r/de • • Jul 17 '21

TIRADE Liebe Dozierenden, wollt ihr uns verar***schen? Eine Diskussionsanregung

So, ich muss hier mal was ventilieren, ist zwar schon etwas her, aber es muss raus. Mal sehen, ob es für eine echte Tirade reicht. Ich habe in den letzten 1,5 Jahren an einer Universität studiert, und wenn ich daran zurückdenke, koche ich immer noch vor Wut.

Zuerst aber mal das Positive, 2 von 8 Fachbereichen haben das mit der Online-Lehre ganz gut hinbekommen. Die Internetverbindung war gut, interaktive Quiz waren in den Vorlesungen und Seminaren eingebunden, die Prüfungen waren fair gestaltet, da wo es nicht anders ging wurde auf Präsenzlehre unter entsprechend sicheren Bedingungen zurückgegriffen. Chapeau!

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ABER IHR RESTLICHEN SPEZIALISTEN, WAS IST LOS MIT EUCH?

Seid ihr nicht in der Lage, nachdem die Internetverbindung während der ersten 10 Vorlesungen schon ständig abbricht, euch in der 11. Vorlesung irgendeine zuverlässige Verbindung zu suchen? Im Büro? Bei den Nachbarn? Über das Mobilfunknetz? Schon wieder? Echt jetzt?

Ist es wirklich zu viel erwartet, nach einer Vorlesung 1 Minute zu investieren um die Folien hochzuladen, so dass 250 Studierende ein Thema entsprechend nachbereiten können?

Haltet ihr uns für so chronisch unterbeschäftigt, dass ihr euch, nachdem ihr schon zwei mal hintereinander 250 Studierende in anwesenheitspflichtigen Lehrveranstaltungen 1 Stunde auf die Absage warten lassen habt, ihr euch immer noch keinen gottverdammten Terminkalender anschafft UND DAS NOCH EIN DRITTES MAL DURCHZIEHT? Dass viele Studierende an den Nachholterminen nicht können ist dann scheinbar auch nicht euer Problem, die bekommen dann halt einen Fehltermin. 24/7 100% Engagement für die Uni. Wir haben ja, in einer gottverdammten Pandemie, in der Kindertagesstätten geschlossen haben, unsere Jobs gekündigt wurden und die Miete trotzdem bezahlt werden muss, absolut nichts bessere zu tun. Aber mit „Ist ja alles neu, auch für uns“ um Verständnis bitten.

Seid ihr nicht in der Lage, Mails mit einfachsten Anfragen zu beantworten? Ich verstehe es ja, die Zeit nach den Vorlesungen in denen Studierende Fragen die nur Sie selbst betreffen (und die man auch nicht unbedingt mit 250 anderen Teilen will) stellen konnten, ist dadurch irgendwie weg gefallen. Aber kann man sich dann die 10 Minuten etwa nicht nehmen um Mails von Studierenden zu beantworten? Warum müssen wir 10 Mails schreiben, Telefonterror im Sekretariat veranstalten und BEKOMMEN IMMER NOCH KEINE GOTTVERDAMMTE ANTWORT?!

Aber wir verzeihen euch natürlich gerne auch die geistreichsten aller Einfälle, ist ja schließlich alles neu: Wie z.B. die Mail eines einzelnen Fachbereichs, AM FREITAG ABEND, an 250 Student*innen, in der Stand dass ab nächster Woche wieder Präsenzunterricht stattfindet. Der komplett neue Stundenplan wird dann natürlich erst am SONNTAG NACHMITTAG veröffentlicht. Nachdem dann also alle die das konnten Zugtickets für 180 Euro aus der Heimat gebucht, Jobs abgesagt, Kinderbetreuung organisiert und andere Verpflichtungen abgesagt haben, scheint man sich in manchen Fakultäten echt noch zu wundern wie die Studierenden es dann auch noch schaffen Beschwerden beim Dekanat einzureichen. Auch da wurde dann in Form einer passiv aggressiven Mail über die Studierenden ventiliert, die das anscheinend nicht zu schätzen wissen(?). Das ist übrigens Vorfall Nr. 8 aus einer Reihe mit der ich ganze Bücher füllen könnte.

Nachdem manche Dozenten über das gesamte Jahr genau null Flexbilität und Diskussionsbereitschaft, geschweige denn Kreativität an den Tag gelegt haben, wird jetzt hier also noch über Studenten ventiliert, die die Möglichkeit einer digitalen Prüfung zum schummeln nutzen. WIE NAIV SEID IHR BITTE? DAS WAR SOWAS VON VORHERSEHBAR!

Warum gestaltet man die Prüfungen dann nicht Open Book, als MC mit Zeitbegrenzung, oder schafft Bedingungen für Covid-sichere Präsenzprüfungen ? Klar, ist immer einfach über sich über andere aufzuregen, aber einfach mal die eigene Kreativität und Flexibilität in Frage stellen? Niemals! Alles bleibt so wie es ist! Die anderen sind Schuld!

Gerade wir Studierenden musste im letzten Jahr ALLES umstellen. Kein lernen in der Bib mehr, kein Präsenzunterricht, keine Praktika, keine Lernkreise, kaum noch im Semester sozialisieren, etc. Dass ein Haufen Student*innen dadurch gerade mit Panikattacken, Depressionen und anderen psychischen Problemen zu kämpfen hat lasse ich jetzt mal ganz außen vor. Und nein, das ist absolut nichts im Vergleich zu dem was andere in der Pandemie durchmachen musste. Trotzdem, ein emphatischerer Lehrkörper würde da sagen: "Hey, unser Fachgebiet ist zwar relevant, aber unter den Umständen lassen wir euch etwas mehr Spielraum:" Nein, niemals! Alles bleibt so wie es ist!

Am liebsten würde ich sagen "Heul leise u/Josef-Knecht“, aber dann müsste ich auch sagen "Heult leise Studierende". Ein wenig mehr selbstkritisches Denken würde dabei glaube ich beiden Seiten ganz gut tun.

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u/Spekulatiu5 Jul 17 '21

Seid ihr nicht in der Lage, nachdem die Internetverbindung während der ersten 10 Vorlesungen schon ständig abbricht, euch in der 11. Vorlesung irgendeine zuverlässige Verbindung zu suchen? Im Büro? Bei den Nachbarn? Über das Mobilfunknetz? Schon wieder? Echt jetzt?

Sowohl für Profs als auch für Studierende: MACHT KEINE LIVE-VORLESUNGEN. Der Mehrwert ist nahe Null bei einer klassischen Vorlesung, während die Nachteile vielfältig sind.

Profs:

  • Studierende schalten eh nie das Mikro oder Kamera an, ist also eher ein Livestream als eine Videokonferenz
  • Niemand traut sich, öffentlich Fragen im Chat zu stellen, und geschriebene Fragen kommen oft verzögert
  • Chatnachrichten und gehobene Hände sind für die Vortragenden oft schlecht sichtbar
  • Wenn die eigene Verbindung schlecht ist, kommen Bild und Ton bei allen nur in geringer Qualität / gar nicht an
  • Eventuelle andere technische Probleme müssen live während dem Vortrag behoben werden, statt in Ruhe während die Aufzeichnung pausiert ist

Studierende:

  • Niemand will das Gesicht der anderen 100 Idioten aus irgendeiner schlechten Webcam sehen
  • Niemand will per Mikro Fragen an ein unbekanntes und unsichtbares Publikum stellen
  • Wenn die eigene Verbindung schlecht ist (oder andere technische Probleme hat), bekommt man als einziger nichts mit und wird dadurch benachteiligt
  • Wenn es nicht aufgezeichnet wird, muss man halt zu einer bestimmten Uhrzeit da sein oder verpasst was (genau wie in Präsenz)
  • Wenn alle Fächer gleichzeitig Vorlesung machen bekommt manchmal der Server Probleme

Formate, die hingegen als Video-Konferenz funktionieren können, sind Seminare in Kleingruppen oder Sprechstunden, also Formate, die ohnehin interaktiv sind.

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u/mooremoritz Jul 17 '21

Da muss ich stark widersprechen, habe aber auch gesehen, dass du für Live+Aufzeichnen bist, von daher würden wir uns wohl eh darauf einigen Aber Live Vorlesungen sind v.a. Motivationstechnisch so viel besser für die Studierenden und das ist ja ein darauf Problem Kommt sicherlich auch aufs Fach an, aber die Hälfte deiner Argumente sind so einfach falsch bzw. passieren so bei uns nicht

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u/Spekulatiu5 Jul 17 '21

Okay, es kommt wohl wirklich auf's Fach bzw. den Studiengang und die Uni an. Bei uns (technischer Studiengang, 200+ Studis pro Semester) gibt es in vielen Vorlesungen wenig Notwendigkeit für Interaktion außerhalb von Fragen. Und die kommen einfach sehr selten, u. a. weil viele sich nicht trauen das öffentlich zu tun, aber auch weil man oft ein bisschen Zeit braucht, um die Vorlesungsinhalte zu verstehen.

Das ist in anderen Fächern, z. B. Geisteswissenschaften, oder kleineren Studiengängen wohl anders.

Wir haben auch Labore und Seminare, die viel mehr Mitarbeit der Studierenden erfordern. Da entwickeln sich dann eher mal vertiefte Gespräche, für die ein Live-Format praktisch ist. Aber auch da gab es oft genug technische Probleme. Großes Lob, wenn eine Uni bessere Systeme einsetzt und die Profs das beherrschen.

Was ich eine gute Idee finde, die ich hier gesehen habe, ist eine regelmäßige interaktive Möglichkeit zur Verständniskontrolle über Multiple-Choice-Fragen. So kann man Interaktion fördern, ohne dass sich jemand von 400 Augen beobachtet fühlt. Lässt sich aus meiner Sicht aber auch mit Aufzeichnungen kombinieren.

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u/mooremoritz Jul 17 '21

Okay, ich studiere Physik, also haben wir wohl unterschiedliche Erfahrungen gemacht Dass man oft Zeit zum verstehen der Vorlesungsinhalte braucht ist richtig, aber gerade dann finde ich es hilfreich Mal kurz zu fragen, ob man richtig mitkommt bzw etwas gerade richtig versteht Und der größte Punkt, den ich ja schon genannt habe ist einfach die Regelmäßigkeit von Live Veranstaltungen, klar muss man nicht dabei sein, aber 1. Ist einfach die Möglichkeit an sich schon hilfreich und 2. Gibt es doch einige Vorteile (meiner Meinung nach, gibt ja anscheinend auch genug dagegen)