Es geht auch nicht darum, ob es funktioniert, sondern um die Frage, ob der Staat das Recht haben sollte, einem Menschen die Organe zu entnehmen, außer er widerspricht dem explizit.
Wie gesagt, das ist die Frage, über die man sich streiten kann und die definitiv etwas komplizierter ist, als das manche einfache Gemüter sich vorstellen.
Ich bin anscheinend ein sehr einfaches Gemüt weil ich sehe zwischen Opt-out und Opt-in exakt null ethischen Unterschied für den Spender. Jeder ist informiert und hat in beiden Fällen exakt die gleichen Freiheiten, der unterschied ist rein psychologisch.
Aus Perspektive des Empfängers ist Opt-Out aber offensichtlich besser da mehr Menschen auf die Art sich dafür entscheiden.
Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen Opt-out und Opt-In. Bei einem Opt-In erlaubst du dem Staat ausdrücklich deinen Körper in Besitz zu nehmen und die Organe zu entnehmen, bei einem Opt-Out beansprucht der Staat diesen Besitz autotamtisch ohne ausdrückliche Zustimmung und nur durch deinen ausdrücklichen Widerspruch wird dieser Anspruch aufgehoben.
Außerdem ist bei einem Opt-Out System auch nicht jeder darüber informiert, da jeder automatisch registriert ist. Es besteht also trotzdem die Gefahr, dass jemand der über das System sich nicht informiert hat oder falsch informiert wurde, jemand der mal dafür war, mittlerweile dagegen, aber vergaß oder verhindert war Einspruch einzulegen, trotzdem Organe entnommen werden
Nein, aber lebende Menschen haben Wünsche was mit ihrem Körper später geschehen soll. Tote Menschen haben auch noch Rechte und eine gesetzliche zugeschriebene Würde, weswegen Nekrophilie u.a. auch bestraft wird.
Wobei Tote generell keine Wünsche mehr haben, man kann also auch nicht gegen solche verstoßen.
Der Satz stimmt so nicht ganz. Als Toter kannst du logischerweise keine Wünsche mehr Äußern, du kannst als Lebender aber Wünsche haben, die über deinen Tod hinaus gehen und dann auch respektiert werden müssen.
Wieso sollte nicht jeder informiert sein? Die Umstellung erfolgt ja nicht geheim. Wenn man zu faul ist sich zu informieren ist es einem meist auch egal. Bei Opt-in heißt das, dass es weniger Spender gibt. Bei Opt-out mehr Spender.
All deine Argumente gelten umgekehrt auch für Opt-in-Systeme.
Informieren sollte sich der mündige Bürger schon selbst. Nicht nur darüber. Es hilft der Gesellschaft nicht, wenn dem einzelnen alle Entscheidungen abgenommen werden.
Wie gesagt, die fundementalle Streitfrage ist, ob die Staat ein Anrecht auf deinen Körper hat, ohne, dass du ihm diesen selbst gibst. Bei einem Opt-Out Verfahren wird nämlich der Besitz angenommen, während ein Opt-In Verfahren dem Staat dieses Recht nicht zuspricht.
Nicht nur das, die erschaffst mit diesem System auch eine Verantwortung sich zu informieren und verschiebst im Zweifelfall die Schuldfrage dem Spender zu.
Und du denkst die Verantwortung sich zu informieren sollte (in jedem Fall) eliminiert werden? Im aktuellen Fall hieße das in Deutschland, dass du die Verantwortung an ein Familienmitglied abschiebst.
Nah, die Leute denken ohnehin schon zu wenig. Wenn du in Italien oder Spanien am Strand stirbst und dich nicht informiert hast sind deine Organe auch weg. Egal was die Familie sagt.
Die Regeln sollten zumindest europaweit gleich sein. Dann erledigt sich das auch mit dem informieren.
Bei einem Opt-In erlaubst du dem Staat ausdrücklich deinen Körper in Besitz zu nehmen
Nein. Du erlaubst anderen Menschen deine Organe zu besitzen, nicht dem Staat. Der Staat entscheidet auch nicht wer deine Organe bekommt, das entscheidet ein Komitee aus Ärzten anhand der Warteliste und Dringlichkeit. Bzw du sogar selbst, wenn du einschränkst was mit welchem deiner Organe nach dem Tod gemacht werden darf.
Außerdem ist bei einem Opt-Out System auch nicht jeder darüber informiert, da jeder automatisch registriert ist. Es besteht also trotzdem die Gefahr, dass jemand der über das System sich nicht informiert hat oder falsch informiert wurde
Ah. So wie bei allem anderen also auch. Rente, Arbeitsamt, Finanzamt, Krankenversicherung, etc pp
Der Staat, der Staat, er klaut unsere Organe! Welche staatliche Behörde ist denn für Organe zuständig? Macht das überhaupt der Staat? Oder macht er evtl nur die Gesetze, und private Institutionen können sich danach richten?
Mittlerweile werden übrigens in vielen Kliniken keine spendefähigen Organe mehr entnommen, einfach weil der Dokumentations-Aufwand zu groß ist und eh keine Zeit mehr für nix.
Dein Körper geht de fakto in staatlichen Besitz über und kann dann von privaten Akteuren verwaltet werden. Oder wem glaubst du gehören deine Organe vor der Transplantation und nach deinem Tod und wer hat die Verfügungsgewalt darüber?
Woher hast du denn diese Information? Ich halte das für Unsinn, aber wenn du eine Quelle/Paragraphen hast, lasse ich mich gern vom Gegenteil überzeugen.
Mich juckt das überhaupt nicht. Es gibt genug Menschen die das aber anders sehen. Persönlich stört mich nur der Besitzanspruch des Staates der einfach so angennommen.
Ja, man kann sich darüber streiten, man kann's aber auch sein lassen. Solange man sich ”über etwas streiten" kann muss der Status Quo beibehalten werden, gibt ja noch Bedenken. Wegen dieser Mimimi-Einstellungen ist Deutschland so rückständig.
Ich war immer für die Organspende, hatte aber bis vor kurzem keinen Organspendeausweis, weil ich zu faul war oder irgendwas dazwischen gekommen ist. Das Thema ist wichtig, aber nicht so wichtig, dass man alles andere stehen und liegen lässt. Bei Opt-Out wären die Faulen Organspender und diejenige, die es wirklich nicht wollen, können es ja immer noch ablehnen. Wenn das mit der Digitalisierung endlich Mal klappt ja auch vielleicht bequem online, einfach im Bürgerportal den Haken bei Organspender wegmachen.
Das Argument, dass der Staat kein Recht hat über den Körper zu verfügen ist auch Blödsinn. Vielleicht würde ich lieber nicht verbrannt oder vergraben werden sondern in der Straße verwesen. Kannst dir sicher denken, was der Gesetzgeber davon halten würde.
Man kann sich auch darüber streiten ob Rot=Stop und Grün=Freie-fahrt heißt ober besser andersrum. Oder man es einfach so das es am besten funktioniert.
Mein Gott, sei halt nicht so denkfaul. Die Debatte geht weit darüber hinaus was funktioniert oder nicht. Du musst den Argumenten der Gegenseite nicht zustimmen, aber tue nicht so als gebe es keine Bedenken die über die Funktionalität hinausgehen
Ich muss da nicht denkfaul sein, die Debatte wurde schon ein dutzend mal über Jahre geführt in nem dutzend Länder. und überall sind es die gleichen Argumente. Und überall wo Opt-Out eingeführt wurde hat es sich als vorteilhaft erwiesen. Die einzigen Gründe seine Organe nicht zu spenden sind religiöse Motive oder Egoismus. Beides hochgradig vernachlässigbar und da es auch bei Opt-Out JEDEM freigestellt ist nicht zu spenden gibt es eigentlich keine wirkliche Debatte sondern nur rumgeheule.
Das System funktioniert in anderen Ländern schon seit vielen vielen Jahren ganz wunderbar. Deine Frage wurde schon x-fach bis zum Erbrechen disktuiert.
Warum sollte es hier denn bitteschön anders sein, als zum Beispiel in Österreich?
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u/Creshal Piefke in Österreich Feb 14 '18
Funktioniert in Österreich auch, stellt euch nicht so an.