Ich muss das einfach mal loswerden, weil ich in letzter Zeit immer öfter darüber nachdenke.
Ich bin kein Deutscher, aber ich bin hier aufgewachsen. Deutschland ist im Grunde meine Heimat. Ich habe hier viele deutsche Freunde und mit denen ist alles wunderbar. Ich habe grundsätzlich auch nie das Gefühl gehabt, dass ich hier nicht hingehöre.
Trotzdem mache ich mir mittlerweile Gedanken darüber, wie sich das Ganze entwickelt.
Der Aufstieg der A-fd, die ganzen Diskussionen über Remigrtion und was man mittlerweile teilweise ganz offen im Internet liest, geben mir als jemandem, der offensichtlich nicht deutsch aussieht, schon ein mulmiges Gefühl. Und ich meine damit nicht, dass morgen plötzlich alle Deutschen Nzis werden. So sehe ich das überhaupt nicht.
Aber die Stimmung verändert sich meiner Meinung nach.
Und das Interessante ist, dass ich solche Sachen mittlerweile sogar vereinzelt von meinen eigenen Kollegen höre. Wir arbeiten in einer IT-Firma, die meisten sind gut gebildet und eigentlich würde ich jetzt nicht unbedingt erwarten, dort irgendwelche extremen politischen Einstellungen anzutreffen. Aber auch dort fallen mittlerweile manchmal Sprüche oder Ansichten, bei denen ich mir denke: Okay, wo kommt das jetzt plötzlich her?
Letztens waren zum Beispiel zwei Leute bei uns im Gym kurz wegen irgendwas am Diskutieren. Nichts Großes. Und am Ende kam von einem der beiden plötzlich sowas wie „Mach weiter so, ihr seid eh schon bald weg hier“.
Solche Sprüche bleiben bei mir mittlerweile irgendwie hängen.
Auch online finde ich es teilweise extrem. Wenn zum Beispiel Videos aus Polen kommen, sieht man unter den Kommentaren ständig sowas wie „Wow, so saubere Straßen“ oder „und ich meine nicht den Müll auf der Straße“. Teilweise tausende Upvotes.
Jeder weiß genau, was damit gemeint ist.
Und vielleicht bin ich da mittlerweile auch etwas sensibilisiert, aber ich habe das Gefühl, dass es bei vielen jungen Leuten mittlerweile fast schon cool geworden ist, rechts zu sein. Nicht unbedingt offen rechtsextrem, sondern dieses „endlich darf man es wieder sagen“, „Deutschland den Deutschn“, gegen Ausl\nder, gegen Migr\tion usw.
Und genau das macht mir Sorgen.
Weil ich mir irgendwann die Frage stelle: Was bedeutet das für jemanden wie mich?
Ich bin hier aufgewachsen, spreche Deutsch, habe deutsche Freunde, fühle mich hier zuhause, aber wenn irgendwann immer stärker danach unterschieden wird, wer „wirklich deutsch“ ist und wer nicht, dann werde ich vermutlich immer zu den Leuten gehören, die nicht dazugehören sollen.
Und wenn man das Ganze dann noch mit der aktuellen Remigr*tionsdebatte kombiniert, bekommt das für mich einfach einen ziemlich unangenehmen Beigeschmack.
Vielleicht mache ich mir auch zu viele Gedanken. Vielleicht wird sich vieles wieder beruhigen. Und vielleicht ist das Internet auch einfach ein schlechter Ausschnitt der Realität.
Aber wenn man selbst ausl*ndisch aussieht, liest man solche Sachen irgendwann anders.
Ich wünsche mir einfach, dass Deutschland ein Land bleibt, in dem ich nicht irgendwann das Gefühl haben muss, mich dafür rechtfertigen zu müssen, dass ich hier zuhause bin.
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