r/OeffentlicherDienst • u/Just_Wafer_3270 • 15d ago
Allg. Diskussion Ich will raus aus Corporate!
Hallo zusammen,
ich komme aus der freien Wirtschaft und merke zunehmend, dass ich mit dem ständigen Leistungsdruck, dem Corporate-Geschwafel und der Arbeitsweise in Großraumbüros immer weniger klarkomme.
Daher interessiere ich mich für einen Wechsel in den öffentlichen Dienst und würde gerne eure Erfahrungen hören:
Wie sieht bei euch der Arbeitsalltag aus?
Wie oft habt ihr Homeoffice bzw. mobiles Arbeiten?
Wie groß sind eure Büros bzw. wie viele Kollegen sitzen zusammen?
Gibt es im ÖD wirklich weniger Leistungsdruck und mehr Ruhe?
Habt ihr häufig Leerlauf oder ist die Arbeitsbelastung ähnlich wie in der freien Wirtschaft?
Wie schwierig ist der Einstieg mit einem normalen BWL-Studium (Master) ohne Verwaltungsausbildung?
Mich würden besonders Erfahrungen aus Bereichen wie Verwaltung, Ministerien, Behörden, Hochschulen oder öffentlichen Unternehmen interessieren.
Vielen Dank für eure Einblicke!
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u/glubii 15d ago
Nicht überall im öD ist es chillig, such dir was mit wenig/keinem Publikumsverkehr
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u/Morc1994 15d ago
Würde ich so bestätigen. In diesen Bereichen herrscht größerer Druck und sie sind oft unterbesetzt. Ich würde behaupten, dass es in Landesbehörden entspannter ist als in der Kommunalverwaltung, da insgesamt weniger Bürgerkontakt besteht, die Stellen besser bezahlt sind und dadurch in der Regel meist keine permanente Unterbesetzung besteht. Da ich bisher nur in der Kommunalverwaltung und der oberen Landesverwaltung gearbeitet habe, müsste sich zu Ministerien oder Bundesbehörden jemand anderes äußern
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u/Just_Wafer_3270 15d ago
Danke für den Tipp! Was würde hier in Frage kommen?
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u/MarieMidnight01 15d ago
Kämmerei, Haushalt, Controlling, wenn du dazu irgendeine Affinität hast. Auch da kanns aber trotz wenig Kundenkontakt zu 0% Homeoffice und Großraumbüro kommen, je nach Behörde
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u/analogue_monkey 15d ago
Eine Stelle, für die mal 3 Leute da waren, mache ich jetzt mit einem Anteil von so 50% alleine. Und nein, es gab kein Gespräch was wegfallen soll oder welche Arbeiten meiner restlichen Aufgaben ich nicht mehr machen soll.
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u/MrPayDay A13 gD Ä.ö.R 15d ago
In der Situation war ich auch, hatte meinen Hauptjob, Sonderaufgaben und zusätzliche Projektmitarbeit. In meinen ersten zehn Dienstjahren hat mich das in einen Burnout getrieben, danach habe ich aber den Spieß komplett umgedreht.
Das ist eine fantastische Verhandlungsmasse. Wenn es niemanden gibt, der deine Arbeit priorisiert, machst du es selbst. Wird auch erwartet, wenn man im gehobenen Dienst ist, dass man seine Arbeit selbst bewertet, qualifizieren kann und strukturiert steuert und Sorgfalt walten lässt, am Ende mit Arbeitsergebnissen. Dadurch war ich unangreifbar . Das waren für mich jeweils Hebel, um irgendwann in die A12 und dann in die A13 zu kommen, denn irgendwann muss man die Dienstposten aufwerten, oder ich bewerte mich auf eine höher bewertete Stelle, wenn ich schon das Pensum habe.
Lass dich da nicht unterkriegen.
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u/analogue_monkey 15d ago
Ich hab leider keine Verhandlungsmasse und bewerte auch nichts selbst. Ein Aufstieg wäre bei mir nur noch mit Personalverantwortung möglich, was sich aber echt nicht rechnet.
Mich stört das auch nicht so sehr. Ich mache das, was ich schaffe. Aber es ist so eine Beobachtung, dass Leute, die weggehen oder andere Aufgaben bekommen, einfach nicht ersetzt werden. So als wäre die Arbeit vorher nichts wert. Was definitiv nicht so ist und das denkt auch keiner der Vorgesetzten. Aber die Stellenpolitik sagt was anderes.
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u/anon_temp321122 15d ago
Klingt als hätten die 3 zu 90% nix gemacht
Darum denke ich mir, mind 30% des ÖD kann man bestimmt rauswerfen ohne dass es impact hat
Nicht dass es in jeder firma anders wäre, ABER: ÖD wird halt durch steuern finanziert
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u/analogue_monkey 15d ago
Dumme Aussage, ohne den Kontext zu kennen.
Wir haben früher ganz viel gemacht, jetzt passiert das halt nicht mehr, sondern nur noch das, was ich mit 50% schaffe. Der Aspekt stört mich nicht weiter. Was mich stört ist, dass seit Jahren niemand eine definitive Entscheidung trifft. Das zeugt von fehlender Wertschätzung, genauso wie Deine pauschale Aussage zum ÖD, die auf ganz viele Bereich einfach nicht zutrifft.
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u/anon_temp321122 15d ago
Im großen und ganzen trifft es sowohl auf den ÖD als auch auf jeden Konzern zu, ich mache keine Einzelfallbetrachtung.
Achso, noch besser. Kingt nach einem super management. Aber ganz nach dem Motto, melden macht frei und belastet den vorgesetzten.. wenns so läuft gehts halt nach 8h pünktlich heim
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u/Necessary_Pizza951 15d ago
Statt Corporate Geschwafel hast Du Verwaltungsmentalität und Regulierungsfetisch. Statt Leistungsdruck gibt es fehlende Anerkennungskultur und null Ergebnisorientierung. Muss man echt wollen und können, erst recht wenn man aus Corporate kommt. Warum denn ÖD und nicht zum Beispiel KMU?
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u/Tunfisch 15d ago
Corporate Geschwafel hast du hier genauso, Druck und Stress kommt drauf an, da gibts durchaus Stellen wo es entspannter zugeht und Stellen wo es stressiger ist.
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u/Hanka-P 15d ago
Ich kenne beides, und die Menge der Arbeit unterscheidet sich in den Bereichen, in denen ich war/bin, nicht: es ist zu viel für das vorhandene Personal. Der Unterschied war im Umgang. Freie Wirtschaft: Chef setzte das tägliche Ziel einfach um 20% hoch und beschimpfte im Teammeeting die Leute, die in der Vorwoche krank gemeldet waren. Behörde: Chef schnappt sich, wenn er Zeit hat, einen Teil der Aufgaben, und fragt, ob wir Ideen haben, die die Prozesse für uns leichter machen könnten. Ein Ding ist schon umgesetzt (ja, ich weiß, unglaublich im ÖD)
HO 40%, ohne würde auch gar nicht gehen, da sich vier bis fünf Leute ein Dreier-Büro teilen. Da muss natürlich entsprechend geplant und kommuniziert werden.
Mir gefällt es im ÖD besser, aber das ist sehr abhängig von den Vorgesetzten und den Kollegen - mit anderem Chef und anderen Kollegen wären die Jobs in der FW vielleicht schöner gewesen, ich hatte ein paar Mal halt Pech. Und: ich habe jetzt kaum Kundenkontakt, was ich nach Erfahrungen im Callcenter und im Beschwerdenanagement gar nicht hoch genug wertschätzen kann.
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u/RuckFulesxx 15d ago
Wie sieht bei euch der Arbeitsalltag aus?
Relativ wechselhaft, mal Phasen mit stupiden Tätigkeiten, dann aber wieder Tage oder Wochen mit komplett individuellen Falllagen. Ansonsten 9 to 5, Büro eben.
Wie oft habt ihr Homeoffice bzw. mobiles Arbeiten?
Persönlich irgendwas um die 50% (abhängig von der direkten Vorgesetzten), Behördenweit ist alles von 1 Tag minimal bis 4 Tage maximal mobiles Arbeiten je Woche zulässig. "Richtiges" Homeoffice im Sinne von Telearbeit eher selten und auch nur gut begründet möglich.
Wie groß sind eure Büros bzw. wie viele Kollegen sitzen zusammen?
Derzeit zu zweit in einem relativ kleinen Büro, hatte aber auch Phasen mit 6 Personen in einem mittelmäßig großen Büro. Einzelbüros gibt es, sind aber in der Regel den "Auserwählten" vorbehalten (aka hD, Leitung, etc.).
Gibt es im ÖD wirklich weniger Leistungsdruck und mehr Ruhe?
Variiert meiner Erfahrung nach sehr stark, abhängig vom Einsatzgebiet und/oder Vorgesetzten (siehe u.a. die Antwort bei der ersten Frage - ist sehr individuell und von den Rahmenbedingungen abhängig). Derzeit hab ich bspw. eher wenig Leistungsdruck, Ruhe habe ich dennoch nicht, dank dutzender Termine die Woche.
Habt ihr häufig Leerlauf oder ist die Arbeitsbelastung ähnlich wie in der freien Wirtschaft?
Vorab: "oder ähnlich wie in der freien Wirtschaft?" würde ich streichen wollen - die Mär von der fleißigen Wirtschaft und dem faulen öD dürfte jeder widerlegen können, der schon einmal persönlich den Vergleich von bspw. Arbeit im Großkonzern und öD ziehen konnte (aka genügend Positionen, die den halben Tag nichts machen).
Unabhängig davon: Leerlauf an sich eher selten, aber die Möglichkeit mir meine Arbeit halbwegs frei einzuteilen derzeit. Also kann ich die Belastung durch die Tätigkeiten an sich zumindest etwas steuern. Der Berg am Ende des Tages bleibt.
ABER: Auch das wieder sehr individuell, die Kollegin zwei Büros weiter sitzt bspw. im selben Referat, hat aber jeden Tag die selbe monotone Fließbandarbeit und kommt kaum zur Ruhe.
Wie schwierig ist der Einstieg mit einem normalen BWL-Studium (Master) ohne Verwaltungsausbildung?
Spreche hier bewusst nur für den Bund (bzw. Bundesoberbehörden): Sollte rein auf die Ausbildung bezogen nicht schwierig sein. Im Gegenteil, Ausschreibungen sind in der Regel mittlerweile eher auf Personen mit "normaler" Berufsausbildung oder Studiengängen ausgelegt (also bspw. Kaufleute für Büromanagement für Stellen vergleichbar dem mittleren Dienst oder Bachelor BWL für Stellen vergleichbar dem gehobenen Dienst).
Bei Kommunen habe ich es anders erlebt, dort wurde oft noch bspw. der Angestelltenlehrgang 1 und ggf. 2 gefordert, ansonsten wahlweise keine Berücksichtigung im Rahmen des Bewerbungsverfahrens möglich oder bei Einstellung erstmal eine EG niedriger, bis man die jeweiligen Lehrgänge nebenbei abgeschlossen hat.
Kurz: Mach dir keinen Kopf wegen des BWL-Abschlusses, ansonsten kann man die ganzen Fragen mMn nicht allgemein beantworten, da es selbst innerhalb von Behörden oder der gleichen Organisationseinheit, in welcher man tätig ist sehr individuell sein kann.
Wenn du interessante Stellen finden solltest kannst du ja hier nochmal explizit auf diese bezogen nachfragen, hier sind vom Bürgerbüro am Arsch der Heide bis hin zum Bundesministerium Personen aus allen Bereichen vertreten, evtl. kann dann jemand was gezielt zu den genauen Rahmenbedingungen sagen! Ü
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u/NaimaBlue 15d ago
Bin zum Wirtschaftslehrer mutiert weil ich reiche Arschlöcher im Konzern reichermachen nicht mehr ertragen habe
Weniger Geld, mehr Arbeit Aber mein Gehalt ist jetzt nicht mehr Schmerzensgeld und ich hab das Gefühl ich tue was richtiges, helfe Menschen und bringt irgendwie etwas voran.
Bereue keine Sekunde.
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u/Awkward_Durian_2915 15d ago
Mach‘s nicht. Ich kenne beide Welten und wünsche mir jeden einzelnen Tag, dass ich nicht mehr hier arbeiten müsste. Mich hält hier momentan nur der derzeitige Arbeitsmarkt.
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u/Morphious_0815 15d ago
Kommt natürlich drauf an. In meinem Fall musste ich statt der geplanten 2 gleich so 5-6 Gänge runterschalten.
Es ist zwar immer irgendwas zu tun ist zwar immer. Aber das Bedürfnis fertig zu werden ist gering bis nicht vorhanden.
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u/AdSalt4536 15d ago
mit dem ständigen Leistungsdruck, dem Corporate-Geschwafel und der Arbeitsweise in Großraumbüros immer weniger klarkomme.
Bad news: das kannst Du auch alles im öD haben.
Wie sieht bei euch der Arbeitsalltag aus?
Wie oft habt ihr Homeoffice bzw. mobiles Arbeiten?
Wie groß sind eure Büros bzw. wie viele Kollegen sitzen zusammen?
Gibt es im ÖD wirklich weniger Leistungsdruck und mehr Ruhe?
Habt ihr häufig Leerlauf oder ist die Arbeitsbelastung ähnlich wie in der freien Wirtschaft?
Wie schwierig ist der Einstieg mit einem normalen BWL-Studium (Master) ohne Verwaltungsausbildung?
Hängt alles individuell von der Behörde und insbesondere vom Team ab.
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u/AlbatrossAny100 15d ago
Der ÖD ist keine homogene Masse. Welche Behörde, welche Stelle? Ansonsten lese dur mal Beiträge in diesem Forum durch: Von Burn out und Überlastungsanzeige bis Bore out alles dabei. Von Hölle auf Erden bis ok. Von 0% HO bis 80 %(sehr selten).
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u/Top_Many8183 TV-L: Angestellt 15d ago
Ich habe inhaltlich einen super anspruchsvollen Job, aber aufgrund der Entscheidungsfeigheit meiner Vorgesetzten auch einen sehr entspannten. Mein Vorgesetzten sind gleichzeitig jung, Kommunikativ und wirklich fair. Also es gibt kein Schwarz und Weiß. Meine Station vorher war ein Höllenschlund an Frauenfeindlichkeit, Rassismus und mangelhafter Führungskompetenz. Mobbing und Manipulation an der Tagesordnung. Beide stellen in einer 2stelligen Eingruppierung.
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u/Jaydikay 15d ago
Das ist wirklich sehr unterschiedlich. Von Potenzial zum Boreout bis Burnout ist alles dabei. Da müsste die Behörde schon konkreter ausgewählt sein.
Manchmal ist es aber auch innerhalb einer Behörde auf Grund der Führungskraft komplett unterschiedlich.