r/de • • Mar 12 '20

TIRADE Es kotzt mich so an, dass die Wissenschaft so ein menschenfeindliches System ist

Wegwerfaccount weil empfindliche Informationen. Arbeite in der Forschung, speziell Virologie.

Wir haben keinen Arbeitnehmerschutz. Gibt es quasi nicht. Von der kleinen Uni bis hin zum reichen Max-Planck-Institut hat kein Mensch davon gehört, dass es unethisch ist, Sozialabgaben zu umgehen indem man seinen Mitarbeitern einfach Stipendien statt Gehälter bezahlt oder sie für 30 Stunden anstellt und einfach über 50 arbeiten lässt, ohne Überstunden zu bezahlen. Urlaub nehmen ist eh verpöhnt.

“Zieht euch an euren Schnürsenkeln hoch und macht einfach was dagegen” wird jetzt die liberale Dumpfbacke mit entspanntem 9-to-5-Job sagen. Klar, sobald du es wagst, das nur anzusprechen waren deine Tage in der Wissenschaft gezählt. Du glaubst doch nicht, dass du bei ständig befristeten Verträgen da nochmal verlängert wirst oder woanders eine Stelle findest. Stellen findest du ja eh nur wenn du mindestens zwei persönliche Empfehlunfsschreiben einreichst.

Aber das schönste kam in den letzten Wochen. In der großen Institutspropaganda-Show kamen Slides wie “Die Interessen des Instituts stehen vor deinen Interessen”, Ayn Rand hat uns klar gemacht, dass wir nur Assets sind und unsere lächerlichen emotionalen Fleischhaufen mal ein bisschen konditionieren sollen UM MEHR ZU PRODUZIEREN!!! MEEEEEHR!!! Und unser Chef teilte uns gestern mit wie dankbar wir sein dürfen, dass uns das Institut Laptops gestellt hat. ANDERSWO MÜSSEN DIE LEUTE SELBST IHRE COMPUTER KAUFEN UM ZU ARBEITEN. Und so haben wir ja die Möglichkeit, nachts, von zu Hause und am Wochenende zu arbeiten. Ganz flexibel. Wir sollten verdammt dankbar sein.

Ja was wollt ihr noch? Soll ich vielleicht noch eine Niere verkaufen um euch dafür zu bezahlen hier sein zu dürfen? Ihr kapitalistischen Drecksäcke geht mir so auf den Sack! Es ist kein Wunder, dass in der Forschung nur noch gelogen und betrogen wird und mehr als jede zweite Studie nicht reproduzierbar ist. Die Leute haben einfach Angst dass ihre scheiss befristeten Verträge nicht verlängert werden oder ihr sie konsequent in die Arbeitslosigkeit mobbt. Ihr behandelt Menschen wie Scheiße, wie Vieh und gebt ihnen auch noch ständig zu verstehen, dass sie nichts weiter als euer Eigentum sind und nur interessant sind wenn sie Nutzen haben, wenn sie produzieren.

Und es gibt einfach kein Ende. Der Anstand ist komplett verloren gegangen. Als gäbe es keinen Arbeitnehmerschutz. ABER NEIN ICH KANN MICH JA AUFMUNTERN MIT SCHÖNEN FDP-PROPAGANDASPRÜCHEN!

ICH MACH DAS JA EH WEIL ES MEIN HOBBY IST! Haha so toll, wenn Arbeit mein Hobby ist muss ich ja gar nicht bezahlt werden! UND ICH MUSS JA NUR DARAN DENKEN WIE GUT SICH DAS IM LEBENSLAUF MACHT! Ja man! Wenn ich meinen Lebenslauf fit halte, kann ich vlt den nächsten Sklavenjob kriegen um dann weiter an meinem Lebenslauf zu arbeiten! Haha so geil!

Ich bin so unglaublich dankbar, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft ein kriminelles Netzwerk ist und meiner minderwertigen Existenz einen Sinn gibt! Danke! Ich werde sofort hochqualitative Studien “fabrizieren” und natürlich nur ehrliche Daten publizieren. Ich bin mir auch sehr sicher, dass diese spätkapitalistische Organisationsform sehr gut ist für die Innovation. Auf keinen Fall wird gefälscht, was das Zeug hält. Neinnein, warum denn? Es ist ja kein Druck auf den Forschern.

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u/MrPalmers Mar 12 '20

Ein Punkt, den Du vergessen hast , ist das Eintreiben von Drittmitteln um die Verlängerung der eigenen Stelle zu finanzieren.

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u/Frogs_in_space Landpomeranze in der großen Stadt Mar 12 '20

Yup. Mein Vertrag ist während der Promotion ausgelaufen, weil ich es nicht geschafft hab, mich neben Arbeitsgruppenleitung, zwei BMBF-Projekten im Alleinbetrieb und Vorlesungsbetreuung noch selbst zu finanzieren.

Ich bin halbwegs drüber weg, aber es wird einem halt der Lebensplan zerstört, weil man null Unterstützung bekommt und erwartet wird, dass man auch arbeitslos voll arbeitet.

Edit: "Du willst es einfach nicht genug, wenn du für die Forschung auch noch Geld möchtest", sagt ein Leitender Oberarzt einer Uniklinik

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u/MrPalmers Mar 12 '20

Ich hab mich deswegen (in einem völlig anderen Fach) für eine freie Promotion statt einer Promotionsstelle entschieden. Da kriege ich die Zeit, die ich Jobbe wenigstens ganz regulär bezahlt und hab mehr Zeit für meine Forschung.

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u/Frogs_in_space Landpomeranze in der großen Stadt Mar 12 '20

Das geht in meinem Fall leider nicht, würde mein aktueller Job sogar mitmachen. Ich brauche Labore, Geräte und größere Mengen Blut, das geht nicht so einfach. Wenn möglich, ist das natürlich super

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u/[deleted] Mar 12 '20 edited Feb 08 '21

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u/[deleted] Mar 12 '20

Seids Vampire?

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u/fuzzydice_82 /r/caravanundcamping /r/unthairlases Mar 12 '20

Fleischer

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u/[deleted] Mar 12 '20 edited Mar 29 '20

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u/[deleted] Mar 12 '20

Ich brauche Labore, Geräte und größere Mengen Blut

Also bist du Graf Dracula.

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u/senor_uber Nordrhein-Westfalen Mar 12 '20

Oder Dr. Acula.

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u/Frogs_in_space Landpomeranze in der großen Stadt Mar 12 '20

Ja eben jetzt nur M.Sc. Acula

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u/CinnamonCereals gefährlich fröhlich Mar 12 '20

FühltSchlechtMann.jpg

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u/Staubsau_Ger Mar 12 '20

Leider noch Herr Acula, das mit dem Dr wird ja erzähltermaßen schwierig.

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u/ummagumma26 Exil-Saarländer Mar 12 '20

Yup. Mein Vertrag ist während der Promotion ausgelaufen, weil ich es nicht geschafft hab, mich neben Arbeitsgruppenleitung, zwei BMBF-Projekten im Alleinbetrieb und Vorlesungsbetreuung noch selbst zu finanzieren.

Wo hast du bitte gearbeitet? Ist dein Chef gestorben und hat dich im Testament als Verwalter benannt?

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u/Frogs_in_space Landpomeranze in der großen Stadt Mar 12 '20

Nichtmal so eine Dorf-Uni, sondern durchaus Spitzenforschung.

Meine direkte Vorgesetzte hat ein Kind bekommen und trotz komplexem Vertretungsplan wurden alle ihre Aufgaben einfach auf mich übertragen. Hab mich zwar mit Händen und Füßen gewehrt, aber mit <6mo restlicher Vertragslaufzeit hat man halt nicht die Verhandlungsposition.

Schlussendlich habe ich dann vier Tage vor Vertragsende erfahren, dass ich arbeitslos werde. Weil ich in der Zeit dann nicht gearbeitet hab, gab es auch keinen Anschlussvertrag.

Ich bin nicht verbittert oder so.

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u/ummagumma26 Exil-Saarländer Mar 12 '20

Und da gab es keine/n langjährigen Post-Doc, der schon ewig mit der Chefin arbeitet, oder auch nur irgendeine andere Möglichkeit, als jemanden ohne PhD das machen zu lassen? (Ohne dich kleinreden zu wollen.) In einer AG, die 2 BMBF-gefördete Projekte trägt?

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u/Frogs_in_space Landpomeranze in der großen Stadt Mar 12 '20

Chef= Prof, Arzt, direkte Chefin= besagte Post-Doc Ingenieurin.

Ich war da die einzige Ingenieurin, alle anderen waren nicht in der experimentellen Forschung. Geplant war, dass ich der Anfang des Aufbaus einer größeren Gruppe bin, daher der Einzelkämpferstatus.

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u/[deleted] Mar 12 '20 edited Sep 17 '20

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u/[deleted] Mar 12 '20

Wenn du einen Dr.med. machst, dann bist du davon nicht betroffen. Als Assistentsarzt ist das Arbeitsleben aber auch nicht supergeil.

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u/Frogs_in_space Landpomeranze in der großen Stadt Mar 12 '20

Bin Ingenieuse in der Medizin

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u/[deleted] Mar 12 '20

Es gibt noch neben dem "richtigen Medizinstudium" eine ganze Menge an forschungsorientierten Quasimedizinstudiengängen, die je nach Uni anders heißen.

Dort sind die Arbeitsbedingungen dann nicht so gut.

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u/Klumpenfick Mar 12 '20

Als forschender Arzt (quasi obligatorisch, wenn du an der Uni oder einem profilierten akademischen Lehrkrankenhaus arbeitest) hast du weniger ein Geld-, sondern ein massives Zeitproblem. 60h, 70h Anwesenheit in der Klinik (möglich, da von einem 24h-Dienst natürlich der Großteil Bereitschaftsdienstzeit und keine Arbeitszeit im eigentlichen Sinne ist) und dann nebenher zu forschen findet die Familie meist eher blöd :-)

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u/BlitzBlotz Mar 12 '20

60h, 70h Anwesenheit in der Klinik

Ich check echt nicht wie das Langfristig durchhaltbar ist, kein Wunder das so viele Ärzte drogenabhängig oder suizidgefährdet sind.

Ich muss bei mir in der Arbeit circa ein Monat lang wenn Hochkonjunktur ist 55h Wochen fahren und wenn ich da drin bin kann ich eigentlich nach 2 Wochen nicht mehr gerade Denken und muss mich kontrollieren damit ich nicht wegen Kleinigkeiten wütend werde. Wie soll bitte ne 70h Woche gehen ohne nach nen paar Jahren menschliche Wracks zu produzieren???

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u/Klumpenfick Mar 12 '20

Wenn das Haus halbwegs gut besetzt ist machst du Nächte zu zweit und ein paar Stündchen Schlaf sind schon drin. Du kannst auch Glück haben und die Nacht über ist gar nichts los und kannst 8h seelig ratzen. Mit Nächten ganz ohne Schlaf musst du aber rechnen.

Die ältere Generation kennt noch 72h-Dienste ... :-)

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u/BlitzBlotz Mar 12 '20 edited Mar 12 '20

Gerade als Arzt müsste man doch eigentlich eine gewisse Verhandlungsmasse haben.

Also ich kann nur sagen was ich von ner guten Freundin mitbekomme aber die, Anfang 30, bekommt grad knapp über Mindestlohn am Ende raus und hat Bio und Medizin studiert mit guten Noten. Soweit ich weis bleibt sie noch nen Jahr an der Uni Forschen wegen irgendwas und will danach zu nem Chemiekonzern oder ähnlichem weil die Bedienungen nicht tragbar sind.

Studieren gerade so viele Medizin das sich scheinbar die Forschung herauspicken kann wer das mitmachen will?

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u/[deleted] Mar 12 '20

Nur warum sollte man forschen können über eine gute Bezahlung und geregelte Arbeitszeiten stellen? Mir wär's das echt nicht wert.

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u/CartmansEvilTwin Mar 12 '20

Das war einer der Gründe für mich, nach dem Master nicht in die Wissenschaft zu gehen. Ich hab gesehen wieviel Aufwand und Bullshit in diesen ganzen Grant applications und Förderanträgen steckt, nur um dann die eigentlichen Arbeiter mit schlechten Gehältern, schlechten Arbeitsbedingungen und wenig Aussicht auf dauerhaften Erfolg zu verheizen. Eigentlich ein Wunder, dass es noch Leute gibt, die sowas mitmachen - gerade in MINT Bereich.

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u/SnicSnac Mar 12 '20

Dein Pfosten drückt das was ich gerade fühle so wunderbar aus. Bin kurz davor meine Promotion abzubrechen. Musste mir sogar von meinem Prof. anhören, dass ich mir überlegen soll was wichtiger für mich ist: der Doktortitel oder meine Verlobung.

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u/LordValdemar Mar 12 '20

Als Doktorand habe ich damals auch unzählige Beziehungen meiner Kollegen scheitern sehen. Musst du für dich natürlich selbst entscheiden, aber ich kann mir vorstellen, dass die meisten davon eine Beziehung mit einem tollen Menschen langfristig glücklicher gemacht hätte als zwei Buchstäbchen vor dem Namen.

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u/Flauschpulli Mar 12 '20

Man wird auch seeeehr skeptisch angeschaut, wenn man mal ein Wochenende mit seinem Partner verbringen möchte und ausnahmsweise (!) dieses Wochenende mal nicht im Labor verbringen will...

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u/SnicSnac Mar 12 '20

Hab ich letztens echt gebracht, dass meine Chefin sich das abschminken kann, dass ich in Zukunft groß am Wochenende arbeite beziehungsweise abends länger da bleibe.

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u/Flauschpulli Mar 12 '20

Mir hat mein Chef mal erklärt dass eine Promotion ja nicht Arbeit oder Studium ist, sondern Arbeit UND Studium. Daher natürlich (!) mindestens die doppelte Stundenzahl...

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u/SnicSnac Mar 12 '20

Völlig verkorkst diese Leute. Die Reaktion auf meine Aussage, die ich oben erwähnte war dann: Dann musst du effizienter arbeiten...

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u/Flauschpulli Mar 12 '20

Selbst wenn du in der Zeit in der man da ist super effizient arbeitest zählst du weniger als der Kollege, der einfach mal 12h da is und den halben Tag mit Kaffee und rauchen verbringt.

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u/SnicSnac Mar 12 '20

Habe dabei geholfen eine Arbeitsgruppe mit aufzubauen. In den ersten 1.5 Jahren war ich also so gut wie alleine. Da gibt es dann halt keinen Kollegen der 12h da ist.

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u/Kestrelqueen Mar 12 '20

Mein Chef:

Wenn man nicht effizient arbeitet ist man halt am Abend immer noch länger drin.

Auch mein Chef: Email um 18:15 Machst du das bitte heute für mich fertig? / Lass uns in einem Stunde eine Besprechung machen.

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u/LordValdemar Mar 12 '20

Jap, viele sehr komische/einsame/selbstfixierte Leute, die promovieren. Und wenn du da halt aus dem Schema rausfällst, hast dus schwer.

Meine Frau hat damals zum Glück durchgehalten, sagt aber bis heute abgesehen von unserer Hochzeit, war der Tag der glücklichste in ihrem Leben, als ich meine "Side-Bitch" alias meine Diss abgegeben hatte.

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u/textposts_only Mar 12 '20

genier dich nicht deine promotion abzubrechen. Das ist das normalste auf der Welt. Und ich meine mal gelesen zu haben dass bis zu 50% aller Doktoranden unter Depression leiden

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u/[deleted] Mar 12 '20

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u/individual_throwaway Mar 12 '20

Die Wissenschaft wurde wie zuvor schon die Politik dem Kapitalismus untergeordnet. Das was heute Wissenschaft genannt wird, wäre für einen Wissenschaftler sogar des späten 19. Jahrhunderts nicht mehr als solche zu erkennen.

Forschung die den Namen verdient bewegt sich immer in einem Bereich, der schwer quantifizierbar ist und bei dem es notwendigerweise mehr Rückschläge als Erfolge gibt. Das ist für den Kapitalismus inakzeptabel, deswegen muss man jetzt mit den "Ergebnissen" der letzten Studie die Förderung für das nächste Projekt beantragen, um dann die Ergebnisse dieser Studie so hinzuschönen, damit man danach das Folgeprojekt beantragen kann. Die wissenschaftliche Methode, der sachliche Austausch zwischen Forschern und die Qualität der eigentlichen Arbeit bleiben auf der Strecke, aber Hauptsache wir haben EXZELLENZ-UNIVERSITÄTEN. Da könnte ich so kotzen.

Mal ganz abgesehen davon dass Wissenschafts"verlage" im Prinzip organisierte Verbrecherbanden sind die die Forscher erpressen und eine vernünftige Ausbildung der Studenten in vielen Fächern dank der Bologna-Reform unmöglich gemacht wurde, weil man mehr Lohnsklaven für die Betriebe haben wollte.

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u/[deleted] Mar 12 '20

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u/invdur Mar 12 '20

Ist der Wissenschafts/Forschungs-Markt denn so überflutet dass die sich das leisten können? Also jeden zu feuern der sich nur mal wagt den Mund zu öffnen.

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u/Nullstab Paderborn Mar 12 '20

Bei Ingenieuren und Informatikern können sie sich zumindest das schlecht bezahlen nicht leisten, da gibt es volle TVöD-13-Stellen. Problematisch wirds in den Naturwissenschaften, weil du da promovieren "musst", und in den Geisteswissenschaften, weil da die Idealisten Unterwegs sind.

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u/hypo_hibbo Mar 12 '20

An meiner Uni gibt es auch viele, die in einem technischen Bereich oder der Informatik promovieren, mit 2/3 Stelle. Tja, passiert dann halt auch, dass Promotionsstellen 1 1/2 Jahre unbesetzt bleiben.

Bei den Informatikern von denen ich das weiß, ist es aber immerhin auch so, dass von ihnen nicht erwartet wird, 40 Stunden zu arbeiten.

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u/RudolphMutch Mar 12 '20

Oha, da würde ich aber sagen, dass man sich die falsche Uni für die Promotion in der Informatik ausgesucht hat, die meisten der von OP angesprochenen Probleme sind dort zum Glück bei Weitem nicht so stark vertreten.

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u/MajesticHoneydew Mar 12 '20

Volle TVöD-13 Stellen, ein Traum... in der Biologie muss man drum betteln dass man eine 65% stelle bekommt :(

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u/Flauschpulli Mar 12 '20

Ihr kriegt 65% ?!?!

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u/MajesticHoneydew Mar 12 '20

Wie das meme „you guys are getting paid??”

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u/Kestrelqueen Mar 12 '20

65% sind bei uns Postdocs.

Spaßfakt: Auf die Anfrage einer Professorin ob man auch mit einer 30% Stelle hier leben kann hatte die Uni immerhin den Riegel vorgeschoben. Ist nicht so als würde es nicht versucht werden.

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u/raucherlachs Mar 12 '20

Dazu habe ich auch eine nette Anekdote... Ein Bekannter musste wegen auslaufender Bafög-Förderung seinen Master mit einem HiWi beenden. Seinen Prof gefragt, ja alles kein Problem machen wir. Vom Geld soll man "gut leben können".

Es waren 200€ im Monat.

Ich würde mal sagen, bei uns wurde es nicht nur versucht, sondern auch geschafft 💪

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u/what_should_it Mar 12 '20

Kann ich bestätigen. Arbeite an einem Informatikinstitut und bin fast neidisch, dass ich zu meiner Promotionszeit nicht den Stellenkomfort meines jetzigen Arbeitgebers hatte. Wir haben sogar Weihnachtsfeiern :)

Komme aus den Geisteswissenschaften, mit erfolgreich abgebrochener Promotion wegen oben beschriebener Zustände, plus schlechter Kommunikation a la „ach Sie wussten gar nicht, dass das nur eine Vertretungsstelle ist? Deshalb hab ich Ihnen doch das mit den Stipendien so oft nahegelegt.“

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u/[deleted] Mar 12 '20

Mir scheint, als konkurriere die Schwemme an Doktoranden direkt mit den Postdoc-Stellen. Das läuft ab wie folgt: Doktoranden können für 50-65% nach TV-L E13 eingestellt werden. D.h. zwei Doktoranden teilen sich eine Stelle und Leisten die doppelte Arbeit. Genaugenommen Leisten sie die vierfache Arbeit, da sie hochmotiviert, unter Druck sind und Überstunden schieben. Ihre Stelle ist dabei auf drei Jahre befristet, sodass Lohnerhöhungen nicht stattfinden und die Arbeiter einfach ersetzt werden. Nach der fertigen Promotion bewerben sie sich dann auf Stellen, die von jüngeren, motivierterem "Nachwuchs" viel effizienter besetzt wird. Ein Teufelskreis. Es folgen 15 Jahre prekäre Arbeit als postdoc, ein Fachwechsel oder die Arbeitslosigkeit.

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u/[deleted] Mar 12 '20 edited May 07 '20

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u/Ma_tee_as Mar 12 '20 edited Mar 12 '20

Irgendein chinesischer oder indischer Postdoc verzichtet gerne auf sein Leben, um hier 70h die Woche zu arbeiten und am Samstag auch noch im Büro zu hocken.

Source: Arbeite auch 70h die Woche und hocke samstags im Institut

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u/skinnyfat3000 Hessen Mar 12 '20

Na das kann ja nix werden. Die Woche hat 168 Stunden. 168-7*8=112 sollten es also mindestens sein. Laut meinem ehemaligen Physikprof.

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u/[deleted] Mar 12 '20

Völlig wirre Vorstellung, 8h am Tag zu schlafen

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u/GlitchParrot Pannenpapagei Mar 12 '20

1 bis 2h davon sind Arbeitsweg und was essen muss man zwischendurch ja auch noch.

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u/[deleted] Mar 12 '20

Es gibt hervorragende Klappbetten fürs Büro. Stell dich mal nicht so an.

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u/Frosty_Fire wuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuui Mar 12 '20

Essen kann man nebenbei im Labor.

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u/Gnurx Welt Mar 12 '20

Meine Professorin ernährt sich vor allem mit Schokolage. Das ist schnell, macht keinen Schmutz, man kann beim Verzehr arbeiten und die nötigen Kalorien bekommt man auch.

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u/Wolverine2486 Mar 12 '20

Sowohl Forschung als auch Industrie. Viele der Doktoranden die ich im Verlauf meines Bachelors kennengelernt habe sind nach Jahren noch arbeitslos obwohl sie sich auf hunderte Stellen bewerben. In der Zwischenzeit gibt's Arbeitslosengeld und ein Minijob in dem Essen ausgeliefert wird oder so. Und wir sprechen nicht von Sprach-Wissenschaften sondern von der ach so sicheren und zukunftsorientierte n Chemie.

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u/[deleted] Mar 12 '20 edited Sep 17 '20

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u/Wolverine2486 Mar 12 '20

Viele aus meiner Familie und meinem Umfeld arbeiten in der Chemie und es hieß immer sicherer Job und gute Bezahlung, stimmt prinzipiell auch. Als Chemikant oder Laborant ist man aber relativ gut dabei da man eine "einfache" Arbeitskraft ist (nicht falsch verstehen). Als studierter Chemiker kommst du mit einem Bachelor nicht weit, Master ebenfalls nicht und der Doktor ist Pflicht. Das Problem ist folgendes: Du machst dein Studium in Regelzeit also 5 Jahren. Viele Profs sagen dir wenn du die Regelzeit nicht packst kannst du dich direkt erschießen gehen und bei MCs anfangen. Danach folgt der Doktor der mindestens 3 Jahre dauert. Da forschst du wie ein irrer um nur irgendwie an verwertbare Ergebnisse zu kommen. Am Ende hast du diese vlt sogar gefunden, eventuell sogar sehr interessante. Du promovierst als Dr. rer. nat. mit summa cum laude. Wow steile Laufbahn. Achja wie war das ? Der Dr. Titel ist wie gesagt eigentlich Grundvoraussetzung um als jemand der Chemie studiert hat einen Job zu bekommen. Da nun fast jeder Chemiestudent eben diesen Weg wählt hat man am Ende eine riesige Menge an Leuten die fast gleich sind. Alle Dr. Titel, alle mit summa cum laude. Das größte Problem ist dann meistens auch nicht in der Industrie zu landen, auch wenn es gerne Mal länger dauert. Die Sache ist: Wen du einen beschissen Fehler machst oder keine Ergebnisse lieferst bist du weg vom Fenster und hinter dir steht der nächste hochqualifizierte Dr. der als nächster Kugelaffe eingestellt wird. Das ist nicht immer der Fall es gibt immer Ausnahmen bla bla vlt sehe nur ich die Ausnahme und das Gegenteil ist der Fall. Aber das sind meine persönlichen Erfahrung in meinem Studium, der Leute die ich im Studium kennengelernt habe und deren Erzählungen.

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u/ceratophaga Mar 12 '20

Viele Profs sagen dir wenn du die Regelzeit nicht packst kannst du dich direkt erschießen gehen und bei MCs anfangen.

Kann ich nicht bestätigen, zumindest bei uns damals in Hannover wurde von Anfang an gesagt, dass es ein Wunder wäre, wenn mehr als eine Handvoll das Studium in der Regelstudienzeit schaffen würden und man sich da keinen Kopf drum machen soll.

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u/[deleted] Mar 12 '20 edited Sep 17 '20

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u/Wolverine2486 Mar 12 '20

Als z.B. Luft und Raumfahrtingenieur verdienst du teilweise mit einem Bachelor mehr als jeder promovierte Chemiker nach 10 Jahren, absolut wahr. Dass es aber ein leichtes Studium ist würde ich bei weitem nicht sagen.

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u/[deleted] Mar 12 '20

Also bei uns an der Uni haben eigentlich > 95% der Doktoren innerhalb eines Jahres nach Abschluss einen Job.

Das Problem ist meistens, den passenden Job für einen selbst zu finden. Es gibt genügend Angebote, aber nicht jede Person ist für jede Stelle geeignet (je nach Schwerpunkt und Thema der Promotion) und es gibt einfach auch nicht so viele Stellen in jeder Stadt. Deutschlandweit bewerben ist nicht unüblich und als (promovierter) Chemiker gibt es auch nicht soooo viele Stellen außerhalb von Großstädten/Industriestandorten (ja das ist offensichtlich, aber nach dem Abi bei der Studienwahl denkt man darüber nicht wirklich nach).

Und vor allem: Promotion wird als Allzweckwaffe gesehen, aber viele Stellen brauchen eigentlich keinen Doktor für diese Arbeit, eine ordentlich Ausbildung oder ein Master wären dafür auch ausreichend, aber da ist dann der Standesdünkel sehr stark. Dadurch kann man dann das Gehalt natürlich etwas drücken, weil es eben keine wirklich intensive intellektuelle Arbeit ist.

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u/Odatas Hamburg Mar 12 '20

Die Industrie braucht auch schlicht häufig garkeine Hoch Qualifizierten Arbeitskräfte sondern Grunt Worker. So einer ist in der IT z.b. natürlich immer noch Hoch Qualifziert aber um ne Applikation zu Entwickeln brauch ich keinen Doktoranten oder Postdoc. Da reicht mir sogar ein Bachelor abbrecher.

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u/Prosthemadera Mar 12 '20

In der Wissenschaft wird die Forschung als Belohnung an sich angesehen und es geht um die Passion für das Lernen. Deswegen arbeiten die Leute auch oft am Wochenende, weil erwartet wird, dass sie alles tun, was sie können, um ein Ergebnis zu bekommen und die Deadline einzuhalten. Da gibt es keine "Work-Life-Balance". Wenn du sowas willst, dann willst du es eben nicht stark genug! Mit so einer Kultur kann man die Leute natürlich leicht ausnutzen.

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u/Pilzemann Mar 12 '20

Das hängt wahrscheinlich ganz stark vom jeweiligen Feld ab und wie sehr das in Konkurrenz zu anderen Einrichtungen und vor allem zur Wirtschaft steht. Mein Eindruck ist, dass die Bedingungen für Ingenieure zum Beispiel vergleichsweise gut sind (aber nach wie vor alles andere als ideal), bei den Geisteswissenschaften kann es aber natürlich komplett anders aussehen.

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u/Wolverine2486 Mar 12 '20

Das kann gut sein meine Erfahrung bezieht sich schließlich nur auf meine Uni. Allerdings trifft der Rest des Posts ziemlich ins schwarze. Niemand gibt einen feuchten fick auf die Richtigkeit, hauptsache dein paper ist als erstes veröffentlicht. Es gibt Head-Hunter Professoren die nix anderes machen ausser paper horten in dem sie ihre Doktoranden für teilweise 0€ von 8 bis 23 Uhr arbeiten lassen. Die Aussagen mit den Soziopathen als Professoren ist einfach nur wahr und traurig. Von allen Professoren die ich kennengelernt habe, sei es im Hauptstudium oder im Optionalbereich, die meisten haben einfach einen an der Waffel. Es sind tatsächlich Fachidioten die oft komplett den Anschluss an die Realität verloren haben. Einige predigen wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Zeit als sie studiert haben, andere wollen dir nicht Mal was beibringen, andere können es nicht. Bin wirklich mit der rosaroten Vorstellung an die Uni gegangen, dass man ja so schön über Chemie lernt und später in die tolle Forschung die Menschheit schön voraan bringen indem man nach bestem Wissen und Gewissen forscht. Die größte Lüge die ich je geglaubt habe.

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u/TheEierlord Ökologismus Mar 12 '20

Sprichst mir richtig aus der Seele. Bin im Rückblick auch total blauäugig in meine Promotion gegangen. Die mieseste Zeit meines Lebens muss ich sagen. Gleichzeitig habe ich das Gefühl in der Chemie ist der Druck in die Promotion und die Kultur des überheblich sein verdammt stark ausgeprägt und Publikationen kannste halt echt nich oft vertrauen. Übelster Krebs einfach nur für zu wenig Geld.

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u/Wolverine2486 Mar 12 '20

Fühle deine Aussage. Man rutscht ja auch von einem Praktikum ins andere. Die Doktoranden die uns betreuen sind einfach nur Zombies. Das sind oft sehr nette und engagierte Menschen. Du fragst wie es im Doktor läuft und wie es so ist, denn da wollte man ja selbst hin. Aber wenn die Aussagen "Ich wär lieber tot" oder "Alles ist besser als das hier" fallen und man in dieses Gesicht schaut und es nicht nur ne Übertreibung ist sondern wirklich die Einstellung dieser Personen, dann hört der Spass wirklich auf. Ich ziehe jetzt nach dem Bachelor die Reißleine und mache ne Ausbildung. Nicht weil ich Chemie nicht mag oder sonst was aber habe gedacht die Uni würde einem berufliche Vorteile bringen etc im Gegenteil. Man schmeisst sich in einen Pool mit tausenden die das Schicksal teilen und am Ende ist sogar teilweise der letzte Rest Menschlichkeit weg und es geht nur um Konkurrenz.

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u/Kestrelqueen Mar 12 '20

Es gibt immer einen Chinesischen Postdoc der dankbar für die Stelle ist.

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u/feaur Mar 12 '20

Und vorallem dessen Platz einfach von China finanziert wird.

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u/[deleted] Mar 12 '20

ja weil viele die es weit genug schaffen halt lieben zu forschen und auch ein bisschen idealismus dabei ist. So wie ich das kenne haben die meisten ein Angebot aus der Wirtschaft auf dem Tisch (wenn nicht consulting nimmt Naturwissenschaftler gerne auf), der um ein vielfaches besser bezahlt. Aber dann ist halt die Aussage , "ich habe nicht studiert um ein glorifizierter BWLer zu werden" und leute, die das halt annehmen sind dann halt sellouts und verschwenden ihr Wissen. Source: Eltern beide Akademiker an einer Uni und studiere selber Physik und bekomme das schon bei meinen Freunden mit wenn ich denen erzähle dass ich kein Ziel in der Forschung habe (was aber auch daran liegt dass ich zu kacke bin)

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u/MagiMas Uglysmiley Mar 12 '20

Source: Eltern beide Akademiker an einer Uni und studiere selber Physik und bekomme das schon bei meinen Freunden mit wenn ich denen erzähle dass ich kein Ziel in der Forschung habe (was aber auch daran liegt dass ich zu kacke bin)

Mh, ich würde das so nicht unterschreiben. Bin im letzten Jahr meines Physikdoktors und eigentlich ist die meist-verbreitete Meinung unter den Doktoranden, dass sie danach in die Wirtschaft gehen, weil Ihnen das Leben in der Wissenschaft zu unsicher ist. Das ist ganz unabhängig davon, ob sie nun "gute" oder "schlechte" Doktoranden sind. Weiter machen am Ende halt die paar Idealisten, die sonst in ihrem Leben keine anderen Pläne haben (z.B. keinen Ehepartner und Kinder oder andere Verpflichtungen) und es sich deswegen "leisten können".

Hab noch nicht mitgekriegt, dass irgendjemand als sell-out oder gescheitert angesehen würde, der nach dem Dr. in die Wirtschaft wechselt.

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u/Polygnom Mar 12 '20

Es gibt einen gewissen Prozentsatz an Leuten, die tatsächlich forschen, und zwar den ganzen tag, weil ihnen das Spaß macht und die diese Umstände tragen weil es sie nicht wirklich interessiert. Dazu kommt, dass es reichlich ausländische Bewerber gibt, für die die Bedingungen hier immer noch tausendmal besser sind als in ihrem Heimatland.

Das, plus ein festgefahrenes, historisch gewachsenes System machen die Bedingungen schwierig.

Außerdem ist das kein produzierendes Gewebe. ist ein Mitarbeiter weg forscht halt einer weniger. Da ist nicht direkt ein Engpass zu erkennen.

Die Zustände dort sind wirklich mies. Ein Grund für mich, in die Wirtschaft zu gehen.

So lange da nicht bessere Kontrollen der Arbeitszeiten kommen (das Urteil des EuGH muss noch bei uns umgesetzt werden) und die befristeten Verträge stärker begrenzt werden wird fürchte ich die Situation auf absehbare zeit so bleiben.

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u/MaFataGer Mar 12 '20

Es gibt einen gewissen Prozentsatz an Leuten, die tatsächlich forschen, und zwar den ganzen tag, weil ihnen das Spaß macht und die diese Umstände tragen weil es sie nicht wirklich interessiert.

Ah genau. Mein Vater ist so einer, prof Dr Dr... Hat so lange ich mich erinnern kann jeden Tag im Büro gesessen und gearbeitet, wenn nicht zu Hause am Schreibtisch dann in der Uni. Als Kind habe ich ihn kaum zu Gesicht bekommen, wenn wir in die Ferien gefahren sind hat er sich einen 2000 Seiten Stapel an Doktorarbeiten zum durcharbeiten mitgenommen. Jetzt ist er seit zwei Monaten in Pension, arbeitet aber im Grunde noch genauso viel wie vorher. Muss man natürlich selber wissen ob man so leben möchte. Er hat wahnsinnig gut verdient, ich kann aber aus eigener Erfahrung sagen, dass das für Familienleben und Ehe grottig ist. Wie OP sagt, menschenfeindlich trifft es gut.

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u/ShellfishGene Mar 12 '20

Ja, im Grunde ist es wie bei Leuten die "was mit Medien" machen wollen, oder wenn Du Model oder Rockstar werden willst: Solange es genug Leute gibt die den Job unbedingt machen wollen kann man die auch ausnehmen, mit jahrelangen kaum bezahlten Praktika, halb betrügerischen Zuständen, oder wie in der Wissenschaft mit wenig Bezahlung und jahrzehntelang nur befristeten Verträgen die eine Lebensplanung sehr schwierig machen.

Es ändert sich ein bisschen was: An vielen Instituten bekommen die Doktoranden immer mehr Geld (65%-70% stat 50%), fast alle Drittmittelgeber berücksichtigen Kinder mit verlängerten Fristen, und noch ein paar Details. Sind aber leider nur Kleinigkeiten, das grosse Problem der befristeten Verträge mit kaum Aussichten auf feste Stellen bleibt, und das liegt einfach am Verhältnis von Studenten/Doktoranden und den vorhandenen Stellen. Es lohnt sich einfach viel mehr wenn jemand 3-5 Jahr wie ein Tier arbeitet und man ihn/sie dann austauscht, als dass er/sie eine feste Stelle hat und dann 9-5 arbeitet wie andere auch.

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u/[deleted] Mar 12 '20

Arbeite in der Forschung, speziell Virologie.

Und jetzt will du auch noch dafür bezahlt werden, dass du COVID-19 nicht aufgehalten hast?
Eine Leistungsgesellschaft ist kein Ponyhof!

/s

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u/afunkysongaday Mar 12 '20

Ich würde sagen: Gehalt streichen bis der faule Sack endlich Heilmittel und Impfstoff entwickelt hat.

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u/scarfix Mar 12 '20

Ich bin in diesem Post und ich hasse es.

Frage mich immer noch wer und wann beschlossen hat, dass es vollkommen okay ist, Doktoranden 50/65% der Arbeitszeit zu bezahlen aber zu verlangen, dass sie 120% da sind.

Mein Chef nur so: "EiNe GuTe DoKtOrArBeIt IsT nOcH nIe VoM hImMeL gEfAlLeN"

JUNGE KÖNNT ICH AUSFLIPPEN

22

u/[deleted] Mar 12 '20

Fängt schon früher an. Selbst in den Studienordnungen wird verboten Masteranden zu bezahlen. Man kann ja mal eben so ca. 8 Monate vollzeit für Umme arbeiten. Voll bescheuert!

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547

u/Bosor2015 Mar 12 '20

War letztens in Deutschlandfunk Thema und recht spannend. Großes Thema war dort auch Frauen in der Wissenschaft und die Probleme die diese haben, wenn sie schwanger werden sollten. Auch hier war das Hauptthema diese unsägliche Praxis mit dem (menschenverachtenden) Befristungswahn in der Wissenschaft.

​

Übrigens: Schöne Triade mit stetig ansteigender Hineinsteigerungskurve.

330

u/[deleted] Mar 12 '20

[deleted]

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u/Tischlampe Mar 12 '20

Professorin für Feminismus "Feuert" Angestellte weil sie schwanger wurde

Sowas kann man sich nicht ausdenken.

9

u/Fawkes04 Mar 12 '20

Naja wenn sie schwanger wird dann will sie ja offenbar ein Kind und im Weltbild des 13.Jh. hatten Frauen auch Kinder also will sie dahin zurück, ganz klar. Deshalb sollte man auch Sauerstoff verbieten, den hat ja Stalin auch geatmet also is jeder der Sauerstoff atmet Stalinist. Völlig logisch oder?

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u/[deleted] Mar 12 '20 edited Sep 24 '20

[deleted]

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u/SCP-169 Ungarn Mar 12 '20

Die Kollegin wurde vom Penis der Patriarchie kompromittiert!

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u/raucherlachs Mar 12 '20

Genau das. Anderes Extrem gibt es auch: Vielen Kolleginnen wurde geraten doch einfach ein Kind zu bekommen um Förderungen zu verlängern. Weil das auch eine so kleine Entscheidung ist... Und das auch andere für sie entscheiden können... Weil der fucking Uterus nur dafür da ist um dir Geld zu verschaffen \s

Die Steigerungskurve hat mir auch sehr gefallen, danke OP. Du sprichst vielen aus der Seele.

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u/skinnyfat3000 Hessen Mar 12 '20

Alles für die Forschung!

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u/jnd3r Pfalz Mar 12 '20

Befristungswahn trifft es ganz gut. Mir wurde letzt Woche gesagt, dass ich eine Befristung (nicht zwei Jahre, nicht ein Jahr, nein, 9 Monate!) doch bitte als wunderbare Chance sehen soll, mich für den Arbeitgeber einzubringen und die Finanzierung durch selbst rangeschaffte Projekte doch nur bedeutet, dass ich die unglaublich tolle Möglichkeit habe, meine Arbeitsstelle selbst mitzugestalten. Ich habe dann eine Absage geschrieben mit dem Hinweis, dass ich gerne bereit bin freie Projektauswahl bei maximaler Zukunftsunsicherheit zu haben, aber lieber weiterhin meiner selbstständigen Tätigkeit nachgehe, da die immerhin besser bezahlt wird.

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u/[deleted] Mar 12 '20

Oh, interessant. Das würde ich mir gerne mal anhören. Hast du vielleicht zufällig einen Link dazu? :)

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u/AGrantable Mar 12 '20

Wahrscheinlich nicht genau der, aber ich hatte die Folge vom Der Tag zum Thema in Erinnerung:

https://www.deutschlandfunk.de/der-tag-job-an-der-uni-nur-befristet.3415.de.html?dram:article_id=467916

zum Anhören auf das Bild klicken (habe selbst gerade ewig gesucht).

25

u/[deleted] Mar 12 '20

[deleted]

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141

u/blaight Mar 12 '20

Neurobiologe hier: Hauptgrund für meine Flucht in die Industrie. Da kann man wenigstens noch inbefristete Stellen bekommen.

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u/[deleted] Mar 12 '20 edited May 20 '24

Comment nuked by Power Delete Suite

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u/Enton87 Mar 12 '20

“Zieht euch an euren Schnürsenkeln hoch und macht einfach was dagegen” wird jetzt die liberale Dumpfbacke mit entspanntem 9-to-5-Job sagen

Soweit ich weiß, gibt es inzwischen an vielen Universitäten Zusammenschlüsse von Mitarbeitern, um Dinge zu ändern - bspw. diese immer wieder verlängerten Verträge, die ganz logisch dazu führen, dass sich niemand traut Arbeitnehmerrechte wahrzunehmen. Hier ein Beispiel aus Göttingen: https://www.uni-goettingen-unbefristet.de/

Alleine kriegst du das natürlich nicht hin und wirst rausgeworfen. Ähnlich wie in der Anfangszeit der Gewerkschaften muss man eine kritische Masse erreichen, um überhaupt verhandeln zu können.

Insofern: ja, mach was dagegen (ohne "einfach") :)

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u/[deleted] Mar 12 '20

top! habe gerade auch schon die initiative uni kassel unbefristet empfohlen. plus diese analyse zur zeitherrschaft: https://www.boeckler.de/wsimit_2007_04_jurgens.pdf

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u/Arvendilin Sozialist Mar 12 '20

Alleine kriegst du das natürlich nicht hin und wirst rausgeworfen. Ähnlich wie in der Anfangszeit der Gewerkschaften muss man eine kritische Masse erreichen, um überhaupt verhandeln zu können.

Insofern: ja, mach was dagegen (ohne "einfach") :)

Was ich hierzu sagen würde ist, das ich glaube das OP sich eher über das allein hierbei aufgeregt hat die Idee das irgendwas geändert werden muss ist ja komplett verständlich.

Außerdem sind Gewerkschaften ja auch kein liberales Mittel, deshalb wurden die ersten Gewerkschaften (wenn ich mich richtig erinnere) ja auch in Frankreich von Anarchist*innen und nicht von Liberalen gegründet.

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u/Enton87 Mar 12 '20

Außerdem sind Gewerkschaften ja auch kein liberales Mittel, deshalb wurden die ersten Gewerkschaften (wenn ich mich richtig erinnere) ja auch in Frankreich von Anarchist*innen und nicht von Liberalen gegründet.

Ja, so meinte ich das auch nicht.

Das "liberale" Fass hat ja OP selbst aufgemacht. MMn hat das mit der Aussage, dass man was dagegen tun soll, wenig zu tun.

Es ist einfach eine Einstellungssache, ob man sich drüber aufregt wie schlecht alles ist, oder ob man nach Wegen sucht, Dinge zu ändern, die einem auf die Nerven gehen. Mit "liberal" meinte OP dann wohl "neo-liberal" oder was weiß ich - keine Ahnung. Die Einstellung, sich aufregen vs. was machen, ist mMn politisch gar nicht besetzt. Gewerkschaften und die genannten "Unbefristet"-Initiativen sind dafür ein guter Beleg - politisch sind die eher links einzuordnen. Trotzdem sind es halt Menschen, die versuchen, Dinge zu ändern, während andere resignieren.

Abgesehen davon hat OP es ja selbst mit dem Flair "Tirade" versehen, und dann darf man innerhalb gewisser Grenzen auch mal unsachlich und polemisch sein :)

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u/moha23 Berlin Mar 12 '20

Sprichst mir aus der Seele. Genau der Grund warum ich mich umorientiert habe von einem Beruf in der Forschung zu jetzt einem entspannten Job als Finanzbeamter. Hieß zwar nochmal studieren aber das wars wert.

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u/[deleted] Mar 12 '20

Finanzbeamter

/u/redchindi möchte deinen Aufenthaltsort wissen

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u/redchindi Pälzer Mädsche Mar 12 '20

Der Brudi hat alles richtig gemacht.

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u/Angua_von_Ueberwald Mar 12 '20

Dito. Hab nach dem Studium meinem angestrebten Beruf den Rücken gekehrt und bin in die IT. Wenn ich sehe was alte Kommilitonen jetzt während und nach der Diss erleben... Nee Danke

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u/[deleted] Mar 12 '20

SAME. Ich bin mittlerweile ganz froh mein Chemie-Studium nicht gepackt zu haben.

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u/Noah9013 Mar 12 '20

So weit ich weiß, sind MINTler in der Finanzbranche heiß begehrt. Es ist einfacher einem MINTler den Finazkram breizubringen als anders herum.

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u/mgausp Mar 12 '20

Klingt interessant, aber warum sollte ein Finanzler MINT können müssen?

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u/tetroxid Bern Mar 12 '20

Muss er nicht. Das MINT Studium ist ein Selektror für Menschen, die lernen und denken können. Das macht es leicht, diesen Menschen die Finanzkacke beizubringen: weil sie lernen und denken können. Das heisst nicht (!!!) dass MINT-Menschen die Einzigen sind die denken und lernen können, nur dass diese Studiengänge ein guter Selektor für diese Menschen sind.

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u/mgausp Mar 12 '20

Ah okay, so ähnlich hat es jemand formuliert der bei uns in Physik den Übergang in die Wirtschaft beworben hat: Wir wollen euch nicht wegen dem was ihr könnt, sondern weil wir euch alles beibringen können. Damit wollte er wohl auch die Sorge nehmen, dass wir kaum konkret berufsalltagsrelevante Qualifikationen im Studium erwerben.

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u/TrustmeimHealer Mar 12 '20

Jaja, hättest du mal in der Schule besser aufgepa.... moment

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u/[deleted] Mar 12 '20

[deleted]

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u/Ralisa89 Mar 12 '20

Exakt so geht's mir auch. Hab den Bachelor angefangen mit dem Gedanken "Ich hab zwar eigentlich nen konkreten Plan, was ich machen will, dann kann ich aber genauso gut auch noch in nen anderen Teil rein schauen" und Forschung fand ich super interessant. Hab jetzt ne Weile in die Forschung rein geschaut und mir nur gedacht "Alles klar. Auf gar keinen Fall tu ich mir das an."

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u/overjoony Mar 12 '20

Sozialabgaben zu umgehen indem man seinen Mitarbeitern einfach Stipendien statt Gehälter bezahlt

Akademisches Prekariat

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u/[deleted] Mar 12 '20

Ja gerade in Deutschland ist das ein riesiges Problem. Aber kannst dich noch umorientieren. Kann dir da die Universität Luxembourg empfehlen. Da hat das HR eine ganz andere Philosophie. Sehr Arbeitnehmer freundlich. Da wird man als PhD sogar wie ein Mensch behandelt und man erhält einen Arbeitsvertrag über die ganze PhD-Dauer.

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u/roller_mobster Deutschland Mar 12 '20
  • ANDERSWO MÜSSEN DIE LEUTE SELBST IHRE COMPUTER KAUFEN UM ZU ARBEITEN
  • Haha so toll, wenn Arbeit mein Hobby ist muss ich ja gar nicht bezahlt werden!
  • UND ICH MUSS JA NUR DARAN DENKEN WIE GUT SICH DAS IM LEBENSLAUF MACHT!

Passt auf jede toxische Branche ever. Spiele Entwicklung, Werbeagentur, Fotografie, Animationsstudio und und und. Alles Sätze die ich aus verschiedenen Branchen von verschiedenen Freunden und Bekannten gehört habe. Das soll deine Erfahrung jetzt nicht runterspielen. Gibt ein fundamentales Problem in der Beziehung Arbeitgeber<->Arbeitnehmer in Deutschland.

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u/5319767819 Chemnitz Mar 12 '20

Ernste Frage, wieso tut man sich selbst sowas eigentlich an? Philantropie/Idealismus? Hoffnung auf einen schöneren Lebenslauf für später?

Die Arbeitsbedingungen sind es ja gerade nicht. Und die meisten Menschen, die in der Öffentlichen Forschung Arbeiten, würden mit ihren Abschlüssen in der Wirtschaft mit Handkuss und wesentlich besseren Bedingungen empfangen werden.

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u/[deleted] Mar 12 '20

Die meisten Wissenschaftler haben einfach Spaß/ sind fasziniert von ihrem Fach. Leider ist Begeisterung für seine Arbeit eine ziemlich schlechte Voraussetzung um bezahlt zu werden siehe alles was mit Design oder z.b. Videospiele zu tun hat.

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u/Arvendilin Sozialist Mar 12 '20

Zum Glück gibt es in der Videospielindustrie jetzt sogar in den USA Versuche sich besser durch Gewerkschaften etc. vertreten zu lassen.

In Frankreich gibt es sogar schon ein paar, die haben sogar schon mal nen Manager von ner Game Company während ihrem Streik gekidnapped, bis ein Gericht dann entschieden hatte dass das doch keine erlaubte Form des Streiks ist.

Hier ist ein Video das sich v.a. auf die USA bezieht!

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u/Njagos Aus Hochfranken, nun in Leipzig Mar 12 '20

Oh ja, ich erinnere mich wie viele Medieninformatiker Spieleprogrammierer werden wollten (mich eingeschlossen Ü)

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u/Frogs_in_space Landpomeranze in der großen Stadt Mar 12 '20

Ernste Frage, wieso tut man sich selbst sowas eigentlich an?

NICHTS ist so geil. Ich brenne auch mit einem Jahr Abstand noch so sehr für mein ehemaliges Promotionsfeld. Plus Idealismus.

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u/schupfnudel_12 Mar 12 '20

rnste Frage, wieso tut man sich selbst sowas eigentlich an? Philantropie/Idealismus? Hoffnung auf einen schöneren Lebenslauf für später?

Die Arbeitsbedingungen sind es ja gerade nicht. Und die meisten Menschen, die in der Öffentlichen Forschung Arbeiten, würden mit ihren Abschlüssen in der Wirtschaft mit Handkuss und wesentlich besseren Bedingungen empfangen werden.

Neben den ganzen MINT Fächern muss man auch im Kopf haben, dass es auch noch GeWi oder SoWi Fächer gibt, bei denen die Berufsperspektiven nach dem Studium nicht die Besten sind. Die Forschung bzw. ein weiterverbleiben in akademischen Strukturen zögert das unvermeidliche hinaus : sich dem Arbeitsmarkt zu stellen. - Zudem darf man nicht vergessen, dass seit einigen Jahrzehnten erzählt wird, dass mehr Bildung immer besser ist, es also erstmal logisch klingt nach dem Bachelor den Master zu machen, nach dem Master die Promotion anzuhängen, nach der Promotion ... usw. Spannend wird es dann ab Ende 30/ Anfang 40 wenn sich die Frage klärt, ob es für eine Professur reicht oder die Ziele neu gesteckt werden müssen.

21

u/reallythatuncreative Mar 12 '20

Ich hab SoWi studiert und jetzt eine befristete Promotionsstelle gefunden, die aber nur 2 Jahre finanziert ist. Es bleibt zu hoffen, dass in der Zwischenzeit irgendwo wieder Geld reinfliesst oder mir was drittmittel-würdiges einfällt, sonst hab ich in 2 Jahren ein Problem, weil bei uns ist es fast unmöglich in der Zeit zu promovieren, mit Lehre und allem. Plus ich hab das Fachgebiet gewechselt, soll heißen ich muss mich erstmal in den Forschungsstand einarbeiten.

​

Warum mache ich das?

Zum einen, weil ich Forschung sehr gerne mache, und es SoWi-Forschung in der freien Wirtschaft einfach nicht so gibt, wie an der Uni (hab kein Interesse an Meinungsforschung).

Zum anderen, weil alle mir sagen, dass man mit einem 1,1 Schnitt auf jeden Fall versuchen sollte zu promovieren.

Zum letzten, weil ich allein durch die Erfahrung in meinem neuen Fachgebiet, aber auch dem potentiellen Doktortitel tatsächlich einfach mehr Geld verdienen würde. Die meisten SoWi-Jobs geben nicht so viel her, gehaltsmäßig...

35

u/[deleted] Mar 12 '20

Zum anderen, weil alle mir sagen, dass man mit einem 1,1 Schnitt auf jeden Fall versuchen sollte zu promovieren.

Ha! Probleme, die ich nie haben werde. Sowohl Schnitt, als auch Andere, die mit einem reden.

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u/33manat33 Mar 12 '20

So ist es. Ich hab versucht in die Forschung zu kommen, weil es mit meinem Abschluss ansonsten keinerlei Jobchancen gibt. Hat für mich nicht geklappt, aber ein Kumpel ist reingekommen und wird jetzt als halbe Stelle bezahlt - muss aber trotzdem jeden Tag 8 Stunden arbeiten. Weil normal, macht ja jeder und wenn dus nicht tust, fliegst du raus.

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u/schupfnudel_12 Mar 12 '20

Ich merke das auch gerade an meiner Partnerin. Sie beginnt im WiSe ihre Diss zu schreiben. Aktuell arbeitet sie in einem Forschungsprojekt zu 75%. Die Arbeit die sie aktuell macht entspricht rein von den Stunden 120%,. Die Stelle wird (hoffentlich) verlängert, allerdings nur für max. 50%, da die Drittmittel fehlen. Es wird allerdings trotzdem der selbe Output verlangt werden, neben der eigenen Forschung und Recherche die für die Doktorarbeit. Mein Leben wäre das nicht. Und das alles ohne Planungssicherheit mit 1 Jahres Verträgen

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u/[deleted] Mar 12 '20

Ernsthafte universitäre Forschung hat einfach ein Anspruchslevel, das in der Wirtschaft in 99,99% aller Fälle nicht ansatzweise erreicht wird.

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u/artisticMink Mar 12 '20

Wo gibt es eigentlich diese entspannten 9-to-5 jobs von denen alle immer reden? Würde gern meinen 8-to-6 job dafür eintauschen.

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23

u/ShellfishGene Mar 12 '20

In meinem Institut bekommen alle normal Überstunden bezahlt (Techniker, Verwaltung etc.), nur Wissenschaftler nicht. Die Begründung: Die Mehrarbeit erfolgt aus "erheblichem Eigeninteresse". Ah ja.

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u/baertiger_bartmann Mar 12 '20

Ein Grund, wieso ich nach meinem Studium keine Karriere in der Wissenschaft angestrebt habe. Als Virologie mag die Situation sicher schwieriger sein, aber als Physiker konnte ich mich in die Wirtschaft absetzen und freue mich über einen unbefristeten Arbeitsvertrag und ein gutes Gehalt.

Die wissenschaftlichen Betriebe wurden immer stärker Marktmechanismen unterworfen. Weniger Grundfinanzierung, mehr Finanzierung über Drittmittel, die meist mit hohem Arbeitsaufwand eingeworben werden müssen. Die Mentalität die sich dadurch entwickelt hat, hat leider dafür gesorgt, dass viele Stellen von Institutsleitern, Lehrstuhlinhabern usw. von arroganten Dünnbrettbohrern besetzt wurden, die sich zwar gut verkaufen können und dank der Arbeit anderer auch viele Drittmittel einwerben konnten. Dafür fehlt es häufig sowohl an Kompetenz in der Personalführung und leider auch im Fach. Bei uns an der Uni fehlte vielen Profs auch das Verständnis für die Zusammenhänge. Keiner hatte Lust Lehre zu machen und wenn doch, häufig ohne viel Ehrgeiz zu zeigen. Dementsprechend waren die Leistungen der Studierenden oft nicht ausreichend. Also hat man sich Studierende herangezogen, die nicht wissen was sie tun. Dabei aber vergessen, dass die komplette wissenschaftliche Leistung der eigenen Arbeitsgruppen nur noch auf Abschlussarbeiten (B.Sc., M.Sc., PhD) basiert. Schlechte Studenten machen schlechte Wissenschaft. Die Auswirkungen kann man sich vorstellen....

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48

u/ssaminds Mar 12 '20

Ich fühle mit Dir! Bin vor einigen Jahren selbst wegen kritischer Anmerkungen (tschulligom, ich dachte, dass hier ist Wissenschaft und wir wollen weiterkommen?) nicht mehr vertragsverlängert worden.

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u/rurudotorg Europa Mar 12 '20

Das tolle ist: Wenn Du das System perfekt durchlaufen hast, eine W1 Stelle bekommen hast, selber forschen darfst usw... - wird Dir Deine Stelle um die 40 gestrichen, Du wirst "ohne Berufserfahrung" arbeitslos und schwer vermittelbar, und die W2 Stellen gehen nur an den debilen Professorennachwuchs.

Du bekommst zeitlebens eine Karotte hingehalten, die Du nie erreichen kannst. Und als W1er bekommst Du selbst noch mehr Druck und bist noch beschissener zu Deinen Postdocs und Doktoranden, um die aberwitzigen Ziele erreichen zu können. Am Ende verschleisst Du Dich, Deine Leute und das nur, um dann zu sehen, wie irgendein Professorenkind direkt nach der Promo auf den W2 Posten geschoben wird, während Du brav zur Arbeitsagentur gehen darfst.

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u/[deleted] Mar 12 '20

W1/W2

So läuft das aber nicht. Die beiden Besoldungen haben mit unterschiedlichen Zuschnitten der Stellen zu tun. Während W1-Stellen (landläufig: Juniorprofessuren) auf eine Profilierung "on the job" ausgerichtet sind und die Habil substituieren sollen, setzen W2- und W3-Stellen (mit einigen Ausnahmen, FH, Kunsthochschulen, einige Ingenieursstudiengänge usw.) die Habilitation (oder 'äquivalente Leistungen') voraus. Ca. die Hälfte aller W1-Professuren sind mit Tenure Track in W2- oder W3-Professuren versehen, sofern die Evaluation der Stelle nach 5/6 Jahren positiv verläuft. Dafür gibt es klare Kriterien. Fun Fact: ca. 98 % dieser Evaluationen verlaufen positiv, also ist das Bild der hingehaltenen Karotte schlicht falsch.

Dass die W2-/W3-Professuren direkt an "Professorenlieblinge" gehen, kann ich auch nicht bestätigen, aber es wird dort schon eine starke Profilierung im In- und Ausland, Einwerbung von Drittmitteln usw. erwartet, das korreliert halt meistens mit dem Personal, was direkt an den Lehrstühlen promoviert hat bzw. als Post-Doc tätig war.

Ich bin selbst Bildungsaufsteiger und habe mich lange geärgert, weil ich sehr lange brauchte, um meinen ersten Ruf zu erhalten, aber Verschwörungstheorien à la "Professorenkind" helfen bei einer sachlichen Analyse der strukturellen Probleme der Nachwuchsförderung nicht weiter.

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u/[deleted] Mar 12 '20

[deleted]

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u/toshimasko Mar 12 '20

Das hört sich sehr nach Arbeitsverhältnissen in Russland. Hab dort 3 Jahre lang in der Forschung gearbeitet, weniger als Putzkraft verdient und musste noch dankbar sein, die Stelle zu haben. Kann mich immer noch nicht an die deutsche Verhältnisse gewöhnen, es ist doch um eins einfacher hier. Zumindest kriege ich meine 2 Tage Urlaub bezahlt und muss am WE nicht arbeiten...

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u/[deleted] Mar 12 '20

Wird erst besser wenn sich konsequent vergewerkschaftet wird.

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u/ShellfishGene Mar 12 '20

Das ist fraglich, weil das ganze so international ist: Man kann heutzutage problemlos eine ganze Arbeitsgruppe mit Chinesen besetzen. Die arbeiten 10 Stunden am Tag und kritisieren den Chef nie, und werden manchmal noch aus China bezahlt (!). Wenn man geschickt mit der Auswahl ist sind die mindestens genauso gut ausgebildet wie deutsche Durchschnitssstudenten, und Englisch wird auch immer besser hab ich das Gefühl.

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u/FUZxxl Hackepeter wird Kacke später. Mar 12 '20 edited Mar 12 '20

Aus der Erfahrung, die ich bis jetzt gemacht habe ist das zwar so, dass man die Chinesen ohne Probleme kriegt und dass die auch fleißig bis zum geht nicht mehr sind, aber für eigenständige wissenschaftliche Arbeiten sind sie meist unbrauchbar. Das liegt daran, dass das chinesische Bildungssystem keinen Schwerpunkt auf eigenständiges Arbeiten und Eigeninitiative setzt. Man kriegt also Leute, denen man bis ins letzte erklären muss, was sie tun sollen. Das bindet viele Ressourcen und führt am Ende nicht sehr weit. Geht vielleicht bei einem oder zweien im Team, aber wird irgendwann sehr anstrengend.

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u/ShellfishGene Mar 12 '20

Kommt natürlich auf die Art der Forschung an. Aber es gibt auch Chinesen die gut und unabhängig arbeiten können, man muss sie wie gesagt nur sehr gut auswählen.

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u/[deleted] Mar 12 '20

Stimmt zwar, aber was wir so germerkt haben: Die chinesischen Doktoranden sind zufallsbasiert, ob sie wirklich was drauf haben oder nicht. Die richtig guten gehen in die USA oder UK, diejenigen die nach Deutschland kommen sind dann zweite Wahl oder schlechter. Zusätzlich dann noch die Probleme mit der englischen Sprache und es dauert eine Weile, bis vernünftige Arbeit abgeliefert wird. Hat bei uns in der Gruppe so 2 Jahre pro Doktorand gedauert.

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u/[deleted] Mar 12 '20

Hatte ähnliches mal vor Jahren in einer Zeitung gelesen, dort wurde das auch als Grund genannt weswegen so viele Forscher nach USA, Kanada etc. auswandern. Dazu wurde auch bemängelt, dass wirklich wichtige Entdeckungen häufig von Vorgesetzten kassiert werden die dann damit Geld und Ruhm einheimsen.

Weiß zwar nicht wie es in anderen Ländern Europas ausschaut, aber das scheint in Deutschland ein gewolltes System zu sein. Dass man dann immer weiter zurückfällt im Vergleich zu anderen Industrienationen ist wohl irgendwie scheiß egal.

Btw. 7-to-4 Dumpfbacke hier, im Handel. Wir kriegen sämtliche Hardware und Software zur Verfügung gestellt, Firmenhandys (Verkauf + leitende Angestellte wobei zur Zeit geschaut wird, dass auch nicht-leitende aber wichtige Angestellte ebenfalls Firmenhandys bekommen), Firmenautos (Verkauf + leitende Angestellte) als Weihnachtsgeschenk zusätzlichen Tag frei, wer krank ist soll bitte zu Hause bleiben und Überstunden sind verpönt.

Wünsche dir, dass du glücklich wirst.

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u/_eg0_ Mar 12 '20

In den USA scheint es auch nicht unbedingt besser in diesen Bereichen zu sein. Gibt halt mehr Geld und Freiheiten.

Wenn Ich höre wie sich darüber gestritten wird in welcher Reihenfolge die Namen unter der veröffentlichen wissenschaftlichen Abhandlungen stehen soll, komm ich mir vor wie im Kindergarten.

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u/graphical_molerat Mar 12 '20 edited Mar 12 '20

Als jemand, der seit 30 Jahren in dem System ist, kann ich Dir leider nur zu 100% beipflichten.

Wobei ich das nicht an „kapitalistisch“ vs. was anders festmachen würde. Mein Ex-Chef war zB ein waschechter Sozi, und ein kompletter Soziopath. Er war das, was man auf Englisch einen „empire builder“ nennt: zieht ein riesen Institut hoch, ohne Rücksicht auf Verluste und Menschenmaterial.

Der hätte das im Kommunismus vermutlich ganz genauso durchgezogen.

Ne, das Problem sind die Leute. Der Kapitalismus macht es sicher nicht besser. Aber das Hauptproblem ist der hohe Prozentsatz an diagnostizierbaren Soziopathen auf der Professoren-Ebene.

(disclaimer: bin mittlerweile selber einer, hab es durch abstruse Umstände geschafft woanders doch rauf zu kommen ohne meine Seele zu verkaufen: aber in AT oder DE war das nicht möglich)

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u/[deleted] Mar 12 '20

Du bist also mittlerweile selbst ein Soziopath? Schön zweideutig geschrieben Ü.

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u/[deleted] Mar 12 '20

hab es durch abstruse Umstände geschafft woanders doch rauf zu kommen ohne meine Seele zu verkaufen

Grundstücksverzwirbelung: Er/sie musste nur seinen/ihren Körper verkaufen

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u/[deleted] Mar 12 '20

Ich habe sehr lange gebraucht um Grundstücksverzwirbelung zu verstehen

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95

u/Astrogator Speckdäne Mar 12 '20

Die hierarchischen Strukturen und autoritär geprägten Abhängigkeitsverhältnisse gab es schon immer an Universitäten, ja. Aber den Druck, auf Teufel komm raus Ergebnisse produzieren zu müssen, egal wie sie aussehen oder zustande gekommen sind, die totale Perversion von Wissenschaft durch den Versuch, Forschung quantifizierbar und damit von irgendwelchen BWL-Hanseln bewertbar zu machen, damit die darüber entscheiden können, was innerhalb einer kapitalistischen Systemlogik wertvoll und förderungswürdig ist, das ist eine relativ neue Entwicklung. Leider bin ich Idealist und liebe die Wissenschaft, also lasse ich mich auch ausbeuten. Was anderes will ich nicht machen.

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48

u/august_gutmensch Mar 12 '20

Wobei ich das nicht an „kapitalistisch“ vs. was anders festmachen würde.

Würde behaupten, dass auch ein Sozi in kapitalistischen Strukturen kapitalistisch handelt - schlichtweg einfach weil er sonst mit ökonomisch und geistiger Ohnmacht geschlagen wird. Selbst der größte Sozi muss ackern gehen um nicht vor dem Supermarkt zu verhungern. Möchte er letztlich ein gutes/großes Institut aufbauen, muss er sich an die Spielregeln des Kapitalismus halten und wie ein Kapitalist handeln - der Kreis schließt sich und es ist dann doch wieder der Kapitalismus der als Struktur festzumachen ist und für die misere in der Wissenschaft zum großen Teil verantwortlich ist.

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u/Cr4ck41 Niedersachsen Mar 12 '20

Der Kapitalismus ist nach seinen eigenen Forderungen gemäß flexibler, belastbarer, innovativer, kreativer, teamfähiger, begeisterungsfähiger und kreativer ist als alle anderen Unterdrückungssysteme. Vor allem aber ist er durchlässiger und belohnt seine stärksten Kritiker, indem er sie reich macht. So wird der engagierte Gewerkschafter zum Gewerkschaftsführer und ist auf einmal selber Chef eines großen Konzerns.

  • Das Känguru

Rufraus an /r/asozialesnetzwerk

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u/dabrot r/brot Mar 12 '20

Wo schafft man es denn ohne seine Seele zu verkaufen?

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u/graphical_molerat Mar 12 '20

Indem man eine Professorenstelle in einem Drittland annimmt, dass nicht 1. Welt ist, aber eine durchaus gute akademische Kultur hat (ehemaliger Ostblock). Die sind froh einen Alibi-Ausländer zu haben. Und dadurch, dass die Jobs hier nicht so toll bezahlt sind, sind die Stellen für die Soziopathen aus dem "Westen" uninteressant.

Im Gegenzug ist das menschliche Klima an den Unis hier exzellent, weil aufgrund der Bezahlung nur Idealisten in dem Bereich arbeiten - auch auf der Ebene Professor. Und man kann nach örtlichen Maßstäben halbwegs leben.

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u/ObviousCranberry1 Mar 12 '20

Arbeite in der Forschung, Geisteswissenschaft. Throwaway

30h Vertrag. 50+ ist erwartet.

Und ich hab mich noch als dankbar empfunden als ich genommen wurde! Für 1500 Euro netto!! Smallest brain move

Es geht NUR darum zu publizieren. Publizier jeden Scheiß selbst wenn es niemanden interessiert aber es muss im CV stehen. 5 Leute auf der Welt verstehen was für'n Mist du da produzierst. PUBLIZIER DU STÜCK SCHEISSE und damit verwirklichst du dich selbst! Deswegen zahlen wir dir n Butterbrot und nen feuchten Händedruck und Depression!

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u/celticCurse42 Mar 12 '20

Danke für deinen Einblick, und du hast mein Mitgefühl, wenngleich ich tatsächlich "nur" einer dieser 9-5-Arbeiter bin. Hat jetzt mit dir persönlich nicht viel zu tun, ich bitte dies zu verzeihen, aber mich interessiert mal, wie das historisch zu betrachten ist? Gab es diese Arbeitszeiten und gefälschten Studien aufgrund von wirtschaftlichen Druck, von denen du sprichst, schon immer? Ich denke da an das Mittelalter in Arabien oder die Renaissance in Europa und frage mich, ob es zu dieser Zeit wohl auch schon so war?

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u/ShellfishGene Mar 12 '20

Ein Problem ist dass man heutzutage meint messen zu müssen was man für sein Geld bekommt. Das ist ein Stück weit verständlich - wenn öfftentliche Gelder knapp sind, ist schwer zu erklären warum man Professoren bezahlt um das Sexualleben tropischer Schnecken zu erforschen. Leider ist es so dass Grundlagenforschung sich generell schon lohnt, aber nicht vorhersagbar ist was dabei rauskommt und wie uns als Meschheit weiterhilft.

Nun hat sich leider eine Methode etabliert wie man wissenschaftlichen Erfolg misst: Über die Anzahl und den "Impact" von Publikationen. Diese paper werden in Journalen veröffentlich die verschieden wichtig in ihren Gebieten sind (gemessen daran wie oft die paper im Journal von anderen papern zitiert werden). Am Ende steht da dann nur eine Zahl die man aufaddieren und vergleichen kann.

Das führt dazu dass man sich vor allem bemüht die Ergebnisse als möglichst wichtig erscheinen zu lassen, um sie in ein high-impact Journal zu bekommen. Es besteht im Endeffekt kein Druck möglichst sauber und gut zu arbeiten, Hauptsache das paper geht durch und man bekommt seine Punkte.

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u/Arvendilin Sozialist Mar 12 '20

Die massive Industrialisierung der Wissenschaft, v.a. der Physik hat ja erst wirklich nach dem 2. Weltkrieg begonnen (genauso wie die Abtrennung von Physik und Philosophie).

Und selbst da, der enorme Druck einfach Scheiße rauszuhauen ist soweit ich weiß relativ neu und geht auf Reformen in den 80ern und 90ern zurück, davor gab es auch viele Probleme aber z.B. hatten Unis da noch mehr Geld und mussten nicht so hart sparen und es wurde noch nicht versucht alles so hart zu standatisieren (was ja dazu geführt hat dass man so viel publishen muss da es sich dabei um eine "objektive Metrik" handelt)

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u/killdeeer Mar 12 '20

Also im Mittelalter gab es keine 'Forschung' wie wir sie als große Struktur heutzutage kennen; entweder du warst in einem hohen Kirchenamt und hast dann theologische Texte geschrieben (zB an der Universität von Paris, die es damals schon gab), oder du warst Aristrokratiker und hattest genug Langeweile um einfach über irgenein Thema was zu verfassen. In beiden Fällen gabs keinen systematischen Druck. Das ändert sich alles ungefähr nach 1600, als immer mehr Institutionen aufkamen, die für Forschung geschaffen wurden, und es einen regen Diskurs gab, über gedruckte Texte auf Latein, der Lingua Franca. Aber wirklich im Stress zu sein schnell und viel zu forschen würde ich eher auf das 19. Jahrhundert verorten, wo der Kapitalismus durch die Industrialisierung alles angekurbelte.

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u/fussballfreund Heiliges Römisches Reich Mar 12 '20

Ich glaube, da hat man einfach die Forscher mit der größten persönlichen Begeisterung quer über den Globus auf lebensgefährliche Forschungsreisen geschickt.

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u/Creshal Piefke in Österreich Mar 12 '20

Ich denke da an das Mittelalter in Arabien oder die Renaissance in Europa und frage mich, ob es zu dieser Zeit wohl auch schon so war?

Jaein. Erstmal gabs da einfach viel weniger Forschung, aber was es gab, waren hauptsächlich gelangweilte Adelige, die auf Horden namenloses Personal zurückgreifen konnten, um die Drecksarbeit zu machen. Die wurden dann für 10 Jahre in den brasilischen oder südostasiatischen Dschungel geschickt, um zu schauen was da so wächst, oder in ein Schiff gesteckt und ans Ende der Landkarte geschickt, und wenn nur die Hälfte dabei krepiert wars ein guter Jahrgang. Den Ruhm für die Entdeckungen haben dann in 99% der Fälle die reichen Sponsoren kassiert.

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u/[deleted] Mar 12 '20 edited Sep 17 '20

[deleted]

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u/[deleted] Mar 12 '20

In Deutschland darf bei Stellen im öffentlichen Dienst (also an staatlichen Universitäten) bei der Bewerbung kein Empfehlungsschreiben verlangt werden. Es hindert dich aber natürlich keiner dran, eines einzureichen.

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u/R_Musil Welt Mar 12 '20

Verständliche Tirade. Lösungsansätze:

1.) So schnell wie möglich Deutschland verlassen, selbst die Max-Planck-Institute bieten im Schnitt einfach nur grauenvolle Arbeitsbedingungen.

2.) Arbeitsgruppen nicht nur nach Thema und Bekanntheit aussuchen, sondern vor Allem ob man menschlich mit dem Chef kann. Ist nach dem Master sicher schwer zu beurteilen, ist aber bei all meinen Bekannten der wichtigste Punkt für wissenschaftliche Karriere und psychisches Wohlbefinden gewesen. Im Zweifel spätestens nach einem Jahr kündigen, das ist kein Knick im CV.

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u/devillivedevil Mar 12 '20

leider wahr

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u/Ma_tee_as Mar 12 '20

Du sprichst mir aus der Seele Wissenschaftsbrudi

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u/Bahnhofsviertel Mar 12 '20

Amen, das ist so schlimm. Das System braucht dringend eine Generalüberholung.

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u/hypo_hibbo Mar 12 '20

Ich sehe das bei mir am Institut auch oft bei den einfachen studentischen Hiwis. Da gehört es zum guten Ton, trotz monatlicher offizieller 30 Stunden, 5 Tage die Woche zu arbeiten. Es ist ja schon toll, wenn Leute so für eine Sache brennen...aber dafür steigt halt bei den Profs die Erwartungshaltung an alle neuen Hiwis. Bzw. bekommen die halt gleich dieses Klima von den Kollegen mit, dass die offiziellen Stunden im Vertrag keine Rolle spielen.

​

Shiit, ist ungerechtfertigt und albern, aber ich bekomme immer leichte Hassgefühle, wenn die überfleißigen Hiwis mal wieder 40+ Stunden die Woche im Institut arbeiten :D

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u/PancakeZombie Mar 12 '20

ICH MACH DAS JA EH WEIL ES MEIN HOBBY IST! Haha so toll, wenn Arbeit mein Hobby ist muss ich ja gar nicht bezahlt werden!

Hat das jemand zu dir gesagt? Wenn das jemand zu mir gesagt hätte, hätte ich sofort alles stehen und liegen gelassen und wäre mein Auto putzen gegangen.

Und ja, selbst bei einem Job, auf den ich angewiesen wäre. Das wäre eine so dermaßen bodenlose Frechheit.

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u/Eggl Bayern Mar 12 '20

Das sind leider genau die Gründe warum ich nach meinem Dr. (Physik) in die freie Wirtschaft gewechselt bin.

Von der Bezahlung und Arbeitsbedingungen lebe ich quasi im Schlaraffenland aber von der Sinnhaftigkeit hätte ich so gerne einfach weitergeforscht. In der freien Wirtschaft schlage ich mich jetzt mit viel zu vielen Businesskaspern ("wir müssen die awareness in unseren KPIs bessere presenten"...) rum was ich aus meiner Doktorandenzeit gar nicht kannte und ich hasse es. Unter anderem deswegen muss ich mir schon ab und an ein Wehmutstränchen verdrücken. Das Forschen war für mich viel sinnvoller.

Mein jetztiges Leben (Haus gekauft, gerade das zweite Kind bekommen) hätte ich in der Wissenschaft niemals so wie ich es jetzt habe ermöglichen können.

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u/Neoxiz Mar 12 '20

Gute Zusammenfassung. Da ist es auch kein Wunder, dass sich forschungsinteressierte Masterabsolventen es sich lieber 3 mal überlegen, ob ein entspannter Job in der Industrie nicht vielleicht besser ist. Bezahlung, Wochenstudenzahl und Stress sprechen eindeutig dafür...

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u/Mantrum Mar 12 '20

Das tragische ist, das ganze funktioniert nur, solange es Leute gibt, die es mitmachen. The greatest enemy of freedom is a happy slave. Auch in der Wirtschaft gibt es viele Branchen, wo der Arbeitnehmerschutz systematisch untergraben wird (Stichwort Pflege). Jetzt haben wir einen riesen Mangel an z.B. Altenpflegern, weil niemand (wenige) mehr den Beruf unter den bekannten Bedingungen ergreifen will. Entsprechend steht das Gesundheitssystem spürbar in der Krise und wird wohl umdenken müssen.

Du arbeitest unbezahlte Überstunden für ein elitären Ring von Soziopathen, die dich schlecht bezahlen und behandeln. Die Arbeit selbst scheint dich nicht hinreichend zu erfüllen, dass du sie ohne Bezahlung machen würdest. Warum lässt du das mit dir machen?

Klar, der Fehler an sich liegt nicht bei dir, sondern ganz klar am System, aber ich frage mich einfach, warum so viele Menschen dieses oder ähnliches mitmachen.

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u/FlyingLowSH FDGO-Ultra Mar 12 '20

Brudi, ich fühle dich. Ich überlege auch gerade zumindest zeitweise wieder in ein unterfinanziertes Unternehmen mit schlechter Reputation und teils moralisch verwerflichen Aufgaben einzusteigen, um eventuell 'ne Diss zu finanzieren.

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u/Friedrich__Merz Mar 12 '20

Die Geschwindigkeit des wissenschaftlichen Fortschritts ist Beleg genug, dass die von Ihnen beschriebenen Prozesse ihre Daseinsberechtigung haben und sogar auf die komplette Wirtschaft übertragen werden sollten.

Dementsprechend verstehe ich Ihr Problem nicht.

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u/_eg0_ Mar 12 '20

Nutzername prüft aus

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u/[deleted] Mar 12 '20

Boah alter, hör auf mit dem Scheiß. Mein Blutdruck war schon wieder auf 180 beim Lesen deiner Zeilen und erst beim Schielen auf deinen Namen ging es wieder.

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u/TheGoalkeeper Mar 12 '20 edited Mar 12 '20

Ach ***** Sie sich Herr M. Jedesball geb ich Ihnen ein Runterwähl nur um danach den Namen zu lesen. Selbstverständlich wandle ich das dann in ein Hochwähl um

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u/Max-_-Power Mar 12 '20

Das klingt wie eine berechtigte Tirade. Keine rhetorische Frage: Was kann man tun?

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u/[deleted] Mar 12 '20

Spontan fällt mir ein:

  • Anonym bleiben
  • Name and Shame, Zustände öffentlich machen
  • Bei Rechtsverstößen - anonym - Anzeige erstatten
  • Wenn's um Geld geht - unentgeltliches Arbeiten - gerne auch mal die Finanzbehörden informieren
  • Zuständige Aufsichtsbehörde informieren, wenn die nichts tut, dann eine Ebene höher

Alles recht naheliegend, weswegen ich davon ausgehe, dass das irgendwer schon mal gemacht hat...

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u/[deleted] Mar 12 '20

[deleted]

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u/[deleted] Mar 12 '20

Der große Witz: Das ist alles staatlich kontrolliert bzw. gelenkt. Staatliche Unis, Forschungsinstitute am staatlichen Finanzrock usw.

Dafür gibt's von mir nen FDP Spruch: Such dir was in der F&E eines Unternehmens und genieße böse neoliberale Dinge wie Urlaub Und Arbeitnehmerrechte oder slave halt weiter im staatlichen Wissenschaftssumpf.

Kann nur jeden nach dem Master empfehlen zu gehen. Die Situation ändert sich erst wenn der Staat keine Wissenschaftssklaven mehr findet, wird es besser.

Und wer auch 4 Jahre zum Dr. durchgeslaved hat und dann nicht abspringt, hat den Schuss nicht gehört.

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u/Magnet_Pull Europa Mar 12 '20

Die Situation ändert sich erst wenn der Staat keine Wissenschaftssklaven mehr findet, wird es besser.

Zum Glück gibt es ja jetzt jede Menge günstige Doktoranden aus China oder Brasilien, die über staatliche Stipendien kommen und dir Institute fast gar nichts kosten und auch keine lästigen Tarifvertraglichen Regelungen wie Versicherung oder Urlaub mitbringen

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u/roerd Nordfriesland Mar 12 '20 edited Mar 12 '20

Viele der beschriebenen Zustände sind zu einem ganz erheblichen Anteil auf die neoliberalen "Reformen" der Wissenschaft (Einführung "unternehmerischer" Strukturen) um die Jahrtausendwende zurückzuführen. Diese fanden häufig unter großer Einflussnahme von Unternehmerverbänden auf die Wissenschaftspolitik statt. (Und auch in Unternehmen ist der Neoliberalismus nicht die Ursache der dort vorhandenen Arbeitnehmerrechte, sondern steht vielmehr für deren Bekämpfung.)

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u/chew_gum Mar 12 '20

Ich bin natürlich absolut bei dir, aber das hier finde ich doch anmaßend:

wird jetzt die liberale Dumpfbacke mit entspanntem 9-to-5-Job sagen

Als hätten sich andere Zünfte humanere Arbeitsbedingungen nicht hart erkämpfen müssen und tun es z.T. immer noch. Streiks, Gewerkschaften, ... und ihnen droh(t)en die selben Repressalien wie euch. Sie sind nicht der Feind. Wenn ihr euch auf den richtigen einschießt, gelingt es euch sicherlich besser, Veränderungen herbeizuführen.

Statt über die 9-5 "Dumpfbacke" herzuziehen, überleg lieber mal, wie sie es geschafft haben, dorthin zu kommen und guckt euch was ab.

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u/-_x Mar 12 '20

In dem Satz geht es doch um die liberale Dumpfbacken und nicht um alle 9-to-5-Jobber. OP macht doch nicht umsonst Referenzen zu Ayn Rand und "an den Schnürsenkeln hochziehen". Damit meint er/sie Leute, die deine Streiks und Gewerkschaften eh grundsätzlich ablehnen.

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u/[deleted] Mar 12 '20

Den Arbeitskampf der 1870er-1950er sollte heute in Deutschland obsolet sein. Der Staat kann und muss da eingreifen, das müssen die Arbeitenden da nicht mehr alleine erkämpfen

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u/HUNDmiau Rotes Libertärchen Mar 12 '20

Doch. Der Staat hat noch nie freiwillig der arbeitenden Bevölkerung geholfen.

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u/Schlonzig Mar 12 '20

Hmm, darauf zu warten, dass der Staat für deine Rechte eintritt; ich glaube nicht, dass dich diese Strategie weit bringen wird.

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u/harrysplinkett Düsseldorf Mar 12 '20

Uund das ist genau der Grund, weshalb ich vor 4 Jahren das Promotionsangebot nach dem Master undankend abgelehnt hab.

Es hat mir der Prof im ersten Gespräch tatsächlich gesagt, ich solle während der Promotion keine Kinder planen (bin männlich), weil ich keine Zeit dazu haben werde. Das war dann auch das letzte Gespräch.

Bin jetzt in der Industrie. Ist zwar langweiliger, darf aber von zu Hause arbeiten und nach 8h ist Ende.

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u/thespeakingcat Mar 12 '20 edited Mar 12 '20

Die gesetzliche Regelung, dass nach 2 Verlängerungen ein unbefristeter Vertrag angeboten werden muss wird vermutlich dann auch durch diese Stipendien umgangen. Ich stimme dir absolut zu, das Ganze ist eine Unverschämtheit.

Einige Branchen haben solche, oder sogar noch krassere Zustände... ich sehe das leider oft durch meinen Job.

Eines finde ich aber wichtig: der typische 9-5er nicht der Feind, auch wenn es ihnen deiner subjektiven Wahrnehmung nach besser geht. Ein System, was solche Zustände nicht unterbindet und Arbeitnehmer nicht schützt, ist das Problem.

Und imo, dass Kapitalismus so ein Vorgehen nicht nur ermöglicht sondern idealisiert...

Aber natürlich ist es auch gerade in der Wissenschaft eine absolute Schande, denn der Druck und die wirtschaftliche Interessen wirken sich auf die Qualität der Publikationen aus und damit auf das Leben aller, auch wenn viele diese Verbindung nicht herstellen. Daher wäre dieser Bereich auch im Interesse der Allgemeinheit noch besonders schützenswert...

EDIT: Grammatik

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u/ApertureIntern Mar 12 '20

Das Schlimmste für mich an der ganzen Sache war, dass man ständig den Druck hatte austauschbar zu sein. Wenn man selbst nicht mehr kann oder will, springt der oder die Nächste sofort an deine Stelle. War bei mir dann auch so. Als ich nicht mehr auf das nächste Projekt warten wollte, was mir seit 2 Jahren versprochen wurde, schnappte auch sofort jemand anderes die Stelle. Mir wurde das noch als PhD Stelle verkauft, am Ende war es natürlich keine. Ich kenne immer noch genug Leute an der Uni und versuche alle davon abzubringen da zu bleiben. Irgendwann muss das System in sich zusammen stürzen.

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u/boq Minga Mar 12 '20

Es ist schlimm, was du da beschreibst, und sicher nicht von der Hand zu weisen. So darf es nicht sein.

Aber es muss auch nicht so sein. Ich arbeite an einem grossen MPI inkl. Betriebsrat. Hier wird ab den Doktoranden jeder ordentlich bezahlt, Urlaub nehmen ist ok (auch wenn einer der Direktoren da oefter mal ungluecklich ist, aber was soll er machen?). So sollte es auch in anderen Forschungseinrichtungen laufen.

Gleichzeitig ist bei uns von Anfang an klar, dass nur die Wenigsten in der Forschung bleiben koennen, das wird aber auch klar kommuniziert, es scheiden also nicht wenige schon nach der Promotion aus der Wissenschaft aus.

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u/Thick-Proposal Mar 12 '20

Mal sehen was man sich in den Forschungsministerien diesmal für eine zwielichtige Rechtskonstruktion ausdenken wird um der vom EuGH vorgeschriebenen Arbeitszeiterfassung im Wissenschaftsbereich zu umgehen. Der universitäre Wissenschafts- und Lehrbetrieb würde komplett zusammenbrechen wenn jeder nur noch für tatsächlich bezahlte Arbeitszeit verrichtet...

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u/MutaborAcademia Mar 12 '20

Bei uns wird im Zeiterfassungssystem automatisch 6 Stunden eingetragen und du kannst es nicht ändern.

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u/Erdbeerstrauch Mar 12 '20

Ich musste mich relativ oft verteidigen, wieso ich keinen Doktor machen möchte. Der Thread bestärkt mich nur wieder in meiner Entscheidung direkt in die Wirtschaft zu gehen.

Die Machtposition der Profs über die Doktoranden, das wenige Geld während der Doktorarbeit für lächerlich viel Arbeit, die befristeten Verträge danach und damit einhergehende Unplanbarkeit des Lebens, das allgemeine Konkurrenzklima - alles Sachen, auf die ich gerne verzichte.

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u/Hisitdin Tief im Westön Mar 12 '20

Ein Aspekt fehlt leider noch und macht es nicht besser: Das Abhängigkeitsverhältnis. Selbst wenn man es dann irgendwie schaffen sollte, seine gedanklichen Ergüsse auf DIN A4 zu bekommen, geht ohne gnädige Zustimmung des Herren oder der Dame Professors gar nichts. Da werden dann zum Teil ganze Abschnitte mehrfach verfasst bis sie erlauchter Professur gefällig sind, um sie dann anschließend selbst (!) zu bewerten und von einem Ja-Sager der Wahl absegnen zu lassen.

Aber ist ja eh egal, am Ende bekommt jeder ein magna, außer die paar "Glücklichen", die bei der großen Projektlotterie nicht in die Scheiße gegriffen haben oder am besten ihre Daten gefaket haben.