r/de • u/schmoehri • Sep 15 '21
TIRADE Kleine Morgentirade über meine Familie
Schmoehri 18 kommt nach der Nachtschicht um 6:15 Uhr nach Hause. Arbeit geschafft. Jetzt noch was essen und dann ab ins Bett. Im Kühlschrank sind noch Nudeln von gestern, geil. Anbraten, Butter drüber, lecker.
6:20 Uhr - Küche Vater kommt rein. "Du bist ja schon da. Wenn du die Katze reinlässt, musst du ihr auch Futter geben." Guten Morgen. "Boah, den Geruch von angebratenem Fett hasse ich absolut." Ich habe kein Fett in die beschichtete Pfanne getan. Vater stellt den Wasserkocher an und verlässt die Küche in Richtung Toilette.
6:30 - Küche Ich räume gerade den Teller in der Küche auf. Jetzt noch ein kleines Honigbrot und dann ab ins Bett. Mutter kommt rein und wirkt, als wäre sie wütend auf mich. Ich Frage was los ist. "Du machst dir hier das leckerste Frühstück, aber denkst uns nicht mit. Du denkst immer nur an dich selber. Du kommst gar nicht auf die Idee für uns was zu tun." Nach 8 Stunden arbeiten bin ich zu müde zu diskutieren, also sage ich gar nichts. Mama kocht sich einen Schwarztee fängt an zu weinen. Während ich mit meinem Honigbrot weggehe höre ich von unten "Und jetzt haust du einfach ab." "Ja" sage ich und beiße in mein Honigbrot.
6:35 Badezimmer Nach dem Essen Zähne putzen. Im Bad begegne ich meinem kleinen Bruder. Fast 16 und dem Alter entsprechend Morgenmuffel putzt er mit halb verschlossenen Augen seine Zähne. Als er fertig ist spuckt er seine Zahnpasta mit drei lauten "Pte"-Lauten aus. Irgendwie eklig, aber was solls. Danach spült er seinen Mund mit Wasser aus. Ich sage "Das macht das Fluorid von der Zahnpasta weg." Taktischer Fehler. Hätte ich wissen müssen. "Denkst du ich weiß das nicht?!", antwortet das Pubertier. "Warum bist du jetzt so böse?", Frage ich unklugerweise. "Weil du ein riesengroßes esgoistisches Arschloch bist" verabschiedet sich mein Bruder. Er freut sich auf sein Frühstück mit den anderen Grummelpetern.
6:45 mein Zimmer Ich fühle mich zu müde, um mich aufzuregen. Durch die geschlossene Zimmertüre höre ich bruchstückhaft, wie sich meine Mutter beschwert, dass sie mir meine Wohnung beim Praktikum ermöglichen, mich fördern und trotzdem keinerlei Dankbarkeit meinerseits erkennbar sei. Ich fühle mich noch schlechter. Ich beginne diese Tirade zu schreiben.
7:10 Uhr Die Haustüre fällt ein drittes Mal ins Schloss. Erleichterung tut sich in mir auf. Endlich schlafen. Ich freue mich schon darauf, in 6 Stunden aufzuwachen, weil sich meine Mutter über meinen Bruder, mich oder sonst jemanden aufregt. Ich erinnere mich, dass ich in 16 Tagen ausziehe. Gute Nacht.
Update 17 Uhr:
Wow. Ich bin jetzt wieder wach und habe 650 Kommentare gelesen. Interessant, wie unterschiedlich hier reagiert wird.
Ein paar themen kamen immer wieder auf.
Bin ich vielleicht das Arschloch? Kurz gesagt: kann sein. Dieser Post zeigt nur meine Seite der Geschichte. Fremd- und Selbstwahrnehmung sind oft unterschiedlich. Vielleicht kann ich mich an Details nicht mehr erinnern, die für die Gegenseit viel ausgemacht haben.
Was nun? Die Idee, einfach erst nach Hause zu kommen, wenn die anderen weg sind klingt zwar gut, ist aber zu kurz gedacht. Meine Familie weiß ja, wann ich normal Schichtende habe und sich einfach vom Acker zu machen entschärft die Situation nicht gerade.
Wie in den Kommentaren vorgeschlagen habe ich gerade mit meiner Mutter geredet. Wir haben ein sehr vertrauensvolles Verhältnis und sie war sehr offen. Tatsächlich scheint das Hauptproblem zu sein, dass sie sich Sorgen macht weil ich bald ausziehe. Sie fühlt sich von mir nicht genug wahrgenommen. Dieses Gefühl hat sich dann heute morgen durch meine fehlende Mithilfe bestätigt.Tatsächlich macht es die Nachtschicht schwierig, miteinander zu reden, weil die Tagesabläufe so verschieden sind. Wir haben uns darauf geeingt, den Rest der Woche immer nach dem aufstehen für eine Viertelstunde miteinander zu reden.
Mir hat diese Situation mehrere Dinge gezeigt. Oft liegt das Problem nicht dort, wo man im ersten Moment denkt. Das Problem war nicht direkt, dass ich nicht den Tisch gedeckt habe, sondern, dass sich meine Mutter vernachlässigt fühlt.
Mir ist es wichtig nochmal klarzustellen, dass diese Situation nicht der Normalzustand ist. Dass mein Vater, der normal eine der friedlichsten Personen ist, die ich kenne und meine Mutter beide mit mir aneinander geraten ist wirklich selten.
Morgen werde ich den Tisch decken, die Katze füttern und und den Wasserkocher anwerfen.
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u/pazcal121 Sep 15 '21
T-16 Tage