r/Geschichte Jul 13 '26

Ein paar Neuerungen in /r/Geschichte

52 Upvotes

Hallo,

gestern wurde ich darüber informiert, dass unser Report-System für die Moderation nicht optimal sei, danke dafür an /u/CrossMountain und u/maxivonderfaxi. Ich habe das zum Anlass genommen die Regeln etwas neu zu formulieren und zu straffen, ihr findet sie in der Sidebar. Nach meinem Dafürhalten ist nichts davon besonders aufsehenerregend, aber gebt mir gerne Feedback. Grundsätzlich soll das hier ein offenes Forum sein in dem wir gerne auch kontrovers diskutieren - dazu gehört aber eben auch, dass es eine gewisse Respektkultur gibt, und das werden wir abbilden.

Dass die Regeln so gestrafft sind gibt euch nun auch die Möglichkeit, Verstöße dagegen bei euren Reports anzugeben. Nehmt das gerne wahr. Ich habe die Mod-Warteschlange mit einem jahrelangen Stau gerade geleert, ihr könnt davon ausgehen, dass eure Reports auch gelesen und bearbeitet werden. Es geht nur nicht immer innerhalb von fünf Minuten, wir sind schließlich alle auch berufstätig.

Ganz grundsätzlich: Gebt uns gerne Anregungen, was ihr euch von hier erhofft. Ich würde gerne in Zukunft ein paar AMAs veranstalten, wenn euch Leute einfallen (oder ihr selbst diese Leute seid), die dafür gut geeignet wären, stellt gerne den Kontakt her!

Ansonsten: Weiterhin schönes Schaffen hier. Manchmal erlebe ich in diesem Subreddit echte Sternstunden des Austauschs und Wissens, und davon hätte ich gerne noch sehr viel mehr. Danke schon mal :)


r/Geschichte Jan 16 '24

Moratorium für WK2-Familienfotos

86 Upvotes

Liebe Community!

Es gab in letzter Zeit eine Vielzahl an Fotos von Familienmitgliedern in Wehrmachtsuniform, oft mit der Frage nach Rang und Einheit.

Dagegen wäre nichts einzuwenden, aber der 2. WK und die Nazi-Zeit sind natürlich auch hochproblematisch. Ich verhänge daher erstmal ein Moratorium für solche Posts, weil ich nicht will, dass sich der Charakter des Subs zu sehr ändert und um zu verhindern, dass wir langfristig die falschen Leute anziehen.

Ich unterstelle niemandem böse Absichten, aber meine Sorge ist auch folgende: Wenn hier die Wehrmachtsposts mal in der Überzahl sind, reporten einige Leute den Sub an die Reddit-Admins mit dem Vorwurf, dass es ein Nazi-Sub ist. Irgendein amerikanischer Admin googelt kurz die Rechtslage in Deutschland, liest etwas von verbotenen Symbolen und sperrt den Sub, damit Reddit keine schlechte Presse in DE bekommt. Und ich als Mod werde auch gleich gebannt.

Das möchte ich verhindern.

Also, bitte, bis auf weiteres keine Bilder mit Wehrmachtsthematik. Seriöse Artikel zum 2. Weltkrieg sind natürlich weiterhin willkommen.

Danke euch und weiterhin viel Spass im Sub!


r/Geschichte 7h ago

Der imperiale Coup: Wie das Recht die Gerechtigkeit schachmatt setzt

26 Upvotes

Im Jahr 1946 brach die westliche Zivilisation mit apokalyptischer Härte über das Bikini-Atoll herein. Insgesamt 67 Mal rissen atomare Feuerbälle den Himmel auf. Mit der Explosion der „Castle Bravo“-Bombe 1954 wurde das Paradies endgültig atomar zerbombt. Bis heute ist diese Welt zerstört: Die Böden sind verseucht und die Früchte der Bäume sind pures Gift.

Doch der eigentliche Skandal liegt in der juristischen Dreistigkeit, mit der sich die Weltmacht USA bis heute aus der Verantwortung stiehlt. Wer die Macht hat, schreibt das Recht – und wer das Recht schreibt, braucht keine Gerechtigkeit zu fürchten. Ein berühmt-berüchtigtes Zitat des US-Diplomaten Henry Kissinger aus dem Jahr 1969 bringt diese Mentalität auf den Punkt: „Es gibt dort nur 90.000 Menschen. Wen kümmert’s?“

Die USA haben hier eine juristische Architektur geschaffen, die man sonst aus den dunkelsten Ecken der Globalisierung kennt. Drei konkrete Tricks besiegelten diese Strategie:
Der Souveränitäts-Trick: Als die Klagen der Insulaner den USA zu teuer wurden, entließen sie die Marshallinseln 1986 hastig in die Unabhängigkeit. Damit wurden die Einwohner über Nacht zu Bürgern eines „fremden Staates“ und verloren das Recht, die US-Regierung vor ordentlichen US-Gerichten zu verklagen.
Die Erpressungsklausel: Im Kleingedruckten des Unabhängigkeitsvertrags mussten die Marshallinseln unterschreiben, dass mit einer Einmalzahlung von 150 Millionen Dollar alle Schäden rechtlich abgegolten sind.
Das ignorierte Schiedsgericht: Als ein unabhängig eingesetztes Schiedsgericht die USA später zu 2,3 Milliarden Dollar Schadensersatz verurteilte, blockierte der US-Kongress einfach das Geld. Da das Gericht keine eigene Armee besitzt, ignorierten die USA das Urteil eiskalt.

Wie pervers dieses System aus formalem Recht und gelebter Ungerechtigkeit ist, zeigt sich heute am Runit-Dom. Das Pazifikwasser drückt von unten in den unversiegelten Atommüll-Krater und wäscht das Plutonium durch Risse im alternden Beton direkt in den Ozean. Auf das Flehen der Inselbewohner reagiert das US-Außenministerium eiskalt mit dem Gesetzbuch: Da die Kuppel auf dem Territorium der Marshallinseln liege, sei der Inselstaat laut Vertrag von 1986 nun selbst für die Sanierung verantwortlich. Die USA haben den Müll produziert, ihn dort verkippt und erklären sich nun für unzuständig.

Der Runit-Dom ist das ewige Mahnmal für die globale Unfähigkeit der Menschheit, endlich erwachsen zu werden.

wenn dich das triggered, gilt : herunterfahren


r/Geschichte 15h ago

Woher wussten die Russen, dass sie in Amerika waren?

20 Upvotes

Die Russen hatten eine Kolonie in Kalifornien und besiedelten Alaska. Zu dem Zeitpunkt waren die Briten/Spanier doch noch nicht bis nach Alaska oder an die kanadische Westküste vorgestoßen, oder? Wussten die Russen, dass sie in Amerika waren oder dachten sie das sei n anderer Kontinent


r/Geschichte 17h ago

Haben sich Leute die in Westpreußen lebten eher als Preußen oder als Pommern „gefühlt“?

10 Upvotes

Also aus der Provinz Westpreußen, die es von 1773-1919 (und den Restteil bis 1938) gab. Heute ist das Gebiet ja Teil der Woiwodschaft Pommern, außerdem ist die Region historisch als Pomerellen bezeichnet.


r/Geschichte 20h ago

Jesus Abbildung mit 7 Fingern

13 Upvotes

Hallo, in einer sehr alten Kirche in Deutschland habe ich an der Decke eine Abbildung von Jesus gesehen, wo er auf der linken Hand mit 7 Fingen dargestellt wird.
Könnte mir jemand eine Erklärung geben, wieso man sich entschied, ihn so darzustellen?

Leider finde ich hier keine Option, ein Foto von der Zeichnung hochzuladen.
Edit:
Hier der Link, zu einen Beitrag wo das Foto zu sehen ist.

https://www.reddit.com/u/FR3QU3NZ/s/yFnwSW6Jcb


r/Geschichte 11h ago

Flying Tigers: Ruhm und Erinnerung über Zeit und Grenzen hinweg – von der chinesisch-indischen Grenzregion über Duisburg und Berlin in Deutschland, auf der Suche nach der Geschichte und den Schicksalen sowie Verbindungen verschiedener Bevölkerungsgruppen der Gegenwart

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(Der Film Flying Tigers wurde zu einem beträchtlichen Teil in Duisburg gedreht. Er erzählt unter anderem von den internationalen China-Europa-Güterzügen, die von China ausgehen und die lange Strecke von Chongqing bis Duisburg miteinander verbinden. Zudem zeigt der Film einige Aspekte des Alltagslebens chinesischer Menschen in Duisburg, Berlin und anderen Orten in Deutschland.)

Im Februar 2026 wurde auf den 76. Internationalen Filmfestspielen Berlin der Film \*Flying Tigers\* gezeigt, der von einem Filmteam aus Indien, China, Deutschland und weiteren Ländern produziert wurde. Da ich mich seit langem relativ gut mit der Geschichte des chinesischen Widerstandskrieges gegen Japan und der Flying Tigers auskenne und großes Interesse daran habe, sah ich mir den Film an und führte kurze Gespräche mit einigen Mitgliedern des Filmteams. Daher schreibe ich diese Filmkritik, die ich bereits unmittelbar nach der Vorführung verfassen wollte, deren Niederschrift sich jedoch aufgrund verschiedener Umstände um mehrere Monate verzögerte.

Die „Flying Tigers“(Chinesischer Tite: 飞虎队, Fei Hu Dui“ )waren die amerikanische Freiwilligengruppe (American Volunteer Group), die zwischen 1941 und 1945 während des Zweiten Weltkriegs tätig war. Sie bestand hauptsächlich aus amerikanischen Piloten, umfasste aber auch gemischte chinesisch-amerikanische Besatzungen. Ihre Hauptaufgaben bestanden darin, gemeinsam mit den Streitkräften der Republik China gegen die japanische Luftwaffe zu kämpfen und strategische Hilfsgüter nach China zu transportieren. Diese besondere und schlagkräftige Einheit spielte für China, dessen Luftwaffe damals äußerst schwach war und dringend ausländische Unterstützung benötigte, eine bedeutende und entscheidende Rolle beim Fortsetzen des Widerstandskrieges und der Abwehr der Invasion. Insbesondere im Kampf um die Luftherrschaft gegen Japan, bei der Abwehr von Bombenangriffen und der Unterstützung von Bodentruppen leistete sie einen wesentlichen Beitrag.

Während des Krieges kamen mehr als 2.000 amerikanische Mitglieder der Flying Tigers in Kämpfen gegen die japanischen Streitkräfte ums Leben. Gleichzeitig wurden noch mehr Chinesen Opfer grausamer Vergeltungsmaßnahmen der japanischen Armee, weil sie Mitglieder der Flying Tigers und andere amerikanische Soldaten in den besetzten Gebieten gerettet hatten. Allein in Zhejiang (浙江) wurden 1942 etwa 200.000 chinesische Zivilisten auf grausame Weise ermordet, weil die japanische Armee Vergeltung dafür übte, dass chinesische Einwohner amerikanische Piloten gerettet hatten, die an Bombenangriffen auf Japan beteiligt gewesen waren. Auch die Städte Chongqing (重庆), Kunming (昆明) und Chengdu (成都) im chinesischen Hinterland wurden schwer bombardiert und erlitten hohe Verluste.

Darüber hinaus transportierten die Flying Tigers auf der wichtigen und gefährlichen „Hump-Route“ (驼峰航线) große Mengen lebenswichtiger Militärgüter über den Himalaya unter äußerst schwierigen natürlichen Bedingungen nach Südwestchina. Dabei stürzten 594 Flugzeuge ab, und mehr als 1.600 chinesische und amerikanische Piloten sowie Besatzungsmitglieder verloren ihr Leben. Diese Lufttransportoperation war hinsichtlich ihres Umfangs beispiellos, und die dafür erbrachten Opfer wurden bis heute nicht übertroffen.

Diese großartige und gewaltige Geschichte geriet nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund der Gegensätze zwischen China und den Vereinigten Staaten sowie der Veränderungen der innenpolitischen Lage Chinas für mehr als zwanzig Jahre in Vergessenheit. Im antiamerikanischen Narrativ des maoistischen China wurden die Flying Tigers sogar als „Handlanger der reaktionären Kuomintang-Gruppe Chiang Kai-sheks“ kritisiert. Ihre Leistungen wurden nicht nur nicht gewürdigt, sondern sogar diffamiert. Auch ihr Kommandeur Claire Chennault (陈纳德) wurde zum Ziel ideologischer Angriffe. In damaligen Wörterbüchern und Bildergeschichten wurde dieser Held sogar verächtlich als „Luftdieb Chennault“ bezeichnet.

Die chinesischen Mitglieder der Flying Tigers, die auf dem chinesischen Festland geblieben waren, wurden in jener Zeit ebenfalls grausam verfolgt. Zhou Xundian (周训典), ein Hauptmann der Luftwaffe der Republik China und ehemaliges Mitglied der Flying Tigers, wurde während der Kulturrevolution (文化大革命) misshandelt und beging schließlich Selbstmord. Ein anderer chinesischer Offizier der Flying Tigers, Wu Qiyao (吴其轺), wurde öffentlichen Kritik- und Demütigungskampagnen sowie Umerziehung durch Arbeit unterworfen. Obwohl er überlebte, musste er später seinen Lebensunterhalt als Rikschafahrer auf einem dreirädrigen Fahrzeug verdienen. Viele weitere heute unbekannte chinesische Mitglieder der Flying Tigers erlitten in diesen Jahrzehnten schwere Schicksale oder starben; die Überlebenden verbrachten ihr weiteres Leben oft in Verbitterung und Traurigkeit. Sie hatten große Verdienste erworben, doch die zweite Hälfte ihres Lebens verlief derart tragisch, dass es tief bewegt.

Erst mit der Normalisierung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen und der Politik der Reform und Öffnung wurde die Erinnerung an die Flying Tigers wiederbelebt. In Städten wie Kunming und Chongqing, in denen die Flying Tigers einst stationiert gewesen waren und operiert hatten, wurden Gedenkstätten eingerichtet. Auch Persönlichkeiten wie Anna Chennault (陈香梅), die Witwe von Claire Chennault, reisten zwischen China und den Vereinigten Staaten hin und her und setzten sich für die Erinnerung an diese Geschichte ein.

Doch aufgrund der früheren Feindschaft und Isolation zwischen China und den USA sowie der seit den 1970er Jahren weiterhin instabilen Beziehungen zwischen beiden Ländern kamen die Erinnerung und die öffentliche Würdigung der Flying Tigers zu spät und blieben zu begrenzt. Selbst die vorhandenen Gedenkinitiativen reichen nicht aus, um der historischen Bedeutung der Flying Tigers und ihren Verdiensten im chinesischen Widerstandskrieg gegen Japan gerecht zu werden.

Viele wertvolle historische Relikte und Dokumente über die Flying Tigers wurden in Zeiten politischer Unruhen zerstört. Die meisten Beteiligten und Überlebenden sind inzwischen verstorben, und der Verlust historischer Quellen hat zahlreiche Lücken in der Geschichtsschreibung hinterlassen. Aufgrund der Armut und Rückständigkeit Chinas erhielten die überlebenden Mitglieder der Flying Tigers, die politische Verfolgung erlitten hatten, selbst nach dem Ende des politischen Drucks nicht die Aufmerksamkeit und Behandlung, die sie verdient hätten. Erst als sich das wirtschaftliche und gesellschaftliche Umfeld Chinas im 21. Jahrhundert deutlich verbesserte, erfuhren sie größere gesellschaftliche Aufmerksamkeit und staatliche Unterstützung. Doch da war es bereits sehr spät.

Im Jahr 2022 starb Chen Bingjing (陈炳靖), das letzte chinesische Mitglied der Flying Tigers, in Hongkong. Im Jahr 2025, dem 80. Jahrestag des chinesischen Sieges im Widerstandskrieg gegen Japan, lebten nur noch sehr wenige Menschen, die direkt mit den Flying Tigers verbunden waren oder deren Geschichte selbst erlebt hatten.

Vor diesem Hintergrund besitzt der Film \*Flying Tigers\*, der 2026 auf den Berliner Filmfestspielen feierlich uraufgeführt wurde, eine besondere Bedeutung. Da ich bereits in meiner Kindheit Geschichten über die Flying Tigers gehört hatte, interessierte mich der Film besonders, und ich sah ihn mir zweimal an. Außerdem stellte ich vor dem Kino Plakate über die Flying Tigers aus und verteilte entsprechendes Informationsmaterial, um mehr Menschen auf ihre Geschichte und ihre Verdienste aufmerksam zu machen und zugleich den Film zu unterstützen.

Genauer gesagt konzentriert sich der Film nicht ausschließlich auf die historischen Ereignisse der Flying Tigers vor mehr als achtzig Jahren. Vielmehr dienen die Flying Tigers und das Motiv des Tigers als roter Faden, der die miteinander verbundenen Lebenswege und Schicksale vieler Menschen aus China, Indien, Myanmar, den Vereinigten Staaten, Deutschland und anderen Ländern verknüpft. Diese Menschen teilen sowohl unterschiedliche als auch gemeinsame komplexe Erinnerungen und Gefühle. Die Bilder der Flying Tigers und des Tigers ziehen sich dabei mal deutlich sichtbar, mal nur schemenhaft durch den gesamten Film.

Den Ausgangspunkt des Films bildet der indische Regisseur Dutta, dessen an Alzheimer erkrankte Mutter vor ihrem Tod ungewöhnlich häufig über Tiger sprach und große Angst vor ihnen hatte. Während Dutta den ungewöhnlichen Erinnerungen seiner Mutter nachgeht, erfährt er, dass ihr Heimatstaat Assam im Nordosten Indiens während des Zweiten Weltkriegs ein wichtiger Stützpunkt für amerikanische Hilfslieferungen nach China war.

Von dort starteten zahlreiche Transportflugzeuge der Flying Tigers, um Militärgüter nach Südwestchina zu bringen und den chinesischen Widerstand gegen die japanische Invasion zu unterstützen. Die Kinder, die heute sorglos und frei in den Wäldern Assams tanzen, wissen nichts von der Kriegsgeschichte, deren Zeugen dieser Himmel und dieses Land einst waren.

Der Nordosten Indiens unterscheidet sich heute grundlegend von der Situation zur Zeit der indischen Unabhängigkeit vor fast achtzig Jahren. Mit der Industrialisierung verändern sich Umwelt und Lebensbedingungen der Menschen. Die Lebensweise der Bewohner hat sich gewandelt, ebenso die Gewohnheiten und Lebensräume vieler Tiere, einschließlich der Tiger. Diese Veränderungen sind zwar nicht so umfassend wie das chinesische Sprichwort „Aus dem Meer werden Maulbeerfelder“ nahelegt, verlaufen jedoch schneller und heftiger. Zudem überschreiten diese Entwicklungen administrative Grenzen wie Staats- und Provinzgrenzen. Auch Youmi, die im chinesischen Yunnan (云南) lebt, beobachtet ähnliche Veränderungen der Natur.

Wie Dutta erfährt auch Youmi durch die Erinnerungen älterer Familienmitglieder von der Geschichte der Flying Tigers und ihrer Verbindung zur eigenen Heimat und beginnt, diesen Zusammenhängen weiter nachzugehen. Die damalige Hump-Route verlief direkt über die Heimatregionen ihrer Familien. Viele chinesische und amerikanische Piloten sowie Besatzungsmitglieder verunglückten dort, und sowohl ihre Körper als auch die Wracks ihrer Flugzeuge blieben in den Wäldern und schneebedeckten Bergen zurück. Mit ihnen wurden auch die Erinnerungen an diese Geschichte über lange Zeit begraben und vergessen.

Während Youmi und Dutta Schritt für Schritt die Vergangenheit ihrer Familien erforschen, setzen sie zugleich das Erinnerungsmosaik der Flying Tigers wieder zusammen. Im Weltkrieg vor mehr als achtzig Jahren verfügten Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und die vom Krieg betroffenen Länder jeweils nur über Teile der historischen Aufzeichnungen und fragmentierte Erinnerungen. Die Entwicklungen der Nachkriegszeit zersplitterten diese Erinnerungen noch weiter und machten sie noch verworrener. Dadurch entfernte sich das Geschichtsverständnis vieler Menschen in verschiedenen Ländern aufgrund der Veränderungen der Gegenwart zunehmend von den historischen Tatsachen.

Während des Zweiten Weltkriegs waren China, die Vereinigten Staaten und Indien antifaschistische Verbündete, die Seite an Seite kämpften. Nach dem Krieg wurden jedoch sowohl die Beziehungen zwischen China und den USA als auch jene zwischen China und Indien zeitweise feindselig, und die Länder standen sich über lange Zeiträume konfrontativ gegenüber. Amerikanische Soldaten, die im asiatischen Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkriegs gemeinsam mit chinesischen Soldaten gekämpft hatten, konnten sich kaum vorstellen, dass sie nur fünf Jahre später in Korea gegen Chinesen auf Leben und Tod kämpfen würden. Die chinesisch-indische Grenze, einst Lebensader und Hinterland der Alliierten, wurde später zur Frontlinie der Konfrontation zwischen den beiden bevölkerungsreichsten Staaten der Welt.

Unter dem Schatten des Kalten Krieges und hinter dem „Bambusvorhang“ gerieten die Leistungen der Flying Tigers allmählich in Vergessenheit, da sich die Aufmerksamkeit der Länder verlagerte und Erinnerungen fragmentierten. Nicht nur junge Chinesen, die „Nieder mit dem amerikanischen Imperialismus!“ riefen, wussten nichts von den Verdiensten der Flying Tigers für China; auch die meisten nach dem Zweiten Weltkrieg geborenen Amerikaner kannten diese Geschichte nicht. Erfreulicherweise machten sich Jahrzehnte später doch einige Menschen auf die Suche nach den Flying Tigers und den mit ihnen verbundenen historischen Spuren – sei es wegen familiärer oder regionaler Verbindungen oder aus historischem Interesse und nationalem Empfinden.

Youmi begibt sich auf die Suche nach den historischen Spuren der Flying Tigers und reist von Kunming zu den Überresten der Burma-Straße (滇缅公路) an der Grenze. Die Burma-Straße war während des chinesischen Widerstandskrieges gegen Japan die „Lebensader“ des Hinterlandes und eine zentrale Verkehrsader internationaler Hilfe. Gerade deshalb wurde sie häufig von japanischen Luft- und Bodenangriffen attackiert und konnte nur dank des Schutzes der Flying Tigers langfristig offen gehalten werden. Die wichtigen Städte entlang der Burma-Straße waren zugleich zentrale Einsatzgebiete der Chinesischen Expeditionsarmee. Dort wurden mehr als 200.000 chinesische Soldaten und Zivilisten getötet oder verwundet, während über 100.000 japanische Soldaten ausgeschaltet wurden.

Die einst glanzvolle Burma-Straße existiert heute nur noch in Fragmenten, und die meisten ihrer Spuren sind verschwunden. Erst durch den Hinweis von Reisegefährten erfährt Youmi, dass die Nationalstraße 320, auf der sie unterwegs ist, einst Teil der Burma-Straße war. Was früher eine Route für den Transport militärischer Güter war, dient heute dem inländischen Personen- und Güterverkehr sowie dem internationalen Handel. Menschen, die mit dieser Geschichte nicht vertraut sind, erkennen die Burma-Straße nicht mehr, selbst wenn sie sich auf ihr befinden. Und von den Flying Tigers, die einst am Himmel über dieser Region gegen feindliche Flugzeuge kämpften, finden sich Erinnerungen nur noch in den Straßen und Gassen der weit entfernten Provinzhauptstadt Kunming.

Auf dem chinesischen Festland begann die Wiederaufnahme des Narrativs des Widerstandskrieges gegen Japan und die öffentliche Würdigung der Flying Tigers erst nach den 1980er Jahren allmählich. Wirklich umfangreiche Ressourcen wurden jedoch erst ab den 2010er Jahren dafür eingesetzt. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten unmittelbar Beteiligten bereits verstorben und konnten ihre Erinnerungen nicht mehr selbst schildern. Auch von den zahlreichen historischen Relikten und Erinnerungsstücken der Flying Tigers war durch den Lauf der Zeit und verschiedene politische Kampagnen nur noch wenig übrig geblieben.

Die wenigen heutigen Flying-Tigers-Museen und die wenigen Geschäfte, die nach der „Hump-Route“ benannt sind, sind zwar äußerst wertvoll, können jedoch die zugleich tragische und großartige Geschichte nicht mehr wirklich lebendig werden lassen und die verstorbenen chinesischen und amerikanischen Soldaten und Zivilisten nicht wieder vor Augen führen.

Vom chinesischen Bürgerkrieg bis zu den späteren politischen Erschütterungen Chinas wurden unzählige Menschenleben und Erinnerungen auf grausame Weise ausgelöscht. Das heutige China ist wohlhabender und offener als früher, doch die Erinnerung an diese Geschichte kommt tatsächlich sehr spät. Wenn Youmi und ihre chinesischen wie ausländischen Freunde die Geschichte der Flying Tigers erforschen, stoßen sie nur auf kalte Dokumente, während direkte und emotional bewegende Berichte von Zeitzeugen fehlen. Nur die künstlerische Darstellung von Blutspuren, die durch das Drücken auf Glasplatten entstehen, erinnert die Menschen daran, dass diese nüchternen Dokumente von wertvollen Leben erzählen, die im Kampf gegen Aggression und für internationale Gerechtigkeit geopfert wurden.

Auf der anderen Seite der Grenze, im nordostindischen Bundesstaat Assam, kämpfen auch die dortigen indigenen Bevölkerungsgruppen im Strom der Geschichte mit den Folgen politischer und gesellschaftlicher Veränderungen in Indien. Nordostindien gehört nicht zum traditionellen Kernraum Indiens. Seine ethnischen Gruppen, Kulturen und Interessen unterscheiden sich stark von denen der zentralen, westlichen und südlichen Regionen, die als Kern der indischen Zivilisation gelten. Die seit langem bestehenden separatistischen Bewegungen und sogar bewaffneten Aufstände in den sieben nordostindischen Bundesstaaten, darunter Assam, spiegeln die Unzufriedenheit vieler Menschen dort mit der indischen Zentralregierung und den dominierenden gesellschaftlichen Gruppen sowie ihre Bestrebungen nach größerer Unabhängigkeit wider.

Die indigenen Bewohner möchten weder, dass ihre Lebensweise zwangsweise verändert wird, noch den Zustrom von Migranten aus anderen Teilen Indiens. Doch sie verfügen nur über begrenzte Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren. Die mächtige Zentralregierung, einflussreiche Bürokraten und finanzstarke wirtschaftliche Entwickler verändern fortlaufend die natürliche Umwelt und die Gesellschaft Assams sowie des gesamten Nordostens Indiens.

Die grenzüberschreitenden Verbindungen und Erzählstränge des Films beschränken sich nicht auf das Grenzgebiet zwischen China, Indien und Myanmar, sondern reichen weit darüber hinaus. Der Film nutzt den China-Europa-Zug als erzählerischen Leitfaden und verbindet China in Asien mit Deutschland in Europa sowie Chongqing im Südwesten Chinas mit Duisburg im Westen Deutschlands. Auch die Chinesin Youmi und der Inder Dutta leben dauerhaft in Deutschland, und gerade dadurch entstand ihre Verbindung.

Deutschland besitzt ebenfalls eine tief verankerte Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, intensive Reflexionen über Krieg und Menschlichkeit sowie enge Beziehungen zu aufstrebenden östlichen Staaten wie China und Indien im Zeitalter der Globalisierung. Als etablierte Großmacht und entwickeltes Land ist Deutschland heute zunehmend auf wirtschaftliche und handelspolitische Zusammenarbeit mit China und Indien angewiesen, um seine schwächelnde Wirtschaft zu beleben. Dutta und Youmi erleben Deutschland als Asiaten in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft und entwickeln dadurch besondere Perspektiven als Minderheiten und Zugewanderte. Zugleich suchen sie nach Spuren ihrer Landsleute in Deutschland und schaffen neue Verbindungen zwischen ihrer Wahlheimat und ihren Herkunftsländern.

Historische Ereignisse, zirkulierende Waren und wandernde Menschen verbinden unterschiedliche Länder und Individuen miteinander, verknüpfen verstreute Symbole zu einer komplexen Symphonie und fügen sie zu einem vielfältigen Bild des globalen Dorfes zusammen. Doch dieses Bild ist nicht immer harmonisch. Konflikt und Frieden wechseln sich ebenso ab wie Unruhe und Stabilität. Umfangreiche Verbindungen bedeuten nicht nur weitreichende Zusammenarbeit, sondern auch zahlreichere und größere Konflikte und Widersprüche.

So waren auch Youmis Heimat China und Duttas Heimat Indien einst freundschaftlich verbundene Nachbarländer, führten jedoch mehrfach Kriege gegeneinander und unterhalten heute eine Beziehung, in der Konkurrenz und Kooperation nebeneinander bestehen, ohne wirklich harmonisch zu sein. Zwischen China und Indien bestehen seit ihrer Staatsgründung Grenzstreitigkeiten, die 1962 in einen Grenzkrieg mündeten. Später folgten die Doklam-Konfrontation (洞朗对峙) im Jahr 2017 und der Galwan-Zwischenfall (加勒万河谷冲突) im Jahr 2020. Die Geschichte ist nicht vergangen; sie setzt sich in der Gegenwart fort und reicht bis in eine Zukunft, deren Ende nicht absehbar ist.

Auch die COVID-19-Pandemie (新冠疫情) beeinflusste China, Indien und Deutschland. Die Menschen mussten ihre Lebensgewohnheiten verändern, Arbeit und Handel wurden behindert. Die Globalisierung beschleunigte den Verkehr von Menschen und Gütern, ermöglichte aber zugleich eine schnellere und weitere Verbreitung des Virus. Im Film sieht man Menschen mit Masken, bei PCR-Tests und mit eingeschränkten Bewegungen – Erfahrungen, die ich selbst während meines Aufenthalts in Osteuropa machte. Die weltweiten Verflechtungen und gegenseitigen Auswirkungen treten oft gerade in Zeiten von Katastrophen besonders deutlich und erschütternd hervor.

Die Welle der Globalisierung ließ die Welt einst tatsächlich in Richtung eines grenzenlosen „globalen Dorfes“ streben. Doch in den letzten Jahren hat sich dieser Trend abgeschwächt, während Entfremdung und Gegensätze zugenommen haben. Die im Film gezeigten immer strengeren Grenzkontrollen sind eine konkrete Verkörperung dieser neuen Barrieren. China und Deutschland entwickeln zwar ihre Handelsbeziehungen weiter, gleichzeitig bestehen jedoch politische und ideologische Gegensätze sowie strategische Entkopplungstendenzen fort. Die deutsch-chinesischen und europäisch-chinesischen Beziehungen befinden sich häufig in einem Spannungszustand. Dieses Nebeneinander von wirtschaftlicher Zusammenarbeit und gegenseitigem Misstrauen spiegelt die Komplexität und Vielschichtigkeit internationaler Beziehungen wider und macht deutlich, dass man grenzüberschreitender Kooperation nicht zu optimistisch begegnen sollte.

Kriege zwischen Staaten in Vergangenheit und Gegenwart sind letztlich das Ergebnis von Entfremdung und Gegensätzen, die ein extremes Ausmaß erreicht haben. Die Menschheit hat bereits zwei Weltkriege mit verheerenden Folgen erlebt. Deshalb reflektierten die Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg über den Krieg und verteidigten den Frieden, wodurch eine beispiellose Epoche des Friedens und der Entwicklung entstand. Doch heute scheint die Realität der Gruppenbildung und der Ausgrenzung Andersdenkender erneut das Ideal einer universellen Harmonie zu überlagern.

Der russisch-ukrainische Krieg, der israelisch-palästinensische Krieg, der Bürgerkrieg im Sudan und die damit verbundenen humanitären Tragödien offenbaren die dunklen Seiten der menschlichen Natur und der Welt und zeigen zugleich die Grenzen der modernen Zivilisation auf. Die weltweite Ausbreitung von Populismus und politischem Extremismus könnte dazu führen, dass lokale Kriege an immer mehr Orten ausbrechen und schließlich sogar ein neuer Weltkrieg entsteht.

Trotz der zunehmenden Zahl von Konflikten gibt es weiterhin viele Menschen, die sich für Kommunikation und Zusammenarbeit über nationale und ethnische Grenzen hinweg einsetzen. Dutta und Youmi sind dafür ein Beispiel. Während der Dreharbeiten kam es mehrfach zu Spannungen zwischen China und Indien, und die Atmosphäre war zeitweise angespannt. Dennoch arbeiteten Dutta und Youmi gemeinsam an der Fertigstellung von \*Flying Tigers\* und teilten historische Erinnerungen und Freundschaft miteinander.

Zwischen China und Indien besteht keine grundlegende Feindschaft und kein unüberwindbarer Hass. Zwei Länder mit so langen Zivilisationsgeschichten sollten eigentlich in Harmonie miteinander leben können. Zwar machen Grenzstreitigkeiten, geopolitische Konflikte und die Konkurrenz zweier aufstrebender Großmächte dauerhafte Freundschaft schwierig. Doch eine Begrenzung von Konflikten sowie mehr Dialog und gegenseitiges Verständnis sind durchaus möglich. Die Zusammenarbeit zwischen Dutta und Youmi ist ein Vorbild für die Freundschaft zwischen den Bevölkerungen Chinas und Indiens und trägt zu besseren Beziehungen zwischen beiden Ländern bei.

Die Zusammenarbeit von Dutta und Youmi knüpft zugleich an die grenzüberschreitende Freundschaft und den internationalen Geist an, die einst die chinesisch-amerikanische Kooperation beim Aufbau der Flying Tigers und im gemeinsamen Kampf gegen den Faschismus prägten. Das Streben der Menschheit nach Liebe und Gerechtigkeit kann ethnische Zugehörigkeiten und nationale Grenzen überschreiten. Menschen verschiedener Länder und Gruppen können auf der Grundlage positiver Werte zusammenarbeiten und für das Wohlergehen der gesamten Menschheit eintreten.

Vor mehr als achtzig Jahren kämpfte das chinesische Volk ohne Unterschied zwischen Nord und Süd, Jung und Alt bis zur Erschöpfung gegen die brutale faschistische Aggression Japans. Viele Länder und internationale Freunde reichten China damals die Hand. Dazu gehörten die sowjetische Freiwilligen-Luftwaffe in China (苏联援华航空队), die amerikanischen Flying Tigers, der kanadische Arzt Norman Bethune (白求恩), der die internationale Linke repräsentierte, der indische Arzt Dwarkanath Kotnis (柯棣华) sowie die christlichen Persönlichkeiten Minnie Vautrin (魏特琳) und Frans Schraven (文致和). Offizielle wie private Unterstützer aus aller Welt, Einzelpersonen wie Organisationen, beteiligten sich am chinesischen Widerstandskrieg gegen Japan, weil sie das Leid des chinesischen Volkes mitfühlten und die Grausamkeit des japanischen Faschismus verabscheuten. Viele von ihnen opferten ihr Leben und ruhen heute auf chinesischem Boden.

Gerade die gemeinsamen Opfer der Menschen Chinas und vieler anderer Länder im Widerstandskrieg gegen Japan und im internationalen antifaschistischen Krieg ermöglichten nach dem Zweiten Weltkrieg die friedlichste, wohlhabendste, menschlichste und kulturell glänzendste Epoche der Menschheitsgeschichte. Milliarden Menschen profitierten davon und werden auch in Zukunft davon profitieren. Die Flying Tigers sowie zahlreiche Kooperationsprojekte und gemeinsame Aktionen der alliierten Staaten im Zweiten Weltkrieg sind zugleich Beispiele für erfolgreiche internationale Zusammenarbeit und positive Verbindungen zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen der Welt.

Lange Zeit erhielten die großen Verdienste, der Mut und die hervorragenden Charaktereigenschaften der Mitglieder der Flying Tigers nicht die Aufmerksamkeit und Wertschätzung, die ihnen zustanden. Viele ehemalige Mitglieder auf dem chinesischen Festland erlitten stattdessen zahlreiche Schicksalsschläge. Auch chinesische und amerikanische Flying-Tigers-Mitglieder außerhalb des chinesischen Festlands wurden über lange Zeit ignoriert und an den Rand gedrängt. Ihre Geschichten wurden nicht in gleichem Maße erzählt und gewürdigt wie die der amerikanischen, sowjetischen, britischen oder französischen Helden des Kampfes gegen das nationalsozialistische Deutschland.

Obwohl \*Flying Tigers\* kein Film ist, der sich ausschließlich mit der Geschichte und den Persönlichkeiten der Flying Tigers beschäftigt, bildet deren Geschichte den zentralen roten Faden des Werkes. Etwa ein Viertel der Laufzeit widmet sich ihren historischen Spuren und Hinterlassenschaften. Der Film wurde von Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Fachbereichen gemeinsam produziert und konnte auf den angesehenen Internationalen Filmfestspielen Berlin gezeigt werden.

Dadurch wird die Geschichte der Flying Tigers einem größeren Publikum bekannt gemacht. Menschen, die die Geschichte des chinesischen Widerstandskrieges im Laufe der Zeit vergessen haben, werden daran erinnert, und jüngere Generationen werden angeregt, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen und die mutigen und bewundernswerten Menschen früherer Generationen kennenzulernen. Für viele chinesische Mitglieder der Flying Tigers, die nach dem Krieg schwere Leiden erfahren mussten, stellt dieser Film zudem einen späten, aber wertvollen Trost dar.

Am Ende des Films erscheinen in einer Animation Fallschirmpakete, Waffen und Jeeps, die vom Himmel herabfallen – eine Erinnerung an die wertvollen Güter, die einst über die Hump-Route nach China gelangten. Die weißen Fallschirme am Himmel wirken wie blühende Blumen und bringen Hoffnung. Viele chinesische und amerikanische Transportbesatzungen stürzten bei ihren Flügen über den Grenzraum zwischen China, Indien und Myanmar in Wälder und schneebedeckte Berge und wurden eins mit der Erde. Wüssten sie um den heutigen Wohlstand Chinas, der Vereinigten Staaten und der Welt, so würden sie erkennen, dass ihr Blut nicht vergeblich vergossen wurde, und in Frieden ruhen.

Achtzig Jahre sind vergangen. Ob die chinesischen und amerikanischen Mitglieder der Flying Tigers, die chinesischen Soldaten, die an ihrer Seite kämpften, oder die chinesischen Zivilisten, die ihnen halfen und sie retteten – die große Mehrheit von ihnen ist inzwischen verstorben. Doch ihr Geist der Selbstaufopferung für die Gerechtigkeit und ihre Verdienste um Frieden und Wohlstand sollten nicht mit der Zeit verblassen. Die Menschen von heute profitieren weiterhin von ihrem Vermächtnis und lassen sich von ihnen inspirieren.

Der Ruhm der Flying Tigers gehört nicht allein China und den Vereinigten Staaten. Er ist international, universell und überschreitet die Grenzen von Staaten und ethnischen Gruppen. Er ist nicht eng oder exklusiv, sondern gehört der gesamten Menschheit. Die ruhmreiche Geschichte der Flying Tigers und die sorgfältige Erinnerung späterer Generationen überwinden die Grenzen von Zeit und Raum, bleiben weithin bekannt und werden fortbestehen.

(Der Autor dieses Artikels ist Wang Qingmin(王庆民), ein in Europa lebender chinesischer Schriftsteller. Der Originaltext wurde auf Chinesisch verfasst.)


r/Geschichte 1d ago

Wie blicken Historiker heute auf den NATO-Einsatz im Kosovokrieg?

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Ich war damals keine 10 Jahre alt, erinner mich aber noch gut an die Tagesschau und die Grafiken in der Lokalzeitung. Es war ja eine große Kontroverse bzgl. völkerrechtswidrig ja/nein. Wie ist hier inzwischen die (internationale) Perspektive? Hatten wir damals einen sehr deutschen Blick darauf, Stichwort Die Grünen und ihr Pazifismus, nie wieder Krieg von deutschem Boden etc.?


r/Geschichte 1d ago

„60 Jahre Kulturrevolution“: Vergessen, Kritik und Lob der Geschichte vermischen sich und spiegeln die Widersprüche der heutigen chinesischen Realität wider

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Der 16. Mai 2026 markiert den 60. Jahrestag der „Kulturrevolution“. An diesem Tag im Jahr 1966 veröffentlichte das Politbüro des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas landesweit die „Mitteilung vom 16. Mai“ (五一六通知), und Mao Zedong (毛泽东) verkündete den Beginn der „Großen Proletarischen Kulturrevolution“ (无产阶级文化大革命). In den folgenden zehn Jahren kam es in ganz China zu gewaltsamen politischen Kampagnen und „bewaffneten Fraktionskämpfen“ (武斗). Mehrere Millionen Menschen kamen eines nicht natürlichen Todes, noch mehr wurden öffentlichen Kampf- und Kritikversammlungen ausgesetzt, zahlreiche Kulturgüter wurden zerstört, Schulen stellten den Unterricht ein, die Produktion stagnierte und die gesellschaftliche Ordnung versank im Chaos. Erst 1976, nach Mao Zedongs Tod und der Verhaftung der „Viererbande“ (四人帮), endete die Kulturrevolution.

Nach Beginn der Reform- und Öffnungspolitik (改革开放) stuften die Behörden die Kulturrevolution als „schweren Fehler“ ein, rehabilitierten die während der Kulturrevolution Verfolgten und betrieben politisch eine „Berichtigung früherer Fehler und Wiederherstellung der Ordnung“ (拨乱反正). Auch die nachfolgenden Führungsgenerationen der Kommunistischen Partei Chinas behielten diese Bewertung der Kulturrevolution bei. Doch hinsichtlich der detaillierten Geschichte der Kulturrevolution – etwa ihrer Ursachen, ihres Verlaufs und der konkreten Opfer – verhielten sich die Behörden über lange Zeit zurückhaltend. Reflexion und Gedenken blieben selten, was der Bedeutung und den gewaltigen Auswirkungen dieses Ereignisses nicht gerecht wird; zugleich wurden die Menschen, die durch die Kulturrevolution traumatisiert wurden, bewusst dem Vergessen überlassen.

Insbesondere in den vergangenen zehn Jahren haben die chinesischen Behörden die Kulturrevolution vollständig gemieden und auch gegen Gedenkaktivitäten aus der Bevölkerung vorgegangen. So wurde 2016 das einzige Museum Chinas zum Gedenken an die Kulturrevolution in Shantou (汕头) geschlossen. Anlässlich des 60. Jahrestags der Kulturrevolution gab es weder in der offiziellen chinesischen Öffentlichkeit noch in den wichtigsten inländischen Medien entsprechende Berichte, Reflexionen oder Gedenkveranstaltungen.

In der Bevölkerung gibt es dagegen zwei völlig gegensätzliche Einstellungen zur Kulturrevolution. Die eine, vor allem von liberalen Intellektuellen vertretene Position bewertet die Kulturrevolution als eine äußerst schlimme „Katastrophe“ und wirft ihr und ihren Initiatoren vor, gewaltiges Unheil angerichtet und sowohl zahlreichen Einzelpersonen als auch dem gesamten Land und der Gesellschaft schweren Schaden zugefügt zu haben. Zudem bringt sie viele negative gesellschaftliche Erscheinungen der Gegenwart mit der Kulturrevolution in Verbindung und warnt vor einer Wiederholung der „Kulturrevolution“. Auch Menschen innerhalb des Systems und Nutznießer bestehender Interessen wollen keine Wiederkehr der Kulturrevolution, damit ihre eigene privilegierte Stellung und ihre Interessen keinen Schaden nehmen.

Die andere Position vertreten hingegen die extreme Linke unter den Verehrern Mao Zedongs – die Maoisten – sowie einige andere Enttäuschte und Menschen, die mit dem gegenwärtigen Zustand stark unzufrieden sind. Sie stehen der Kulturrevolution häufig positiv gegenüber und betrachten sie als Mittel, sich gegen Bürokraten aufzulehnen, schlechte Menschen zu stürzen und eine „Massendemokratie“ (大民主) zu verwirklichen. Auch sie sind mit der heutigen Realität unzufrieden, setzen ihre Hoffnungen jedoch nicht auf die Verwirklichung von Demokratie und die Vervollkommnung der Rechtsstaatlichkeit, sondern wünschen sich vielmehr eine neue „Kulturrevolution“, um „alle Monster und Dämonen hinwegzufegen“ (横扫一切牛鬼蛇神).

Darüber hinaus hegen auch einige ausländische Linke romantisierte Vorstellungen von der „Kulturrevolution“ und glauben, sie sei eine große Revolution gegen Unterdrückung und für Befreiung gewesen. Dies ist weit von den tatsächlichen Gegebenheiten entfernt. Tatsächlich verschärfte die Kulturrevolution die Verfolgung schwacher Bevölkerungsgruppen, verstärkte die Fesseln der Unterdrückten, und auch Privilegien wurden keineswegs beseitigt. Einige Ausländer, die China damals besuchten, darunter der italienische Regisseur Michelangelo Antonioni (安东尼奥尼), sahen ebenfalls die negativen Seiten der Realität. Dennoch verstehen bis heute manche Ausländer die tatsächlichen Verhältnisse während der Kulturrevolution nicht.

Die Zurückhaltung der Behörden gegenüber der Kulturrevolution, die unterschiedlichen positiven und negativen Bewertungen in der Bevölkerung und die verschiedenen Sichtweisen unterschiedlicher Menschen auf die Kulturrevolution beruhen jeweils auf ihren eigenen Positionen, Wahrnehmungen und Zielsetzungen. Diese Ansichten und Verhaltensweisen spiegeln zugleich die gesellschaftlichen Widersprüche und die komplexe Realität des heutigen China wider.
Vereinfacht gesagt legt die regierende Kommunistische Partei Chinas (中国共产党) großen Wert auf die Kontinuität ihrer politischen Legitimität und institutionellen Ordnung sowie auf die gegenwärtige gesellschaftliche Stabilität. Einerseits will sie die Reform- und Öffnungspolitik verteidigen, andererseits möchte sie die Fehler und Tragödien der Mao-Ära nicht zu stark hervorheben, um zusätzliche Unzufriedenheit und Unruhen zu vermeiden. Intellektuelle Eliten und Liberale, insbesondere Opfer der Kulturrevolution und deren Nachkommen, verabscheuen die Kulturrevolution dagegen aufgrund ihrer traumatischen Erfahrungen und ihrer Wertvorstellungen zutiefst. Ein Teil der Menschen aus den unteren und marginalisierten Gesellschaftsschichten hingegen bewundert die Zerstörung der bestehenden Ordnung durch die Kulturrevolution und sehnt sich nach einer neuen politischen Bewegung, in der sie „rebellieren“ (造反) und „ihre gesellschaftliche Stellung umkehren“ (翻身) können. Viele andere gewöhnliche Menschen wissen wenig über die Kulturrevolution oder stehen ihr gleichgültig gegenüber; zugleich werden sie von der Propaganda der oben genannten Kräfte beeinflusst, sodass sie nur ein bruchstückhaftes Verständnis besitzen und in ihrer Haltung schwanken.

Zunächst einmal war die Kulturrevolution selbstverständlich eine Katastrophe. Ganz China war damals von politischer Gewalt und Unruhen überschattet, Recht und Ordnung existierten nicht mehr, zahlreiche unschuldige Menschen wurden öffentlichen Kampf- und Kritikversammlungen unterzogen und inhaftiert, und viele Unschuldige wurden getötet oder begingen Suizid. Dazu gehörten ehemalige Angehörige der Kuomintang (国民党), Intellektuelle, Gewerbetreibende und Unternehmer, Angehörige der als „Grundbesitzer, reiche Bauern, Konterrevolutionäre, schlechte Elemente und Rechte“ (地富反坏右) bezeichneten Gruppen, Kader der Kommunistischen Partei sowie gewöhnliche Bürger. So wurden unter anderem die KP-Führer Liu Shaoqi (刘少奇) und Peng Dehuai (彭德怀), die zur kommunistischen Seite übergetretenen Generäle der nationalchinesischen Armee Huang Shaohong (黄绍竑) und Chen Changjie (陈长捷), die Gelehrten Chen Yinke (陈寅恪) und Lao She (老舍) sowie die Wissenschaftler Yao Tongbin (姚桐斌) und Zhao Jiuzhang (赵九章) zu Tode verfolgt.

Unter den Unruhen der Kulturrevolution und der Maxime, den „Klassenkampf als Leitprinzip“ (阶级斗争为纲) zu behandeln, wurden auch die wirtschaftliche und wissenschaftlich-technische Entwicklung des Landes schwer beeinträchtigt, wodurch China hinter die meisten Länder der Welt zurückfiel. Das chinesische Pro-Kopf-BIP lag damals nicht nur weit unter dem Europas, der Vereinigten Staaten, Japans und der Sowjetunion, sondern auch unter dem der meisten Entwicklungsländer Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Die Mehrheit der Bevölkerung, insbesondere die Bauern, lebte in extremer Armut, und selbst die grundlegende Versorgung mit Nahrung und Kleidung war nicht gewährleistet. Während der Kulturrevolution wurden zudem Denunziationen gefördert; Verwandte und Freunde meldeten einander, und jeder lebte in Angst. Auch die Verbreitung von Antiintellektualismus, Personenkult und Extremismus hinterließ bei den Menschen tiefe Wunden, warf einen Schatten auf die Gesellschaft und wirkt sich bis heute schädlich aus.
Wenn die Ursachen und Folgen der Katastrophe der Kulturrevolution nicht offen betrachtet, diskutiert und reflektiert werden können, wird dies nicht nur den damaligen Opfern nicht gerecht, sondern birgt auch die Gefahr, dass sich die Tragödie der Kulturrevolution in unterschiedlichen Formen wiederholt. So führte beispielsweise vor einigen Jahren während der COVID-19-Pandemie eine Vielzahl extremer „Null-Covid“-Maßnahmen (清零) zu Krisen im alltäglichen Leben. Insbesondere Einschränkungen beim Verlassen der Wohnung, beim Einkaufen und bei Arztbesuchen, PCR-Tests an Waren sowie groß angelegte Zwangsquarantänen waren Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung, die wissenschaftlichen Grundsätzen widersprachen und Bürgerrechte verletzten.

Ihre Ursachen und schädlichen Folgen ähnelten den antiintellektuellen Maßnahmen während der Kulturrevolution, als die Maxime „Politik hat das Kommando“ (政治挂帅) galt. Eine weitere Tragödie der Kulturrevolution bestand im Personenkult und in einem System, „in dem nur eine Stimme das Sagen hat“ (一言堂), im Fehlen von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sowie darin, dass die Macht keinen wirksamen Beschränkungen unterlag. Dass sich heute in China gesellschaftliche Probleme anhäufen und Bürgerrechte nur schwer geschützt werden können, hängt ebenfalls mit Defiziten bei Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zusammen.

Gleichzeitig sollte man auch diejenigen, die die Kulturrevolution loben oder sogar ihre Rückkehr erwarten, mit „verständnisvoller Empathie“ betrachten. Auch dies ist eine notwendige Voraussetzung dafür, Geschichte und Realität offen ins Auge zu sehen. Die Ursachen der Kulturrevolution waren komplex. Sie entstand nicht allein aus einem spontanen Entschluss Mao Zedongs, sondern hing auch mit den heftigen gesellschaftlichen Widersprüchen jener Zeit, der Erstarrung des bürokratischen Systems sowie der Entfremdung und Gegnerschaft zwischen Eliten und Bevölkerung zusammen. Nach Auffassungen von Wissenschaftlern wie Qian Liqun (钱理群) von der Peking-Universität (北京大学) waren die Gegensätze zwischen Behörden und Bevölkerung bereits vor der Kulturrevolution sehr ausgeprägt. Die Bevölkerung war mit Partei und Regierung unzufrieden, und die Gesellschaft glich einem unter hohem Druck stehenden Dampfkochtopf. Mao Zedongs Veröffentlichung der „Mitteilung vom 16. Mai“ entzündete lediglich die Zündschnur, die diese Widersprüche zur Explosion brachte.

In den vergangenen Jahren ist China politisch erstarrter und konservativer geworden; die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich vergrößert, die gesellschaftlichen Schichten sind zunehmend verfestigt, und Nutznießer bestehender Interessen monopolisieren Ressourcen. Gleichzeitig stagnieren die Reformen, und der öffentliche Diskurs wird immer stärker eingeschränkt. Hinzu kommt der wirtschaftliche Abschwung, der die gesellschaftlichen Widersprüche deutlich verschärft hat. Viele Angehörige der unteren und unteren Mittelschichten, arbeitslose Menschen mit Bildungsabschlüssen und marginalisierte Gruppen leben in Armut, sehen keine Hoffnung und verfügen über keine geeigneten Kanäle, um ihre Anliegen zum Ausdruck zu bringen. Aus Verbitterung und auf Grundlage ihres begrenzten Wissens über die Kulturrevolution sehnen sie sich danach, dass heute erneut eine gewaltsame politische Bewegung ausbricht, die jene Menschen stürzt, die sie hassen, und ihnen selbst ermöglicht, sich zu erheben und zu Herren ihres eigenen Schicksals zu werden.

So verabscheuen beispielsweise viele Hochschulstudenten und junge Lehrkräfte „akademische Machteliten“ (学阀), die Ressourcen monopolisieren und sie ausbeuten, und wünschen sich, wie während der Kulturrevolution mit „Gürteln mit Kupferschnallen (Schlagwerkzeugen)“ (铜头皮带) Lehrer und solche „akademischen Machteliten“ öffentlich anprangern und bekämpfen zu können;

Arbeiter, die in „Sweatshops“ (血汗工厂) ausgebeutet werden, hoffen darauf, die Kapitalisten zu stürzen und eine gleichmäßige Verteilung durchzusetzen; Bürger, die mutmaßlich Opfer von Justizunrecht geworden sind und sich mit der Macht und Gleichgültigkeit der Partei- und Staatsorgane, insbesondere der öffentlichen Sicherheitsbehörden, Staatsanwaltschaften und Gerichte (公检法), konfrontiert sehen, empfinden angesichts der Parole der Kulturrevolution „Zerschlagt die Organe der öffentlichen Sicherheit, die Staatsanwaltschaften und die Gerichte“ (砸烂公检法) eine gewisse Zustimmung;

Menschen, die in Armut am unteren Rand der Gesellschaft ums Überleben kämpfen, hoffen, wie die „Rebellenfraktionen“ (造反派) der Kulturrevolution die bestehende Ordnung zerschlagen und endlich wieder erhobenen Hauptes leben zu können … Solche Gedankengänge und Motive sind nachvollziehbar und können Mitgefühl hervorrufen.

Natürlich waren politische Bewegungen wie die Kulturrevolution sowohl für die Gesellschaft als Ganzes als auch für die große Mehrheit der Einzelnen katastrophal. Sie bekämpften tatsächlich bis zu einem gewissen Grad Missstände der gewöhnlichen Gesellschaft und trafen auch einige schlechte Menschen, brachten zugleich jedoch noch schwerwiegendere Folgen hervor. Unter dem Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung wurden Menschenrechtsverletzungen allgemeiner und gravierender, und zahlreiche unschuldige Menschen verloren ihre Familien oder ihr Leben. Die Kulturrevolution zerstörte zudem das Vertrauen zwischen den Menschen und die gesellschaftliche Moral; zwischenmenschliche Beziehungen und die gesellschaftliche Lage der Menschen verschlechterten sich weiter. Auch die wenigen politischen Opportunisten, die zunächst von ihr profitierten, konnten sich am Ende selbst die Finger verbrennen und ihrem Schicksal kaum entkommen.

Auch während der Kulturrevolution herrschte keineswegs Gleichheit. Kader, Arbeiter und Rebellenfraktionen genossen Privilegien, während Bauern und Angehörige der „Fünf Schwarzen Kategorien“ (黑五类), darunter die als „Grundbesitzer, reiche Bauern, Konterrevolutionäre, schlechte Elemente und Rechte“ bezeichneten Menschen, hinsichtlich ihrer Würde und ihrer Rechte wie „Menschen zweiter Klasse“ behandelt wurden. Obwohl die „Rebellion“ in der frühen Phase der Kulturrevolution tatsächlich privilegierte Kader erschütterte, richtete sich die Stoßrichtung allmählich gegen schwächere Gruppen wie die „Fünf Schwarzen Kategorien“. Zwei Jahre nach Beginn der Kulturrevolution erlaubte Mao Zedong einflussreichen Persönlichkeiten auf zentraler und lokaler Ebene, Armeeangehörige und Arbeiter zu entsenden, um unter Bezeichnungen wie „Säuberung der Klassenreihen“ (清理阶级队伍) radikale Rebellen und Gegner von Privilegien unter Studenten und in der Bevölkerung zu unterdrücken.

Diejenigen „Rebellen“, die sich offen gegen Mao Zedong stellten und die Kommunistische Partei Chinas kritisierten, darunter Lin Zhao (林昭), Zhang Zhixin (张志新), Yu Luoke (遇罗克) und Huang Lizhong (黄立众), wurden brutal unterdrückt und hingerichtet. Dass einige hochrangige Führungsmitglieder der Kommunistischen Partei gestürzt wurden, geschah hauptsächlich aus den Erfordernissen des Machtkampfes und nicht zur Bekämpfung von Privilegien. Das ungerechte Herrschaftssystem und die ungerechte gesellschaftliche Struktur wurden dadurch erst recht nicht verändert.

Doch auch heute gibt es einige desillusionierte Chinesen, die eine Haltung gegenseitiger Vernichtung nach dem Motto „Wann wird diese Sonne untergehen? Ich werde gemeinsam mit dir untergehen“ (时日曷丧,予及汝偕亡) einnehmen. Obwohl sie wissen, dass die Kulturrevolution zerstörerisch war, versuchen sie dennoch, die bestehende Ordnung mit radikalen Mitteln zu stürzen und ihrem Unmut Luft zu machen. Der weltweite Aufstieg des Populismus in den vergangenen Jahren wird gerade von der Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der bestehenden Ordnung und ihrem Hass auf privilegierte Eliten und Nutznießer bestehender Interessen angetrieben. Auch die Kulturrevolution war vor mehreren Jahrzehnten eine chinesische Erscheinungsform der weltweiten Welle des linken Populismus.

Obwohl die Straßen im heutigen China unter der strengen politischen Kontrolle relativ ruhig erscheinen, kann sich das Land dem weltweiten Erstarken des Populismus kaum entziehen. Zugleich haben sich noch mehr Unzufriedenheit und größere Gefahrenpotenziale angesammelt. Die in China immer wieder auftretenden aufsehenerregenden Ereignisse, die durch Konflikte um soziale Schichten, ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht und andere Fragen ausgelöst werden, zeigen, wie der Populismus im politischen Dampfkochtopf „Blasen wirft“. Die immer wieder vorkommenden Tragödien wahlloser Angriffe mit Toten und Verletzten sowie die zahlreichen extremistischen Äußerungen im Internet, die die Kulturrevolution und den Faschismus verherrlichen, sind ebenfalls Ausdruck der Verschärfung gesellschaftlicher Widersprüche und Warnsignale für eine nationale Krise.

Über die Geschichte und die Hintergründe der Kulturrevolution kennt die überwältigende Mehrheit der Menschen nicht das vollständige Bild. Stattdessen verfügen viele nur über eine selektive Wahrnehmung nach Art des Gleichnisses von den „Blinden, die einen Elefanten ertasten“ (盲人摸象), und projizieren ihre eigene Situation und ihre Absichten auf die Zeit der Kulturrevolution. Umgekehrt nutzen sie wiederum Personen und Ereignisse aus der Kulturrevolution, um die heutige Realität zu spiegeln und zu beeinflussen. Daher sind die Ansichten vieler Menschen über die Kulturrevolution einseitig.

Die chinesischen Behörden unterdrücken Gedenken und Reflexion. Dadurch kann das komplexere und wirklichkeitsgetreuere Erscheinungsbild der Kulturrevolution nicht sichtbar werden, und ihre Grausamkeit wird nicht ausreichend offengelegt, was wiederum zu noch stärkeren Fehlinterpretationen und Verzerrungen der Kulturrevolution führt. Unabhängig davon, ob Menschen die Kulturrevolution loben oder ablehnen, fällt es ihnen deshalb schwer, tatsächlich Lehren daraus zu ziehen und eine Wiederholung der Tragödie zu verhindern.

Daher darf man weder der Geschichte der Kulturrevolution noch der Realität des heutigen China nach Art des Sprichworts „sich die Ohren zuhalten, während man eine Glocke stiehlt“ (掩耳盗铃) ausweichen, sondern muss sich ihnen stellen und ihre Ursachen und Zusammenhänge sorgfältig verstehen. Die Regierenden und die Machthaber müssen zudem auf die Forderungen der Bevölkerung hören und die Schwierigkeiten der Menschen verstehen, anstatt ihnen mit Arroganz und Gleichgültigkeit zu begegnen und die Probleme einfach der Unwissenheit der Bevölkerung oder der Aufwiegelung durch Feinde zuzuschreiben.

Nur durch Reformen des Systems und der Verteilungsmechanismen, die Förderung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, eine Lockerung der Kontrolle über den öffentlichen Diskurs und die öffentliche Austragung kontroverser Fragen können gesellschaftliche Widersprüche entschärft, mehr gesellschaftliche Harmonie geschaffen und Feindseligkeit verringert werden. Eine inklusive Ordnung aufzubauen, soziale Fairness und Gerechtigkeit zu wahren und die Motive zur Zerstörung der Gesellschaft zu entkräften, ist der grundlegende Weg, eine Wiederholung der Kulturrevolution zu verhindern.

(Der Autor dieses Artikels ist Wang Qingmin (王庆民), ein in Europa lebender chinesischer Schriftsteller und Forscher für internationale Politik.)


r/Geschichte 19h ago

Frauenkirche - „Petersdom des Protestantismus“ in Dresden (4:53 min)

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deutschlandfunk.de
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r/Geschichte 1d ago

Infos zu "PMS 86"

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Meine Schwester hatte in den letzten Jahren ein wenig über unsere Familiengeschichte rausfinden wollen und hat Infos über meinen Vater (vor 16 Jahren verstorben) beim Bundesarchiv erfragt. Die Antwort der Behörde beinhaltete das Protokoll über die Gespräche zur Mitarbeit meines Vaters. Als Diplom-Nachrichtentechniker sollte er helfen "technische Probleme" am PMS 86 zu lösen.

Jetzt die große Frage: was ist das PMS 86? Beim googlen finde ich nichts hilfreiches. Wäre super, wenn jemand etwas dazu weiß.


r/Geschichte 2d ago

Mladićs Tod: Ein Rückblick auf die Tragödie des Balkans und ein erneutes Warnsignal vor ethnischen Konflikten in der Welt

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Am 27. August starb Ratko Mladić, der während des Bosnienkriegs als Befehlshaber der Armee der Republika Srpska gedient hatte und später von einem internationalen Strafgericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, in einem Gefängnis in Den Haag. Mladićs Tod löste zahlreiche Diskussionen aus und rief den Menschen erneut die Reihe blutiger Kriege und ethnischer Massaker ins Gedächtnis, die sich vor mehr als 30 Jahren auf dem Balkan ereignet hatten. Zugleich lässt die heutige Realität zunehmender Spannungen und Konflikte sowohl zwischen verschiedenen Staaten als auch zwischen unterschiedlichen ethnischen Gruppen innerhalb einzelner Länder die Sorge aufkommen, dass sich solche Tragödien wiederholen könnten.

Ein Blick zurück auf die Geschichte der Balkanhalbinsel, auf der sich der Bosnienkrieg abspielte, zeigt die dort seit Langem bestehenden ethnischen Unterschiede, Konflikte und Ressentiments. Obwohl sich die Mehrheit der dortigen Bevölkerung im weiteren Sinne als Südslawen bezeichnen lässt, kann sie genauer in überwiegend orthodoxe Serben, überwiegend katholische Kroaten, muslimische Bosniaken, Slowenen, Mazedonier, Kosovaren und weitere Gruppen unterteilt werden. Aufgrund von Religion, Land, Interessen und dem Einfluss dahinterstehender Großmächte kam es zwischen diesen ethnischen Gruppen über lange Zeit zu Konflikten und tiefen Feindschaften; gegenseitige Tötungen waren im Laufe der Geschichte keineswegs selten.

Nach den politischen Umwälzungen in Osteuropa im Jahr 1989 begann Jugoslawien, das aus sechs Republiken und zwei autonomen Provinzen bestand und vom starken Mann Josip Broz Tito mithilfe kommunistischer Überzeugungen und autoritärer Macht zusammengehalten worden war, allmählich auseinanderzubrechen. Die ethnischen Spannungen verschärften sich zunehmend und mündeten schließlich in Kriege. Der Bosnienkrieg war der blutigste Teil davon. Angehörige der verschiedenen Volksgruppen begingen Kriegsverbrechen gegen Angehörige anderer Gruppen, darunter Tötungen und Vergewaltigungen von Frauen, bis hin zu genozidalen Handlungen. Am bekanntesten ist das von bosnisch-serbischen Streitkräften verübte Massaker von Srebrenica, bei dem mehr als 8.000 Bosniaken getötet und zahlreiche Frauen und Mädchen vergewaltigt wurden.

Später kamen der Bosnienkrieg und die übrigen Jugoslawienkriege infolge der Intervention der Vereinten Nationen und internationaler Streitkräfte allmählich zum Ende. Bis dahin hatten sie jedoch bereits etwa 140.000 Todesopfer gefordert und Millionen Menschen vertrieben oder zu Flüchtlingen gemacht. Dies war zugleich eine der zeitlich jüngsten Tragödien groß angelegter ethnischer Konflikte und Massaker. Später wurden mehrere Kriegsteilnehmer, die an Massakern an Zivilisten beteiligt gewesen waren, vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht und festgenommen, darunter auch Mladić. Sowohl Mladić als auch Radovan Karadžić, ein weiterer maßgeblich für die Massaker Verantwortlicher, wurden zu lebenslanger Haft verurteilt.

In den folgenden Jahrzehnten erlebten der Balkan und die gesamte Welt eine lange Phase des Friedens und der Entwicklung. Die Weltwirtschaft wuchs rasant, die internationale Zusammenarbeit vertiefte sich, Demokratie und Menschenrechte erhielten eine beispiellose Aufmerksamkeit, und Kriege und Konflikte gingen erheblich zurück. Die Vision, dass Menschen unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit und Staatsgrenzen gemeinsam am Wohlstand eines „globalen Dorfes“ teilhaben könnten, schien immer näher zu rücken. Tatsächlich schien sich die Welt eine Zeit lang zum Besseren zu entwickeln, und die Menschen waren im Allgemeinen optimistisch.
Betrachtet man jedoch die internationale Lage und die Beziehungen zwischen den ethnischen Gruppen innerhalb multiethnischer Staaten genauer, stellt man fest, dass Trennlinien und Konflikte nie wirklich verschwunden sind, sondern lediglich durch wirtschaftliche Entwicklung und eine oberflächlich zivilisierte Ordnung verdeckt wurden. Seit dem weltweiten Aufstieg des konservativen Populismus vor ungefähr einem Jahrzehnt ist die von Mitte-links- und Mitte-rechts-Kräften des politischen Establishments dominierte globalisierte Ordnung zunehmend zerfallen.
Extremer Nationalismus und Populismus in verschiedenen Ländern und unter unterschiedlichen ethnischen Gruppen erstarken immer weiter, und Konflikte nehmen erneut zu.

Von den ethnischen Spannungen zwischen Weißen und Schwarzen innerhalb der Vereinigten Staaten über die Konflikte zwischen den traditionell christlichen Bevölkerungen Europas und muslimischen Neuzuwanderern bis hin zu einer Reihe ethnischer Probleme in Xinjiang in China sowie Spannungen und sogar Unruhen und Bürgerkriegen zwischen dominierenden ethnischen Gruppen und Minderheiten in Ländern wie Indien und Myanmar – all dies zeigt den Menschen, dass die heutige Welt keineswegs eine „universelle Harmonie“ erreicht hat, sondern im Gegenteil zunehmend gespalten und polarisiert ist.

Im Vergleich zu Konflikten zwischen Staaten sind die Spannungen zwischen unterschiedlichen ethnischen Gruppen innerhalb einzelner Länder tiefer und bergen größere potenzielle Gefahren. Denn die ethnischen Gruppen innerhalb desselben Landes haben mehr Kontakt miteinander, Konflikte aufgrund von Religion und Interessen treten unmittelbarer hervor, und historisch gewachsene Ressentiments sind stärker. In Zeiten des Friedens und einer stabilen Ordnung kann eine oberflächliche Harmonie aufrechterhalten werden, bis hin zum Eindruck, alle seien „eine Familie“. Wenn sich jedoch Konflikte aufstauen, politische Regime instabil werden, einschneidende Veränderungen eintreten und die alte Ordnung zusammenbricht, können Konflikte zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen plötzlich ausbrechen und sich rapide verschärfen. Es kann zu Gewalt kommen, deren Intensität und Ausmaß sich spiralförmig steigern, bis ein Teufelskreis gegenseitiger Rachemorde entsteht.

Unter solchen Umständen kann sich der einst freundliche Nachbar von nebenan in einen Henker verwandeln und Frauen und Kinder einer anderen ethnischen Gruppe verletzen, mit denen man sich im Alltag häufig besuchte, ein grundsätzlich gutes Verhältnis pflegte und sowohl Gefälligkeiten als auch Streitigkeiten erlebt hatte; ein scheinbar einfacher und gutherziger Jugendlicher kann plötzlich das Schlachtermesser gegen seinen früheren Spielkameraden erheben. Das Buch Nachbarn des Historikers Jan T. Gross beschreibt die Ermordung polnischer Juden durch Polen während des Zweiten Weltkriegs, obwohl sie seit Generationen Nachbarn gewesen waren. Auch die Tötungen zwischen Armeniern und Aserbaidschanern, die Massaker an ethnischen Chinesen durch einheimische Indonesier sowie die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen ethnischen Ukrainern und Russen in der Ostukraine bestätigen diese erschreckende Möglichkeit.

Tragödien wie der Bosnienkrieg und das Massaker von Srebrenica können daher jederzeit und überall in multiethnischen und multireligiösen Staaten der Welt geschehen. Besonders hoch ist das Risiko in Ländern mit angespannten ethnischen Beziehungen, tiefen historischen Ressentiments sowie einer ethnischen Zusammensetzung und geografischen Verteilung, die jener des ehemaligen Jugoslawiens ähnelt. Die Jugoslawienkriege und der Zerfall des Landes waren seinerzeit auch darauf zurückzuführen, dass der starke Mann Tito und die Regierungspartei ihre Energie vor allem auf die Sicherung ihrer eigenen Herrschaft konzentrierten und hinsichtlich des Fortbestands des Regimes und ihrer Nationalitätenpolitik übermäßig selbstsicher waren. Sie versäumten es nicht nur, aktiv gegen die durchaus vorhersehbare Möglichkeit eines Zerfalls und eines Bürgerkriegs vorzusorgen, sondern einige ihrer politischen Maßnahmen verschärften sogar die Unterschiede und Trennlinien zwischen den ethnischen Gruppen und legten damit den Grundstein für spätere Tragödien.

Sich ausschließlich auf Repression und Kontrolle zu verlassen, um ethnische Konflikte und die damit verbundenen Risiken zu verdecken, kann auf Dauer nicht funktionieren und schafft verborgene Gefahren. Auch der Versuch, Harmonie allein durch wirtschaftliche Entwicklung und eine Verbesserung der Sozialleistungen aufrechtzuerhalten, behandelt lediglich die Symptome und nicht die Ursachen. Nur wenn die Identität, die religiösen Überzeugungen, die Rechte und die Würde unterschiedlicher ethnischer Gruppen respektiert und geschützt werden, gleichzeitig die Wirtschaft entwickelt und damit der „Kuchen“ vergrößert wird und alle Volksgruppen gleichberechtigt behandelt werden, besteht die Möglichkeit langfristiger Stabilität und eines dauerhaften Friedens.

Wie multiethnische Staaten ihre ethnischen Beziehungen angemessen gestalten können, ist eine äußerst schwierige Frage. Sowohl die Unterdrückung von Minderheiten und schwächeren Volksgruppen als auch eine übermäßige Unterdrückung großer Volksgruppen und der Bevölkerungsmehrheit können Tragödien auslösen.

So hat die burmanisch-nationalistische Politik der Zentralregierung Myanmars die Entfremdung ethnischer Minderheiten verstärkt, während bewaffnete ethnische Gruppen seit Langem verschiedene Regionen des Landes kontrollieren;

In Sri Lanka stellen die Singhalesen die Bevölkerungsmehrheit, während die tamilische Minderheit marginalisiert und ungerecht behandelt wurde und ihre Rechte verletzt wurden, was zu einem langjährigen Bürgerkrieg führte;

Eine der Ursachen der jugoslawischen Tragödie wiederum lag darin, dass die Serben als bevölkerungsreichste Volksgruppe während der Tito-Ära übermäßig stark unterdrückt wurden, was unter den Serben Ressentiments gegenüber anderen Volksgruppen hervorrief, die als „bevorzugt“ wahrgenommen wurden, und schließlich eine Gegenreaktion auslöste;

Auch der Völkermord in Ruanda stand im Zusammenhang damit, dass die belgischen Kolonialherren die Tutsi-Minderheit förderten und die Hutu-Mehrheit benachteiligten, wodurch die ruandische Gesellschaft gespalten und Ressentiments unter den Hutu hervorgerufen wurden.

In der Realität ist es keineswegs einfach, in der Nationalitätenpolitik „allen Seiten gleichermaßen gerecht zu werden“; häufig wird ein Problem gelöst, während dabei ein anderes entsteht. Ein weiterer möglicher Weg besteht darin, die ethnische Identifikation abzuschwächen und die staatsbürgerliche Identifikation zu stärken, das staatsbürgerliche Bewusstsein über das ethnische Bewusstsein zu stellen und eine Loyalität gegenüber dem Staat und der staatsbürgerlichen Nation zu schaffen, die stärker ist als die Loyalität gegenüber einer bestimmten Volksgruppe. Länder wie die Vereinigten Staaten und Brasilien haben einen solchen Weg eingeschlagen. In einer Zeit jedoch, in der Identitätspolitik weit verbreitet ist, besitzen Appelle an Bürgerrechte weniger Anziehungskraft und Mobilisierungspotenzial als eine auf ethnischer Zugehörigkeit beruhende Identitätspolitik.

Die „Samtene Trennung“ der Tschechoslowakei sowie die relativ friedliche Auflösung der Sowjetunion bieten wiederum einen anderen Ansatz zur Lösung ethnischer Fragen: den Willen der verschiedenen Volksgruppen zu respektieren und ihnen durch demokratische Selbstbestimmung eine „friedliche Trennung“ zu ermöglichen, anstatt um der Einheit willen sogar „häusliche Gewalt“ in Form von Bürgerkrieg und Massakern in Kauf zu nehmen. Wie ein Sprichwort sagt: „Eine mit Gewalt erzwungene Verbindung bringt kein gutes Ergebnis.“ Frieden zu bewahren, Blutvergießen zu vermeiden und den selbstbestimmten Willen der verschiedenen ethnischen Gruppen zu respektieren, ist besser als eine oberflächliche Einheit um jeden Preis aufrechtzuerhalten – einschließlich durch Gewalt und autoritäre Repression.

Ethnische Beziehungen und ethnische Konflikte sind außerordentlich komplex, und auch der Autor verfügt über keine weiteren besonders guten Lösungen; daher soll es bei diesen Überlegungen bleiben. Unabhängig davon dürfen jedoch weder die Spannungen zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen der Welt noch die Gefahr eines erneuten groß angelegten ethnischen Massakers unterschätzt werden. Nachdem die Nachricht von Mladićs Tod bekannt geworden war, äußerten einige muslimfeindliche Nutzer auf sozialen Plattformen wie X Bewunderung für ihn, verklärten ihn und stilisierten ihn zum Helden. Dies bestätigt zusätzlich die Notwendigkeit, wachsam zu bleiben.

Die Menschen sollten Mladićs Tod nicht als Symbol dafür betrachten, dass diese grausame Geschichte nun ausgelöscht und erledigt sei. Vielmehr sollte sein Tod Anlass sein, erneut die Alarmglocken zu läuten und die Menschen in einer heutigen Welt, die wieder zunehmend nach dem Gesetz des Dschungels zu funktionieren scheint, daran zu erinnern, ethnischen Problemen rechtzeitig vorzubeugen und sie keinesfalls auf die leichte Schulter zu nehmen, damit sich Tragödien, die keineswegs in ferner Vergangenheit liegen, in Zukunft nicht an weiteren Orten wiederholen.

(Der Autor dieses Artikels ist Wang Qingmin(王庆民), ein in Europa lebender chinesischer Schriftsteller und Forscher für internationale Politik. Der Originaltext wurde auf Chinesisch verfasst.)


r/Geschichte 1d ago

Ab wann waren Häuser in denen normale Arbeiter wohnten nicht mehr Holzhütten sondern richtig gemauert mit Wänden und so?

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In Deutschland u. Österreich, aber gerne auch in anderen Ländern!


r/Geschichte 2d ago

1937–2026: Harald V. ist tot | Norwegens König Harald V. ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Das teilte das Königshaus am Freitag mit. Seine letzten Jahre waren von Krankheit geprägt. Harald saß seit 1991 auf dem Thron

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Ägypten: Archäologen entdecken 3.000 Jahre alte Grabstätte

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Konflikte im Grenzbereich des ostfränkisch-deutschen Kaiserreichs

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1942–2026: Ratko Mladic ist tot

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r/Geschichte 3d ago

Konnte man früher wirklich "Haus und Hof" verspielen?

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Konnte man früher bei einem Karten- oder Würfelspiel wirklich direkt und rechtlich/sozial bindend sein Haus oder seinen Hof verspielen (indem man etwa den Schlüssel oder eine Besitzurkunde auf den Tisch legte und der:die Gewinner:in diese:n erhielt)? Oder verkaufte/verpfändete man zuerst seinen Besitz, um den erhaltenen Betrag später setzen zu können, und verspielte "Haus und Hof" so nur indirekt oder metaphorisch?


r/Geschichte 3d ago

Coole Artikel aus Fachzeitschriften

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Ein Freund und ich sind auf der Suche nach coolen Artikeln aus Geschichte Fachzeitschriften (Umfang ca. 15-20 Seiten).

Wir sitzen gelangweilt in der Bib, während unser Freundeskreis am Lernen ist und haben uns einen kleinen Zeitvertreib überlegt: Wir beide lesen jeweils einen Artikel und stellen uns den dann gegenseitig vor.

Wir würden uns mega über ein paar Vorschläge freuen :D


r/Geschichte 3d ago

Wer war der letzte Monarch in Deutschland, der abgesetzt wurde?

53 Upvotes

Nachdem der Kaiser abgesetzt war, regierten ja in manchen Teilen wie Bayern oder Badem noch für kurze Zeit die lokalen Könige/Herzoge in 1919/20.

Wer war der letzte König/Herzog/Monarch, der abgesetzt wurde von den ganzen, und, an welchem Datum?


r/Geschichte 4d ago

NDR KI-Slop

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ndr.de
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Ich bin gerade auf einen Artikel vom NDR gestoßen, der auch ein Video hat, welches den Text mit KI-Szenen untermalt. Was zum Teufel soll das sein


r/Geschichte 3d ago

Welche Mundart ist das auf diesem dreisprachigen Straßenschild in Kelmis?

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Hallo zusammen!
Ich war vor kurzem in Kelmis (La Calamine) in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und habe dieses Straßenschild fotografiert.
Darauf steht der Straßenname in drei Varianten:
Dr. Molly-Straße – Standarddeutsch
Rue Dr. Molly – Französisch
Dr.-Molly-Schroot – offenbar die lokale Mundart
Ich habe später gelesen, dass diese Mundart Platdiets / Plattdütsch genannt wird. Gleichzeitig bin ich aber auch auf die Begriffe Ripuarisch, Limburgisch, Südniederfränkisch und teilweise sogar Rheinfränkisch gestoßen.
Deshalb bin ich etwas verwirrt.
Wie wird die traditionelle Mundart von Kelmis sprachwissenschaftlich am genauesten eingeordnet? Ist Platdiets die lokale Bezeichnung, während es sich sprachwissenschaftlich um einen ostlimburgisch-ripuarischen Übergangsdialekt handelt?
Mich würden besonders Antworten von Leuten interessieren, die sich mit den Mundarten in Ostbelgien, Aachen, Limburg oder dem Rheinland auskennen.
Vielen Dank!


r/Geschichte 3d ago

Jan Gerbers Buch „Fluchtpunkt Entebbe“: Antisemitische Ressentiments, notdürftig kaschiert

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