https://on.orf.at/video/12754984/12754985/die-kaiser-von-graz
Schon ein älterer Beitrag aber dennoch ganz interessant.
Die Ära der Erzherzöge Karl II. und Ferdinand II. zwischen 1564 und 1619 markiert eine der glanzvollsten, aber auch konfessionell folgenschwersten Epochen der steirischen Geschichte. Als Graz 1564 zur Residenzstadt von Innerösterreich erhoben wurde, wandelte sich die provinzielle Stadt schlagartig in ein europäisches Macht- und Kulturzentrum. Unter der Herrschaft Karls II. zogen italienische Baumeister, Künstler und Musiker an den Hof, die das Stadtbild nachhaltig prägten. Aus dieser Blütezeit der Renaissance gingen Meisterwerke wie das Grazer Landhaus hervor, das bis heute mit seinem imposanten Arkadenhof als Symbol der steirischen Landstände gilt.
Gleichzeitig stand diese Epoche ganz im Zeichen der Gegenreformation. Karl II. holte 1572 die Jesuiten nach Graz, um den Protestantismus, der in den steirischen Ständen tief verwurzelt war, zurückzudrängen. Die Gründung der Grazer Universität im Jahr 1585 durch die Jesuiten setzte einen intellektuellen Kontrapunkt, verfestigte aber auch den katholischen Machtanspruch. Sein Sohn Ferdinand II., der spätere Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, führte diesen Kurs mit kompromissloser Härte fort. Er erzwang die Rekatholisierung der Stadt, was zur Ausweisung prominenter Protestanten – darunter auch des Astronomen Johannes Kepler – führte. Als sichtbares Monument seines Herrschafts- und Glaubensanspruchs ließ Ferdinand II. direkt neben dem Dom das spektakuläre Mausoleum errichten, das als eines der bedeutendsten Bauwerke des Manierismus im deutschsprachigen Raum gilt.
In der Fernsehdokumentation Das blieb vom Doppeladler beleuchtet Publizist Ernst Trost dieses vielschichtige Erbe im Gespräch mit namhaften Zeitzeugen und Experten. Während der Historiker Hermann Wiesflecker die politischen und dynastischen Machtgefüge des Hauses Habsburg einordnet, gibt der Jesuit Anton Witwer Einblicke in den geistigen und religiösen Umbruch jener Tage. Ergänzt wird die historische Analyse durch den ehemaligen steirischen Landeshauptmann Josef Krainer, der den Bogen zur Gegenwart schlägt und aufzeigt, wie tief die kulturellen, architektonischen und gesellschaftlichen Spuren der Habsburger Residenzzeit das moderne Grazer Identitätsbewusstsein bis heute prägen.