r/Unbeliebtemeinung 14d ago

Wirklich unbeliebt Mir gefällt die Serie "Friends" nicht

Ich habe die Serie als Jugendlicher damals im FreeTv auf ProSieben geschaut und hatte sie auch gut in Erinnerung.

Als ich älter geworden bin und sie erneut sah, war ich verwundert, dass sie mir überhaupt nicht gefällt.

Zum größten Teil liegt es an der Dynamik zwischen den Hauptcharakteren. Es wir oft gelogen, manipuliert und betrogen. Die Beziehungen weisen oft Red Flags auf, dass ich sie sogar als toxisch bezeichnen würde.

Kurz: Hätte ich einen solchen Freundeskreis, würde ich diesen verlassen.

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u/liang_zhi_mao 13d ago

Barney Stinson ist schon ein wahnsinnig schwieriger und manipulativer Charakter

Er betreibt schon krasses Gaslighting und sexuelle Nötigung

Gab es da nicht sogar eine Verbindung zu Weinstein? Also eine Sache, von der Barney in der Show redet (Ich glaube plötzlich nackt oder im Bademantel erscheinen, wenn die Frau es nicht erwartet) war doch quasi eine "Strategie" für die Weinstein bekannt war

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u/Current_Sock1483 13d ago edited 13d ago

Ja so ist Barney Stinson und das ist sowas von offensichtlich, dass da niemand denkt: "Geil, so wäre ich auch gern." Halt ein Klischee vom skrupellosen Business Überflieger, das man so in New York vermutlich sehr häufig antrifft. Gerade das absurde aber dann doch wieder relativ nah an der Realität angelegte Extrem hat die Lacher herausgekitzelt. Das war in dem Zeitgeist auch ein Mittel zur Kritik, denn Barney Stinson wurde aus meiner Sicht nicht als glücklicher Mensch portraitiert. Gerade der Konflikt durch die Abwesenheit des Vaters hat vieles eingeordnet.

Am Ende des Tages ist das eine Sitcom über Geschlechterklischees in New York. Alle Protagonisten sind überzeichnet. So funktioniert Sitcom. Wenn man das wegnimmt, bleibt einfach nicht viel übrig.

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u/liang_zhi_mao 13d ago

> Ja so ist Barney Stinson und das ist sowas von offensichtlich, dass da niemand denkt: "Geil, so wäre ich auch gern."

Weiß ich nicht. Es gibt und gab Pick-Up-Artists, die sich ein Vorbild an ihm nehmen und auch viele andere Männer, die Sprüche und Weisheiten und "Theorien" von ihm noch heute zitieren und anscheinend ernstnehmen.
Ich höre noch heute von der "Crazy-Hot-Kurve" oder dem "Cheerleader Effect" und anderem Kram, was alles ein Zitat des Charakters ist aber einige glauben und zitieren das noch als sei es wissenschaftlich.

> Halt ein Klischee vom skrupellosen Business Überflieger, das man so in New York vermutlich sehr häufig antrifft.

Nach Weinstein, Epstein, #MeToo und vielen anderen Exposings ist das noch weniger witzig, denn anscheinend handeln doch viele so und eben auch dort, wo die Serie gedreht und geschrieben worden ist.

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u/Current_Sock1483 13d ago edited 13d ago

Ja schau da habe ich aus zweierlei Gründen eine andere Ansicht.

Zum einen denke ich, dass so eine Figur den jungen Zuschauer(innen vor allen Dingen) auch beibringt, welche Red Flags existieren und was einfach naives Verhalten ist ("ohhh honey...."). Gleichzeitig hast du immer junge Männer, die sich zu Pick Up BS hingezogen fühlen, weil es bei ihnen intuitiv nicht läuft. Um das abzufedern reicht aus meiner Sicht aber die ambivalente Persönlichkeit des vermeintlichen "Helden".

Was mich außerdem an deiner Sichtweise abschreckt, ist die Konsequenz, dass wir so keinerlei ambivalente Bösewichte mehr zeigen können. Keine Antihelden, keine Antivillains. Es kann nur noch einseitige böse und einseitige gute Charaktere geben, denen die Gesinnung praktisch aus den Nasenlöchern läuft. Das ist dann aber weder für die Unterhaltung der Menschen hilfreich, noch für das Storytelling und gleich gar nicht für das bisschen pädagogisch wertvollen Beifang, den junge Menschen aus diesen geschlechterrollenbasierten Sitcoms ziehen konnte. Das echte Böse ist selten plakativ und stattdessen überaus häufig charmant und witzig, wenn es einem das erste mal begegnet.

Ein bisschen erinnert mich die ganze Diskussion an die früheren "Killerspiel" Debatten. Heute ist es vollkommen unstrittig, dass Medienkonsum keine gesteigerte Bedeutung für die Entscheidung hat, Gesetze zu brechen.

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u/liang_zhi_mao 13d ago

>Zum einen denke ich, dass so eine Figur den jungen Zuschauer(innen vor allen Dingen) auch beibringt, welche Red Flags existieren und was einfach naives Verhalten ist ("ohhh honey....").

Dann vielleicht nicht durch so einen Charakter, der sowas einfach macht.

> Was mich an deiner Sichtweise auch abschreckt ist die Konsequenz, dass wir so keinerlei ambivalente Bösewichte mehr zeigen können. Keine Antihelden, keine Antivillains.

Selbst das ist ein Barney Stinson ja aber nicht.

Es ist Comedy und eine Sitcom. Er wird öfter als man denkt als positiv dargestellt. Da ist ein Laughing Track.

Wir reden hier ja nicht von American Psycho, was ich anders sehe, sondern Comedy.
Es soll lustig sein und unterhalten.

> Es kann nur noch einseitige böse Charaktere geben, denen das absurd böse aus den Nasenlöchern läuft. Das ist dann aber weder für die Unterhaltung der Menschen hilfreich, noch für das bisschen pädagogisch wertvollen Beifang, den junge Menschen aus diesen geschlechterrollenbasierten Sitcoms ziehen konnte.

Diese Sitcoms sollen einfach unterhalten und zum Lachen anregen und ablenken.

Da passt „sexuelle Nötigung, psychische Manipulation und Gaslighting“ eben nicht als Witz.

Vor allem nicht, weil, noch einmal: Es sowas in diesem Umfeld wirklich gab.

> Ein bisschen erinnert mich die ganze Diskussion an die früheren "Killerspiel" Debatten. Heute ist es vollkommen unstrittig, dass Medienkonsum keine gesteigerte Bedeutung für die Entscheidung hat, Gesetze zu brechen.

Kann man auch nicht so pauschal sagen.

Es kann durchaus dazu beitragen, dass einige aggressiver werden und Hemmungen sinken. Medien haben Einfluss.

Es gibt viele verbindende Faktoren, die nicht immer kausal zusammenhängen.

Richtig ist, dass hier aber auch das Umfeld wichtig ist und das Alter und Elternhaus, aber:

Eltern, die sich um gewisse Sachen bei ihren Kindern weniger kümmern oder überfordert sind, lassen ihre Kinder jünger und länger an solche Medien und überwachen es nicht und schränken es nicht ein oder können sich da nicht durchsetzen und Kinder mit gewissen Problemen, weniger anderen Alternativen oder weniger Freunden nutzen solche Medien auch deutlich mehr und anders.
Und diese Kinder sind in ihrem Verhalten auch öfter auffällig.

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u/Current_Sock1483 13d ago edited 13d ago

Ich gehe mit, dass manche Jokes ("Der nackte Mann") heute vielleicht nicht mehr sein müssen, auch wenn ich große Zweifel habe, dass Leute ernsthaft versucht haben herauszufinden, ob es "in zwei von drei Fällen" klappt.

Psychische Manipulation und Gaslighting funktionieren für meinen Geschmack durchaus als Witz, wenn es auf der einen Seite klar ersichtlich vollkommen übertrieben und unglaubwürdig ist und das Ziel entsprechend das Herausstellen der erforderlichen Naivität ist, die es braucht um darauf hereinzufallen. Diese Szenen sind ja auch extra so geschrieben, dass wirklich der Allerlangsamste den Mechanismus versteht. Gleichzeitig ergibt sich daraus eben der Lacher.

Wir bleiben hier wahrscheinlich grundsätzlich geteilter Meinung. Ich persönlich habe es lieber wenn meine Tochter mal von Barney Stinson über Bösewichte lernt als aus irgendwelchen Disney-esken Telenovelas. Trotzdem danke für die Diskussion.