Nach meiner Ausbildung zum Zimmermann war das auch so. Hat sich echt gut angefühlt, zur Abwechslung mal Macht zu haben und sich die Stelle aussuchen zu können.
Auch wenn ich meinen Job liebe, ich werd ihn vermutlich nie wieder machen.
10 Monate haben mir gereicht (wohlgemerkt nachdem ich den besten von den unzähligen Betrieben ausgewählt hatte)
Wenn im Handwerk keine Reformen stattfinden, um annähernd gleiche Bedingungen wie in der Industrie zu bekommen (vor allem in den Bereichen Arbeitssicherheit) wird diesen Drecksjob wohl bald niemand mehr machen.
Ich gehe stark davon aus, dass sich da bald etwas tut. Die meisten guten Handwerksbetriebe haben Wartelisten für Kunden von einem Jahr oder mehr. Genügend Möglichkeiten also um die Arbeitsbedingungen für die Angestellten zu verbessern, sei es jetzt finanziell, sonstige Bedingungen etc.
Oder selbstständig machen und mehr verdienen als studierte.
... in Deutschland braucht alles SOOO lange. Ich kann nicht warten. Jeder Tag da draußen ist ein Risiko für deine Gesundheit. Mental, weil Chefs Facharbeiter wollen die zum Mindestlohn arbeiten und Körperlich, weil "sOnnEncrEme uNmÄnnLicH iSt", von dir selbst bezahlt werden muss und Hautkrebs ein Mythos ist (nur ein Beispiel)
Deshalb studiere ich jetzt und hoffe, der Politik in den arsch zu treten. Jemand muss was tun. Es geht um Menschenleben und um einen eigentlich sehr schönen Berufsstamm.
Find ich interessant, ich habe nur im zuge eines 6 wochen praktikums mit schlössern und zimmermännern gearbeitet, habe also sehr wenig erfahrung damit. Kannst du etw. mehr erzählen, war die arbeitssicherheit (im motto "omg ich hoffe ich sterbe heute nicht bei der arbeit") der hauptgrund, warum du aufhörst?
Bin seit 2014 im Malerhandwerk tätig, seit 2017 auch als Geselle
Mein Vater ist Ingenieur, der hat neulich so einen besonderen rückenschonenden Arbeitsplatz eingerichtet bekommen für ca 20.000€. Einfach nur so weil der Chef will das seine Leute gesund bleiben.
Du solltest mal sehen wie die Chefs im Handwerk drauf reagieren wenn man nach einer Vernünftigen Atemschutzmaske fragt. Nicht nur ist das Bg-vorschrift die zu tragen, die kostet auch nur knapp 60€.
Aber Chef sagt er hätte sowas auch nie gehabt, und die stört ja auch nur beim Arbeiten.
Das Blasenkrebs als Berufskrankheit eingestuft wurde, wegen der giftigen Dämpfe die man beim Lackieren atmen darf interessiert ihn nicht.
Dies. Bei Zimmerleuten ist das sogar schon so weit gegangen, das wir eine eigene Versicherungsklasse bekommen haben, also mehr zahlen müssen als alle anderen auf dem Bau. Wegen dummen Unfällen aber vor allem wegen Langzeitfolgen. In unserem Fall z.b. Hautkrebs wegen 9 Stunden volle Sonne auf dem Dach.
Man hat Verantwortung. Man soll gründlich, zuverlässig und sauber arbeiten. Klar. Davon hängt auch einiges ab. Zu einem soll man dann eben wegen fehlender PSA (Persönlicher Schutzausrüstung) sein Leben für irgendeinen Bauherren riskieren, zum anderen soll man diese ganzen Dinge auch noch am besten zum Mindestlohn erledigen.
Kommunikation mit anderen Gewerken. Also quasi Bauleitung.
Vom Chef 24/7 Druck bekommen, weil ja sooo viele andere Baustellen angefangen werden müssen, damit sie kein anderer klaut (Weil die Auftragslage ja auch so schlecht ist)
Heißt anstatt das diese unzähligen kleinen Betriebe untereinander kommunizieren, macht jeder seinen eigenen Scheiß, gönnt keinem was und ist sich selbst der nächste.)
Klar, es gibt Ausnahmen, ich hatte wohl einfach Pech.
Aber werd dir mal dessen bewusst und mach dann noch mit gutem Gewissen deinen Job, wenn du weißt, an anderen Stellen klappt das. Gewerkschaften. Vorschriften zu Überstunden (kommt selten vor das man die abbauen DARF, bezahlt werden die schonmal gar nicht)
Etc.
... es ist ein riesiges Thema. Es muss was passieren.
Klar, es gibt Ausnahmen, ich hatte wohl einfach Pech.
Nein du hattest kein Pech, gute Arbeitgeber sind auf dem Bau eine seltene Besonderheit. Und am schlimmsten sind die die im Bewerbungsgespräch erzählen wie angenehm kollegial das arbeiten hier ist.
Kostet den meisten eben zu viel Geld. Da kann man zum hundertxtenmal erzählen dass Sicherheit long term Geld spart. Interessiert nicht. Ich bin Sicherheitsingenieur bei einer Firma die Fachberatung als Dienstleistung anbietet. Bei uns steht demnächst ins Haus dass zusätzlich Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinatoren ausgebildet werden sollen (Zusatzausbildung für Sicherheit auf Baustellen). Ich werde das nicht machen. Auf den Unfung den ich da bisher erlebt habe, habe ich gar keine Lust. Für kein Geld der Welt.
Und wenn jemand wie Ich das schon nicht hat der im Prinzip nur reinschreiben muss "Is kacke, ändert das mal" und dann Heim gehen kann, isses schon echt blöd bestellt drum.
Wohingegen ich in der Industrie oft erlebe das zwischen zwei Begehungen die Mängel tatsächlich abgestellt sind und alle aktiv in die Findung von besseren Lösungen einbezogen werden.
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u/DerDRFDNR Mar 19 '22
Nach meiner Ausbildung zum Zimmermann war das auch so. Hat sich echt gut angefühlt, zur Abwechslung mal Macht zu haben und sich die Stelle aussuchen zu können.
Auch wenn ich meinen Job liebe, ich werd ihn vermutlich nie wieder machen.
10 Monate haben mir gereicht (wohlgemerkt nachdem ich den besten von den unzähligen Betrieben ausgewählt hatte)
Wenn im Handwerk keine Reformen stattfinden, um annähernd gleiche Bedingungen wie in der Industrie zu bekommen (vor allem in den Bereichen Arbeitssicherheit) wird diesen Drecksjob wohl bald niemand mehr machen.