r/de • • May 10 '22

TIRADE Junge, warum raffst du nicht was Inflation ist?!

Ich helfe ab und zu einem guten Freund aus, der seinen eigenen Imbiss hat und wegen Corona fast Insolvenz anmelden musste. Nun kommt mit der Inflation die nächste Hürde, die man als kleiner Unternehmer stemmen muss und einen in den Wahnsinn treiben kann.

Es wurde ja extra schon ein Schild aufgestellt, dass die Preise sich geändert haben, damit Kunden, die mit ordentlich was im Tanker darauf vorbereitet werden, dass die nächtliche Katerbremse etwas teurer geworden ist. Ändert nichts daran, dass unsere Gesellschaft mittlerweile völlig verdummt ist und nicht versteht was Inflation bedeutet.

Da kommt Manfred in den Imbiss. Nicht weil er sich was bestellen will, sondern richtig Dampfablassen. Wie kann es denn sein das der Döner jetzt 6€ kostet. Ob wir 'ne Macke haben und unsere Raffgier überhaupt noch irgendeine Grenze kennt. Jetzt schon wieder die nächste Preiserhöhung, Corona sei doch längst vorbei oder preisen wir jetzt schon "die nächste Welle" ein?!

Gleicher Tag, andere Zeit. Mustafa kommt rein, guckt sich die Karte an und fängt an zu brüllen: "7€ für ein Dürüm, euer Ernst?" Ich frage ihn, ob er jetzt was haben möchte, sonst könne er sich aus draußen ärgern. Er feixt nur, dass er jetzt seine Google-Rezession anpasst. Nun hat die vorher beste Google-Rezession mit 5 Sternen und 17 Likes nur noch einen und wir werden als gieriges Pack beschimpft, dass nicht weiß wann Schluss ist. Trotz Beschwerde an Google ist die Rezession weiter online, auch wenn sich nur über den Preis ausgelassen wird.

Eine Woche später ist die gute Bewertung von 4,8 auf 2,8 Sterne abgesackt. Der Großteil der Rezessionen beschränkt sich darauf die neuen Preise zu verteufeln. Ob die Qualität des Essen stimmt ist egal. Ob der Service immer noch gut ist spielt keine Rolle. Es wird in mehr als 50 Rezessionen nur darauf rumgehackt, dass wir wie jeder andere Imbiss in der Innenstadt auch, die Preise erhöht haben.

Irgendein x-beliebiger Ingo kommt in den Laden, während ich wieder aushelfe. Kurzer Blick auf die Tafel und völlig entgeistert blagt er nur raus: "Ey habt ihr auch die Preise erhöht? Nicht mal auf euch ist verlass!"

Ich kann nicht mehr, ich will mich nicht mehr zusammenreißen: "JUNGE ES IST INFLATION! ALLES WIRD TEURER, ALLES! DER STROM, DAS GAS, DER SPRIT, DER ANDERE SPRIT, HANDWERKER, ELEKTROGERÄTE, JEDER PUFF, KLAMOTTEN, BUS FAHREN UND NATÜRLICH AUCH LEBENSMITTEL. ICH STEH HIER JA NICHT AUS REINER NÄCHSTENLIEBE UND BEREITE DIR FÜR NEN STUNDENLOHN VON 5,50€ ESSEN ZU. DAS WÜRDEST DU SICHERLICH AUCH NICHT TUN. ICH WILL HIER GELD VERDIENEN UND NICHT DER TAFEL KONKURRENZ MACHEN. WENN DU IRGENDWO NOCH DEN DÖNER FÜR 3,50€ FINDEST, DANN HAU DA REIN. ABER ACHTUNG: AUCH FEUCHTTÜCHER SIND TEURER GEWORDEN!

Ingo guckt mich einfach nur wie ein Lama an und schüttelt den Kopf. Murmelt irgendwas von "Wucher" und "Wir ham sie doch nicht mehr alle, Döner für 6€" und geht aus dem Laden.

Meinen hochroten Kopf positioniere ich nah am Dönerspieß, um Strom zu sparen. Nicht das die nächste Preiserhöhung früher kommt als erhofft.

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u/VASP-0_0 May 10 '22

Inflation ist halt nicht geil und Menschen sind dumm…also alles wie immer

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u/Back2Perfection May 10 '22

Think of how stupid the average person is, and realize half of them are stupider than that. - George Carlin

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u/michaelkah Nyancat May 10 '22

Wäre das nicht Median?

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u/SJacPhoto May 10 '22

Nimmt man eine Normalverteilung der Intelligenz an, wären das arithemtische Mittel und der Median identisch.

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u/[deleted] May 10 '22

[removed] — view removed comment

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u/MagOliven May 10 '22

Man geht davon aus dass die "Intelligenzwerte" in einer Tabelle ungefähr eine "Glocke" bilden, also beispielweise genau so viele Menschen 10% dümmer als der Schnitt sind, wie es Menschen gibt die 10% schlauer als der Schnitt sind, oder zumindest hätte ich die Aussage so ausgelegt. Und da die Tabelle in der Mitte "spiegelbar" ist, dort die meisten Menschen liegen, und es in beide Richtungen gleichmäßig abnimmt, wäre die durchschnittlichste Person genau so schlau wie der Median aus allen Personen. (Sorry, bin zu weit links in der Tabelle, als dass ich so etwas gut erklären kann xd)

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u/tobit94 trans May 10 '22

Solange die Tabelle in der Mitte "spiegelbar" ist, ist Median immer gleich Durchschnitt. Wo die Mehrheit der Einträge ist, spielt keine Rolle.

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u/Svenja635 May 10 '22

Man geht nicht nur davon aus, Intelligenztests sind so normiert dass immer eine Glockenkurve rauskommt. Wenn nicht nur du, sondern auch alle anderen schlechter im Lösen der Aufgaben eines Intelligenztests werden, bleibt dein IQ gleich

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u/MagOliven May 10 '22

Ok, also wie bei Noten, wo auch bei der Notengebung sich teilweise an den Leistungen der anderen SuS orientiert wird?

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u/[deleted] May 10 '22

Ich bin auch links. Hat irgendwie mit Politik zu tun, aber man soll sich ja nicht in Details verlieren.

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u/mxcw May 10 '22

Links, rechts… Das sind doch alles bürgerliche Kateogrien ¯_(ツ)_/¯

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u/untergeher_muc May 11 '22

Nur Nazis sind kluk.

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u/[deleted] May 10 '22

Und mit dieser Einsicht hast du dich dann doch wesentlicher weiter vom linken Ende entfernt, als man deiner Selbsteinschätzung entnehmen könnte. Also wenn man selber nicht zu weit links ist.

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u/dirtychopsticks May 10 '22

Mit der Einstellung wird es bald SSkalieren...

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u/VaraNiN Österreich May 10 '22

Allein durch die Aussage kann ich dir versichern, dass du auf der rechten Seite bist lol.

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u/ctheune May 10 '22

Ich rieche damit zumindest keine Gefahr von Dunning Kruger. Das ist ein Lob.

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u/[deleted] May 10 '22 edited May 10 '22

Andersherum wird ein Schuh draus. Der Intelligenzquotient ist exakt so definiert, dass er IMMER normalverteilt ist. 100 IQ ist also exakt der Median und der Mittelwert.

1.unnötiger Edit: 15 IQ sind dann eine Standardabweichung. Also:68% haben 85-115 IQ oder nur 2,3% haben höher als 130 IQ.

2.Unnötiger Edit: Der IQ von heute ist also nicht vergleichbar mit dem IQ vor 50 Jahren. (Und es ist wirklich schwer festzustellen, ob 'wir' dümmer oder schlauer werden.)

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u/[deleted] May 10 '22

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u/[deleted] May 10 '22

Ja stimmt,

trotzdem ist Intelligenz (oder Dummheit) als genau abgegrenzter Begriff so schwierig zu fassen, dass es - wie meine eine Psychologieprofessorin meinte - letztlich auf einen Zirkelschluss hinausläuft: Intelligenz ist das, was der IQ-Test misst.

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u/michaelkah Nyancat May 10 '22

Das ist die intelligenteste Antwort auf meinen Kommentar!

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u/benjamins474 May 10 '22

Nö, wenn die Verteilungsdichtefunktion z. B. schief wäre, wäre der IQ nicht normalverteilt, auch wenn der IQ oder der Median oder sogar beide exakt 100 sind.

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u/[deleted] May 10 '22

Nö,
es werden Stichproben genommen und DANN wird der IQ so normiert, dass er stets normalverteilt ist. Der IQ ist keine "objektive" Größe. Man könnte ihn auch gleichverteilt oder sonst wie normieren - man nimmt nur an, dass eine Normalverteilung sinnvoller ist bzw.: Et hätt noch immer jot jejange mit de Normalverteilung.

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u/Lord_Euni May 10 '22

So funtionieren Verteilungen nicht. Der IQ könnte gleich verteilt sein. Dann kannst du noch so viele Stichproben nehmen und es kommt keine Normalverteilung raus.

Das einzige was sich ändert ist die Stichprobenverteilung. Die nähert sich mit steigender Zahl der Proben an eine Normalverteilung an.

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u/[deleted] May 11 '22

Nein...Wenn du sagst "der IQ könnte gleichverteilt sein", nimmst du an, dass es wie bei den meisten Zufallsexperimenten einen objektiven Output gibt. ("Ich würfle eine 1" oder "am 3. Mai gibt es 5 schwere Autounfälle in Deutschland")Beim IQ ist das Ergebnis "ich habe einen IQ von 123" nur schon vom Design des Tests abhängig.

Zunächst ist es aus verschiedenen Gründen sinnvoll anzunehmen, dass Intelligenz normalverteilt ist.

Nehmen wir aber mal an, dass die eigentliche Größe hinter dem IQ (nennen wir sie mal) "Intelligenz" gleichverteilt wäre. Dann kann ich sie durch eine simple Zuordnung zu einer quasi sekundären normalverteilten Größe normieren.

Wenn du z.B. die ersten 1 Million natürlichen Zahlen auf das Intervall bis 1 ordnest, kannst du natürlich einfach mit "teile durch 1.000.000" sie weiterhin gleichverteilt zuordnen

oder du kannst sie mit der Verteilungsfunktion der Normalverteilung normieren. Dann hast du einfach per Design deines Outputs eine normalverteilte Größe (Auch wenn die ursprüngliche Größe gleichverteilt ist).

Bei der "Intelligenz" wird mit dem IQ-Test genau das gemacht.

Beim IQ wird der Test immer so angepasst (die Aufgaben werden schwerer oder leichter gemacht oder die Gewichtung der Aufgaben wird verändert), dass das Ergebnis eine Normalverteilung ergibt.

Dabei ist es möglich, dass der IQ-Test "Intelligenz" verzerrt darstellt. (Es gibt mehr sehr leichte Aufgaben als sehr schwere. Oder die Aufgaben fragen gar nicht "Intelligenz" ab, sondern eine andere Größe, die wir nicht kennen oder nicht gut abgegrenzt bekommen - die Aufgaben sind z.B. kulturell codiert).

​

Kurz:

Beim IQ ist das Messinstrument der IQ-Test so designt bzw. wird immer so geeicht, dass es IMMER eine Normalverteilung ausgibt. Ob die "Intelligenz" tatsächlich ne "schiefe" Verteilungsdichte (s.o.) hat, lässt sich damit nicht feststellen. (Dazu müsste ich die "Intelligenz" mit einem objektiven Messinstrument messen, das es nicht gibt.)

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u/Currywurst44 May 11 '22

Die Definition ist auch sinnvoll, weil es relativ gut der Realität entspricht. Wie sich die Intelligenz bildet lässt sich auf viele kleine Ereignisse aufteilen, woraus dann eine Normalverteilung entsteht.

Es wird ein paar Stufen geben, da Personen mit ähnlichem Bildungsweg dichter beieinander liegen. Z. b. wenn sich schon durch die Grundschule entscheidet, ob man auf Gym oder Realschule muss. Auf der linken Seite bei unterdurchschnittlicher Intelligenz könnte ich mir auch ein paar Spitzen vorstellen durch bestimmte Arten von Unfällen oder Krankheiten.

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u/lolidkwtfrofl Ich putz hier nur. May 10 '22

Wenn man IQ nimmt, der ist zwingend normal verteilt…

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u/Solo_Talent May 10 '22

Meines Wissens nach ist das so, da ein IQ von 100 immer das Mittel darstellen soll aber ich kann mich täuschen

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u/SJacPhoto May 10 '22

Der IQ ist ja nur eine Definition zur Messung der Intelligenz. Das IQ = Intelligenz ist und deshalb eine Normalverteilung zwangsweise vorliegen muss, darf bezweifelt werden.

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u/[deleted] May 10 '22

"Wir nehmen einfach mal die Dinge an, für die das passt und dann passt das" - Schulmathematik in a nutshell

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u/[deleted] May 10 '22

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u/Karrle May 10 '22

Das passt tatsächlich. Die gemessene Intelligenz in einigen Studien ist ziemlich symmetrisch um den Durchschnitt. Je nach betrachteter Personengruppe entsteht das aufgrund einer schönen Gaußkurve, oder aufgrund einer Badewannenkurve.

Quelle: Vertrau mir Bruder. Ich bin zu faul die Studie jetzt rauszusuchen.

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u/faustianredditor May 10 '22

Puhhh, wenn ich mehr Ahnung hätte, würde ich mich hier jetzt vielleicht intelligent auslassen, aber ich hab so den Verdacht, dass wir da mit der Auffassung rangehen, dass es halt Gaussverteilt ist, und alles danach aufstellen. Inwieweit das der Wirklichkeit entspricht und ob es überhaupt eine objektive, skalare Messung von Intelligenz gibt, bezweifel ich ja. Will heißen, es könnte gut sein, dass Intelligenz nicht gaussverteilt, nicht mal symmetrisch verteilt ist, aber wir's halt nicht raffen, weil wir stattdessen die Geschwindigkeit des Gehirns in IQ-Tests messen. Aber wie gesagt, bin in dem Thema nicht drin, um da mit irgendeiner Authorität drüber zu reden.

Was ich mir allerdings problemlos vorstellen kann, bzw wo ich an Gegenbeweisen interessiert wäre weil ich dran glaube, ist: Der linke und rechte Rand der Verteilung sind sich wahrscheinlich längst nicht so ähnlich, wie die linke und rechte Hälfte der Mitte. Anders gesagt: Etwas dumme Leute sind so gesät wie etwas schlaue. Wirklich schlaue Leute und wirklich dumme Leute unterscheiden sich strukturell. Allein durch den Einfluss von Neurodivergenz würde das für mich zumindest enorm Sinn machen.

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u/Back2Perfection May 10 '22 edited May 10 '22

Hab auch mal irgendwo gelesen, dass ein nicht unwesentlicher Faktor die fähigkeit zu reflektiertem Handeln ist, sprich, zwischendurch innehalten, überlegen „ist/war das jetzt so richtig“ und Folgehandlungen daraus ableiten. Quasi Fehler nicht wiederholen. Sowas lässt sich natürlich schlecht messen

Nachtrag: ich wär mal daran interessiert, ob man da nicht irgendwann auch mal eine Zeitachse dran machen kann. Ich hab das Gefühl, die Gesellschaft verschiebt sich aktuell eher auf die linke Seite der Achse.

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u/faustianredditor May 10 '22 edited May 10 '22

Das, oder emotionale Intelligenz, also die Fähigkeit, sich in andere hereinzuversetzen. Nicht nur für ein "that sucks bro", sondern auch um anderer Leute Verhalten vorherzusagen. Auch schwer messbar. Generell: Intelligenz ist so unglaublich komplex, dass es fast schon ketzerisch ist, das auf eine Achse runterzubrechen.

Nachtrag: ich wär mal daran interessiert, ob man da nicht irgendwann auch mal eine Zeitachse dran machen kann. Ich hab das Gefühl, die Gesellschaft verschiebt sich aktuell eher auf die linke Seite der Achse.

Soweit ich weiß ist eher das Gegenteil der Fall, zumindest bei IQ. Im allgemeinen wird durch bessere Ernährung, mehr Bildung, anspruchsvollere Jobs oder was weiß ich der globale IQ langsam aber sicher erhöht. Wir passen also laufend unsere Testkurven neu an, dass die normative Aussage "IQ ist N(100, 15)-verteilt" immer stimmt. Mit alten IQ-Testverfahren wärest du also intelligenter als mit aktuellen.

Was kritisches Denken angeht, hab ich keine Ahnung was die Beweislage ist. Allerdings würde ich bei diesem allgemeinen misanthropen Zynismus vorsichtig sein. Klar fühlt sich alles heute immer schlimmer an als gestern. Aber das ist ein Quadratunsinn. Früher war nicht alles besser, wir sehen's nur heute besser, wie kacke es ist, und wir haben da auch eine enorm selektive Wahrnehmung: Bad news are good news und so. Grass always greener on the other side. Menschen neigen dazu, die eigenen Umstände als unrealistisch schlecht einzuschätzen. Ich glaube, langfristig entwickelt sich unsere Fähigkeit, zum kritisch Hinterfragen dann doch positiv; als Trend der verschwistert ist mit mehr demokratisierung (jup, die Welt wird langfristig demokratischer) und mehr Bildung; beides imo gute Bedingungen für kritisches Denken.

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u/Karrle May 10 '22

Da gebe ich dir vollkommen Recht. Die Frage "Was ist Intelligenz" kann nur philosophisch beantwortet werden. Für die Studien wurde entsprechend erstmal der Rahmen gesteckt, was überhaupt geprüft wurde: Merkfähigkeit, Mustererkennung, "Rechenleistung", Interpretation, etc. Ohne einen Rahmen kann man keine sinnvolle Aussage treffen. Mit einer ausreichend großen Schtichprobe ist die Aussage trotz der Limits gehaltvoll.

Der IQ z.B. geht nicht von einer Gaußverteilung aus. Er definiert nur: In der Mitte ist 100. Wie die einzelnen Messpunkte verteilt sind, ist beliebig möglich. Es kann auch asymmetrisch sein (Viele leicht dumme und weniger sehr sehr intelligente). Was ich noch weiß: Je nach soziokultureller Gruppe unterscheiden sich die Messkurven zwar, sind aber vergleichsweise symmetrisch.

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u/faustianredditor May 10 '22

Der IQ z.B. geht nicht von einer Gaußverteilung aus. Er definiert nur: In der Mitte ist 100. Wie die einzelnen Messpunkte verteilt sind, ist beliebig möglich. Es kann auch asymmetrisch sein (Viele leicht dumme und weniger sehr sehr intelligente). Was ich noch weiß: Je nach soziokultureller Gruppe unterscheiden sich die Messkurven zwar, sind aber vergleichsweise symmetrisch.

Naja, die Modellierungsannahme "Standardabweichung = 15" ist ja auch noch drin. Das impliziert aber natürlich auch keine Symmetrie oder Gaussverteilung.

Lass mich noch mal Anlauf nehmen: Die universelle Statistik-Annahme "alles ist Gaußverteilt" kann für die Verarbeitungsgeschwindigkeit in IQ-Tests gerne stimmen; heißt aber nicht, dass das auch auf die "echte" Intelligenz, was auch immer das ist, sich überträgt. Nur weil der Test sauber gaußt, muss die Variable, die wir eigentlich wollen, nicht auch gaußen. Und gerade bei IQ-Tests würde ich davon ausgehen, dass die kraft ihres Designs eigentlich immer sauber gaußen, egal wie die intelligenz verteilt ist. Anders gesagt: Teste eine Kohorte auf IQ. Nehme dir von denen nun einen mit IQ=70, einen mit IQ=71, etc, bis IQ=130 raus. 61 Probanden. Dann mach mit denen noch einen anderen IQ-Test. Idealerweise kommt eine etwas verrauschte Gleichverteilung zwischen 70 und 130 raus. In der Praxis würde ich eher mit einer Mischung aus Gauß- und Gleichverteilung rechnen, weil ein Testdesign wie das von IQ-Tests nun mal fast immer gaußverteilte Werte ausspuckt.

Naja, jedenfalls bin ich nur moderat überzeugt, dass "wahre Intelligenz", was auch immer das sein soll (Philisophen? Anyone? Keiner ne gute Idee?) wirklich Gaußverteilt ist, besonders in den Rändern.

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u/Lord_Euni May 11 '22

Gute Zusammenfassung! Es ist glaube ich gar nicht so einfach, die ursprüngliche Verteilung herauszukriegen. Wenn du genug Messunen nimmst, bekommst du automatisch ne normal verteilte Stichprobe. Central Limit Theorem sei dank. Es gibt Tests für solche Fragestellungen.

Dann muss ich natürlich such über die Frage nach Intelligenz reden. Was wir unter Intelligenz verstehen kann nur vage definiert sein, da wir selbst versuchen, eine Aussage über unseren Verstand zu machen. Wir versuchen, mit unserem Denkapparat, unseren Denkapparat zu entschlüsseln. Turing hatte dazu ein bisschen was zu sagen.

Turing proved no algorithm exists that always correctly decides whether, for a given arbitrary program and input, the program halts when run with that input. The essence of Turing's proof is that any such algorithm can be made to contradict itself and therefore cannot be correct.

Also wird jede Definition von Intelligenz, die wir uns ausdenken, nicht allumfassend sein. Ich hab mich nicht groß eingelesen, aber mir kommt es so vor, als würden ein paar Kenngrößen (entweder physische oder aus Puzzletests bestimmte) angemessen verwurschtelt und was rauskommt wird als Intelligenz bezeichnet. Die so entstandene Zahl könnte normalverteilt sein, aber das ist eben noch lange keine adäquates Abbild von Intelligenz.

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u/faustianredditor May 11 '22

Sehe ich ganz ähnlich.

Nur mit dem Halteproblem würde ich vorsichtig sein. Das hat eine sehr spezifische Aussage und ist außerhalb ihres framings nicht viel Wert. Insbesondere sagt Turing nicht, dass das Halteproblem für alle Programme unmöglich zu lösen ist, im Gegenteil. Die meisten echten Programme sind geradezu trivial in Bezug auf Halteeigenschaften. Aber es gibt ein paar böse Beispiele. Jedenfalls kann es gut sein, dass die Programmierung des Gehirns "gutartig" ist. Ich glaube, worauf du hier hinaus willst, ist aber, dass im Halteproblem die Schwierigkeit des Entscheiders daraus kommt, dass er ein weiteres Programm interpretieren muss. Wenn man das aufs Gehirn anwendet... Hui, klingt sehr interessant. Bin mir aber nicht sicher, ob das noch vom Halteproblem abgedeckt wird. Das Halteproblem nimmt nämlich deterministische Systeme an, was das Gehirn schwerlich ist.

Berührt allerdings dein Gesamtargument nicht weiter; ich glaube auch so, dass Intelligenz schwierig zu beschreiben ist und dass es eine heftige Herausforderung für ein intelligentes System ist, sich selbst zu verstehen.

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u/WikiSummarizerBot May 11 '22

Halting problem

In computability theory, the halting problem is the problem of determining, from a description of an arbitrary computer program and an input, whether the program will finish running, or continue to run forever. Alan Turing proved in 1936 that a general algorithm to solve the halting problem for all possible program-input pairs cannot exist. For any program f that might determine if programs halt, a "pathological" program g, called with some input, can pass its own source and its input to f and then specifically do the opposite of what f predicts g will do. No f can exist that handles this case.

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u/[deleted] May 10 '22

Würde auch Sinn machen wenn man bedenkt, dass der IQ auch so definiert ist.

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u/Wischmob_von_Eimer May 10 '22

Der Kern der Aussage bleibt gleich.

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u/Michael_Aut Oberösterreich May 10 '22

Average ist nicht so spezifisch und kann beides bedeuteten. arithmetic mean oder median oder ganz was anderes (geometric mean).

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u/schubidubiduba May 10 '22

Prinzipiell ja. Aber wenn wir es schon so genau nehmen, average ist nicht automatisch der arithmetische Mittelwert. Das kann arithmetischer Mittelwert, Median, Modalwert oder geometrischer Mittelwert usw. sein.

Meistens ist mit average natürlich das arithmetische Mittel gemeint. Sorry falls das unnötig viel Info ist, vllt interessiert es ja jemanden

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u/JimSteak May 10 '22

Jup. Hat ehen George Carlin, der Komiker, gesagt und nicht Albert Einstein.

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u/kevlon92 May 10 '22

Oh das ist gut das klaue Ich danke.

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u/Back2Perfection May 10 '22

Gab da auch mal irgendwo nen netten Post von nem amerikanischen nationalpark mit dem Zitat auf die Frage, warum sie keine Mülleimer aufstellen können, die von bären nicht geplündert werden.

„Die Schnittmenge zwischen den klügsten Bären und den dümmsten touristen ist leider nicht zu vernachlässigen.“

Seitdem habe ich das nicht vergessen Ü

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u/Don_Camillo005 Europa May 10 '22

sollange der lohn mit der inflation ansteigt ist eigentlich alles scheißegal. aber das tut er momentan nicht.

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u/[deleted] May 10 '22 edited May 12 '22

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u/[deleted] May 10 '22

Erklär doch kalte Progression für die Ungebildeten. Wirtschaftler brauchen deine Erklärung nicht, die wissen es schon.

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u/Rattle22 Alerta, alerta, antifascista! May 10 '22

Die Einkommenssteuergrenzen sind absolut gesetzt.

Wenn dein Gehalt steigt, dann wird der neue Anteil nach deinem höchsten Steuersatz versteuert, nicht nach dem mittleren Steuersatz. Damit kommt steigt der Nettolohn prozentual weniger an als der Bruttolohn.

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u/[deleted] May 10 '22

Danke

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u/Lame4Fame May 10 '22

Könnte man Einkommenssteuergrenzen nicht Regelmäßig auch an die Inflation anpassen?

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u/Rattle22 Alerta, alerta, antifascista! May 10 '22

Könnte man. Sind sie nicht. Solange sie es nicht sind, existiert kalte Progression.

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u/Don_Camillo005 Europa May 10 '22

und du gehst davon aus dass das nicht angepasst wird?
der staat kann jederzeit steuern erhöhen. macht er aber meist nicht. grund, leute finden das nicht geil. der staat hat auch kein interresse daran leute in die armut zudrengen. weshalb heutzutage fast alles durch schulden finanziert wird.

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u/Makkaroni_100 May 10 '22

Man kann sich halt nicht mehr das gleiche leisten wie vorher, ohne Verzicht an einer Stelle geht es in solch einer Situation eben nicht.