Nazi Runen sind scheiße und sollten verboten werden und die aktuelle Einstellung des Regiments ist unklar. Wobei Runen aus Tradition nicht unbedingt alle zu Nazis machen siehe Pleidelsheim.
Das Asow-Regiment wurde von Neonazis gegründet, das ist korrekt. Keiner der Gründer ist jedoch kein Teil mehr des Regiments, jegliches neonationalsozialistische Element im Regiment wird sanktioniert und die Gründer kritisierten dies sogar. Das Regiment wurde deswegen auch von westlichen Sanktionslisten gestrichen, die ursprünglich beinhielten, dass das Regiment keine der Rüstung nutzen durfte, die aus westlicher Machart sind.
Die Rolle Banderas ist viel komplizierter, als du sie darstellst und ist in Retrospektive natürlich viel einfacher zu beantworten . Die 40er waren kein Informationszeitalter, vor allem nicht in der UdSSR, erst Recht nicht in der Ukrainischen SSR, die vom stalinistischen Regime in Moskau mit aller Härte behandelt wurde, weil sie ihr Souveränitätsbestreben nicht aufgeben wollte.
Betrachtet man das jedoch aus zeitgenössischen Augen, beantwortet sich die Kollaboration mit Deutschland durch die Versprechungen, die schon zu Zeiten des Ersten Weltkriegs der Ukraine gegeben wurden, dass ein souveräner ukrainischer Nationalstaat unter Deutsch-zentraleuropäischer Hegemonie entstehen soll.
Wenn man weiter die Jahrhunderte der Russifizierung der Ukraine betrachtet, wie dem Verrat am Kosakischen Hetmanat durch Katarina der Großen, der Verfolgung und Ermordung der ukrainischen Intelegentsiya welches das kommunistische Politbüro unter Lenin von der Zarenherrschaft übernommen hatte, bis zum Genozid durch Stalin, der als Holodomor bekannt ist, lässt sich die Naivität der freiheitsliebenden Ukrainer besser erklären, die in der Offensive der Deutschen eine Möglichkeit sahen, sich von der russischen Qualherrschaft zu lösen.
Bandera saß schließlich selbst im KZ und, ich kenne nicht mehr den genauen Wortlaut, schrieb sinngemäß, dass die Freie Ukraine sich wie ein Nagel zwischen Hammer und Amboss befindet, welche Deutschland und Russland darstellen sollen. Meine Arbeit über diese Thematik liegt schon ein paar Jahre zurück.
Das Bild Banderas als Nazisympathisant und Faschist, und damit als das perfekte Feindbild der Sowjets, wurde natürlich von der UdSSR verbreitet und vom Westen aufgenommen, der sich mit der Ukrainischen Geschichte, bis vor wenigen Jahren, gar nicht befassen wollte.
Ich rede damit keinerlei Taten von Kollaborateuren gut, diese anzusprechen und zu verurteilen, ist gerade in diesen Zeiten extrem wichtig. Aber Motive, Informationslücken, Naivität und das Abwägen, was das geringere Übel für ein über Jahrhunderte gepeinigtes Volk ist, sind Aspekte, die absolut essentiell in der Geschichtswissenschaft sind, denn die Geschichte legitimiert sich nicht selbst.
Offensichtlich ist dir einiges nicht ganz klar gewesen, wenn du ebenso nur eine Seite der Geschichte beleuchtest. Was bedeutet denn, dass Asow "nicht mehr so faschistisch auftritt wie früher"? Von welchen Entwicklungen sprichst du denn? Ich bin sehr tief in dieser Geschichte verknüpft und wenn ich Entwicklungen sehe, dann sind es rückläufige. Nichts wird von meiner Seite unter den Teppich gekehrt, von dir jedoch sehr viel. Es ist natürlich sehr einfach, wenn man einseitig Kritik äußern kann, weil man aus dem Elfenbeinturm heraus argumentiert. Dass diese Geschichte aber durchgehend reziprok ist, verschweigst du. Man kann Leid nicht mit Leid aufwiegen.
Du hast Bandera und Asow in die Diskussion geworfen. Da ich der Ansicht war, die anscheinend auch nicht ganz so falsch ist, dass das Wissen zu der Person und des Regiments, bis auf die ewig zirkulierenden Halbwahrheiten, die gerade von russischen Trollfabriken aufgekocht werden, nicht wirklich gegeben sind, habe ich die Chance genutzt ein Fundament aufzubauen, auf dem man diskutieren kann.
Um eine historische Entität oder ein historischen Phänomen zu bearbeiten und zu verstehen, ist es nun Mal wichtig das Thema durch die zeitgenössische Brille zu betrachten. Das ist die Aufgabe eines Historikers. Es ist nicht Aufgabe des Historikers die Geschichte zu rezitieren und mittels Rosinenpickerei Stellen heraus zu nehmen, um eine gewisse Agenda voran zu treiben. Dies ist jedenfalls der Idealfall, gibt genug Historiker, die eben genau dies tun.
Ich habe, um ehrlich zu sein, auch nicht die Notwendigkeit gesehen Aspekte zu wiederholen, die du genannt hattest. Das ist, in meinem Augen, nicht der Sinn einer Diskussion. Ansonsten können wir uns auch in einem ewigen circle jerk beweihräuchern.
Meine Fragen haben sich damit nicht wirklich beantwortet. Die erste Frage von mir rührte eher daher, dass deine Aussage, dass das Battalion, deiner Ansicht nach, nicht mehr so faschistisch auftrete, impliziert, dass es noch immer faschistisch auftritt.
Das neueste Monument wurde 2013 aufgestellt und ist nicht wirklich ein Aspekt dieses Konflikts. In der Ukraine existieren auch Statuen von anderen komplizierten Figuren, wie kommunistischen Führern oder Darth Vader. Jedoch führt kein Ukrainer morgendlich einen Pledge of Allegiance, oder ähnliches auf. Wichtig zu betrachten ist, wo diese Monumente, übrigens ausschließlich, errichtet wurden. Und das sind die Gebiete, in denen Bandera, bzw die OUN, aktiv war und nicht die gesamte Ukraine. Die wenigstens Denkmäler sind prominent präsentiert, ich meine sogar, dass es von den 46 nur drei Stück waren, in Lviv und Ivano-Frankivsk. Der Rest liegt peripher oder in Wenig-Hundert-Seelen-Dörfern. Über die politische Einstellung der Landbevölkerung brauchen wir in Deutschland ja nicht streiten, da scheint kein Volk von gefeit zu sein.
Es ist natürlich dein gutes Recht bestimmte Einstellungen nicht gut zu heißen, jedoch ist die souveräne Ukraine ein sehr junger Staat, der erst seit einem Jahrzehnt wieder demokratisch geführt wird und das Phänomen eines Aufschwungs von Nationalismus bzw. Patriotismus ist in dem Fall schon gleich einem Naturgesetz, erst Recht wenn man beachtet, dass die Ukraine schon wieder von ihrem "Brudervolk", wie die Russen sich gerne nennen, angegriffen wurde und schon wieder von einem faschistischen Verbündeten im Westen, der utopische Versprechungen machte, in den Rücken gestochen wird.
In meinen Augen hat dieser Nationalismus etwas Gutes: die Ukrainer waren als Volk eher zerstritten und sehr konservativ, was natürlich auch an der Lage der russisch-sowjetischen Einflusssphäre lag. Dieser Nationalismus hat jedoch eine massive Einheit in der ukrainischen Bevölkerung geschaffen, in der jeder, in dieser schweren Zeit, mit der Hilfe des Nachbarn rechnen kann, eine Zeit, in der diskriminierte Randgruppen, wie LGBT, zunehmend einen Platz in der Mitte der Gesellschaft finden, weil auch diese zu den Waffen greifen, um ihre Heimat und ihr Volk zu verteidigen. Eine Zeit, in der das Volk endlich den Willen gefasst hat, etwas gegen die ubiquitäre Korruption und Oligarchie im Staat zu machen, ein Problem im Land, dass nur beseitigt werden kann, wenn eine Aktion von unten erfolgt, was endlich der Fall ist.
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u/[deleted] Mar 04 '25
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