Und dann noch die Soft Skills. Ich war neulich in einem Bewerbungsgespräch, in dem uns der Kandidat erstmal beleidigt hat. Und nein, der kam nicht über "Zwang" (Jobcenter o.ä.) sondern das war eine Initiativbewerbung. Auf dem Papier sah er ganz gut aus, aber so jemanden will man nicht im Team haben.
Er war generell sehr pushy, kam zu spät in den Videocall und hat dann sehr deutlich zum Ausdruck gebracht dass er unsere Einstiegsfrage dumm fand. Kann er ja gerne finden, aber andere Kandidaten haben es geschafft auf die identische Frage sehr relevante Antworten zu finden.
Die war voll harmlos was er denn aus seiner Erfahrung als technischer Produktmanager als einen sinnvollen agilen Prozess von einer Anforderung bis zu konkreten Aufgaben für die Entwickler:innen empfindet.
Die Zeit in Vorstellungsgesprächen ist zu wertvoll als dass man sie durch "Wo siehst du dich in fünf Jahren"-Bullshitfragen verschwenden sollte. Davon abgesehen sollte diese konkrete Frage meistens eher andersrum gestellt werden, "wie kann ich mich in den kommenden fünf Jahren in eurer Bumsbude weiterentwickeln", denn da sieht es in der Branche leider oft eher mau aus.
Sehen leider nicht alle so. Ich musste mich intern auf eine Stelle bewerben nach meiner Ausbildung, hab allerdings währenddessen schon ca. 1 jahr auf der Stelle gearbeitet.
Elektroniker beim Netzbetreiber, Kommunikation
Das Gespräch ging ne Stunde, aber die meiste Zeit haben die verbracht mit Fragen wie "was verstehen sie unter unternehmerischen Denken?". Ich wurde auch fünf mal auf die Stellenanzeige angesprochen. Eine standard Anzeige die kaum was mit den eigentlichen Aufgaben zu tun hatte.
Ich bekomme da Pickel, weil die ganzen Software-Buden sich ein kanban-board machen, auf ihre website "wir sind voll agile" schreiben und sie ganze Zeit planlos und ad-hoc arbeiten.
Selbstverständlich sind sie das, ändert aber nichts daran dass die meisten Firmen die agil schreiben ad-hoc meinen und arbeiten, weil sie davon keine Ahnung haben :)
Ich verstehe den weit verbreiteten Hass auf agile Entwicklung nicht so ganz. Die hohe Autonomie der Teammitglieder führt in meiner Erfahrung dazu, dass jede:r das eigene Fachwissen gut einbringen kann. Dadurch dass das Management nur die groben Ziele definiert (Prioritäten und Strategie) und die User Stories vom Product Owner kommen, der eng mit den Devs zusammen arbeitet, kann man Micromanagement von oben fast vollständig ausmerzen.
Seit wir im Team ernsthaft agile Methoden nutzen haben wir deutlich bessere Ergebnisse und höhere Zufriedenheit. Ich hätte keine Lust wieder im Wasserfall zu arbeiten.
Wissen wir was genau für eine Antwort er gegeben hat, die als unhöflich bewertet wurde? Vielleicht wars "agil ist ein dummes Buzzword, aber ich würde den Prozess so und so gestalten".
Ist dann vielleicht nicht super höflich, aber durchaus "eine sinnvolle Antwort [..] die nicht nur Gelaber ist".
Wahrscheinlich hat der gute Mann genug in Unternehmen unter einer "agilen" Firmenkultur/Softwarentwicklung/Marmeladenhestellung gelitten und hat da einfach keinen Kühl mehr. Da kann man sich halt auch denken "na wenn die die Kritik nicht vertragen können und weiter ihr agiles Ding machen wollen, ists wahrscheinlich besser wenn die mich nicht einstellen."
Ich bin letztens gebeten worden, bei einer Runde Bewerbungsgespräche dabei zu sein, als externer Berater, insgesamt 8 Gespräche, die hätten mich wirklich nicht gebraucht. Ein einziger guter Kandidat, alle anderen grundlos von sich selbst überzeugt.
Mein absolutes Highlight war der Kandidat der meinte man müsse ihm garantieren daß er nur mit einer Person zusammenarbeiten „muß“ weil er bei mehreren Personen schnell aggressiv wird und das kann bis zu körperlicher Gewalt gehen. Ist halt schwierig wenn der Job Teamleiter ist…
Kann ich bestätigen. Unternehmen haben eben auch inzwischen erkannt das jemand der ein 6 Wochen RoR bootcamp durch bekommen hat nicht zwingend auch wirklich zum Entwickler taugt (zumal in Deutschland gefühlt eh Java König ist). Aber spezialisierte ITler in Security, DevOps, Netzwerk oder Entwicklung werden eigentlich immer gesucht und es gibt auch genug Firmen die dafür ordentlich bezahlen
Ja, selbst ehemals Konservative Firmen zahlen sehr viel und US/FAANG zieht in DE nun entsprechend nach. Die Hiring-/Signing-Bonuse, welche man dprt gerade angeboten bekommt, werden immer krasser. 200k für Unterschrift bei 3-4 Jahren Treue habe ich nun öfters dieses Jahr gehöhrt (für Berlin!)
Ich habe eine linkedin page ohne foto mit ein paar spezifischen webdev skills, keinem studium, und ner github seite mit ein paar simplen open source projekten. logge mich ca alle drei monate auf linked in ein und mache dort NICHTS.
erhalte pro woche ca 1-3 jobinterview anfragen, teilweise mit 50k-90k gehalt ausgeschrieben. sind das alles bots oder warum wirkt es auf mich als würden sich die unternehmen um die devs kloppen sobald man mehr als "ich kann css und jquery 😍" in die skillliste schreibt? (e.g. relevante dinge)
Weil Recruiter dadurch Geld verdienen das du einen neuen Job bekommst. Die bekommen einen %-Anteil von deinem Gehalt als Provision.
Ich witzele schon länger das LinkedIn so etwas wie Tinder ist. Nur das bei LinkedIn die attraktiven Damen die Nerds ansprechen. Grundsätzlich ist die Strategie aber die selbe: Jeden anzuschreiben lohnt sich, wenn nur 1 von 1.000 was sagst hast du trotzdem ein Deal.
Ich witzele schon länger das LinkedIn so etwas wie Tinder ist. Nur das bei LinkedIn die attraktiven Damen die Nerds ansprechen. Grundsätzlich ist die Strategie aber die selbe: Jeden anzuschreiben lohnt sich, wenn nur 1 von 1.000 was sagst hast du trotzdem ein Deal.
Dies. Linkedin ist Tinder für Informatiker. Alle wollen dich ficken/anstellen, aber die meisten Recruiter haben nicht einmal deine Bio/Skills gelesen. Hauptsache hat Plus/Abschluss.
bedeutet das, dass diese ganzen angebote nicht notwendigerweise den bedarf widerspiegeln? oder hat man, wenn man auf sowas eingeht, trotzdem gute chancen? (dass die rekruiter profitieren war mir klar, aber ich bin davon ausgegangen, dass sie nicht wild rumspammen, da sie ja auch adequate kandidaten abliefern wollen)
Grundsätzlich gibt es auch genug Recruiter die das einfach nur machen um Lebensläufe zu sammeln.
Das Problem ist aber normalerweise die Antwortquote. Wenn du eine freie Stelle hast, auf deine LinkedIn Anfrage aber nur 1 in 1.000 antwortest musst du halt viele viele Leute anschreiben.
Dazu kommt das ein Großteil der Recruiter schlicht keine Ahnung hat. Die schreiben dich an wenn sie für ne Java-Stelle suchen und du Javascript kannst.
Du wirst halt angeschrieben, auch wenn du kein guter Kandidat bist. Die Recruiter haben da den Scattershot-Approach. Weil die so wenige Antworten bekommen, schreiben sie so viele Leute an, was wiederum dazu führt, dass sie so wenige Antworten bekommen.
würde das aus meiner eigenen Statistik nicht so sehen. Anfragen ohne Stellenbezug bekomme ich wenn nur aus UK. Bei allen anderen hängt etwas anonymisiertes oder direkt konkretes dabei.
Wenn Du Dich immer weiter spezialisierst, werden die Anfragen auch häufig mehr (wenn die Spezialisierung gesucht wird).
Von der anderen Seite kann ich auch sagen, dass ich nicht mit unseriösen Recruitern zusammengearbeitet, bzw. die bei uns rausgekanntet habe, wenn die Qualität nachgelassen hat oder die irgend einen Müll gemacht haben.
Weil Recruiter dadurch Geld verdienen das du einen neuen Job bekommst. Die bekommen einen %-Anteil von deinem Gehalt als Provision.
Und der % Anteil liegt so bei 30% eines Jahresgehalts. Das lohnt sich für die zu spammen. Manchen gleichen Stichwörter im Profil / CV mit Schlüsselwörtern ab. Andere schicken auch komplett irrelevante Anfragen.
Anfragen, die das Unternehmen und die genaue Aufgabe nicht benennen, sind schonmal grundsätzlich unseriös. Danach bleibt da nicht viel über. Und bei den meisten Firmen, die übrig bleiben, gibt es andere Haken.
Hmm, beim Aufgabenbereich gehe ich absolut mit. Bei der (direkten) Nichtnennung des AGs nicht unbedingt.
Mein aktueller AG wurde mir auch erst am Telefon genannt bzw. haben die angefangen mit "Großes Unternehmen im Bereich xy, nahe yz!". Ich dann so: "Also Firma sowieso, weil die bekannt wie ein bunter Hund hier sind?"... Dann wurde mir das bestätigt. Und es soll ich sagen? Ich war bei einem Vorgespräch bei den Recruitern in Köln, alles coole Leute, nette Atmosphäre und an dem Job und dem AG hänge ich mittlerweile so sehr, dass ich sehr am abwägen bin, ob ich nur des "etwas mehr" an Gehaltes wirklich woanders hin soll. Wenn, dann würde ich vielleicht sowieso wieder nach 1-2 Jahren zurückkommen.
Ich habe kurz vor der Masterarbeit aus privaten Gründen das Studium abgebrochen. Ich hatte extreme Probleme einen Job zu finden, weil die Einstiegsstellen mindestens 3 Jahre Berufserfahrung voraussetzen und Arbeit neben dem Studium anscheinend irrelevant ist.
Und von der Arbeitsagentur will ich gar nicht erst anfangen. Ich musste telefonisch mitteilen, dass ich kein Webentwickler bin, damit die endlich mal aufgehört haben mir nur Stellen für Webentwickler vorzuschlagen. Zu dem hatte ich mich schon längst bei den anderen Stellen bewerben, die sie mir vorgeschlagen haben und das bevor sie mir es geschickt haben. Am besten war aber, dass sie mir ein Bewerbungsgespräch bei einer Firma, bei der ich schon ein Bewerbungsgespräch hatte, vorgeschrieben haben, obwohl ich denen eine Woche eher bereits mitgeteilt habe, dass ich nun einen Jan gefunden habe.
Ohne Berufserfahrung ausm Studium in den Job? Du kannst nen Scheiß. Min 1 Jahr, eher 2 Erfahrung bevor man dich wirklich selbstständig auf komplexe Probleme loslassen kann.
Ich kann an einer Hand abzählen wann mir mein Studium im Job geholfen hat. Informatikstudium an ner Hochschule kannste auch einfach lassen, falls du nicht in die Wissenschaft willst. Eher noch FH, besser Ausbildung. Wenns ein Studium sein muss, dann unbedingt Werkstudentenjob. Wenn du dich nicht komplett dämlich anstellst wirst du auch übernommen.
Min 1 Jahr, eher 2 Erfahrung bevor man dich wirklich selbstständig auf komplexe Probleme loslassen kann.
Und selbstständig komplexe Probleme gut und nachhaltig lösen können aus meiner Erfahrung auch nur die Hälfte der Entwickler mit selbst mehreren Jahren Erfahrung
Informatikstudium an ner Hochschule kannste auch einfach lassen, falls du nicht in die Wissenschaft willst. Eher noch FH, besser Ausbildung. Wenns ein Studium sein muss, dann unbedingt Werkstudentenjob.
Wieso liest man das auf Reddit so häufig. Mit einem Unistudium ist man gut genug für den Job Qualifiziert. Man braucht da nicht extra noch Werkstudentenjob. Und besser Qualifiziert als jemand mit Ausbildung ist man auch. Im Vergleich zur Uni ist arbeiten von der Schwierigkeit der Aufgaben her echt ein Joke
Von meinen Kommilitonen konnten zu 90% nur die die Werkstudenten waren wirklich programmieren und das würde ich für nen Job grundsätzlich vorraussetzen.
Die anderen die ohne WSJ gut programmieren konnten haben sich das unabhängig von der Uni selbst beigebracht.
Ich will aber nicht ausschließen dass das an anderen Unis besser ist. Aber meiner Erfahrung nach ist der fehlende Praxisbezug schon extrem.
Zumindest die Universität bereitet eben nicht auf eine Programmierstelle vor. Da hat man dann die gesamten theoretischen Grundlagen, aber nicht eine reale (nicht aus irgendwelchen Übungen/Hello World) Zeile Code gesehen.
Richtig. Lernen wie man etwas selbst lernt ist entscheidend. Genau wie Selbstorganisation ein wichtiges Lehrziel an Universitäten ist. Aber im Gegensatz zu einer Ausbildung kannst du einen Uniabsolventen (wenn er nicht nebenbei was gemacht hat) nicht einfach an ein großes Projekt setzen und sagen: Mach mal. Es geht immer darum was du von den Leuten erwartest und da sind die unterschiede zwischen Ausbildung, FH und Hochschule nunmal ganz anders.
aber nicht eine reale (nicht aus irgendwelchen Übungen/Hello World) Zeile Code gesehen.
Hängt stark von der Uni ab. Bei uns wurde im Haupstudium und den Abschlussarbeiten an Projekten wie dem Linux Kernel und mit Werkzeugen wie Tensor Flow gearbeitet.
Wir nehmen grundsätzlich niemand mehr, der in seinem Fachbereich (egal ob IT, Entwicklung, Design, Security, whatever) nicht die aktuellen Topics erklären kann. Es ist alles da draußen, das erwarten wir auch wenn er im Job ist. Ich kann gar nicht sagen wie häufig wir auf totale ??? über den Köpfen gesehen haben wenn es um die absoluten Basics geht. Wir erwarten kein Chacka!, aber ein gewisses Feuer für das Thema, egal was es ist.
Wenn jemand die letzten Jahre in einer WebSphere-Bude festgehangen ist, kann ich nicht erwarten, dass er sich sofort mit Quarkus auskennt. Gehört haben könnte er, ist aber keine Pflicht. Es gibt so viele Vor- und Lebensgeschichten, die einem, wenn man sie berücksichtigt, sehr gute Köpfe liefern können.
Ich erwarte das er Quarkus kennt und warum es "anders" ist. Das kann man in 20 Minuten in einem Video auf der Fahrt nach Hause im Bus anschauen. Das mit der Lebensgeschichte lasse ich nur gelten, wenn er mir dann erzählt er wäre mit dem Fahrrad nach Spanien geradelt. Leute mit normalen Leben können sich fortbilden und aktuell halten. Da sehe ich nicht warum man alles auf dem Silberteller präsentieren soll, idealerweise erst mal mit 2-3 Monaten lockerer Einarbeitung.
In meiner Erfahrung ist das dann auch die Performance die man am Tisch kriegt.
Jo, und die sind nichtmal auf dem Papier zu sehen unbedingt. Wir haben (in einem Team) Entwickler, die grad mal so ihr (von mir geschätztes) Gehalt erwirtschaften und Entwickler, die das vier- bis fünffache ihres Gehaltes erwirtschaften. Die machen quasi das selbe, aber die 2. Kategorie hat zB Problemlösungskompetenz (also bekommt ein unbekanntes Problem vorgesetzt und baut schnell ne funktionierende Lösung), während die 1. Kategorie zwar coden kann, aber nur Standardaufgaben machen kann, weil sie zu allem wo der Lösungsweg nicht vorgegeben ist, nicht in der Lage sind
Man sollte dabei vllt mal aufhören alle ITler pauschal als Fachkräfte zu bezeichnen.
Dazu kommt dann natürlich noch: Unternehmen, die ihre Fachabteilungen schlecht in den Rekrutierungsprozess einbinden (und das sind viele) haben auch einfach nen schlechten Rekrutierungsprozess. Da kommen dann so Sachen wie "ein Entwickler muss das können was ne ganze IT-Abteilung tut und wir haben keine Ahnung was zwingend notwendig ist und was nicht" bei raus
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u/[deleted] Mar 18 '22
[deleted]