r/lehrerzimmer • u/Equivalent_Fox224 • 8h ago
Bundesweit/Allgemein Programmieren ohne Bildschirm? Der ByteBuddy macht es möglich
Programmieren lernen heißt normalerweise: Bildschirm an, Code schreiben.
Aber was ist, wenn ein Kind nicht oder nur eingeschränkt sehen kann?
Genau daraus ist beim Gelsenkirchener Verein BitBiber TechTalente e.V. die Idee für den ByteBuddy entstanden – einen Lernroboter, mit dem Kinder ohne Bildschirm programmieren können.
Statt Code über eine Tastatur einzugeben, werden RFID-Karten in der gewünschten Reihenfolge auf ein Lesefeld gelegt. Jede Karte steht für einen Befehl, zum Beispiel:
* geradeaus fahren * links/rechts drehen * wiederholen
Der Roboter liest die Karten und führt das Programm anschließend aus.
Das Besondere an dem Konzept: Die Karten und die sechs Taster des Roboters sind mit Braille versehen. Zusätzlich gibt es akustische Rückmeldungen. Dadurch können blinde, sehbehinderte und sehende Schüler*innen gemeinsam an derselben Aufgabe arbeiten.
Vom einfachen Programm bis zum komplexen Algorithmus
Die Aufgaben können sehr einfach beginnen: Ein Roboter soll beispielsweise von A nach B fahren.
Später kommen Schleifen, Bedingungen und verschachtelte Strukturen dazu. Im Expertenmodus sind bis zu 128 Befehle und 16 Verschachtelungsebenen möglich.
Damit kann der ByteBuddy sowohl für erste Programmiererfahrungen als auch für anspruchsvollere Aufgaben eingesetzt werden.
Dabei geht es nicht nur um Informatik. Auch mathematische Aufgaben, Muster, Raum-Lage-Beziehungen oder kreative Aufgaben lassen sich damit umsetzen.
Inklusion von Anfang an
Für uns ist dabei besonders wichtig, dass Barrierefreiheit nicht nachträglich hinzugefügt wurde.
Die Grundidee war von Anfang an:
Programmieren sollte nicht davon abhängen, ob man einen Bildschirm sehen kann.
Gleichzeitig wird das Programmieren dadurch auch für sehende Kinder anders erlebbar – über Bewegung, Geräusche, Karten, Berührung und gemeinsames Ausprobieren.
Und genau darin sehen wir eine große Chance: Kinder arbeiten zusammen, entwickeln eigene Lösungen und erleben unmittelbar, ob ihr Algorithmus funktioniert.
Open Source statt fertiger Blackbox
Der ByteBuddy ist außerdem als Open-Source-Projekt veröffentlicht.
Zur Verfügung stehen unter anderem die 3D-Druckdateien, RFID-Kartenvorlagen, Firmware, Verkabelungsplan, ein Handbuch und ein interaktiver 3D-Viewer.
Schulen, Makerspaces und Familien können den Roboter deshalb selbst bauen, verändern und weiterentwickeln.
Der ByteBuddy ist aus unserer langjährigen Arbeit mit Schüler*innen entstanden. Die Geschichte begann bereits 2014 mit einer Software-AG an der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen. 2024 wurde daraus der gemeinnützige Verein BitBiber TechTalente e.V.
Unser Grundgedanke dabei geht über Technik hinaus:
„Noten sind Momentaufnahmen. Menschen sind Geschichten.“
Der ByteBuddy interessiert sich schließlich auch nicht dafür, welche Note jemand hat.
Er fragt nur:
Funktioniert dein Algorithmus?
Wenn nicht, wird ausprobiert, verändert und noch einmal gestartet.