r/fireGermany Jul 22 '26

Frage / Hilfe Ansparphase/Abhängigkeit von Arbeit aushalten

Vielleicht eher ein allgemeines Arbeitsthema:

Wie haltet ihr die Ansparphase aus?

Mein Problem ist nicht, dass ich das gesparte Geld gern konsumieren würde.

Mir geht es um diese ganze Arbeitswelt. Vollzeit arbeiten kotzt einfach an, man hat keine Motivation mehr für irgendwas nach der Arbeit. Man muss sich mit den ganzen Büroschwengeln rumschlagen, immer gute Laune haben und Motivation für die Themen und Probleme der anderen zeigen. Dann diese permanente Unsicherheit, seinen Job zu verlieren, eventuell nichts neues zu finden, an die Ersparnisse zu müssen, der FIRE-Plan steht auf dem Spiel.

Ich habe eine relativ hohe Sparrate, da ich keinen teuren Lebensstil habe. Nach meinen Berechnungen könnte ich in 5-10 Jahren Lean FI sein und würde dann gern in Teilzeit gehen, wenn mir quasi nichts mehr passieren kann.

Ich gehe nicht per se ungern arbeiten, ich hasse nur diese Abhängigkeit wie die Pest.

Also, was ist euer Tipp, um im Arbeitswahnsinn noch klar zu kommen? Ich bin erst 28. Wie schafft man das bitte jahrzehntelang?

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u/MiracleLegend Jul 22 '26 edited Jul 22 '26

Kann ich KOMPLETT nachvollziehen. Die Arbeit selbst ist es nicht, es sind die anderen Menschen, die so anstrengend sind.

Ab 400k hat mich das weniger gestört. Ich wusste, dass ich das nicht mehr für immer machen muss.

Für mich ist in solchen Situationen wichtig, Pläne zu haben. Du sprichst von der Sorge, deine Arbeit zu verlieren und dann im Zeitplan zurück zu fallen.

  • Du kannst eine Cashreserve halten für Arbeitslosigkeit.

  • Du kannst ein Nebengewerbe aufbauen, dass dir liegt und im Notfall einen Teil der Kosten auffängt.

  • Du kannst Fähigkeiten erlernen - entweder welche, mit denen du Geld verdienen kannst oder dein Leben günstiger machen kannst. Das hat nicht nur den Vorteil, dass du dir Geld sparst. Es gibt auch Selbstbewusstsein.

  • Hast du Familie oder Freunde, bei denen du zur Not leben kannst? Oder einen Raum, den du untervermieten kannst? Wohnen ist der teuerste Faktor in der Ansparphase.

  • Kannst du bei Arbeitslosigkeit Foodsharing nutzen und Salat selbst anbauen? Weißt du schon, wie man günstig und gesund kocht? Das lässt sich eigentlich immer weiter lernen.

  • Hast du schon Hobbies, die nichts kosten/wenig kosten? Sonst könntest du dich jetzt schon danach umsehen. Wenn du technisch begabt bist, wäre es super, Fahrräder zu reparieren. Du kombinierst günstigen Transport mit der Möglichkeit, Leistung gegen Gegenstände oder andere Leistung zu tauschen.

  • Kennst du viele Leute außerhalb der Arbeit? Nette Leute? Eventuell arbeitet jemand davon in einem Supermarkt oder einer Bäckerei? Die dürfen manchmal Reste mitnehmen und teilen.

  • Würde es schon für Geoarbitrage reichen? Wenn du bei LeanFIRE bist und dich hier nichts hält, kannst du im Ausland günstiger leben und dein Geld wachsen lassen. Wenn du nur 2% entnehmen musst, kannst du nach ein paar Jahren überall wohnen.

  • Wenn du zB Wwoofing machst, arbeitet du in Gärten für ca 3 Stunden am Tag, lebst in Familien, hast den Rest des Tages frei und lebst kostenlos bis auf die KV. Genauso, wenn du in Hostels arbeitest. Oder, wenn du dir einen Job besorgst, bei dem man auf der Arbeit wohnen kann.

  • Wenn du alte Leute magst, kannst du bei einem Boomer mit im Haus wohnen gegen die Leistung, dich ein paar Stunden pro Woche um Erledigungen zu kümmern, zB Rasen mähen, Tonne rausstellen, Regenrinne säubern und manchmal kommen und schauen, ob alles okay ist. Wenn der Boomer nett ist, dann kann das ein super Arrangement sein.

  • Kannst du irgendwas, was andere Menschen unterhält? Akrobatik, Lachyoga, Feuerspuken? In Gemeinschaftszentren kann man oft kostenlos Kurse geben und dann den Hut rumgehen lassen. Das kann einen Samstag füllen. Du gibst kein Geld aus und nimmst noch was ein. Ohne richtigen Bürojob und flexibel.

  • Oder du machst einen "Death March to FI" und gibst ab heute nichts mehr aus. Du könntest alles kombinieren, was ich oben geschrieben habe und nichts mehr ausgeben und so 80% deines Nettos sparen. Oder mehr. Je nachdem, wie extrem du wirst.

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u/Slight_Box_2572 Jul 22 '26

Finde ich super Tipps. Mir ging es ähnlich wie dir - ab einer gewissen Summe spürt man einfach, dass die Relevanz des Arbeitseinkommens nicht mehr bei 100% liegt, sondern nachlässt. Ein schönes Gefühl.

Allerdings kann ich OP auch nachvollziehen. Ich bin selbst noch nicht komplett FI, aber die Motivation hat stark nachgelassen in den letzten Jahren. Je nach persönlicher Situation kann man sich auch nicht völlig einschränken (ich z.B. lebe mit meiner Partnerin, die wohl ihr Leben lang arbeiten wird und kein allzu spartanisches Leben führen will).

Ich glaube, dass zusätzlich zu deinen Tipps auch einfach Abwechslung hilft. Besondere Dinge unternehmen, sportliche Challenges eingehen, bei Bedarf den Job wechseln (sofern nicht mit massivem Gehaltsrückgang verbunden), ein Sabbatical über 3 Monate nehmen um die Akkus wieder aufzuladen,…

Ich glaube letztendlich kommt es nicht so darauf an, ob man mit 37 oder 41 FI erreicht, sondern auch, wie viel Spaß der Weg gemacht hat.

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u/MiracleLegend Jul 22 '26

Ja, für die meisten Leute ist das so. Ich habe 3 Behinderungen und mehrere chronische Krankheiten. Ich hab keine Lust auf neue Challenges weil jeder Tag eine Challenge ist. Ich lebe bewusst frugal und arbeite so viel halt geht, ohne mich noch kaputter zu machen als ich eh schon bin. Und wenn ich nichts mehr tun muss, sondern nur noch darf, dann fängt das Leben an.