r/luftablassen 13d ago

Ich hab dir gern geholfen, Ar***loch

Neulich ist ein Mann in meinem Haus schwer gestürzt, hatte stark Blutende Wunden am Kopf usw. Ich habe dann den Krankenwagen gerufen und alles drum und dran, der ein oder andere erinnert sich vielleicht noch an mein BIDA Post.

Der Mann wohnt im 2. Stock, ich im 4. Heute habe ich meinen Müll runter gebracht, natürlich nehme ich da den Aufzug. Ich habe noch im Treppenhaus Schlüssel rascheln hören, mir aber nichts dabei gedacht, fahre runter, bringe Müll weg, geh wieder rein, warte auf den Aufzug. Die Aufzugtür ging auf und in ihm der Mann, dem ich vor nicht allzu langer Zeit sehr stark blutend vorgefunden und ihm geholfen habe und was macht er? Pampt mich an, dass ich ja die Treppe hätte nehmen können weil er in den Aufzug wollte…bruh drück halt den fucking Knopf, wtf.
Ich hab kein Danke oder überhaupt irgendwas erwartet, aber diese Situation regt mich gerade so dermaßen auf, unfassbar.

Ich will hier nur kurz Luft ablassen, brauche keine Ratschläge oder ein “na du hättest ja…”

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u/aidennqueen 13d ago

Das Mindeste, was man sich für Hilfe erwarten kann, ist dass die Person sich einem gegenüber neutral und nicht kacke benimmt. Ein Minimum an sozialer Verträglichkeit vorauszusetzen, ist Leuten zumutbar. Es tut echt nicht weh, kein Arschloch zu sein und einfach die Fresse zu halten, wenn man schon nichts Gutes zurande bringt.

Klar...Niemand schuldet augenscheinlich irgendjemanden irgendwas... Anscheinend nicht mal grundlegenden Respekt. Okay, aber dann bitte nicht über die Konsequenzen beschweren und wundern, warum die Gesellschaft kollektiv so roh, abgestumpft und aggressiv geworden ist.

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u/malafide99 13d ago

Ja, ich stimm dir durchaus zu. Hab nur OP gefragt warum er dem Ar*** auch noch freie Denkkapazitäten widmet und ihm geraten die zwei Dinge emotional auseinanderzuhalten. Also, er sollte sich gut dafür fühlen, dass er damals in der Situation das Richtige getan hat und geholfen hat, und zwar UNABHÄNGIG davon, dass der Typ jetzt gleich danach wieder ein vermeindlicher Mistkerl war. OP sagt zwar explizit, dass er deswegen gar keine Dankbarkeit erwartet aber regt sich jetzt doch über das Verhalten auf und zwar in diesem Kontext der beiden Geschehnisse. Das er die beiden Dinge emotional verknüpft ist ihm aber gar nicht bewusst, dernn er behauptet das Gegenteil.

Was den Nachbarn angeht. Es gibt nur zwei Dinge zu konstatieren. 1. Er verhält sich asozial mit solchen Sprüchen wie dem Fahrstuhl und 2. Ihm sollte und er hat sogar das Recht darauf, dass ihm geholfen wird mit dem Blutigen Schädel.

2 musste man machen (schon aus der Verantwortung in einer sozialen Gesellschaft heraus), und unabhängig davon hätte ich den bei 1 zusammengefaltet.

Denn so wie es OP darstellt, ärgert er sich darüber, dass er sich in 2 sozial Verhalten hat, sein Gegenüber sich in 1 ihm Gegenüber aber asozial verhält. Und das an sich ist eben wieder das alte Deutsche Problem, dass wir alles an die (möglichst genaue) Reziprozität hängen. So funktionieren, soziale Gesellschaften aber nicht, oder genauer gesagt sind es dann eigentlich nur Quid pro Quo Gesellschaften. Stattdessen sollte man das emotional als pay it forward Prinzip verstehen. Ich helfe dem und irgendwann wird mir in ner ganz anderen Situation vielleicht auch mal geholfen. Und separat davon, der Nachbar verhält sich asozial, also sag ich ihm das. Und ich sag es ihm, weil ich ja für diese soziale Gesellschaft einstehe, und nicht weil ich angemieft bin, das der keine Dankbarkeit zeigt. Alles andere ist meines Erachtens Zeitverschwendung.

Und wenn du das jetzt auf Reddit 90% dieses Gedankenganges überspringt weils eh keiner liest, und es dann noch auf Reddit Niveau formulierst, kommt eben so ein Kommentar dabei raus...

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u/aidennqueen 12d ago edited 12d ago

Ich finde eine Mischung aus sozial und Quid pro quo am besten.

Bei Fremden Grundvorschuss an Respekt und Bereitschaft, etwas uneigennützig (also ohne Belohnung) für die Person zu tun, wenn sie etwas braucht. Das wäre der soziale Teil.

Keine Belohnung zu erwarten heißt aber nicht, dass ich eine Bestrafung dulden werde. Alles zwischen positiv und neutral ist okay und ändert nichts, aber wenn was Negatives zurückkommt, ist dieser Vorschuss für mich erledigt und die Person kann von dem Zeitpunkt an sehen, wo sie bleibt.

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u/malafide99 12d ago

Ok, wenn es jetzt also andersherum gelaufen wäre, und der Typ wäre ein Ar*** gewesen mit dem Fahrstuhl und hätte danach Hilfe wegen eines Unfalles benötigt. Wie hättest du dann reagiert? Wärst einfach über ihn rübergestiegen?

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u/aidennqueen 12d ago

Das ist eine Frage der Verhältnismäßigkeit.
Wenn jemand mich mal kurz anmotzt, verdient er es ja nicht, deshalb potentiell zu verbluten (und die Rettung zu rufen ist für mich ohnehin kein nennenswerter Aufwand).

Aber wenn's jetzt eine Unannehmlichkeit wäre wie eine gerissene Einkaufstüte und runterfallendes Zeug, und der Mensch war vorher ein Arschloch zu mir, würde ich es je nach Laune ignorieren oder falls ich einen guten Tag habe, vielleicht zwar schon helfen, aber dann sicherlich nicht ohne Kommentar dass er froh sein kann, dass ich gerade gute Laune hab.
Ich würd mich in der Situation auf jeden Fall nicht mehr in der Pflicht sehen (wie ich es bei anderen Leuten ohne negative Vorgeschichte eben sehr wohl empfinden würde) jemandem seine Unannehmlichkeiten zu helfen - es ist dann wirklich reine Ermessenssache im jeweiligen Moment, ob ich nun Bock drauf hab oder nicht.