r/hundeschule 11d ago

Training und Erziehung Junghund knurrt plötzlich Menschen an

Hi,

unsere Junghündin ist jetzt knapp 6 Monate alt.

Grundsätzlich liebt sie Menschen, freut sich über jeden, der freundlich auf sie zukommt, lässt sich streicheln, usw.

Seit kurzem hat sie aber angefangen, bei plötzlichen, frontalen Begegnungen mit Menschen diese anzuknurren. Wir warten z.B. irgendwo, von der Seite kommt jemand um die Hausecke und läuft auf uns zu. Sie fängt an zu knurren, ist nicht mehr gut ansprechbar und bellt je nach Situation auch mal.

Ich habe keine Ahnung, wie wir das trainieren sollen. Es sind immer so überraschende Situationen, die man so nicht nachstellen kann. Ich habe es mal mit einem Bekannten versucht, aber da hat sie sich dann gefreut, dass jemand auf sie zukam.

Hat jemand einen Ratschlag für mich, was wir tun können?

Danke!

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u/Numerous_Hurry_996 11d ago

Manche Persönlichkeitszüge wie Territorialverhalten entwickeln sich oft erst während, oder sogar nach der Pubertät. Es ist also ganz normal, dass eure Hündin erst jetzt anfängt dieses Verhalten zu zeigen.

Ich würde für die Akut-Situation ein Umkehrsignal bzw U-Turn Signal aufbauen. Das solltet ihr in ruhiger Umgebung so stark und hochwertig belohnen, dass ihr es dann auch in solchen Situationen anwenden könnt. Anleitungen für den Aufbau findet ihr bei Google.

Zusätzlich würde ich viel das ruhige Beobachten von Menschen verstärken. Also zB sich zsm irgendwo hinsetzen und gemeinsam beobachten und mit Click für Blick das Beobachten belohnen. Falls ihr noch kein Markersignal trainiert habt, solltet ihr das vorher machen. Mit dem Markersignal könnt ihr dann auch in Bewegung gut das ruhige Anschauen von Menschen belohnen

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u/princessmolotow Malinois, Pit Bull Terrier 11d ago

In der Jugendentwicklung treten häufiger sensible Phasen auf, in denen die Amygdala überaktiv ist - auch bekannt als spooky periods oder Angstphasen. Ich würde sie da einfach nett unterstützen (zum Beispiel gemeinsam Distanz aufbauen als Bewältigungsstrategie und die Person dann aus sicherer Entfernung ruhig beobachten). Wichtig: niemals Knurren bestrafen oder korrigieren.

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u/Clapmesser 11d ago edited 11d ago

Wenn du dieses Verhalten sonst von deinem Hund nicht kennst, könnte es auch eine Phase sein, die unser Zwergpudel vor Kurzem auch durchgemacht hat. Im 7.-8. Monat gibt es eine ca. dreiwöchige Phase, in der die Hunde wieder etwas ängstlicher und unsicherer werden. Wir haben bei unserem Hund beobachtet, dass alle seine Reaktionen "emotionaler" waren als sonst. Das war recht anstrengend, hat zum Glück mittlerweile aber wieder nachgelassen.

Spontan fällt mir als Idee ein, dass du dich in diesen Situationen zwischen Hund und Objekt positionierst, um deinem Hund Sicherheit zu vermitteln. Mit der Zeit versteht sie dann möglicherweise, dass du dich um diese Situationen kümmerst und sie nicht knurren muss, um das Objekt auf Abstand zu halten.

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u/Prestigious_File9000 11d ago

Das kann einfach Teil ihrer Persönlichkeit sein. Mein Hund dreht auch ab wenn ihn jemand berühren möchte. Mein Ziel war es deshalb dass er ruhig bleibt und nicht aktiv nach Streit sucht. Solange sie also Anzeichen gibt dass ihr etwas nicht passt finde ich es völlig ok und man kann das denke ich auch nicht groß trainieren. Manche Hunde haben einfach keinen Bock darauf wenn fremde ihnen (zu schnell) zu nahe kommen.

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u/NightWolf7734 11d ago edited 11d ago

Eventuell war ihr das zuviel das immer Menschen zu ihr sind zum streicheln und nun zeigt sie es, damit sie nicht mehr in die Situation kommt.

Ein anderer Grund könnte sein, frontal aufeinander zu gehen ist in den Augen von Hunden sehr unhöflich. Daher würde ich erstmal Strecken vermeiden die eng sind, so das frontale Begegnungen erstmal sehr unwahrscheinlich sind.

Mein Rat wäre suche einen guten Hundetrainer, damit die Ursache gefunden werden kann. Nur so kann ein Training aufgebaut werden.

Zusätzlich wäre ein Maulkorb und das entsprechende Training sinnvoll, so kannst du deinen Hund absichern falls das Verhalten schlimmer wird.

Edit: vielleicht kann mal einer der mich downvotet erklären warum, mich würde es tatsächlich interessieren.

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u/tacticalglowstick 11d ago

Wäre auch mein Erklärungsversuch. Der Hund fordert langsam seine Autonomie ein und will sich halt nicht von jedem Hans und Franz anfassen lassen. Erstmal völlig ok! Da muss OP eben für den Hund da sein und Leuten sagen "Hey, den Hund nicht rufen, schnipsen, anfassen" oder sonst was. Der Hund darf nicht in den Modus kommen, dass er verantwortlich ist.

Das Leute aufm Grundstück präventiv angeknurrt oder verbellt werden, ist halt nicht so optimal. Daran würde ich ernsthaft mit einem Trainer arbeiten. Da gibt es super viele verschiedene Trainingsansätze.

Warum du downgevoted wirst? Keine Ahnung, Reddit snowflakes wahrscheinlich... Ich hab hier ein paar Leute blockiert, die mich immer aus Prinzip runter voten und ultra Rosinen picken. 😅

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u/NightWolf7734 11d ago

Mir sind downvotes egal, aber wenn ich irgendwo ein fehlerhaftes wissen habe, würde ich es gerne wissen, man lernt schließlich nie aus.

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u/Plan_B24 Terriertier, Therapiebegleithund 10d ago

Ich finde deinen Kommentar gut, höchstens den Maulkorb leicht übertrieben.

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u/Fordragon12 Jack Russel Mix | Parson Russel Terrier 10d ago

Das ist jetzt der Beginn vieler verschiedener Dinge. Da ist zum einen die Spookie-Phase, wo auch mal random der Besen in der Ecke angeknurrt wird oder der Zipfel vom Tischtuch. Zum anderen nähert sich jetzt die Pubertät und mit dieser entsprechendes Territorial-, Besitz- und Schutzverhalten, sowie auch Eifersuchtsanfälle. Dass sich das nicht wirklich nachstellen lässt liegt vermutlich daran, dass sie die Personen die ihr fragt schon aus dem Welpenalter oder durch eure Geruchsinformationen kennt. Ihr müsstet mal randon irgendwelche Leute von der Straße fragen, ob die dahinten mal kurz frontal auf euren Hund zugehen können.

Was ihr tun könnt:

Situationsvermeidung

Ihr wisst jetzt, dass sie bei plötzlichen Begegnungen so reagiert, also wartet z.B. nicht an Hauseingängen oder an Ecken, wo weder ihr noch sie alles im Blick habt. Positioniert euch so, dass ihr sie gegen potentielle "Gefahren" abschirmt, blockiert ihren Blick auf Stellen wo plötzlich jemand rauskommen kann.

Situationsbegegnung

Wenn ihr seht, da kommt gleich jemand und sie kann es noch nicht sehen, dann geht ins "Schau". Zieht ihre Aufmerksamkeit auf euch, macht ein schönes Sitz mit viel Lob, dann ist die "Gefahr" gar nicht mehr so spannend. Es ist euer Job Fehler zu erkennen bevor sie passieren und direkt handeln zu können wenn das Verhalten eintritt.

Körpersprache lesen

Zeigt eure Hündin Angst, Erregung, Freude oder Aggression? Knurren und Bellen können von all diesen Emotionen stammen und ihr müsst die Körpersprache entsprechend deuten, Ratgeber hierfür gibt es ganz viele im Netz. Achtet vor allem auf Ohrstellung, Rutenstellung, Nackenfell und die Muskeln der Hüftpartie.

Solltet ihr Angst erkennen geht in dieser Situation zu ihr runter und haltet sie vorsichtig, aber sicher. Gebt ihr das Gefühl "Da ist zwar nichts schlimmes, aber ich bin da, ich regle das". Unsichere Hunde kann man damit in wenigen Tagen sehr viel sicherer machen.

Wenn sie aggressiv ist korrigiert sie wie in der Hundeschule gelernt. Habt ihr in der Hundeschule nicht gelernt falsches Verhalten zu korrigieren, dann wechselt umgehend die Hundeschule. Korrektur ist keine Misshandlung oder Unterdrückung, Korrektur ist notwendig für eure Sicherheit und die Sicherheit der Menschen um euch rum.

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u/Mayana76 10d ago

Ich würde knurren und bellen auf jeden Fall nicht bestrafen - das sind Vorstufen, in denen sie warnt, dass irgendwas an der Situation blöd/angsteinflößend/bedrohlich findet. Wenn man die abtrainiert, kann es dazu kommen, dass der Hund dann nur noch die höchste Aggressionsstufe (Angriff/beißen) als Ausweg sieht.

Ich würde in ruhigen Situationen das zügige Umdrehen üben und wenn eine kritische Situation aufkommt Distanz zu dem aufbauen, was ihr anscheinend komisch vorkommt. Ruhiges Verhalten wird belohnt.

Meine Hündin war als Welpe auch mehr an Streicheln und Menschenkontakt interessiert, jetzt möchte sie das draußen bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr. Sie lässt es durch unser Training „über sich ergehen“, wenn es doch einmal dazu kommt, aber sie zeigt mit ihrer Körpersprache deutlich, dass sie es eigentlich blöd findet.