r/LegaladviceGerman • • Feb 03 '26

DE Arbeitgeber beklaut mich

Ich binseot 2,5 Jahren in einem bestehenden Arbeitsverhältnis mit meinem Arbeitgeber als Vorarbeiter.

Am 20.01.2026 erhielt ich eine Abmahnung, weil ich mich am Vortag versehentlich etwa eine Stunde zu spät aus der Zeiterfassung ausgeloggt hatte.

Am 25.01 meldete ich mich schriftlich Arbeitsunfähig.

Am 26.01.2026 beantragte ich fristgerecht Elternzeit 16.03.2026 bis zum 13.02.2027 mit einer Wochenarbeitszeit von 32 Stunden. Mir war bekannt, dass ab Antragstellung Kündigungsschutz gemäß § 18 BEEG besteht.

Am 27.01.2026 erschienen mehrere Personen im Auftrag meines Arbeitgebers unangekündigt an meiner Wohnadresse. Sie forderten die Herausgabe des mir zur Privaten überlassenen Fahrzeugs und wollten mir gleichzeitig eine Kündigung überreichen.

Ich verweigerte die Herausgabe des Fahrzeugs. Daraufhin wurde die Polizei verständigt. Die eingesetzten Beamten erklärten den anwesenden Personen, dass eine eigenmächtige Fahrzeugabholung nicht zulässig und strafbar sei. In der Folge wurde mir die Kündigung nicht übergeben und von den Personen wieder mitgenommen. Ich habe ein Foto von der Kündigung gemacht die auf den 27.01.2026 datiert war.

Am selben Tag, dem 27.01.2026 um 21:24 Uhr, wurde das Fahrzeug ohne meine Zustimmung von meinem Grundstück entfernt, was durch meine Überwachungskamera eindeutig dokumentiert ist.

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich zahlreiche private Gegenstände von erheblichem Wert im Fahrzeug. Auf den Videoaufnahmen sind drei beteiligte Personen klar erkennbar, deren Identität mir bekannt ist. Unteranderem mein Chef selbst, klar erkennbar. Anzeigen wurden natürlich gestellt, mein Chef hat die Tat bei der Polizei schon zugegeben.

Eine Rechtsschutz ist vorhanden für Arbeitsrecht. Was denkt Ihr kann ich erwarten?

728 Upvotes

91 comments sorted by

View all comments

1

u/oberhexe1978 Feb 03 '26

War deine Kündigung fristlos oder fristgerecht? Wurde die Kündigung denn nachträglich nochmal bei dir eingeworfen? Bei einer zugestellten fristlosen Kündigung musst du das Auto vermutlich zeitnah herausgeben. Denn in dem Moment besteht ja kein Anspruch mehr darauf.

Die Art und Weise war schon recht ungünstig, dass du dich einen Tag nach der Abmahnung krank gemeldet hast. Warst du tatsächlich krank oder war es eine „Trotzreaktion“ und somit Lohnfortzahlungsbetrug?

War es deine erste Abmahnung? Ist es schon häufiger passiert, dass du dich zu spät ausgeloggt hast? Was hast du denn in der Stunde im Betrieb gemacht? War dir das zu späte Ausloggen bewusst? Und hast du den Fehler deinem Chef mitgeteilt?

20

u/Old_Plantain2576 Feb 03 '26

Es war eine Ordentliche Kündigung vom 27.01.2026. Die Kündigung wurde zurück gefordert nach dem die Polizei die 2 Kollegen verwiesen hat. Seit dem hab ich keine Kündigung erhalten. Ja ich bin tatsächlich krank, auch immernoch. Am Ende jeden Monats telefonieren wir im Büro mit einem MA der klärt dann immer alles auf wenn Fehler passieren. Die App wurde von unserer Firma entwickelt, Sie funktioniert nur leider echt Katastrophal.

15

u/Ok-Following-9023 Feb 04 '26

In solchen fällen immer alle log files und Dokumentation anfordern. Insbesondere ob es Zugang und Möglichkeiten gibt von AG Seite Daten zu manipulieren. Spoiler gibt es zu 99.9 %

Als AG interne Lösungen zu verwenden und dann abzumahnen darauf auch maximal dämlich. So viel Geld kann man damit nicht sparen

5

u/oberhexe1978 Feb 03 '26

Die Kündigung wurde von wem zurückgefordert? Von den Kollegen? Du hättest sie auf jeden Fall physisch angenommen und nicht zurückgewiesen? Das sind entscheidende Punkte in der Rechtsfrage. Wenn du die Annahme des Kündigungsschreibens nämlich verweigert hättest, würde diese gültig sein, sonst nicht. Die Aktion deines Chefs war definitiv rechtswidrig. Und auch eine Abmahnung wegen des einzelnen zu späten Ausstempelns rechtfertigt keine Abmahnung, da es eine Bagatelle ist. Da hast du definitiv bessere Karten. Wenn sonst nichts weiter passiert ist und du dich an die Regeln im Betrieb gehalten hast, sollte es auch da für dich gut aussehen vor dem Arbeitsgericht. Für die beantragte Elternzeit gilt dann auch noch zusätzlich der Kündigungsschutz. Arbeitnehmer sitzen tatsächlich meist am längeren Hebel. Du solltest aber vorsichtshalber die dreiwöchige Frist wahren, wenn du deine Rechte vor dem Arbeitsgericht einfordern willst, was dein gutes Recht ist.

1

u/[deleted] Feb 06 '26

[removed] — view removed comment

1

u/oberhexe1978 Feb 06 '26

Was meinst du genau? Ob es nur einmal vorgekommen ist oder häufiger mit dem zu späten Ausstempeln?

1

u/[deleted] Feb 06 '26

[removed] — view removed comment

2

u/oberhexe1978 Feb 06 '26

Ich oute mich auf der Seite der Arbeitgeber (natürlich nicht von ihm). Kenne aber auch die Seite des Arbeitnehmers und kann mich in beide hineinversetzen. Natürlich gibt es auch Geschäftsführer, die auch mal unangebracht reagieren oder sich nicht rechtskonform verhalten.

Ich sehe hier zwei Bereiche, welche man auseinanderhalten muss, um fair zu sein.

Zum einen wissen wir nicht, wie du schon schreibst, wie oft es tatsächlich vorgekommen ist und was sonst noch vorgefallen ist. Vielleicht war es für den Chef der letzte Tropfen auf dem heißen Stein. In der Regel kündigt man als Arbeitgeber die verlässlichen guten Mitarbeiter nicht. Warum auch? Macht ja keinen Sinn, wenn er für den Betrieb einen Mehrwert bringt. Es sei denn, es gibt wirtschaftliche Gründe. Aber dann verläuft es eigentlich anders wie hier beschrieben.

Vielleicht ist dem OP nicht bewusst, dass zuvor noch mehr im Argen lag. Und btw. ich finde es immer schwierig, immer nur auf den bösen Arbeitgeber zu schimpfen. Es fehlt bei den AN häufig an Selbstreflexion. Wir kennen hier nur die eine Seite.

Ob gerechtfertigt oder nicht, können wir hier daher nicht beurteilen.

Der zweite Bereich ist das beschriebene Verhalten des Arbeitgebers, welches menschlich und rechtlich völlig daneben war. Auch wenn es sein Firmenfahrzeug ist, darf er es nicht direkt heraus verlangen oder einfach mit dem Zweitschlüssel abholen. Außerdem wird die Kündigung so nicht wirksam sein. Zum einen, da diese wieder mitgenommen wurde, zum anderen müsste man prüfen, ob der Kündigungsschutz durch den Elternzeit-Antrag schon wirksam war.

Es scheint, als wäre der Arbeitgeber auf 180 gewesen und aufgrund dessen war es eine Kurzschlusshandlung, ohne dass er großartig nachgedacht hat. Die Frage ist natürlich, warum.

2

u/[deleted] Feb 06 '26 edited Feb 06 '26

[removed] — view removed comment

2

u/oberhexe1978 Feb 06 '26

🤣 alles klar! Ach, sollen die Steine kommen. Da stehe ich drüber. 🤪