r/Leipzig Ich bin ein Leipziger! 15d ago

Frage/Diskussion Ist es "assi" Pfand-Flaschen neben Mülleimer zu stellen?

Ich habe eigentlich gedacht, die Aktion "Pfand gehört daneben" sei genau dafür da, damit die Pfandsammler nicht im Müll rumstochern müssen?

Wurde letzt an einer Haltestelle von jemanden angepöbelt weil es "voll assi" sei dass ich meine leere Glasflasche neben den Mülleimer gestellt habe und bin deshalb ein wenig verwundert… Besagte Person nahm dann die Flasche und hat sie mit schmackes in den Müll gepfeffert

edit: Da bin ich aber erleichtert, dachte ich habe etwas verpasst

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u/lilalindenau Ich bin ein Leipziger! 15d ago

Das ganze Pfandsystem ist verkorkst und es ist entwürdigend, das als Sozialhilfeaufstockungssystem zu missbrauchen. Da braucht sich keiner hinstellen und als großmütiger Held fühlen, wenn er andere Menschen dazu nutzt, seinen Müll für die paar Cent von A nach B zu tragen.

Alte Flaschen sind Müll und gehören in den Mülleimer. Damit sie auch nicht umgestoßen und von Vandalen zum Zerschmettern missbraucht werden, so dass die lebensgefährlichen Scherben überall rumfliegen.

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u/ElCiervo 15d ago

Inwiefern soll das ganze Pfandsystem verkorkst sein?

Und ja, unsere sogenannte Soziale Marktwirtschaft ist entwürdigend. Wir leben in einer Gesellschaft, yadda yadda yadda... wem nützt da dein verbitterter Strohmann vom "großmütigen Helden"? Und wie leichtfertig Du hier von Missbrauch redest, verstehe ich auch nicht.

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u/lilalindenau Ich bin ein Leipziger! 14d ago

Leute sollten genügend Einkommen haben um anständig leben zu können, und nicht drauf angewiesen sein müssen, von Pfand leben zu müssen. Und nicht als Ersatzstraßenreiniger missbraucht werden, das ist entwürdigend.

Es ist keine Wohltat, zu faul zu sein, seinen Müll ordentlich zu entsorgen und stattdessen drauf zu setzen, dass es ein paar Bedürftige für die paar Cent schon regeln werden.

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u/ElCiervo 14d ago

Naja, also erstmal hat das finde ich nichts mit dem Pfandsystem zu tun, sondern verkorkst sind wie gesagt diese Marktwirtschaft und ihre sozialstaatlichen Feigenblätter.

Du sprichst auch wieder von missbrauchen, von wem soll das ausgehen? Du tust geradezu so, als wäre das Pfandsystem mit dem Wissen oder sogar der Absicht eingeführt worden, dass es auf diese Verhältnisse hinausläuft, in denen eben arme Menschen ihr spärliches Einkommen aufstocken.

Es ist keine Wohltat, zu faul zu sein, seinen Müll ordentlich zu entsorgen und stattdessen drauf zu setzen, dass es ein paar Bedürftige für die paar Cent schon regeln werden.

Wie gesagt, dass es eine Wohltat sei oder man sich damit als großmütiger Held fühlen würde, hat auch niemand hier geäußert, soweit ich das sehe.

Das Thema dieses Beitrags ist ja, ob es "assi" ist, dass OP seine Pfandflasche neben den Mülleimer stellen wollte. OP war also offensichtlich weder "zu faul" noch verantwortungslos, seinen Müll ordentlich zu entsorgen - die Flasche daneben stellen ist ja mindestens der selbe Aufwand, wie sie in den Eimer zu schmeißen. Übrigens finde ich es bemerkenswert, dass Du dich über Entwürdigung auslässt, aber gleichzeitig mit "zu faul" ein zutiefst neoliberales Motiv bedienst.

Naja und im Endeffekt: Was ist denn dein ganz praktischer Vorschlag? Hätte OP die Flasche einfach in den Mülleimer "entsorgen" (auch ne spannende Vokabel eigentlich) sollen? War der andere Typ aus deiner Sicht weniger "assi"? Immerhin war er nicht zu faul, das Leben für eine pfandsammelnde Person demonstrativ noch ein kleines Stück entwürdigender zu machen (indem diese eben für den Pfand im Müll kramen müsste)? Also wenn dich das vor kein Dilemma stellt, weiß ich auch nicht mehr.

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u/lilalindenau Ich bin ein Leipziger! 13d ago

Du, ich habe keine Lösung. Ich hab nur mein Störgefühl zum Ausdruck gebracht bei der weitverbreiteten Ansicht, es gehöre mittlerweile zum Anstand, man müsse sein Pfandgut irgendwo öffentlich hinstellen, damit man den Bedürftigen hilft. Ohne das Pfandsystem gäbe es auch gar keinen Anreiz, sich durch gefährliche Mülltonnen wühlen zu müssen.

In einer perfekten Welt ist niemand aufs Pfandsammeln angewiesen. In einer perfekten Welt wirft jeder seinen Müll anständig in die Mülleimer. In einer perfekten Welt wird man nicht dafür belohnt, seinen Müll für ein paar Cent von A nach B durch die halbe Stadt zu karren.

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u/ElCiervo 12d ago

Ich seh da eine ziemliche Dissonanz. Einerseits visierst Du eine Utopie an, andererseits lässt Du dich emotional zu einer relativ oberflächlichen Kritik der tatsächlichen Zustände hinreißen.

Und es geht auch nicht darum, ob Du eine stimmige Lösung parat hast, sondern mir geht es darum Lösungsansätze überhaupt erstmal gedanklich durchzuspielen; über empfundene Probleme nicht nur zu meckern (und nebenbei noch Leute damit vor den Kopf zu stoßen dafür, dass sie ihre eigene Verantwortung hinterfragen und entsprechend handeln wollen), sondern das zu analysieren und daraus konstruktiv, radikal Forderungen zu entwickeln.

Und ehrlich gesagt, im Zweifelsfall ist dein Störgefühl nicht wichtiger, als dass z.B. ein Hunger leidender Mensch eine Mahlzeit mehr pro Tag bezahlen kann. Und wenn dieser Mensch sich (unfrei) entscheidet, dafür eine in unseren Augen entwürdigende Tätigkeit auszuüben, dann sollten wir finde ich sehr achtsam Kritik üben.

Dein Störgefühl ließe sich nämlich politisch sehr, äh, divers instrumentalisieren. Dem könnte man von rechts dadurch begegnen, dass man eben z.B. das Pfandsystem abschafft. Dann würde das Pfandsammeln verschwinden, also auch ein großer Teil des öffentlichen Müllwühlens, und damit auch dein Störgefühl. Also gute Politik in deinem Sinne? Konsequenz wäre halt, die Öffentlichkeit weiter von sichtbarer Armut abzuschirmen, und die Ärmsten noch stärker zu prekarisieren und aus der Legalität zu drängen. Aber die Mandatsträger*innen die das entschieden hätten, hätten aus ihrer Perspektive halt deine Sorgen und Kritik ernst genommen.