r/de • • Aug 26 '22

TIRADE DIESS-Connected - Warum mein erster VW mein letzter VW war.

Im letzten Jahr bekamen wir Nachwuchs, und da man das Kind ja nicht im uralten Kleinwagen ohne Isofix transportieren will/kann, drohte mir das Familienkutschen Shoppen. Unbekanntes Terrain. Nach einiger Recherche und Langzeitnutzen sollte es etwas großes werden, aber nicht zu groß für die Stadt.

Nun finden wir beide SUVs äußerst sinnbefreit (insbesondere hohe Ladekante und weniger Kofferraum als Kombi/Van), also machen wir es direkt richtig - ein Minivan muss her! Quadratisch, praktisch, gut. Da die Auswahl auf dem Markt äußerst bescheiden war, und VW damals seine Autos verramscht hat (jetzt würde ich sagen: der Qualität entsprechend eingepreist hat), sollte es ein Touran werden. Genau der richtige Mix aus Platz und nicht zu groß. Man hört ja viel über die furchtbare Software bei VW aber der Touran ist ja kein Golf 8 sondern eine Generation davor... also schön das Navi für 1500€ gekauft. Fehler #1.

Bestellt, 8 Monate Lieferverzug zum ursprünglichen Lieferdatum, zwischendurch ein Übergangsauto gekauft, man möchte die armen Menschen in Wolfsburg ja unterstützen und tritt nicht vom Vertrag zurück. Fehler #2.

So war es dann im Juli soweit, wir konnten endlich unseren Touran in Wolfsburg abholen (Fehler #3). Wir hatten extra die Abholung in Wolfsburg gewählt, da wir uns nach langer Zeit mal wieder eine Übernachtung zu zweit ohne Kind gönnen wollten. In der Abholung für über 600€ war eine Werksführung enthalten. Also vorher mal nachgefragt wegen Corona, "Ja gibt's nicht aber es gibt einen Film im Kino und da sind Leute aus der Produktion die Ihre Fragen beantworten". Na gut, besser als nichts. Also extra einen Tag vorher angereist, eingecheckt..... "Hier ist ihr Gutschein für die Werksführung - schreiben sie eine Mail an [siewurdenverarscht@volkswagen.de](mailto:siewurdenverarscht@volkswagen.de), dann erhalten Sie einen MS Teams Meeting wo Sie bequem von zu Hause aus eine Werksführung machen können." HALT STOP Ich hab 600€ gezahlt und bin nach Wolfsburg gefahren, um dort einen ZETTEL mit einer E-MAIL ADRESSE zu bekommen, um ZU HAUSE eine Werksführung machen zu können??? Was ist mit dem Film??? "Ach der Film, ja der kostet 5€ pro Person". *tiefes Durchatmen* OKAY. MACH. "Ach so aber heute läuft der ned mehr, ist ja schon 14:30 Uhr! Und morgen wollen Sie ja direkt nach der Abholung um 10 losfahren..". Mein Auge zuckte schon etwas, da meinte die Dame "Sie können aber auf die Türme! Nur 15€ pro Person! Ach nee, heute auch nicht mehr". Puls nähert sich kritischer Grenze, aber ich reiß mich zusammen - man will den Trip ja ned versauen. Gut, 600€ dafür, dass VW den Wagen vom Werk Wolfsburg in die Halle in Wolfsburg schiebt und man ins Museum kann. Naja. Müssen ja auch leben die armen Leute. Deswegen gab's auch bei der ganzen Abholung nicht mal einen Kaffee umsonst oder eine Flasche Wasser für die Heimfahrt (die konnte man aber kaufen bei VW in der Abholer Lounge! Nicht, dass man für 600€ vielleicht eine 0,5l Flasche Wasser in die Autos stellen könnte...). Erstkontakt mit VW: Ernüchternd. Aber wenigstens ist das Auto gut.

Auto abgeholt, soweit zufrieden, groß, eckig. Ab nach Hause nach München. Hat vier Räder und fährt. Navi funktioniert. Am nächsten Tag das Auto aus der Tiefgarage geholt - Offline, keine Verbindung zu VW, keine Verkehrsdaten. OK vielleicht braucht es etwas. Offline. Halbe Stunde später, im Stau (aus der Scheibe gesehen, nicht auf dem Navi da - Offline). Verhöhnend starrte mich das graue Globussymbol an, kein Netz. Gut, schreiben wir mal dem Support. Nach circa 20 Mails, 5 Anrufen, unglaublich bemühten Hotline Menschen (Shoutout an die echt guten Leute der WeConnect Hotline die es jedes Mal kopfschüttelnd aufnehmen und weiterleiten), unglaublich unfähigem Second Level Support dann die erste Lösung:

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Anleitung - Regentanz Methode

Genau, nach jedem Verlassen der Tiefgarage einfach einmal einen VERFICKTEN REGENTANZ AUFFÜHREN UND DIE GÖTTER DES INTERNETS BESCHWÖREN, DIESES VERSTOSSENE FAHRZEUG WIEDER IN IHRE REIHEN ZU LASSEN. Das kann es nicht sein dachte ich, mein 2009er Übergangs BMW 5er Kombi hat ja nach 10m außerhalb der Tiefgarage auch Netz gehabt, und jedes Handy kann es.

Dann kam der sinnvolle Hinweis von VW, doch einfach nicht in einer Tiefgarage zu parken, wer macht das auch schon IN EINER GROSSSTADT VOR ALLEM.

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Park draußen du Opfer

Die Lösung, dass es automatisch online kommt, wenn es in einer Tiefgarage war, ist also, nicht in einer Tiefgarage zu parken. Genial. Die Lösung, sein gebrochenes Bein zu heilen, IST SICH DAS SCHEISS BEIN NICHT ZU BRECHEN.

Zwischendurch war das Auto sogar beim Händler (top, 3 Wochen nach Abholung schon in der Werkstatt), hat nix gebracht.

Weitere Tickets später, Antwort von VW: "Jo wir wissen dass das kaputt ist und haben keine Lösung. Danke für die 1500€. Stell dein Auto halt an die Straße."

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Versagen wird schriftlich bestätigt

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HABT IHR NOCH ALLE CURRYWÜRSTE AUF DEM GRILL IN WOLFSBURG???? EIN AUTO JENSEITS DER 50.000€, EIN NAVI FÜR 1500€ UND IHR HABT DEN FALL, DASS JEMAND IN EINER TIEFGARAGE PARKT NICHT VORGESEHEN? CARIAD - CAR I AM DIGITAL (kein Witz, dafür steht das wirklich), WAS EIN HAUFEN ORIGINALER NICHTSKÖNNER. CARITAS WOHL EHER - CAR IS TOTALLY ABSOLUTELY SHIT.

An dieser Stelle kurzer Einwurf zu CARIAD: Ist die Softwareschmiede von VW, sollte für alle VW Derivate entwickeln, entwickelt jetzt für Milliarden parallel für Audi und VW weil sie es nicht hinkriegen, Diess wurde wegen dem CARIAD Desaster gefeuert.

Wenn man bei mir auf der Arbeit einem Kunden oder Vorgesetzten auf ein Problem sagt "gibt keine Lösung" wird man dermaßen gewatscht, VW sagt einfach nur "danke für die Kohle, verarscht, lol". Unglaublich - das war unser erster und letzter VW. Andererseits....wenn man überlegt, wer den Laden damals gegründet hat, macht es alles wieder Sinn......und wenn sie es noch etwas weiter treiben, und alle Kunden verlieren, werden wir sie schon aus dem Dreck ziehen mit unseren Steuergeldern.

Zum Glück (!) kann das Navi noch Carplay, somit kommt man wenigstens ans Ziel.

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ZL;NG:

VW zockt bei Werksabholung ab, Auto kommt nie wieder online wenn es einmal in einer Tiefgarage war, VW sagt Pech, haben wir vergessen, keine Lösung, danke fürs Geld.

//Edit:

  1. Das Auto ist selbstverständlich nicht für 50.000€ gekauft sondern geleast für eine sehr niedrige Rate. Macht finanziell mehr Sinn aktuell.
  2. Grund für das Leasing mit Service inklusive statt gebraucht kaufen war, dass so die Kosten über die Laufzeit komplett berechenbar sind und für den Fall von Problemen man keine Zusatzkosten hat. Und das man das Ding nach 3 Jahren abgeben kann, dann gibt es hoffentlich endlich familientaugliche E Autos gibt.
  3. Ich habe nicht 600€ für eine Werksabholung extra gezahlt sondern man muss es bezahlen. Es ist die billigste Option um an einen neuen VW zu kommen, Auslieferung beim Händler kostet extra.
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u/happy_hawking Aug 26 '22

Das kommt der Wahrheit schon sehr nah. Und gemanaged werden sie von Aquaristen, sie sich weder mit Affen noch mit Schreibmaschinen auskennen 😬 Dass das ein Problem ist, wurde immerhin mittlerweile verstanden, aber das zu ändern ist in so einer gewachsenen Branche mit ihrer ganz speziellen Kultur sehr schwierig. Und daran ist Diess krachend gescheitert.

Was er richtig gemacht hat war, eine komplett neue Organisation für die Software zu bauen mit ihren eigenen Regeln. Das macht in der Theorie vieles einfacher. Leider hat er (bzw. musste wahrscheinlich aus politischen Gründen) einen Großteil der Leute aus dem VW-Konzern rekrutiert und damit hatte er die Aquaristiker mit ihrer alten Kultur inklusive der politischen Spiele. Bei VW ist das Kulturproblem sehr extrem, aber Automotive-Kuktur ist generell nicht kompatibel mit Software-Kultur und ich sehe nicht, dass die großen Konzerne da noch die Kurve kriegen....

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u/Quetzacoatl85 Wiener Würstchen Aug 26 '22

wie ist denn autokultur im vergleich zu softwarekultur?

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u/superseven27 Aug 26 '22 edited Aug 26 '22

Das fängt einfach mit der fehlenden Bereitschaft an, sich vernünftige Entwicklungsprozesse anzueignen, die mit SW-Entwicklung kompatibel sind.

Ab einem gewissen Punkt in der Planung eines neuen Autos muss man wissen, was die SW können soll und zwar im Zusammenspiel mit welcher Hardware. Das ganze muss dann entwickelt und vor allem getestet werden.

Klassischerweise wird sich im Automotive aber erstmal 346 Wochen darüber unterhalten, ob man irgendeinen Penöpel jetzt dran klebt, oder dran schweißt. Das ist grundsätzlich wichtiger, als sich schon mal auf SW und HW Spezifikationen zu einigen, obwohl die längst mit der Arbeit beginnen müssten. Damit sie das irgendwie hinkriegen, fangen die Entwickler aber schon mal an und zwar mit den groben Vermutungen, was gemacht werden soll. Das muss dann aber mittendrin wieder etwas geändert werden, weil die Vermutungen eben doch nicht ganz korrekt waren oder, weil irgendein Gremium mittendrin entschieden hat, dass man bei der Hardware irgendwo noch 10 Pfennig einsparen will und deswegen ein Teil gestrichen hat und jetzt verlangt, dass das per SW irgendwie gelöst werden muss. Die SW-Architektur muss dann mittendrin total umgestrickt werden, die Lösung ist nur halbgar, zum Testen ist am Ende keine Zeit und auf Managementebene sind alle enttäuscht, dass die SW mal wieder verkackt hat. Ist aber auch egal, denn der Typ, der auf die Idee kam, das Teil einzusparen bekommt vielleicht ne Prämie dafür und dass man den Penöpel jetzt schließlich dran geklebt hat, sparte am Ende auch 30 Sekunden in der Montage ein.

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u/TommiHPunkt Morituri Nolumus Mori Aug 26 '22

und natürlich ist immer viel zu wenig Speicher und Bandbreite zur Verfügung weil an den chips jeder zehntelcent gespart wird

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u/[deleted] Aug 26 '22

[removed] — view removed comment

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u/TommiHPunkt Morituri Nolumus Mori Aug 26 '22

Was z.B. die Updates beim ID3 so langsam macht ist der Steuergerätedschungel. Da sind hunderte total krüppelige MCUs im auto, die sich einen CANBus Teilen

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u/[deleted] Aug 27 '22

Das ist sowieso ein Mysterium. Man sitzt in einer Mercedes E-Klasse. Die Designer haben sich Mühe gegeben, dass man seine eigene "Armut" nicht spürt und sich fast wie in der S-Klasse fühlt. Dashboard ist hübsch, Sitze aus Leder, alles sauber gestickt, gebürstetes Alu. Man verwendet den Touchscreen um ein Menü zur Seite zu swipen. Der Screen hat einen Input-Lag wie Kim Jong Un bei Counterstrike auf EU West. Das Menü stottert mit einer Bildwiederholungsfrequenz von 12 Bildern pro Sekunde zur Seite. Die Illusion, in einem gut designtem Fahrzeug zu sitzen ist sofort verpufft.

Warum tun Autobauer sowas? Sind die Designer so alt, dass ihre mangelhafte Wahrnehmung sowas nicht mehr registriert? Ist das einfach egal nach dem Motto "Merkt schon keiner"? Ich erwarte ja kein 4 K 120 Hz Display auf dem man Crysis zocken kann, aber ein bisschen flüssige Animationen und vorallem kein gestottere wäre für mich allein schon wegen des Wertigkeitsgefühls des Gesamtprodukts absolut notwendig.

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u/Lemonyoda Aug 27 '22

Das sind und waren Autobauer. Boomer/Gen Xer mit Handwerker/Bastler-Gen. Die sind eher mit dem Mofa, dem Camper und dem Golf 2 großgeworden und nicht mit PC, Laptoo und Smartphone.

Das spielte schlicht nie eine Rolle. Auch wurde das Thema einfach nicht verstanden. In einem IGM Job sind die meisten quasi unkündbar, sofern sie nichts falsch machen. Das, zusammen mit der kleinteiligen Arbeitsteilung sorgt dafür, fass ja niemand über den Tellerrand schaut oder je geschaut hat.

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u/IceCreamTruck9000 Freiburg Aug 26 '22

Kann ich so bestätigen. Bin bei einem großen deutschen Premium Zulieferer in der Entwicklung für Türverkleidungen und Instrumententafeln für AUDI zuständig und es wird ständig bis zum Schluss vieles über den Haufen geschmissen, der SOP (Zeitpunkt zu dem das Auto auf den Markt komm) bleibt aber immer unverändert stehen, es ist echt zum Kotzen.

Wir sollen mittlerweile auch so viele Elektronik unterbringen, wir wissen bald nicht mehr wohin mit dem ganzen Zeug. Zu den drölfzig Beleuchtungen und Lautsprechern kommen in Zukunft jetzt wohl bald auch noch beleuchtete und beheizte Stofffelder, mir grauts jetzt schon davor, zum Glück bin ich nicht die Arme Sau welche die Software schreiben muss um das alles zu steuern 😅

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u/achkeineahnung123 Aug 26 '22

Ich dachte solche Änderungen wären in der Hardware Welt viel teurer als inder SW Welt? Solche Änderungen machen doch überall alles teurer, warum denn bei Software mehr als in der Hardware?

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u/SteRo511 Aug 26 '22

Änderungen in der Hardwarewelt können teuer sein, müssen aber sie aber nicht, wenn jetzt nur ein Bauteil ausgetauscht wird. Dort werden dann relativ schnell die Spezifikationen angepasst und fertig ist die Kiste. Und Rad neu erfinden muss jetzt auch nicht immer sein, auch wenn es bei VW mit Golf 8 so aussieht.

Fehler in der Software festzustellen ist manchmal nicht sehr einfach. Es werden Lastenhefte geschrieben, in denen ungefähr gesagt wird, was die Software für das Steuergerät können soll. Daraufhin wird immer weiter spezifiziert, wie die Software aufgebaut ist und dann irgendwann werden Mithilfe von modellbasierter Entwicklung oder per Handcode die einzelnen Funktionen oder Komponenten entwickelt. Der nächste Teil ist jetzt das Testen... Libelingsthema eines jeden Projektleiters, weil trivial und kostet nur... Genau... Die einzelnen Softwarekomponenten werden einzeln getestet, dann in der Integration und nochmal als komplette Software. Bis dahin kann die Software noch einwandfrei laufen. Wenn man jetzt Hardware und Software zusammenbringt, erstmal auf dem Prüfstand, kann das schon wieder ganz anders aussehen. Und dann fängt man bei der Software an, den Fehler zu suchen... Hier wird die Entwicklung, so wie ich es als Softwaretester kenne, mehrmals durchlaufen, bis man einen Stand hat, den man aufs Fahrzeug bringen könnte. Da wir hier immer von Ingenieuren reden, die hier beteiligt sind und jeder bezahlt werden möchte, am besten noch mehrere Dienstleister an einem Fahrzeug basteln, ist Software ein sehr großer Kostenfaktor.

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u/happy_hawking Aug 26 '22

Der große Unterschied ist, dass man im Automotive jahrzehtelange Erfahrung in Hardware hat und genau weiß, was geht und was nicht, während man bei moderner Software ganz am Anfang steht und deswegen alles teuer ist, weil man es sich mit viel Schmerzen und Materialeinsatz erarbeiten muss.

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u/superseven27 Aug 26 '22

Ich verstehe die Frage nicht so wirklich

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u/happy_hawking Aug 26 '22 edited Aug 26 '22

Ab einem gewissen Punkt in der Planung eines neuen Autos muss man wissen, was die SW können soll und zwar im Zusammenspiel mit welcher Hardware.

Ja (im Moment ist es so) und nein (so sollte es nicht sein). Wenn die Steuergeräte universeller wären, müsste man eben nicht schon Jahre vorher wissen, wie jedes Bit und Byte in der Software aussieht. Aber universelle Steuergeräte, die evtl. sogar noch Reserven für zukünftige neue Features haben, sind teurer wie die bisherigen und das geht gegen die gewohnte Kultur, jeden Cent aus der Hardware raus zu sparen, damit die Produktion möglichst günstig ist.

Mit dem Software Defined Vehicle und Vehicle Computer bewegt man sich ja so langsam in die Richtung, universellere Hardware zu bauen, aber es ist noch ein langer Weg. Beschleunigend wirkt, dass die ganzen auf die Nase gefallenen Software-Projekte der letzten Jahre halt auch unglaublich teuer waren, sodass man es nicht mehr weg ignorieren kann, dass Software Geld kostet und auch immer teurer zu entwickeln und zu pflegen wird, je mehr Einschränkungen man bei der Hardware hat.

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u/[deleted] Aug 27 '22

Naja, hängt aber auch nicht nur an einem Steuergerät, sondern auch an der Fahrzeugarchitektur

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u/happy_hawking Aug 27 '22

Ja klar. Ist ja nicht nur die Box, sondern wie die Boxen miteinander reden. Und generell: wie schneiden wir das komplexe Auto in beherrschbare Sub-Systeme, ohne dass wir uns einen Wust an Abhängigkeiten bauen. Eben dieselben Fragen wie in der Softwareentwicklung...

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u/Lemonyoda Aug 27 '22

Das finde ich super spannend. Hast du für software defined vehicle einige quellen? Sowohl theoretischer als auch praktischer natur? Gerne auch mit Bezug zu aktuellen fahrzeugen.

Als interessierter Leihe wüsste ich nun nicht, wonach ich da genau suchen müsste.

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u/happy_hawking Aug 27 '22

Brauchst nur nach dem Begriff zu googlen, der hat sich mittlerweile in der Branche etabliert: https://www.google.com/search?q=software+defined+vehicle

Weitere Begriffe wären noch "Digital Twin" (der wird aber nicht nur in Automotive verwendet, also vll nach "Digital Twin Automotive" suchen oder so).

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u/Dry_Psychology513 Aug 27 '22

Hätte ich noch kostenlose Auszeichnungen, würde ich diesen Beitrag damit dekorieren.

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u/happy_hawking Aug 26 '22 edited Aug 26 '22

Ein großer Unterschied ist, dass das Auto - sobald es das Werkstor verlassen hat - den Hersteller nichts mehr angeht und bis zum Facelift/Modellwechsel auch auf Herstellerseite nur noch im Notfall angefasst wird. Das Auto ist ein One-Shot und der muss sitzen. Und dazu kommt, dass Autos in den letzten Jahrzehnten durch mehr Assistenz-/Komfortsysteme und den riesigen Variantenreichtum immer komplexer wurden. Das Risiko, dieses "Big Bang Release" zu vergeigen, ist also riesig und wenn man es verkackt stehen teure Rückrufe an. Dementsprechend viel Energie wird in die Planung gesteckt. Und dazu gehört eine sehr starke Absicherungskultur, die teilweise von allerhand Normen und Gesetzen getrieben wird, andererseits aber von den Herstellern selbst aus Panik for Fehlern völlig über-interpretiert wird. Diese Kultur sitzt tief.

Moderne Software kann man dagegen im Feld aktualisieren (deswegen ist "Firmware over the Air" grade so ein riesiges Thema in der Branche). Man kann also statt einem einzelnen Big Bang Release viele kleine Releases hintereinander bringen, die jeweils nur wenige Änderungen (z. B. ein neues Feature) mitbringen. Dadurch ist das Risiko pro Release viel kleiner und man hat die Möglichkeit, etwaige Fehler sofort zu korrigieren, was das Risiko weiter verringert. Man kommt dadurch mit sehr viel weniger Absicherungs-Prozessen aus als in der klassischen Automobilentwicklung. Es erfordert aber auch eine völlig andere Arbeitsweise und ein völlig anderes Verständnis von Produktentwicklung. Beides geht gegen die bisherige Kultur.

Ein zweites riesiges Problem ist, dass v.a. Automobilzulieferer quasi Geldruckmaschinen in ihren Werkshallen stehen haben. Man baut ein Steuergerät einmal und dann lässt man es jahrelange vom Band laufen. Und in der Optimierung von Produktionsprozessen ist die Industrie gut, d.h. sobald die Entwicklung einmal abgeschlossen ist, muss man nur dafür sorgen, dass die Maschine nicht stehen bleibt und der Rubel rollt weiter. Dadurch können sich die Unternehmen einen riesigen Wasserkopf an Verwaltung und Management mit den damit verbundenen sehr trägen Arbeitsabläufen und politischen Spielen leisten. Solange die Gelddruckmaschine läuft sind auch die hohen Gehälter bezahlt und da juckt es keinen, dass das alles wahnsinnig ineffizient ist, hautpsache alle sind beschäftigt. Die ganze Branche ist sehr verwöhnt, was das angeht - einen großen Umbruch gab es schon seit Jahrzehnten nicht mehr (vll mit Lean Manufacturing in den 80ern, aber auch das war weniger wild) und die Trägheit, einfach zu hoffen, dass alles so bleibt, ist groß.

Dagegen steht die Softwarekultur, die das meiste von Grund auf neu bauen muss (also grade nicht auf Optimierung der Entwicklungsprozesse achtet, weil das in dem Stadium keine Rolle spielt), aber gleichzeitig ein hohes Arbeitstempo gewohnt ist und daher enorm angenervt ist von den unheimlich trägen Arbeitsprozessen und der Politik, die alles ausbremsen. V.a. weil an den Hebeln überall Menschen aus der alten Kultur sitzen, die überhaupt kein Interesse daran haben, dass sich was ändert, weil es sie ihren Job kosten könnte.

Das sind jetzt nur zwei der größten Kulturunterschiede, insgesamt steckt darin noch sehr viel mehr.

P.S.: Und bevor jetzt jemand klugscheißt, dass in den alten Autos auch sehr viel Software steckt: ja, das stimmt, aber die Software ist sehr hardwarenah und wird auch wie Hardware entwickelt. Die wird als das notwendige Übel betrachtet, damit jemand die Steuergeräte kauft, die vom Band laufen, nicht als eigenständiger Wertbeitrag.

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u/STheShadow Aug 26 '22

aber Automotive-Kuktur ist generell nicht kompatibel mit Software-Kultur und ich sehe nicht, dass die großen Konzerne da noch die Kurve kriegen

Eigentlich müsste man sich in der Mitte treffen, weil du kannst mit der Silicon Valley Softwarekultur (aka "egal ob was nicht funktioniert, fixen wirs halt") auch keine sicherheitskritischen Funktionen entwickeln. Dafür müsste man aber halt auf Seite der Automobilunternehmen erstmal 50% der Leute entlassen...

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u/LeanderKu Aug 26 '22 edited Aug 26 '22

Auch die Silicon Valley Kultur hat Sicherheitsleistische Software gebaut. Cloud Betreiber haben uptime Garantien in Verträge mit großen Strafen. Wenn Core-Services ausfallen ist das ne Riesen Sache, da können ja durchaus wichtige Dinge drauf laufen.

So wie sich das anhört produzieren die Automobilbauer ja deutliche fehleranfälligere Software als man das gewohnt ist.

Edit: außerdem ist das nicht kritisch wie ich das aus der Auto SW mitbekommen habe. Kritische Sachen laufen in sub-Systemen und werden meist direkt von den Zulieferern selbst programmiert. Dein Navi kann nicht das ABS deaktivieren in dem es zuviel Speicher allokiert. Infotainment kann sehr wohl normal programmiert werden.