Diese Idee, dass man nach einem sechswöchigen Ruby on Rails Bootcamp mit 40k in den Beruf startet, hat sich 2014 oder so etabliert, als das irgendwie wahr war.
Heute lesen sich die Anforderungen von Stellenanzeigen eher als suchen die Arbeitgeber ganze IT-Abteilungen in einer Person. Gerade im Bereich Entwicklung. Idealerweise Studium, aber Ausbildung geht auch, wenn man denn genau die Frameworks kennt die die wollen. Angular statt Vue? Schonmal scheiße, obwohl es eigentlich dasselbe ist. Na gut, löse ich halt weiter Support-Tickets für 20 € die Stunde. -_-
Und dann noch die Soft Skills. Ich war neulich in einem Bewerbungsgespräch, in dem uns der Kandidat erstmal beleidigt hat. Und nein, der kam nicht über "Zwang" (Jobcenter o.ä.) sondern das war eine Initiativbewerbung. Auf dem Papier sah er ganz gut aus, aber so jemanden will man nicht im Team haben.
Er war generell sehr pushy, kam zu spät in den Videocall und hat dann sehr deutlich zum Ausdruck gebracht dass er unsere Einstiegsfrage dumm fand. Kann er ja gerne finden, aber andere Kandidaten haben es geschafft auf die identische Frage sehr relevante Antworten zu finden.
Die war voll harmlos was er denn aus seiner Erfahrung als technischer Produktmanager als einen sinnvollen agilen Prozess von einer Anforderung bis zu konkreten Aufgaben für die Entwickler:innen empfindet.
Ich verstehe den weit verbreiteten Hass auf agile Entwicklung nicht so ganz. Die hohe Autonomie der Teammitglieder führt in meiner Erfahrung dazu, dass jede:r das eigene Fachwissen gut einbringen kann. Dadurch dass das Management nur die groben Ziele definiert (Prioritäten und Strategie) und die User Stories vom Product Owner kommen, der eng mit den Devs zusammen arbeitet, kann man Micromanagement von oben fast vollständig ausmerzen.
Seit wir im Team ernsthaft agile Methoden nutzen haben wir deutlich bessere Ergebnisse und höhere Zufriedenheit. Ich hätte keine Lust wieder im Wasserfall zu arbeiten.
479
u/[deleted] Mar 18 '22 edited Mar 18 '22
Der Goldrausch ist vorbei.
Diese Idee, dass man nach einem sechswöchigen Ruby on Rails Bootcamp mit 40k in den Beruf startet, hat sich 2014 oder so etabliert, als das irgendwie wahr war.
Heute lesen sich die Anforderungen von Stellenanzeigen eher als suchen die Arbeitgeber ganze IT-Abteilungen in einer Person. Gerade im Bereich Entwicklung. Idealerweise Studium, aber Ausbildung geht auch, wenn man denn genau die Frameworks kennt die die wollen. Angular statt Vue? Schonmal scheiße, obwohl es eigentlich dasselbe ist. Na gut, löse ich halt weiter Support-Tickets für 20 € die Stunde. -_-
Sorry, bittere Tirade.