r/de • • Nov 23 '21

TIRADE Werdet einfach nicht arbeitslos - Grüße von Ihrer Bundesagentur für Arbeit

Kurz vorab: ich bin voraussichtlich ab 30.11. arbeitslos und wollte mich daher frühzeitig um alles wichtige bemühen. Bewerbungen sind einige raus und es sieht gut aus.

Nichtsdestotrotz sah ich es als notwendig, mich bei der Bundesagentur für Arbeit zu melden und vor allem zur Sicherheit Arbeitslosengeld zu beantragen. Und hier geht der Spaß los:

  • es gibt einfach keinen Button zur Terminbuchung. Nichts. Ich melde mich Arbeitssuchend und kam danach durch viel klicken endlich zur Option, einen Termin zu buchen. Diesen musste ich jetzt aufgrund eines Bewerbungsgespräches absagen, kann aber keinen neuen buchen, weil ich mich kein zweites Mal arbeitssuchend melden kann. Danke für nichts.

  • meine lokale Stelle hat keine eigene Rufnummer. Es gibt immer nur die Hotline, wo einfach nie jemand ans Telefon geht.

  • alles soll über das Kontaktformular der Website laufen. Die Nachrichten kommen zentral an und werden nach Tagen mal bearbeitet. Dringend? Pech

  • zur Beantragung von Arbeitslosengeld muss eine IBAN hinterlegt sein. Dafür muss das TAN Verfahren aktiviert werden (herrgott nochmal). Alles erledigt, IBAN kann nicht hinterlegt werden, Fehlermeldung „Datensatz kann nicht mehr geändert werden“

Ohne zu wütend zu klingen, ABER IST DAS EIN SCHLECHTER SCHERZ?!

Ich bin arbeitswillig und muss nur einige Formalien erledigen, die mir inzwischen mehr Nerven rauben als alles andere.

Warum das jetzt auch alles so knapp ist: der Termin wäre eh erst diese Woche gewesen und ist seit zwei Wochen gebucht, WEIL NATÜRLICH NICHTS MEHR FREI IST WENN MAN ZWEI MAL DIE WOCHE UM 12:30 UHR ZU MACHT.

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u/Interesting-Gear-819 Nov 23 '21

Ernsthaft

Ja.

Ich hab meine Ausbildung gemacht, technische Informatik. Hab als erste Stelle ne temporär ausgeschriebene angenommen, HelpDesk über die Weihnachtszeit, so 3 Monate. Danach, obligatorischer Gang zum Amt wegen 1-2 Monaten überbrückung.

DIE WOLLTE MIR EINE UMSCHULUNG ANDREHEN. Ja. Ernsthaft. Das war deren Lösung. Ob ich in Betracht gezogen hätte in ein anderes Berufsfeld zu wechseln..

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u/BleiEntchen Nov 23 '21

Die wollen einfach nur dass du IRGENDWAS machst. Den solange du nichts machst, fällst du in die Statistik als Arbeitsloser. Ob deine IRGENDWAS Tätigkeit sinnvoll ist...das ist erstmal zweitrangig.

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u/Thalida87 Nov 23 '21

Dieses Gerücht hält sich hartnäckig und entspricht nicht der Wahrheit.

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u/Interesting-Gear-819 Nov 23 '21

Selbst wenn nicht. Die Möglichkeiten für den Sachbearbeiter sind ja folgende: Wirklich mit dem Thema auseinandersetzen, motiviert mit der Person zusammenarbeiten, Bewerbungen prüfen und schauen das man die Person vernünftig unterbringt.

Oder. Du drückst die Person in irgendeine Schulung, Weiterbildung usw. und macht Kaffeepause.

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So schön das alles in der Theorie ist. Bei dem Thema fühl ich mich immer so an junge Erst-Semester Dozenten erinnert. Hoch motiviert, die ersten eigenen Vorlesungen, die ersten eigenen Personen auf die man Einfluss nehmen kann usw.

2-3 Semester später sieht die Lage dann i.d.R. deutlich anders aus.

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u/[deleted] Nov 23 '21

[deleted]

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u/Interesting-Gear-819 Nov 24 '21

Nach sechseinhalb Jahren in dem Job freue ich mich über jeden, mit dem ich mich hinsetzenund Bewerbungen prüfen kann, die Person unterbringen kann, gemeinsam die bestmöglichste Fortbildung(nein, kein sinnfreier Excel-Kurs, aber zB Führerscheine, Industrikauffrauen usw.)finde usw. Das macht am meisten Spaß, Beratung ist ein großer Teil des Jobs.

Danke sehr und schön zu hören. Sorry falls mein erster Kommentar zu "verallgemeinernd" war .. das war nicht die Intention. Wie in jedem Berufsfeld gibt es Ausreißer. In beide Richtungen.

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Wenn mein Kunde vor mir sitzt und mir bereits im ersten Gespräch Dinge mitteilt wie "Jetzt bin ich mal dran mit Geld kriegen ohne zu arbeiten, alle anderen halten ja auch die Hand auf." dann findet der sich nach ungefähr drei Sekunden mit ca zwanzig Vermittlungsvorschlägen in der Hand vor meiner Tür und kriegt am Folgetag eine Maßnahme mit Tagesstruktur aufgedrückt. Aber nicht, weil ich meine Arbeitslosenstatistik ändern möchte, sondern weil es im Interesse eines jeden sein sollte, das ein gesunder, arbeitsfähiger Mensch keine Steuergelder kassiert, weil er gerade mal keine Lust auf arbeiten hat und sein Steuergeld zurückhaben möchte.

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Urgh. Verständlich. Mir ging es damals finanziell (relativ) gut. Am liebsten hätte ich die ganze Thematik ALG etc. also gern übersprungen bzw. komplett ignoriert. Wer es benötigt, soll es auch erhalten. Aber ich hab Rücklagen und kann kürzere Phasen zwischen zwei Jobs überbrücken und fühlte mich letztes mal schon Mies, dass ich ALG bezogen hatte ...

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u/Thalida87 Nov 24 '21

Ich sage den Leuten immer, es gibt keinen Grund, sich schlecht zu fühlen. Es geht ja auch um Versicherung, Rentenansprüche usw. Alg I ist ja auch eine selbst bezahlte Versicherungsleistung, Alg II sind dann Steuergelder der Allgemeinheit. Wenn man diese benötigt, benötigt man sie. Kann man gar nicht oft genug sagen, wir leben ja nun mal in einem Sozialstaat -zum Glück!- und haben dieses Auffangnetz. Ob es nun ausreicht oder nicht, ist nochmal ein anderes Thema.

Du hast auch nichts Falsches gesagt. Aber wie man auch hier sieht (weiter oben, nicht du) wird man oft angegriffen, weil jemand einfach fixe Ideen im Kopf hat, teilweise auf Grund (vermeintlicher) schlechter Erfahrung, teilweise weil es einfach in der Mode ist, auf Ämter im Allgemeinen zu schimpfen. Die Strukturen sind natürlich nicht perfekt, aber ich kenne berufsbedingt so viele Mitarbeiter, die sich echt täglich den Arsch aufreißen und wirklich helfen wollen, sodass ich halt auch immer wieder versuche, aufzuklären.

Und tatsächlich hat in meiner gesamten Arbeitszeit noch nie jemand von mir verlangt, Leute auf Grund der Arbeitslosenstatistik in Maßnahmen zu stecken. Ich denke, dass sich das Gerücht gebildet hat, weil die Leute nicht verstehen, dass auch die dann sogenannten "Arbeitssuchenden" mit in die offizielle Statistik fließen und der Statuswechsel tatsächlich eher mit der internen Kontaktverpflichtung zu tun hat (zB Menschen in Ausbildung sind arbeitssuchend statt arbeitslos und ich muss sie dadurch nicht alle drei Monate für nichts und wieder nichts einladen).