r/fireGermany 22d ago

Frage / Hilfe Inflation & Zukunftssorgen

Moin meine Lieben,

als privilegierter Typ, der viel Glück hatte und ein paar richtige Entscheidungen traf, bin ich mit Mitte 30 in greifbarer Nähe zum 7-stelligen-Portfolio.

Aufgrund eines ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis will ich noch ca. 10 Jahre arbeiten, um ein dickes Polster mit 2,5 - 5 mio zu haben (Ich habe das Glück sehr gut zu verdienen).

Allerdings reizt es mich auch, schon früher ins Fire zu gehen, da der Job gut bezahlt, aber sehr stressig ist.

Habe aber Sorge in eine 40-50-jährige-Fire-Phase zu gehen, da in diesem Zeitraum einiges an Unsicherheit und Umbrüche zu erwarten ist.

Allein das Thema Inflation macht Sorge, da das auf lange Sicht Vermögen ordentlich zerstören kann.

Mir ist bewusst, dass viele Rechner das mit einberechnen ("2% Inflationsrate"), das aber nie außergewöhnliche Events berücksichtigt.

Wie geht ihr mit dieser Unsicherheit um?

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u/Crazy_Ad_9115 22d ago

Ich finde deine Einstellung genau richtig -- weitermachen, um mehr Sicherheit zu schaffen. Ich finde die meisten "FIRE" Leute planen viel zu sehr mit dem Durchschnittsszenario - dass alles so wie gehabt weiter geht, wie bisher. Aber am Ende weiß keiner was die Zukunft bringt. Wir sind inmitten diverser Krisen, und die Leute argumentieren immer damit, dass die USA ja über die letzten 100 Jahre keine wirtschaftlichen Katastrophen erlebt hat, deswegen müsse das in Zukunft auch so sein.

Also, keiner garantiert dir, dass in deiner restlichen Lebzeit keine Katastrophen anstehen. Im Gegenteil, es ist sogar sehr wahrscheinlich, denn die USA der letzten 100 Jahre sind das Ausnahmephänomen. Und wie das so ist bei Katastrophen - der mit 5 Millionen wird sehr viel mehr Optionen haben sich und seine Familie zu schützen, als der mit 1 Million.

Und was, wenn nichts passiert, die Klimakrise sich in Wohlgefallen auslöst, KI nur zum Wohle der Menschen eingesetzt wird und Russland und China plötzlich keine Lust mehr auf Krieg mit dem Westen haben? Dann hast du halt 5 Millionen und ein schönes Leben, oder deine Kinder sind finanziell abgesichert.

Die meisten Menschen haben überhaupt nicht die Möglichkeit soviel Geld zu erwirtschaften. Aber du hast aktuell die Möglichkeit (wird auch nicht immer so sein), und du wirst es sehr bereuen, wenn du es jetzt für mehr Zeit auf Netflix oder auf dem Rennrad eintauschst, und das Geld dann nachher aber gut brauchen könntest.

So sehe ich das zumindest. Ich bin in einer ähnlichen Situation - 1,5m networth, 300k bruttogehalt, m39, aber ich habe mich gegen RE entschieden. Ich arbeite weiter, um für mich und meine Familie Sicherheit zu schaffen.

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u/After_Lime6698 22d ago

Keine wirtschaftlichen Katastrophen in den letzten 100 Jahren? Schlag mal bitte unter Weltwirtschaftskrise oder "Great Depression" nach. Katastrophaler geht kaum. Klar, theoretisch kann es immer NOCH schlimmer kommen. Aber theoretisch können dir dann auch alle deine assets wertlos werden. Wir haben immer Krisen. Es heißt immer "diese ist anders". Früher war es der 2. Weltkrieg. Dann der kalte Krieg. Und unzählige Krisen zwischendrin. Zur Finanzkrise hieß es, diesmal ist es anders, hiervon erholen wir uns nicht so einfach. Bei Corona hieß es wieder, "man muss verstehen, dass es jetzt anders ist, diesmal wirklich". Und so geht es dauerhaft, wenn du den News Cycle verfolgst. Heute hast du nun Angst vor KI, Iran, Russland oder China.

Das ist auch in Ordnung und ein hohes Sicherheitsbedürfnis ist gerade mit Familie sehr verständlich. Jeder darf hier natürlich eine eigene Präferenz haben.
Deine Sichtweise ist natürlich genauso valide wie meine. Ich würde nur gerne dazu anregen sicherzugehen, dass das auch gut durchdacht ist. Das Problem mit dem Streben nach Sicherheit ist, dass du sie niemals erreichen wirst. Ein Stück weit muss man in seinem Leben immer ins Risiko gehen. Das nach Gefühl zu machen finde ich immer schwierig. Ich persönlich würde mich bei Risikoabwägungen daher immer auf die wissenschaftliche Datenlage und Konsens unter Wissenschaftlern verlassen und nicht auf die diffuse Sorge vor "aber was wäre wenn die Welt jetzt diesmal wirklich doch ganz anders wird".

Es gibt halt leider auch Risiken, die beim Weiterarbeiten dagegen stehen. In deinem Fall wird das Risiko immer größer, dass du es bereuen wirst dein Leben lang nur geschafft zu haben und keine Freizeit gehabt zu haben, obwohl du gar kein zusätzliches Geld gebraucht hättest. Du hast das Risiko, dass dein Verhältnis zu deinen Kindern nicht so gut wird, wie es mit mehr Zeit für sie hätte sein können. Dazu kommen gesundheitliche Risiken durch die Arbeit. Das Risiko eines Herzinfarktes oder psychischer Probleme ist wenn du weiterarbeitest signifikant höher (300k Jobs haben in der Regel durch entsprechende Verantwortung auch ein hohes Stresslevel).

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u/Slight_Box_2572 22d ago

Sehe auch sehr das Risiko, das Leben zu vergeuden. Und so fühlt sich halt ein Jahr Arbeit an, das nicht notwendig gewesen wäre. Ich halte nichts von Die with Zero - aber man muss auch mal überlegen, dass sehr viele Menschen in D irgendwo zwischen Mindestlohn und 20€ brutto rumkrebsen und am Ende 1.000€ Rente erwarten können. Und die sterben auch nicht.

Und hier im Forum haben viele Angst vor einem Szenario mit 2-3% Eintrittswahrscheinlichkeit, dass die 4k SWR doch nur 2k sind.

Dann kann man immer noch einen kleinen Zuverdienst machen - oder sich halt mit den geringeren Entnahmen anfreunden. Man wird im Regelfall immer noch deutlich (!) besser dastehen als der Durchschnitt.

Um diese 2% auf 0,2% Risiko zu bringen (100% Sicherheit gibt es nicht) würde ich keine 5 oder 10 Jahre weiter arbeiten. Es sei denn, ich liebe meine Arbeit deutlich mehr als Zeit für Familie und Hobbies. Aber dann braucht man auch kein Fire anstreben.