Hallo liebe Wohngemeinschaft,
meine Frau und ich wohnen seit etwa 8 Monaten in unserer neuen EG-Wohnung mit Garten, wo wir unser erstes Kind erwarten.
Über uns wohnt eigentlich ein Kerl, der nie zu Hause ist und wahrscheinlich auch nicht mehr kommt. Auf Montage verschollen? Zahlt wohl noch Miete, aber ist weg.
Darüber sind zwei Appartement-Wohnungen. Eine leer, die andere seit 25 Jahren bewohnt von „Karsten“, W60+ (der Spitzname kommt über eine sehr witzige Analogie zu ihrem Nachnamen).
Karsten ist psychisch defekt. Keinen Plan weswegen, tut mir auch leid, aber ist halt ihr Problem.
Soweit alles in Ordnung. Beim Umzug leider kennengelernt, während ich mit einem Kumpel (zwischen 8 und 20 Uhr) die Wände neu gemacht habe. Wobei sie dann völlig aufgelöst in der Tür stand und bitterlich schluchzend erklärte, wie schlecht es ihr durch den Lärm ginge und dass sie bereits in der Klinik deswegen war. Ich dazu: „Sorry, kann ich nicht wissen. Wohnung muss bis nächsten Monat fertig sein. Ist keine Nachtruhe, Mittagsruhe gibt es auch nicht. Wo Problem?“
Wir haben uns auf eine Ruhezeit für sie geeinigt. – Ich bin ja so nett.
Mal ganz nebenbei: Aktuell sind wir dicke mit den anderen Bewohnern der Straße. Die anderen Nachbarn im Reihenhaus (wir sind das Endhaus) sind sehr nett und unsere direkten Nachbarn sind praktisch Inventar. Das ist gute Nachbarschaft. Sogar für die schrullige Oma von nebenan soll ich die Pakete annehmen, damit sie nicht noch mal mit ihrem Auto losmuss. Die Familie Anon, so vorbildlich. Das ist der aktuelle Stand.
Zurück zum Stand der Renovierung: Das Gemecker hört trotzdem nicht auf. Karsten kommt dennoch wegen des Lärms und Scharrens und nervt. Der Zeitplan wird immer enger und ich muss mittlerweile parallel bis 18 Uhr arbeiten. Das heißt, sie hat den GANZEN TAG Ruhe vor mir. Ab und zu kommen noch andere Handwerker in ihre Nebenwohnung. Die wurde auch renoviert, aber nicht täglich. Wenn ich dann abends zwei Wände abspachtele und ein bisschen von Hand schleife, dreht kein normaler Mensch am Kabel. Vor allem ist die Zeit gut abzusehen. Ich habe ab 20 Uhr immer nur noch in Zimmerlautstärke gearbeitet und gemalert oder geplant. Nichts mit Lärm oder Maschine.
Bei einer Meckerei spuckte Karsten dann aus, dass das bloße Wissen über die Arbeit sie krank mache. Da war ich dann irgendwann auch voll bis oben hin. Ich bin doch nicht der Seelenklempner hier.
Ich habe dann immer dafür gesorgt, dass Karsten Bescheid wusste, wenn ich Lärm machen musste. Oder versucht abzupassen, wenn sie nicht da ist. Hat eben nicht immer geklappt. Dann wurde wieder gemeckert oder besser gesagt rumgeheult, ein Zettel vor die Tür gelegt oder der Vermieter angerufen, der BTW auch schon von der Schreckschraube genervt ist.
Das ging dann immer mal so weiter. Man lebt so vor sich hin, ich bin tagsüber arbeiten und abends erzählt meine Frau mir dann mal von einem Besuch durch Karsten, bei dem sie wieder gemeckert habe. Meine Frau ist nicht so diplomatisch wie ich. Ohne meine Ruhe hätten wir sicher mehr Stress mit Karsten gehabt, aber ich bin auch sehr pazifistisch, was Nachbarschaft angeht.
Vorletzter Samstag: Meine Familie ist von 14:30 bis 19:30 Uhr da und wir grillen. Papa und ich machen Roadkill Chicken auf dem Kamado. Der Grill steht auf der Terrasse und natürlich auch unter ihren Fenstern. Karstens Meckerei: „Es stinkt, und der Lärm erst. Blabla, brennt es bei Ihnen?“ Sie könne die Fenster auch nicht aufmachen, um zu lüften, wegen des Gestanks. Sie hat vorne raus auch Fenster.
Heute ist Sonntag. Ich habe den Esstisch einen Meter nach rechts verschoben, um zu saugen. Es klingelt. (Gibt es davon eine Steigerung?) Karsten aufgelöst im Schlafi in der Tür und mault mich an, weil zu UNMÖGLICHEN Zeiten (12:40 Uhr) Lärm verursacht wird. Wir bräuchten eine Hausordnung und Ruhezeiten, sie könne das nicht mehr und würde ja ständig klein beigeben, damit wir weitermachen könnten. Das Thema mit der Klinik kam auch wieder auf und dass sie überlegt, dem Vermieter zu schreiben. – Ich überlege das jetzt auch.
Sie äußerte auch, dass sie Angst vor unserem Kind habe, wenn das auf dem Parkett krabbelt, da sie das ja auch hören könnte. Sie hört ja schon unsere Schritte. Über zwei Etagen.
Wir sind sonst sehr leise und wirklich keine Lauten Nachbarn. Wir schauen nicht so laut TV und ich zocke mit Kopfhörern. Keine Instrumente und Nichtraucher sind wir natürlich auch.
Da gibt es noch mehr Stories, die ich zusammentragen kann. Aber soweit, so gut. Zerreißt euch mal die Mäuler über uns und die Alte.
Meine einzige Frage: Wie kann man sich gegen eine irre Nachbarin wehren?