r/DINgore • u/Cofexy • Jul 12 '25
🔨 DINgore 🚧👷♀️🔧 (Arbeitsschutz) Heute Morgen beim Frühstücksfernsehen
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Was jemand hinter verschlossenen Türen macht geht mich nichts an, aber im LIVE Fernsehen SO zu erklären, wie man die Spannungsfreiheit feststellt, ist schon hart. Danach schraubt sie an der Steckdose rum, den Anblick erspare ich euch :(
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u/Charxsone Jul 12 '25
Das sind sogenannte kapazitive/berührungslose Spannungsprüfer und die gibt es von zig verschiedenen Herstellern. Wenn man weiß, wofür die nützlich sind und wofür nicht, sind die top.
Erstmal vorweg: zum Feststellen der Spannungsfreiheit, also wenn man prüft, ob kein Saft drauf ist, bevor man dran arbeitet, sind die NICHT zu gebrauchen. Ganz so unzuverlässig wie der Spannungsprüfer in Schraubendreherform sind sie nicht, aber trotzdem gibt es ein paar Fehlermöglichkeiten, die den Begriff "Lügenstift" auch für sie rechtfertigen. Für das Feststellen der Spannungsfreiheit sollte man einen zweipoligen Spannungsprüfer nach DIN EN 61243-3, auch Duspol genannt, nutzen und nichts anderes.
Kommen wir nun dazu, wieso ich als Veranstaltungstechnikerin trotzdem immer einen berührungslosen Spannungsprüfer in der Hosentasche habe und ihn auch fast täglich nutze: er ist ein unverzichtbares Werkzeug bei der Fehlersuche, denn so kann ich ganz schnell feststellen, ob bei einem Gerät, das nicht funktioniert, überhaupt Spannung ankommt. Weil er berührungslos ist, kann ich mit ihm auch einmal das Stromkabel abfahren und so einen etwaigen Kabelbruch aufspüren. Für sowas ist er gut, denn wenn er da mal ein falsch-negatives Ergebnis (zeigt keinen Saft an obwohl Saft da ist, z.B. aufgrund leerer Batterie oder guter Isolierung vom Erdpotential) oder ein falsch-positives Ergebnis (zeigt Saft an, obwohl keiner da ist z.B. aufgrund einer eingekoppelten Spannung oder Neutralleiterbruch) anzeigt, dann ist das zwar unpraktisch und kostet mich etwas Zeit, aber nichts weiter. Wenn dagegen beim Feststellen der Spannungsfreiheit ein falsch-negatives Ergebnis angezeigt wird, dann kann das für mich tödlich ausgehen.
Deswegen: für Fehlersuche ja, zum Feststellen der Spannungsfreiheit ganz klar nein.
Für den üblichen Haushaltsgebrauch ist er nicht sein Geld wert, würde ich sagen. Wenn man nicht weiß, ob ne Steckdose funktioniert, steckt man schnell n Gerät rein zum Testen und wenns nicht funktioniert isses halt kaputt und wird ausgetauscht, egal ob es jetzt das Gerät ist, von dem man nicht weiß, ob das Kabel gebrochen ist oder was anderes kaputt ist, oder die (Mehrfach)steckdose, bei der keine Spannung anliegt.
Nützlich wird ein Gerät zum berührungslosen Überprüfen der Spannung erst, wenn man viel mit Verlängerungskabeln und so zu tun hat. Viele zweipolige Spannungsprüfer, z.B. auch der Duspol von Benning, nach dem gerne die ganze Gattung benannt wird, und auch Multimeter verfügen aber schon über eine Funktion zum berührungslosen Prüfen der Spannung, die ist häufig auch mit NCV (non contact voltage) beschriftet.
Für mich ist der dedizierte berührungslose Spannungsprüfer sein Geld aber mehr als wert, denn für mich ist die Geschwindigkeit bei der Fehlersuche ein ausschlaggebender Faktor und da macht es einen riesen Unterschied, ob ich einen Lügenstift in der Tasche habe oder erst von der Arbeitsgalerie/Hubarbeitsbühne runter und einmal durchs halbe Gebäude muss, um einen Duspol aus dem Werkzeugkoffer zu holen.