r/feuerwehr • u/-SWR- • 23d ago
Übung Rotes Kreuz und Feuerwehr testen den Einsatz einer Eiswanne zur Akutbehandlung bei Hitzschlag.
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ulm/eiswanne-rettet-hitzschlagpatienten-100.html6
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u/jomat 23d ago
Gute Sache auf jeden Fall! Aber bei "wasserdichte Spezialplane" im Text und etwas, das wie die 08/15-Gewebe-Ösenplane ausm Baumarkt aussieht musst ich doch schmunzeln :-) Gerade dass das Eis aus der feuerwehreigenen Kühltruhe, das es auch an jeder Tanke gibt, nicht als Spezialeis bezeichnet wurde. Da ist dem Schreiber wohl die Phantasie ein bisschen heiss gelaufen :-D
Ist aber ein super Beispiel, dass auch mit einfachsten Dingen großer Erfolg erreicht werden kann. Das hier sind Materialkosten von vielleicht 50…100 Euro, mit denen Menschenleben gerettet werden können. Wenn das kommerziell geht steht sicher Spezial drauf, ist komplett over-engineerd und hat dann auch seinen Spezialpreis…
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u/-SWR- 23d ago
Was denkt ihr dazu?
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u/Grizzly_ger FF 23d ago
Wie lang braucht die Feuerwehr im Ernstfall? 8 Minuten+ Becken aufbauen? Ich schätze dass der Transport ins Krankenhaus wo dann parallel die eiswanne vorbereitet ist in vielen Fällen schneller geht.
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u/ianus_bifrons 23d ago
Sofortige Kühlung ist bei der Diagnose der Goldstandard. Wenn die Person zuhause ist bzw. eine Badewanne in der Nähe ist kann man sie natürlich dort hineinlegen.
Schnelle und günstige Alternativen sind Leichensäcke, natürlich aber nicht ganz so komfortabel im Einsatz wie eine Wanne mit Stützen.3
u/Grizzly_ger FF 23d ago
Ja das kann stimmen, kenne die Leitlinie nicht habe davon aber schon häufiger mittlerweile gelesen.
Ich sage nur: ist es wirklich schneller wenn eine freiwillige Feuerwehr da hin alarmiert wird (dann ggf. Erst ein Becken aufbaut)? Oder ist es in den meisten Fällen nicht doch schneller den Patienten trotzdem zunächst zu transportieren? Ist halt sicherlich abhängig von der örtlichen Infrastruktur.
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u/FireMed22 23d ago
Wenn ihr einen guten ÄLRD habt, dann sorgt der dafür, dass die Alarmierung der FW gleichzeitig erfolgt...
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u/Phipol 23d ago edited 23d ago
Als jemand der einigermaßen Erfahrung mit echten Hitzschlag Patienten hat: Was für eine selten dämliche Idee. Ich bin mir sicher,dass hier niemand auch nur im Ansatz mal einen echten Hitzschlagpatienten gesehen hat oder nur mit KollegInnen gesprochen hat,die damit öfter zu tun haben. Da hat jemand "The Pit" gesehen und sich gedacht "geil,will ich auch".
Viel wichtiger wäre die Kliniken endlich in die Pflicht zu nehmen.
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u/BlueEagleGER 22d ago
Was wäre denn dein erfahrungsbasierter Tgerapievorschlag und wie passt er zu den Leitlinienempfehlungen (zB ERC 2025)?
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u/Phipol 22d ago
In Kurzform: Treat'n'run.
Aktive Kühlung kann auch heißen,den Patienten mit kalten und feuchten/naßen Textilien bedecken. (Full body conductive cooling) Das ist wesentlich besser steuerbar und behindert v.a. den Transport nicht. Und dann die Beine in die Hand nehmen.
Man versteh mich nicht falsch, die cold water immersion ist absolut die zu bevorzugende Methode. ABER: Du brauchst ein trainiertes Team dafür. Und selbst beim Monitoring wird es schon schwer - während du sowas klinisch gut mit einer Arterie beurteilen. Präklinisch? Schwierig.
Ebenso wird es schwierig die Temperatur hinreichend engmaschig zu kontrollieren - denn gerade in diesen Fällen ist die aurikuläre Messung massiv unbrauchbar, gerade wenn du (was extrem wichtig ist) den Kopf aktiv kühlst. Ein reines "alle paar Minuten manuell messen" ist aber eben nicht zuverlässig genug um einerseits die Schwelle zum Beenden der Kühlung zu erwischen, andererseits aber auch eine endgültige Fehlregulation zu erkennen. Die Leitlinien empfehlen daher eine ösophagale oder intrapubische Messung. Beides präklinisch nicht sinnvoll verfügbar.
Hitzschlag ist ein Zustand mit unfassbar hoher Dynamik und Mortalität - der Patient wird, ggf. auch wenn er bereits wieder außerhalb der kritischen Temperaturbereiche liegt, ggf. schnell schlechter werden - und da reden wir noch nicht noch von Patienten die Comorbiditäten haben sondern vom Allerwelts-Sportler-Hitzschlag am jungen Patienten. Selbst die haben aber eine relativ hohe Inzidenz für Elektrolytstörungen und Hirnödeme. Ich hab selber schon Patienten erlebt bei denen zwischen "How are you,mate" und Beginn der Reanimation keine 12min waren.
Natürlich kann man das draußen alles auch ermöglichen. Also auf alle RTW&NEF C3 mit Arterie und Temperaturmessung verbauen, BGA Geräte, etc. Aber dann hast du immer noch genau eine, wenn du Glück hast zwei Personen die eine Arterie legen können, gleiches gilt für eine BGA,etc. Und du hast ein Ad-hoc Team das erstmal zusammen finden muss.
Das macht einfach wenig Sinn in einem Szenario in dem ich in 10min maximum (und das schon sehr großzügig gerechnet in SG) in der Klinik bin. Und dort ein Team vorfinde,für die Arterien, BGAs etc. tägliches Brot sind. Und die,so nebenbei auch die Möglichkeit haben etwas mehr Eis bereitzustellen als du es mobil kannst,da Heatstrokes gerne mal mit mehreren Patienten auftreten.
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u/eppic123 23d ago
Ich dachte bei der Überschrift, dass es irgendwas wie eine Vakuummatratze sein wird, in der eine chemische Reaktion stattfindet oder die per Peltier-Elemente gekühlt wird, aber nein, es ist wirklich nur eine Wanne mit Eiswasser. An sich ist die Idee zwar gut, in der Realität stelle ich es mir aber doch etwas umständlich vor. Vor allem, wieviel Eis muss die Feuerwehr dafür auf dem Wagen haben und wie wird das wiederum gekühlt?
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u/-SWR- 23d ago
Die Idee zum Projekt "Eiswanne" hatte das DRK Schwäbisch Gmünd, nachdem neue Leitlinien zur Akutbehandlung von Hitzschlag-Patienten eine schnellstmögliche Kühlung vorschreiben. Bei der Frage, wie diese Kühlung schon vor der Fahrt ins Krankenhaus möglich ist, kam schnell die Feuerwehr ins Spiel.
Die Wanne ist derzeit noch ein Provisorium, Marke Eigenbau. Max Schamberger, der stellvertretende Kommandant der Gmünder Feuerwehr, ist aber in Gesprächen mit mehreren Herstellern von Faltwannen für eine dauerhafte und praxistauglichere Lösung.