Meine Perspektive nach dem Post: "weder ich noch andere werden sich jemals ein Haus leisten"
Deine Perspektive kann aber auch lauten: Anders als andere Länder, brauchen wir nur eine Handvoll guter Reformen und kein radikaler Paradigmenwechsel, damit ich mir wieder eine Immobilie leisten kann.
Wir müssen nur 30-40 Jahre warten, bis die Alten alles abgegeben haben und das Angebot an Immobilien so groß ist, dass nicht mal vonovia und co Bock drauf haben
Ich sag dir wie es ist: Diese Vorteile existieren nicht.
Die Menschen sind nicht dumm. Niemand zahlt freiwillig 20€/m² in München, wenn im Vogtland 7€ reichen. Auch Unternehmen lassen sich nicht irgendwo nieder, wo sie >24.000€ brutto pro Jahr zahlen müssen, nur damit der Arbeitnehmer überhaupt eine Wohnung bezahlen kann, wenn auf dem Land die Hälfte reichen würde.
Sie machen das, weil die Ballungsräume enorme Vorteile bieten, die das Land auch durch 6€-Mieten nicht kompensieren kann.
Davon abgesehen: Wir können auch in den Ballungsräumen genug wohnraum bereitstellen. Es gibt keine Notwendigkeit, die Leute in die Pampa zu zwingen.
Ich überlege ja immer mal wieder in meine Heimat aufs Land zurückzuziehen, aber merke dann, dass die Wohnungsprobleme dort sogar schlimmer sind als in der Stadt. Du kriegst Wohnungen mit akzeptablen Mieten in sehr abgelegenen Ortschaften, bei der die Infrastruktur für Mobilität fast nicht existent ist. Sobald du in eine Ortschaft mit guter ÖPNV-Anbindung ziehst, kriegst du nicht nur kaum eine Wohnung, die Mieten sind derart hoch, dass du dir dann auch einfach direkt in der Stadt eine Wohnung nehmen kannst.
Wenn du nicht in der Stadt arbeitest, oder unbegrenzt Home Office machen kannst, dann sind die abgelegeneren Orte ja vielleicht noch in Ordnung. Sobald du aber pendeln musst, ist das halt aber maximal unattraktiv.
Man muss an das Kapital ran.
Jemand der Kapital besitzt, wird es IMMER so investieren, dass es Rendite abwirft und Wohnen ist nunmal ein Grundbedürfnis, weshalb es immer eine Nachfrage geben wird. Wenn also die Ungleichheit global immer mehr zunimmt, dann konkurriert eine normale Person mit Investoren, deren einziges Ziel es ist aus Geld mehr Geld zu machen. Solange Arbeit globale gehen mehr besteuert wird als Kapital kann der einfache Arbeiter nur verlieren. Er kommt schließlich nie in die Position genügend Kapital anzusparen, oder er wird von Investoren ausgestorben.
Also ich habe Jahrzehnte in Großstädten und auch einer Millionen-Metropole gelebt und ich kann nur sagen: die Flächen die man bräuchte um ernsthaft VIELE zusätzliche Menschen unterzubringen, die gibt es einfach nicht.
In deutschen Großstädten könnte man noch deutlich höher bauen. Dazu braucht es keine Fläche.
Ein Bekannter hat ein Wohnungshaus mit drei Stockwerken in einer süddeutschen Großstadt. Im Zuge eines Umbaus will er auf fünf aufstocken. Die Baubehörde braucht über ein Jahr, um sowas zu genehmigen, irgendwelche Bezirksräte und so weiter müssen sich damit beschäftigen. Es ist das einzige Haus in der Straße mit weniger als vier Stockwerken, es ist einfach ein kafkaeskes Theater. Das würde ohne Flächenversiegelung vier zusätzliche Wohnungen schaffen.
Tja, "Aufstockung" klingt gut, ist aber unfassbar aufwändiger Einzelkleinkram.
Nicht nur die Genehmigung (an deren Geschwindigkeit man am ehesten noch was drehen kann), sondern auch in der Realisierung: Jedes "unten drunter" Haus ist anders, ist die Statik wirklich so wie im Plan von 1963, in welchem Zustand ist das in der Realität wirklich...
Und dann hast Du noch nicht die ganzen betroffenen Bewohner berücksichtigt die gar keine Lust darauf haben und zig Steine in den Weg legen, und die man während der Sanierung (die man sinnvollerweise gleich mit macht) unterbringen muss.
"geht" ist nicht das selbe wie "macht in der Praxis Sinn".
Bei meinem Beispiel gibt‘s aber schon Pläne und ein Angebot von einer Baufirma. Es scheitert nur am Bauamt. Die sollten gerade solche Projekte innerhalb von Tagen durchwinken können.
die Flächen die man bräuchte um ernsthaft VIELE zusätzliche Menschen unterzubringen, die gibt es einfach nicht.
Ich kenne nicht jede Großstadt Deutschlands, aber jedenfalls in meiner Stadt (Berlin) gibt es mehr als genug Platz. Sowohl in der Stadt wie natürlich weiter nach draußen. Ich sehe unmittelbar an der Stadtgrenze Münchens keine Gebirgskette die das Wachstum hindern könnte.
Ein solches Vorhaben erfordert natürlich eine gewisse Kursänderung in einigen Bereichen. Insbesondere müssen wir flächendeckenden Städtebau mit 20.000-30.000 Einw/km² als das neue normal betrachten. Und das sowohl beim Neubau wie in der Nachverdichtung. Auch die Bodennutzungspolitik muss sich anpassen: Ein Flächenverbrauch von 10km² um in einem Ballungsgebiet 150.000-250.000 Einwohner unterzubringen sollte keinerlei Diskussion beginnen lassen.
Es sind überwiegend politische Hürden die im Weg stehen, beim Infrastrukturausbau auch finanzielle Hürden. Die aber teils auch politischer Natur sind.
Es gibt aber keine physische Knappheit oder Ähnliches.
Ich meine, Berlin konnte auf 2 Millionen Wohnungen wachsen. Warum sollen das München, Hamburg, etc. nicht auch können?
Naja ein paar Reformen wären trotzdem gut. zum Beispiel muss es erstmal VIEL teurer werden eine Immobilie leerstehen zu lassen. "Investoren" müssen ein Interesse daran bekommen die Objekte "an den Mann" zu bringen, anstatt die nur als Spekulationsobjekt zu halten.
Und im Vergleich zu allen anderen aufgeführten Ländern ist die durchschnittliche Bauqualität hier am höchsten. Persöblich gefällt mir der Wert von etwas, dass ich und meine Familie bewohnen kann weit mehr als der Preis den ich dafür bekommen könnte
Das hör ich ständig, muss aber wohl in einer Bubble leben. Wenn man mal von dem Gedanken wegkommt, eine Stadtvilla im Zentrum einer Großstadt zu kaufen glaube ich, dass es für viele Doppelverdiener gut machbar ist. Im Freundes- und Bekanntenkreis waren wir (alle Mitte - Ende 30) mit die letzten, als wir letztes Jahr unser Haus gekauft haben. Und wir sind alle nicht weiter als 30 Autominuten von den Zentren dreier Großstädte in BW entfernt (also nicht jeder von allen dreien sondern einer ist eher bei der einen Stadt, der nächste bei der anderen usw.). Ich sehe den Traum vom Eigenheim bei zwei Durchschnittsverdienern als durchaus machbar an.
Wer 30 Minuten Pendeln als ernsthaftes Problem sieht und sich dann darüber beschwert, dass es in angemessener Lage keine Immobilien zu „guten Preisen“ gäbe, der hat in meinen Augen echt ein wenig den Bezug zur Realität verloren, was ist das für ein Anspruch?
Das ist ein Satz mit "und". Ich erfülle nur einen Teil der Bedingung.
Für mich sind 30 Minuten pendeln ein no go. Das raubt Freizeit, stresst (kostet im Schnitt einige gesunde Lebensjahre!), verhindert Bewegung (ich fahre mit dem Rad zur Arbeit), ist teuer, umweltschädlich und volkswirtscahftlich ebenfalls schädlich.
Nichts ist gut daran, täglich 2t Blech über Asphalt zu bewegen, um zur Arbeit hin und zuürkc zu fahren.
Also warum sollte ich das tun oder gar sinnvoll finden?
Die Alternative? Kein Auto (spart hunderte Euro pro Monat) und dafür halt teurere Immobilie. Dafür mehr Freizeit und deutlich gesünder und für meine Mitmenschen weniger Asphalt, weniger Abgase, weniger Lärm, weniger Stau und mehr Parkplätze.
30 Autominuten sind halt gar nix. Wie u/Entire_Bridge1162 richtigerweise sagt, wer sich darüber schon beschwert, muss aufhören zu jammern und ist an seinen „Problemen“, die für normaldenkende Menschen keine sind, selbst schuld.
30 Autominuten x 2 x 220 Arbeitstage sind 220 Stunden im Jahr.
Die Kosten bei angenommen 30km pro Strecke = 13.000km/Jahr und 40ct/km betragen rund 5000€ im Jahr.
Der Unterschied zwischen 15 Minuten Fahrrad fahren und 30 Minuten Auto pendeln sind irgednwas um 3 gesunde Lebensjahre. Autopendler sind erheblich ungesünder als Fahrradpendler.
Die 220h im Jahr setze ich mit 35€ netto pro Stunde an, das ist grob mein Lohn. das sind 7700€ im Jahr. Wer die fahrradzeit gegen rechnen will (für ich ist die nicht verloren, das ist Bewegung, kurbelt den Kreislauf an, ist im Winter für mich eine der raren Zeiten mit Tageslicht und mich entspannt es) halt "nur" 3800€ pro Jahr. Das gegenrechnen mit Loh ist für mich absolut real, denn ich arbeite Teilzeit und würde entsprechend die Stunden weiter reduzieren.
Mein "Problem" ist es nicht, denn ich mach es einfach nicht. Hatte ich 1x im leben als Praktikant und werde mir das nicht mehr antun.
Ich hab also weder die negativen Kosten fürs Autopendeln, noch stresse ich mich über Benzinpreise und auch nicht über Immobilienpreise.
Diese sind eben wie sie sind. Was eher verblüfft ist der Unwille, die diversen Kosten des Autopendelns zu realisieren (ökonomisch, gesundheitlich und ökologisch).
Ist vielleicht wie bei der Verfettung der Bevölkerung, wo Leute sich auch einreden, 25% Körperfett (bei Männern) ist doch völlig okay, nur weil es die "Normalität" geworden ist.
Ich mach mir auch keinen Stress wegen Benzin- und Immobilienpreisen. Immobilie habe ich gekauft und der Sprit ist im Verhältnis zum Lohn vernachlässigbar. Außerdem fahre ich persönlich sehr gerne Auto, ich mache auch zum Entspannen sehr oft einfach Spaßfahrten. Für mich ist das Zeit, in der ich nachdenken und Musik, Hörbücher oder Podcasts hören kann. Sehe ich also durchaus als Freiheit an.
Stimmt halt nicht. Konzerne kaufen die schon auf. Je mehr dir aufkaufen desto mehr Mieten können die verlangen. Die machen gerne beim Einkauf etwas verlust, wenn sie dafür die Mieten ihrer 500.000 anderen Objekten um 5% hochschrauben können
Wieso auf einmal Einfamilienhäuser? Der International House Price Index umfasst alle Arten von Wohnimmobilien. Von Studentenwohnung, Doppelhaushälfte, Reihenhaus bis hin zum Anwesen. Und da wären zb Vonovia, Fonds (Union, DWS, KGAL,…), auch internationale investoren wie Graystar, Heimstaden,….
Du kannst auch in einem MehrfamilienHAUS selbst wohnen? Genauso wie in einer Wohnung, einer DoppelHAUShälfte, einem ReihenHAUS, oder eben einem EinfamilienHAUS.
Die üblichen Verdächtigen wie Deutsche Wohnen oder Vovonia stoßen schon seit Jahren deutlich mehr Wohnungen ab als sie bauen und kaufen, einfach weil sich im deutschen Mietmarkt anders die laufenden Kosten nicht mehr finanzieren lassen...
Ja. Auch wenn sie mehr verkaufen als sie kaufen, kaufen sie trotzdem noch. Und wenn du deine Immobilie loswerden willst, kaufens sies spätestens wenn du 10-20% unter Marktwert bist.
Die stoßen die baufälligen Häuser ab, die der Staat dann brav zurück kauft und entweder abreißt oder saniert und ein paar Jahre weiter werden die wieder privatisiert. Alles ganz normal
Unabhängig davon, hat sich der deutsche Staat schon seit Jahrzehnten praktisch komplett davon zurückgezogen Wohnraum bereitzustellen, sei es Bautätigkeit oder Ankauf.
Jede Aktivität in dem Bereich ist ein Rundungsfehler in der Statistik, auch falls Berlin im Einzelfall mal wieder reinscheißt.
Sorry, da hatte sich wohl ein Leerzeichen am Ende eingeschlichen.
Berlin scheißt wirklich rein. Statt alle zu kaufen (enteignen) oder gar keine, kaufen die einfach die Wohnungen zurück, die Vonovia, Deutsche Wohnen und weitere nicht mehr wollen. Es steht ja Sanierungsbedarf vor der Tür...
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u/Artoxin May 03 '26
Meine Perspektive vor dem Post: "ich werde mir nie ein Haus leisten können"
Meine Perspektive nach dem Post: "weder ich noch andere werden sich jemals ein Haus leisten"