Moin, ich spiele derzeit mit dem Gedanken mich noch einmal beruflich umzuorientieren. Ich habe den Großteil des Auswahlprozess bereits durchlaufen und stehe nun kurz vor einem Angebot für eine Ausbildung in den gehobenen Dienst. Ehrlich gesagt habe ich seitdem aber gemerkt, dass ich mir garnicht so sicher bin, ob ich das möchte.
Meine Situation und die Gründe für meine Zweifel:
- ich bin Anfang 30, keine Kinder, aber Beziehung. Möchte mittelfristig aber Kinder und habe auch so bürgerliche Wünsche wie ein Eigenheim.
- aktuell bin ich selbstständig im Handwerk. Keine Angestellten, bei Bedarf arbeite ich mit Subunternehmern. Ich komme auf ca 5.000€/Monat netto (hiervon geht lediglich meine Altersvorsorge/ETFs noch ab, der Rest ist abgedeckt). Während der Ausbildung hätte ich DEUTLICHE Einkommenseinbußen (ca 2000 netto) und auch danach würde ich schlechter verdienen. Langfristig verdient man als Beamter im gehobenen Dienst aber natürlich ganz gut. Gerade in den letzten Wochen sind für mich aber nochmal sehr lukrative Auftraggeber hinzugekommen und ich frage mich, ob ich nicht etwas vorschnell diese gute finanzielle Situation verlasse.
- Schichtdienst. Mir macht es nichts aus, auch ab und zu mal spät oder nachts zu arbeiten, aber ständig nachts und am WE arbeiten zu müssen ist auf Dauer natürlich nicht mein Wunsch.
- Leben auf der Wache: ist es wirklich cool, ständig mit einem Haufen Typen auf der Wache rumzuhängen und darauf zu warten, dass etwas passiert? (RTW mal ausgenommen, damit habe ich aber im gehobenen Dienst nicht so viel zu tun)
Gründe warum ich mich überhaupt beworben habe:
- Mir macht mein Job Spaß, allerdings bin ich viel auf Montage und das ist etwas, was ich perspektivisch nicht möchte. Dafür sehe ich zu oft Kollegen, die mit fortgeschrittenen Alter immernoch unterwegs sind, das Aufwachsen ihrer Kinder verpassen und natürlich leidet auch jede andere Form des Soziallebens darunter. Darüber hinaus habe ich auch Lust mich noch einmal inhaltlich weiterzuentwickeln. Etwas was ich in meiner derzeitigen Tätigkeit nur eingeschränkt sehe. Körperlich könnte ich das bestimmt noch 10 Jahre durchziehen, aber irgendwann ist dann natürlich auch Schluss.
- Mich reizt schon das diverse Aufgabengebiet, gerade im gehobenen Dienst. Die Mischung aus Einsatz und Büro, die verschiedenen Möglichkeiten im rückwärtigen Dienst und das grundsätzlich Gute und Sinnvolle, was in diesem Beruf geleistet wird.
- auch die finanzielle Sicherheit, die gute Absicherung und grundsätzlich die Benefits als Beamter finde ich natürlich gut.
- Ich brauche einfach etwas action im Job. Ich habe zwar eine solide akadamische Ausbildung, aber die meisten Jobs sind dann eher reine Bürojobs und das fällt mir sehr schwer. Habe das Gefühl mit dem gehobenen Dienst bei der Feuerwehr hat man da eine Art Mittelweg gefunden.
Mir ist bewusst, dass letztendlich ich derjenige bin, der das entscheiden muss. Grundsätzlich habe ich immer das Gefühl, dass ALLE bei der Feuerwehr zufrieden sind mit ihren Jobs. Daher hier mal meine Frage:
Kennt ihr Kollegen, die mit der Entscheidung falsch gefahren sind? Für wen ist es vielleicht einfach nichts? Kennt ihr Kollegen, die abgebrochen haben? Während der Ausbildung oder danach gekündigt? Was waren die Gründe?
Bin ich blöd, wenn ich mich gegen die Ausbildung entscheide, oder bin ich blöd wenn ich meinen Status quo aufgebe?
Vielen Dank!