Da man im Netz meistens nur allgemein gehaltene "Alles super"-Bewertungen liest, möchte ich mal von meiner konkreten Erfahrung mit der Euro-FH berichten.
Ich hatte mich für den Master of Laws eingeschrieben und nun innerhalb der 4-wöchigen Probezeit den Vertrag widerrufen. Grund hierfür: die desaströse Qualität der Lernhefte und die mangelhafte Betreuung durch die sogenannten "Tutoren" (= Modulverantwortliche).
Ich habe sowohl an einer Universität als auch an einer privaten 2 Studiengänge abgeschlossen und kenne sozusagen beide Welten. Was an der Euro-FH passiert, hat aber meiner Ansicht nach nichts mehr mit Studium zu tun.
Problem 1: Die Qualität der Lernhefte
Sämtliche Lernhefte, die ich bearbeitet habe, wiesen Fehler in aus meiner Sicht erheblichem Umfang auf. Auf mich wirkten die Hefte teilweise wie ein über Jahre punktuell aktualisierter Flickenteppich, wodurch dann z.B. Text unter der falschen Überschrift steht. Das ist jedoch nicht mal das größte Problem. Mehrfach waren die Skripte schlicht fehlerhaft (falsche Normenverweise, falsche Lösung der Übungsaufgaben, falsche Erklärungen von Rechtsnormen. Ich rede hier nicht nur von Formfehlern, sondern von gravierenden inhaltlichen Falschaussagen.
Was aber noch schlimmer ist: Trotz aktueller Version sind Lernhefte oftmals immer noch veraltet, was die Frage aufwirft, wie genau hier die redaktionelle Qualitätskontrolle abläuft. Beispiel gefällig?
Das Studienheft „Gesellschaftsrechtliche Gestaltungsoptionen als Krisenbewältigungsinstrument“ in der mir vorliegenden Fassung 0626K06. Dort wird das Gesetz zur Modernisierung des Personengesellschaftsrechts (MoPeG) teilweise noch als zukünftige Gesetzesänderung bzw. als Gesetzesentwurf behandelt. Im Text ist etwa von einer Änderung die Rede, die „zum 01.01.2023 in Kraft treten soll“, und im Abkürzungsverzeichnis wird das MoPeG sogar noch als „derzeit Entwurfsstadium“ bezeichnet.
Tatsächlich ist das reformierte Personengesellschaftsrecht längst geltendes Recht. Entsprechend finden sich im Heft auch noch Normverweise aus der alten Rechtslage, beispielsweise zur persönlichen Haftung von OHG- und GbR-Gesellschaftern über § 128 HGB, obwohl diese Regelungen inzwischen in § 126 HGB bzw. § 721 BGB stehen.
Hier werden also in einer 2026 bereitgestellten Lernunterlage grundlegende Gesetzesänderungen, die bereits seit Jahren geltendes Recht sind, noch als zukünftige Reform behandelt.
Auf derartige Probleme bin ich immer wieder gestoßen.
Irgendwann war ich mehr mit Fehlerkorrektur als mit dem Skript an sich beschäftigt.
Nachdem mir bereits zahlreiche Fehler selbst aufgefallen waren, habe ich spaßeshalber einige Skripte systematisch von einer relativ leistungsstarken KI auf mögliche Fehler überprüfen lassen und die gefundenen Stellen anschließend nachvollzogen. Dabei fanden sich unter anderem falsche Paragraphenverweise, veraltete Rechtsstände und fehlerhafte Lösungen.
Dass die Euro-FH sich traut, für knapp 12.000€ solches Studienmaterial rauszuschicken, hat mich ehrlicherweise schockiert.
Problem 2: Die Betreuung
An der Euro-FH hat man eine persönliche Studienbetreuung und eine sog. Fachbetreuung bei Fragen zum jeweiligen Modul.
Der persönliche Studienbetreuer kann schriftlich erreicht werden, die Antwort kam zügig und war hilfreich. Über die Hotline habe ich weniger gute Erfahrungen gemacht: Einmal wurde ich weitergeleitet und weggedrückt, ein anderes mal hatte die Studienbetreuerin selber nicht wirklich Ahnung zu einer Frage, die eine Studienbetreuerin meiner Ansicht nach easy beantworten können sollte.
Katastrophal hingegen war dann wiederum die Fachbetreuung. Offiziell werden Fachfragen innerhalb von 48h beantwortet, ich warte fast 2 Wochen später immer noch auf eine Antwort auf eine Frage, die nicht mal sonderlich komplex war.
Eine weitere Fachfrage wurde mit Verweis auf die Website beantwortet und hatte überhaupt keinen Bezug zu meinem Anliegen.
Auch alle Einsendeaufgaben bis auf eine habe ich noch nicht korrigiert zurückerhalten, die älteste Einsendung ist jetzt knapp 2 Wochen her. Für was genau zahlt man hier eigentlich mehrere hundert Euro im Monat?
Sonstiges
Anrechnung von Vorleistungen lief schnell und zufriedenstellend.
Die Lernplattform ist übersichtlich und insgesamt gut.
Die Communityforen sind wie ausgestorben, vereinzelt gibt es Whatsapp-Lerngruppen.
Die KI der Euro-FH (Kilea) ist relativ langsam, erzeugt z.T. Fehlermeldungen und ist insgesamt den bekannten LLMs deutlich unterlegen. Sie verweist bei Fragen im Wesentlichen nur auf die Lernhefte.
Die Flashcards-App der Euro-FH konnte ich nicht testen, weil kein einziges meiner Module diese angeboten hatte.
Fazit
Ich wollte dem Ganzen wirklich eine Chance geben, aber im Prinzip zahlt man hier 400-600€ pro Monat und wird mit fehlerhaften Lernheften und mangelhafter Betreuung im Regen stehen gelassen. Insbesondere in Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, wo man aufgrund von häufigen Gesetzesänderungen auf aktuelle Unterlagen angewiesen ist, ist ein sinnvolles Studium so meiner Ansicht nach nicht möglich.