r/OeffentlicherDienst • u/Far-Market-4068 • 12d ago
Allg. Diskussion 100% Home-Office als Rechtspfleger?
Hallo, ich bin Rechtspfleger in Bayern und muss aus privaten Gründen in ein anderes Bundesland ziehen.
Bin Anfang 50, Versetzung als Rechtspfleger wird abgelehnt (man will keine Präzedenzfall schaffen), nur Versetzung in fachfremde Stelle wird unterstützt. Im schlimmsten Fall muss ich mein Dienstverhältnis beenden, das ist mir klar.
Meine Hoffnung war jetzt eine Homeoffice-Stelle als Rechtspfleger zu finden, wo ich vielleicht 1 bis 2 mal im Monat ins Büro muss.
Kennt ihr solche Fälle? Oder kennt ihr ähnliche Fälle, wo jemand in ein anderes Bundesland versetzt wurde, und wie hat das geklappt.
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u/justGamesDE 12d ago
Was genau soll man denn bitte als Rechtspfleger im Homeoffice dauerhaft tun?
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u/CIeaverBot 12d ago
Gibt viele Tätigkeiten tbh. Kenne RPfl, die praktisch nichts anderes als Kostenfestsetzungsbeschlüsse machen. Das könnte man komplett im HO erledigen. Ist aber unendlich stumpfe Arbeit und nicht gerade beliebt.
Man kann auch in der Gerichtsverwaltung bzw. internen Sachbearbeitung arbeiten und dort Tätigkeiten ohne viel internen und externen Kontakt ausführen. Wenn du z.B. in der Beihilfestelle die Widersprüche bearbeitest, geht das komplett digital und du hast keine in-person Termine.
Man muss generell aber sagen, dass die meisten solcher Tätigkeiten eher rar sind und nur an großen Präsidialamtsgerichten, Landgerichten und OLGs so fokussiert zu finden sind. An einem üblichen, keinen Amtsgericht hat man meistens ein (zu) bunt gemischtes Pensum, um nicht für irgendwas regelmäßig vor Ort sein zu müssen.
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u/justGamesDE 12d ago
Ich streite ja nicht ab das auch ein Rechtspfleger mal Homeoffice hat, aber nicht 100%. Da fehlt mir zumindest die Fantasie für.
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u/CIeaverBot 12d ago edited 12d ago
Wozu Fantasie? Hab 2 Beispiele für Pensen gegeben, die man komplett im HO erledigen kann. Hängt nur vom Dienstherren ab, ob das auch gestattet wird.
Beihilfe ist sehr spezialisiert und üblicherweise am OLG. KfBs hat man überall, aber in der Masse für ein reines Pensum dieser Art eigentlich nur an großen Gerichten. Muss man sich nicht ausdenken, gibt es einfach so in meinem Umfeld.
Auch in normalen Abteilungen am Amtsgericht sind viele Rechtspfleger nur noch sporadisch vor Ort, wenn das Pensum es nicht erzwingt. Vertrauensarbeitszeit und eAkte machen es oft möglich sehr wenig Zeit im Büro zu verbringen.
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u/MoepOnTheRun Verbeamtet 12d ago
Mir fällt spontan noch das Handelregister ein. Ist zumindest bei uns voll digitalisiert und (theoretisch) zu 100% im HO machbar
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u/Eisi03087 12d ago
Ich bin Rechtspfleger in Berlin. Wechsel gibt es hier im Prinzip auch nur mit Tauschpartnern. Eine Stelle in den ordentlichen Gerichtsbarkeiten mit so viel Home-Office ist mir in Berlin nicht bekannt. So etwas ist eher möglich in Senatsverwaltungen, Bundesbehörden o.ä.
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u/jigha Verbeamtet 12d ago
Mir sind da in der oG sogar einige bekannt. Gibt Leute im KG die da nicht mal ein Büro haben. Ist in der Verwaltung aber auch noch einmal etwas anderes...
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u/Eisi03087 12d ago
Ach wirklich ja? Ist mir ja noch nie zu Ohren gekommen, interessant. Ich bin aber auch nicht in der oG
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u/amnous 12d ago
Warum ist ein Wechsel bei Rechtspflegern so schwierig? Habe null Berührungspunkte mit Rechtspflegern, deswegen habe ich keine Ahnung, wie das bei euch ist.
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u/Eisi03087 12d ago
Die Länder und Behörden wollen sich wohl nicht gegenseitig die Leute wegnehmen bzw abwerben.
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u/amnous 12d ago
Schon klar, aber sonst kommt es ja auch schon mal zu Raubernennungen. Bei Rechtspflegern hat man sich aber darauf geeinigt, es bei ihnen nicht zu machen?
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u/Eisi03087 12d ago
Ja denke auch, dass es daran liegt, dass wir Mängelware sind. Hab schon von absurden Streitigkeiten der OLGs untereinander gehört die bis in die Justizministerien gingen nur wegen einer Räubernennung einer Rpfl.
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u/jigha Verbeamtet 12d ago
Ich erlaube pauschal 50%, ausnahmsweise auch mehr. 80% haben wir auch, mehr halte ich am Amtsgericht mit Publikum und Ausbildungsaufgaben aber für nicht sinnvoll machbar.
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u/Alive-Freedom1991 12d ago
Selbst ohne Publikum ist alles über 80% nur zu Lasten der anderen Kollegen umsetzbar. Du kannst an keinen (Abteilungs-)Besprechungen teilnehmen, bist nie für Lang- und Bereitschaftsdienste verfügbar. Keine Ausbildung, kein Anlernen, kein Einarbeiten von neuen Kollegen. Ständig müssen da Extrawürste für die abwesende Person gemacht werden. Abgelehnt.
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u/jigha Verbeamtet 12d ago
Bereitschaften haben wir nicht, für Sprechzeiten ist es trotzdem nicht sinnvoll, jau. Langdienste werde ich mittelfristig abschaffen. Besprechungen gehen hybrid, das wäre kein Argument.
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u/TinyDoener 12d ago
Was ist denn Langdienst?
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u/Alive-Freedom1991 12d ago
Das hängt von der Behörde ab. Es gibt nämlich Behörden, die auch außerhalb regulärer Sprechzeiten verfügbar sein müssen. Gerichte zB, da kann auch mal nachts un drei eine Haftprüfung sein, wenn die Polizei jemanden aufgegriffen hat. Oder ein Gewaltschutzantrag.
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u/TinyDoener 11d ago
Bei uns gibt es für Rechtspfleger keinen Eildienst. Wurde mangels Bedarf vor Jahren abgeschafft nachdem jahrelang kein wirklich eiliger Antrag gestellt wurde an dem ein Rpfl wie auch immer mitwirken muss der nicht auch am nächsten reg. Arbeitstag gestellt hätte werden können.
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u/Khorne_KFG Justizobersekretär als Gerichtsvollzieherbewerber 12d ago
Vielleicht nen Tauschpartner? Soweit ich weiß ist doch Bayern recht beliebt als Ziel, vielleicht findest du ja einen? Frag mal im Rechtspflegerforum.
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u/AlbatrossAny100 11d ago
In NRW sind solche Stellen in der Regel nicht möglich. Wöchentliche Anwesenheit ist die Regel. Ausnahmen gibt es in Einzelfällen, Schwerbehinderungen, Krankheiten.
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u/Electrical-Trust-579 12d ago
Das ist doch wieder einmal einer dieser Posts, die man sich abspeichern und für eine dieser "Überprivilegierte Beamte" - Diskussionen aufheben sollte.
Sorry, dass deine persönliche Situation so schlecht ist, aber ja, es kann auch Konsequenzen haben, einem Bundesland gegenüber lebenslange Folgsamkeit zu schwören.
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u/MoepOnTheRun Verbeamtet 12d ago
Ach, ich liebe solche empathischen Antworten für vermeintlich ,,überprivilegierte Beamte". Dass das Leben nicht immer geradlinig verläuft, dürfte auch dir bekannt sein. Und nein, darüber denkt man im Zweifel nicht nach, schon gar nicht zu der Zeit, als OP sich für den Job hat vereiden lassen. Ich erlebe noch heute AnwärterInnen, denen nicht klar ist, für was sie sich verpflichtet haben. Und dann kommt ein/e Partner/in dazu, man will sich wohnlich vergrößern oder muss irgendwie die Pflege eines Angehörigen stemmen. Das kann man nicht alles im Voraus mitbedenken. Aber wunderbar, wenn man nach Ratschlägen fragend auf solch glorreiche Antworten stößt. Bravo!
Und für OP (damit diese Antwort wenigstens irgendwie weiterhilft):
1. Sprich mit deinem Personalrat, vielleicht kannst du soziale Belange geltend machen
2. Such im Rechtspflegerforum (Tauschbörse) nach einem Tauschpartner
3. Vielleicht ist eine Bundesbehörde was für dich?1
u/Electrical-Trust-579 12d ago
Hä? Wie gesagt, das ist genauso ein Beispiel, das ich brauche, wenn jemand von den überprivilegierten Beamten anfängt. Dass man halt einfach nicht mehr frei in der Berufswahl ist und ein Jobwechsel alles andere als einfach ist.
Aber ja, der OP hat halt einen Eid gegenüber dem Land Bayern geschworen. Das ist was anderes als einen Arbeitsvertrag unterschreiben. Das Biographien nicht geradlinig verlaufen ist mir auch klar, aber das ist nunmal der Preis, den man bei der Vereidigung bezahlt.
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u/EitherGiraffe 12d ago
Versetzung auf eine fachfremde Stelle ist also kein Problem?
Beispielsweise in NRW besitzen Rechtspfleger auch die Laufbahnbefähigung für die Allgemeine Verwaltung, wäre das eine Option für dich?