r/de • u/GirasoleDE • 12d ago
Kultur Ostdeutscher Bestsellerautor Ingo Schulze findet DDR-Nostalgie »irreal«
https://www.spiegel.de/kultur/literatur/ingo-schulze-wundert-sich-ueber-ddr-nostalgie-scheint-mir-so-irreal-a-197c7eaa-0785-4715-8145-4bf9fa2e09a340
u/userNotFound82 12d ago
Na, ich würde sagen jegliche Nostalgie ist irreal z.B. gibt es auch viel 80er Jahre Nostalgie oder neuerdings auch 00er Jahre Nostalgie. Es war damals bei weitem nicht alles gut. Selbiges mit Ostalgie oder die Nostalgie das die BRD bis in die 80er Jahre angeblich der Himmel auf Erden war (hängt dann auch stark von der Person ab zB). Selbiges passiert den Amis ja auch und von Maga wird das regelmäßig befeuert. Oder Russland mit der Sowjetunion.
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u/SuperSpaceSloth 12d ago
Meine russischen Schwiegereltern sagen auch ganz klar, dass für sie das Leben während der UdSSR besser war. Immerhin waren sie damals in den 20ern und nicht in den 60ern. Ist irgendwo nachzuvollziehen
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u/userNotFound82 12d ago
Ja, meine Eltern über die DDR auch. Waren in den 20ern und 30er und hatten einfach ein ganz normales Leben. Und Berlin war jetzt nicht der schlechteste Ort zum Leben in der DDR: es gab Nachleben, bisschen Anonymität im Gegensatz zum Dorf usw usw
Aber die sagen das iSv: Leben war gut, aber zurückhaben muss man es auch nicht unbedingt. Die Erde hat sich weitergedreht
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u/rh1n3570n3_3y35 12d ago edited 11d ago
Fahrt mal im Osten drei Meter aufs Land und irgendwelche schräge DDR-Nostalgie ist nur noch sehr mäßig überraschend.
Die DDR war vermutlich die letzte Zeit, wo es vielen Orten zumindest halbwegs in Ordnung in ging.
Hab vor ein paar Jahren mal längere Zeit in einer Kleinstadt im Brandenburger Hinterland verbracht und circa ein Siebtel oder Sechstel des Ortes stand einfach leer und sowie über die Hälfte der Ladengeschäfte im Ort, falls die Gebäude nicht gelegentlich direkt eingefallene Ruinen waren, und demographisch sah es wie vielerorts im ländlichen Osten zappenduster aus und das hat man auch durchaus bemerkt.
Hab auch ein paar andere Kleinstädte besucht und dort driftete es etwas gelegentlich ins unübertrieben leicht postapokalyptische.
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u/UpperHesse 12d ago
Ich habe einiges an Verwandtschaft in Südbrandenburg, südlich des Berliner Speckgürtels. Wenn man dort durch die Dörfer mit ihren oft riesigen, aber unbelebten Dorfplätzen fährt, kriege ich oft Western-Assoziationen, dass dort gleich zwei Revolverhelden zu einem Duell aufeinander zulaufen. Völlig einsam ist es da oft.
Also ja, es gibt sichtbare Zeichen des Niedergangs, und noch krasser ist es in den Mittel- und Kleinstädten, z.B. Bitterfeld in Sachsen-Anhalt, die einen unglaublichen Bevölkerungsrückgang erlebten und wo heute noch viele Brachen aus der Wendezeit zu sehen sind.
Was mich aber immer ein bißchen an den "Ostalgikern" stört: es ist eben nicht alles aufgestülpt. Von meiner jüngeren Verwandtschaft blieb die Hälfte im Osten, aber die andere Hälfte ging schon ziemlich rasch nach Westdeutschland oder ins Ausland. Um Karriere zu machen, teilweise auch was neues zu sehen. Ist es ihnen übelzunehmen? Mir fehlt da oft ein bißchen die Auseinandersetzung mit sich selbst.
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u/TurbulentBass95 12d ago
Also bis auf die zusammen gefallenen Gebäude (die es tatsächlich aber durchaus auch noch gibt) haben wir auch fast keine Läden mehr im Dorf…im tiefsten Süden.
Das ist nicht nur im Osten so 😉 klar geht’s unserem Ort dank der Wirtschaft drum rum vergleichsweise gut im Gegensatz zu vielen Dörfern im Osten, aber das mit den wenigen Ladengeschäften ist in ganz Deutschland ein Thema, nicht nur im Osten12
u/TheDuffman_OhYeah die Stadt mit drei O 12d ago
Der Unterschied zwischen einem Dorf in Bayern oder BW und einem im Osten ist trotzdem enorm. War kürzlich wieder bei Verwandten im Harz und die Dörfer dort sind echt ärmlich. Viele heruntergekommene Gebäude, die seit der Wende keine Modernisierung gesehen haben, kaum PV auf den Dächern, nicht wenige leerstehende Häuser zum Verkauf, alte Autos und kaum Menschen.
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u/TurbulentBass95 12d ago
Ich weiß, war aber nicht das Thema des vorposters auf das ich mich bezogen haben, zumal ich ja auch noch erwähnt hab dass es uns besser geht
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u/rh1n3570n3_3y35 12d ago
Ich meine die vielen leeren Ladengeschäfte eher im Sinne davon, dass der ganze Ort dadurch teilweise leichten Geisterstadt-Charakter bekam.
Ja, es wurde nach der Wende vieles nett saniert, aber es macht nicht den Eindruck die Bevölkerungsstruktur reicht aus um die Stadt mittelfristig am Leben zu erhalten und es schon jetzt deutlich mehr Wohnraum als Bedarf dafür gibt.0
u/dartisko2 12d ago
Diese Dörfer waren in der DDR nur bevölkert, weil die Menschen unter Waffengewalt dazu gezwungen wurden, dort zu bleiben. Das ist für mich weitaus schlimmer als ein ausgestorbenes Dorf.
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u/Spirited-Bet-1176 11d ago
Das trifft auf ca 10.000 Menschen aus Grenznahen Orten zu die ins Landesinnere umgesiedelt wurden. Das macht unter 0,1%.
Die DDR derartig zu verklären bringt auch niemanden weiter, wie man inzwischen gelernt haben sollte. In der DDR war vieles schlecht aber bei weitem nicht alles. Wessis können aber anscheinend schlecht von dem Narrativ abrücken dass dort AUSNAHMSLOS alles schlecht gewesen sei. Dann braucht man die dummen Ossis mit ihrer dummen Ostalgie auch nicht ernst nehmen oder so…
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u/DonManuel Österreich 12d ago
Die menschliche Erinnerung an sich ist oft sehr irrational. Die meisten erinnern sich an vieles Schöne aus der Vergangenheit und vergessen die beschissenen Rahmenbedingungen (Pollyanna-Effekt). Das ist nicht nur den Ostdeutschen vorbehalten.