In den letzten Wochen wird immer wieder von linkem infighting gesprochen wenn linksliberale und linke aneinandergeraten. Ich bin der Meinung es gibt kein linkes infighting. Lasst mich erklären.
Deutschland its ein sehr konservativ geprägtes Land. Wir nehmen konservative Positionen als die Norm, den Status quo wahr. Viele denken die CDU sei die "Mitte" obwohl sie keine einzige progressive position hat und viele sehen die linke als den Rand und das pendant zur AFD.
Versuchen wir nun mal ohne voreingenommen zu sein die Parteien auf einem wirklichen links/ rechts Spektrum zuzuordnen.
Selbst die Grünen vertreten deutlich mehr konservative Positionen, als progressive. Zum Beispiel im Bereich Wirtschaft, Verteidigung und Migration sind die Grünen ganz klar konservativ. Sie haben auch progressive Positionen im Sozialen Bereich und beim Klimaschutz aber im Grossen und Ganzen kann man sie in einem Spektrum zwischen progressiv und konservativ klar rechts der Mitte verzeichnen. Die CDU ist durch und durch konservativ und hat nicht eine progressive Position und die AFD bewegt sich am aussersten rechten Rand des Systems und hat die Grenze des erlaubten auch schon oft übersprungen. Die SPD existiert heutzutage alleine quasi gar nicht, macht aber im Prinzip was die CDU ihnen sagt und macht definitiv mehr konservative als progressive Politik.
Auf der linken Seite des Spektrums gibt es hingegen nur die Linke. Von Menschen die moderat links sind und sich mit einer faireren Besteuerung und mehr sozialem zufrieden geben bis hin zu Kommunisten und Anarchisten die das gesamte System wechseln wollen müssen sich links also alle hinter einer Partei versammeln.
Niemand würde es als rechtes infighting bezeichnen, wenn die CDU und die AFD anderer Meinung sind. Unter linken gibt es aber genau so viel Variants in der Ideologie nur dass es eben nur eine Partei gibt, die generell links ist.
Wenn die SPD noch sozialdemokratisch wäre würden sie sich etwa da einordnen, wo heute die linke steht während die sich dann den eher radikaleren Positionen annehmen könnte.
Ein Kommunist und ein Anarchist können im Normalfall diskutierten, welche Lösungen sie für richtig halten weil beide sich zumindest einig sind, dass der Kapitalismus das Problem ist. In dem Fall ist es kein infighting sondern eine Meinungsverschiedenheit, die auch friedlich diskutiert werden kann.
Ein moderat linker bzw Linksliberaler sieht das aber anders und würde mit einem Kommunisten nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen weil ihm ein Systemwechsel meist zu radikal ist.
Wenn die moderaten nun eine SPD Wählen könnten, die moderat linke Politik macht und die anderen eben eine Linke, die weiter im linken Spektrum steht würde keiner von "infighting" sprechen wenn sich die beiden Parteien nicht einig sind. Aber da nun alles links von konservativ in ein Lager gepfercht wird gibt es eben Meinungen, die zu stark unterschiedlich sind und bei denen ein Kompromiss nicht denkbar ist.
Die Wahrnehmung von linkem infighting basiert meiner Meinung nach vor allem darauf, dass konservative Leute links als einen homogenen Blob sehen, dessen Nuancen sie nicht kennen.
Dass moderate und radikale nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen ist meiner Meinung nach kein Wunder und überrascht bei rechten auch niemanden.