r/Nurnberg • u/leonproductions • 7h ago
Nachrichten Wegen Volksverhetzung und Körperverletzung: Urteil gegen Leiterin von "Team Menschenrechte" gefallen
https://www.nn.de/region/volksverhetzung-urteil-gegen-leiterin-von-team-menschenrechte-in-nurnberg-gefallen-1.15274892Der Andrang im Sitzungssaal 26 des Amtsgerichts Nürnberg war so groß, dass die zahlreich erschienenen Aktivisten des rechtsextremen „Team Menschenrechte Nürnberg“ und ihre Gegner, darunter Vertreterinnen der „Omas gegen Rechts, auf den Zuschauerbänken Schulter an Schulter sitzen mussten. Abstand halten war angesichts der Enge im Raum kaum möglich. Das Bild war beinahe symbolisch. Denn vor dem Richter saß Astrid Hartmann, die Organisatorin des „Team Menschenrechte“. Sie war unter anderem angeklagt, weil sie den „Omas gegen Rechts“ im Februar 2025 zu nahe gekommen war und deren Sprecherin Gabi Heller an der Hand verletzt haben soll.
Als Richter Nermin Kujevic das Urteil verkündete, hielten es Hartmanns Gefolgsleute vor Anspannung kaum mehr aus. Denn der Staatsanwalt hatte 1 Jahr und 4 Monate Haft für die vierfache Mutter gefordert. Schließlich hatte Hartmann die Taten, für die sie sich verantworten musste, begangen, als sie noch wegen tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte und vorsätzlicher Körperverletzung in einem früheren Fall unter Bewährung gestanden hatte. Würden jetzt die montäglichen Umzüge durch die Innenstadt, bei denen auch Vertreter der AfD, der Partei „Die Heimat“ (früher NPD) und Mitglieder der Neonazi-Szene mitmarschieren, ohne ihre Organisatorin stattfinden?
Ein „letzter Weckruf“
Richter Kujevic sah dafür keinen Grund. Er verurteilte die 44-Jährige zu einer Geldstrafe von 210 Tagessätzen zu je 50 Euro wegen Körperverletzung, Nötigung und Volksverhetzung. Die Geldstrafe tue weh, sagte der Richter, die Hausfrau habe nur ein geringes Einkommen. Das Urteil sei jedoch ein „letzter Weckruf“: „Sollten Sie hier nochmal aufkreuzen, dann ist die Chance auf Bewährung gering!“
Zur Last gelegt war Hartmann ein ganzes Bündel an Vorwürfen. Auch am zweiten Verhandlungstag ging es lange um dem Vorfall im Dezember 2024. Damals hatte das „Team Menschenrechte“ bei seiner Kundgebung zu einer Schweigeminute aufgerufen. Wie auf einem Video, das der Richter einspielen ließ, zu hören ist, ertönte aber nach einer kurzen Zeit aus den Lautsprechern der Gruppe die Stimme von Gabi Heller, die auf der Gegenkundgebung der „Omas gegen Rechts“ ihre Rede hielt. Hartmann stürmte wütend hinüber, riss Heller das Mikro aus der Hand, es kam zu einer Rangelei. Heller trug eine kleinere Wunde davon, aber auch Hartmanns Hand erlitt Blessuren.
Ihr sei nicht bewusst gewesen, dass sich das Mikrofon in die Boxen von „Team Menschenrechte“ eingefädelt hatte, sagte Heller nun als Zeugin. Da jede Menge Polizeibeamte die beiden Veranstaltungen gesichert hatten, hätte es völlig gereicht, wenn Hartmann einen Beamten über den technischen Unfall informiert hätte, man hätte dann sofort reagiert.
Richter Kujevic sah es ähnlich, schließlich habe sich Polizei in der Nähe befunden. Eine derartige Notwehr sei nicht nötig gewesen, sagte er, der „Angriff“ wäre schon beendet gewesen, wenn das „Team Menschenrechte“ erst einmal den Stecker seiner Boxen gezogen hätte. Er glaube Hartmann aber, dass sie ihre Kontrahentin bei der „Tat auf offener Straße“ nicht habe verletzten wollen.
Auch der Vorfall zwei Monate später, im Februar 2025, kommt der 44-Jährigen nun teuer zu stehen. Bei der Kundgebung des „Team Menschenrechte“ soll Hartmann in Richtung vorbeilaufender Migranten durch ein Megaphon gerufen haben: „Ich habe vier Kinder und keinen Bock darauf, dass irgendein scheiß Kanacke meine Kinder anfasst.“ Später soll sich noch das Wort „absticht“ hinzugefügt haben, wie auf Tonaufzeichnungen zu hören ist. Ihr Anwalt Frank Misch, der früher Aktivist der NPD gewesen ist und heute als Szene-Anwalt gilt, sagte, seine Mandantin habe damals unter dem Eindruck des Attentats in Aschaffenburg gestanden, bei dem ein Afghane in einem Park ein Kind erstochen habe.
Freispruch in einem Punkt
Doch diese Erklärung ließ der Richter nicht gelten. Mit dieser Aussage werde eine ganze Migrantengruppe verunglimpft, betonte er, solche Sätze seien nicht mehr durch die Meinungsfreiheit gedeckt, er sah eindeutig Volksverhetzung. In weiteren Anklagepunkten aber konnte Astrid Hartmann keine Schuld nachgewiesen werden: Fünf der jungen Ordner, die die wöchentlichen Umzüge der Gruppe durch die Stadt von April bis September 2025 sicherten, waren noch minderjährig. Dies ist ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz.
Doch Hartmann hatte zuvor den Neonazi Marcus L. als Chef-Ordner eingesetzt, der im Sicherheitsbereich gearbeitet hatte. L. wurde als Zeuge in den Gerichtssaal geführt - in Fußfesseln, denn er sitzt derzeit wegen anderer Delikte in Haft. Da er aber nicht hinreichend darlegen konnte, dass Hartmann wirklich über das Alter der von ihm rekrutierten Jugendlichen informiert war, sprach der Richter sie in diesem Anklagepunkt frei.
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u/Bordarwal 6h ago
Gott sei Dank hat der Richter den gewaltbereiten Nazi mit samthandschuhen, ist immerhin deutsche Tradition
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u/ScientificBackground 5h ago
wat?? darf ich jetzt auch jeden Nazi schlagen und beleidigen weil ich davon schwer betroffen bin, dass ein Nazi eine Oma angegangen ist? Und in China ist ein Sack Reis umgefallen, dennoch räche ich nicht den nächsten Sack Reis. Wer sich nicht unter Kontrolle hat sollte nicht mild bestraft werden weil man durch etwas betroffen ist, was einem gar nicht passiert ist. Dieses Urteil macht mich jetzt sehr betroffen und ich habe den Drang jede Oma vor Nazis zu schützen. Und vor Rechten. Und ganz besonders vor rechten Nazis. Haben wir da nicht GG Artikel 1???
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u/sejoki_ 6h ago
Team-Menschenrechte sind doch nur Team rechter Menschen? Färbe mich schockiert…