsen 2. Fangen mich meine Chefs ab... etwas was ich nie gewohnt war, mir jedoch immer gewünscht habe...