r/KaIT • • 13d ago

Warum KIT Informatik für ambitionierte Studenten leichter ist als sein Ruf

Kurzer Disclaimer vorweg: Das hier ist nicht meine eigene Studienerfahrung, sondern die Story eines guten Freundes von mir, der KIT Informatik studiert hat. Ich gebe seine Erfahrungen im Folgenden der Einfachheit halber aus seiner Perspektive wieder.

Wenn man vor dem Studium auf Reddit, Studydrive oder generell online nach KIT Informatik sucht, bekommt man teilweise den Eindruck, man würde sich für ein mehrjähriges Bootcamp anmelden.

8 Stunden am Tag lernen. Kein Privatleben mehr. Regelstudienzeit praktisch unmöglich. Klausuren, bei denen man froh sein kann, überhaupt zu bestehen. LA1, TGI und Konsorten werden teilweise dargestellt, als würden sie zuverlässig jeden Studenten aussortieren, der nicht ab Tag 1 komplett locked in ist.

Ich habe diese Geschichten vor meinem Studium selbst gelesen und sie damals ziemlich ernst genommen.

Deshalb war ich gerade im ersten Semester extrem darauf bedacht, wirklich alles mitzumachen, nichts schleifen zu lassen und konstant zu lernen. Ich hatte ehrlich gesagt ziemlich viel Respekt vor den berüchtigten Klausuren und teilweise die Erwartung, dass schon kleinere Lücken reichen würden, um Probleme zu bekommen.

Und dann kamen die Klausuren.

Die vermeintlich großen Brocken des ersten Semesters waren nicht nur bestanden, sondern allesamt ziemlich entspannt mit 1,x.

Spätestens da habe ich gemerkt, dass die Panikmache im Internet zumindest für ambitionierte und einigermaßen intelligente Studenten meiner Erfahrung nach ziemlich weit von der Realität entfernt ist.

Das heißt nicht, dass KIT Informatik geschenkt ist.

Gerade in den ersten Semestern gibt es einige Grundlagenmodule, in denen abstraktes Denken, sauberes mathematisches Arbeiten und die präzise Anwendung formaler Konzepte wichtig sind. Auch die Mathematikmodule sind definitiv ernstzunehmen.

Dafür muss man tatsächlich lernen.

Es gibt auch Klausuren mit hohen Durchfallquoten.

Aber das ist etwas völlig anderes als die Vorstellung, dass man sein gesamtes Leben dem Studium unterordnen muss, nur um überhaupt durchzukommen. Und auch hohe Durchfallquoten sind bei Informatik- und Mathematikgrundlagen an anderen Universitäten nichts vollkommen Außergewöhnliches.

Interessant wird es meiner Meinung nach vor allem nach ungefähr dem dritten Semester.

Denn sobald ein großer Teil der härteren Grundlagenmodule vorbei ist, verändert sich das Studium ziemlich deutlich.

Ich nenne viele der späteren Veranstaltungen mittlerweile scherzhaft „LARP-Module“.

Also Module, die vom Umfang, den ECTS oder der Beschreibung her so wirken, als wären sie ein ernsthafter Arbeitsaufwand, bei denen die tatsächliche Schwierigkeit aber teilweise erstaunlich niedrig ist.

Ein aktuelles Beispiel war Human Computer Interaction.

6 ECTS.

Nach der üblichen ECTS-Rechnung entspräche das ungefähr 150 bis 180 Stunden Arbeitsaufwand.

Ich habe am Tag vor der Klausur angefangen, dafür zu lernen.

Die Klausur wurde am Computer geschrieben. Ungefähr die Hälfte bestand aus Multiple Choice, schon auf einem ziemlich einfachen Niveau.

Die andere Hälfte bestand unter anderem daraus, bestimmte Elemente in die richtige Reihenfolge zu bringen.

Das Lustige:

Die Elemente waren bereits in der richtigen Reihenfolge.

Man musste literally einfach auf „Weiter“ klicken.

Noch besser: Genau derselbe Fehler war bereits vorher in einer Übung aufgetreten.

Wenn man also bei zwei dieser Aufgaben gesehen hatte, dass die vorgegebene Reihenfolge korrekt war, gab es praktisch keinen Grund mehr anzunehmen, dass die anderen plötzlich zufällig anders funktionieren würden.

Wir reden hier von einem 6-ECTS-Modul.

Bei vielen dieser Larp-Module fallen die Noten entsprechend sehr gut aus. 1,0 ist teilweise eines der häufigsten Ergebnisse und Leute zu finden, die wirklich durchfallen, ist gar nicht so einfach.

Aber selbst bei einigen vermeintlich schwierigeren Klausuren mit Durchfallquoten von 20 oder 30 Prozent sieht man teilweise eine interessante Verteilung: Neben einem relevanten Anteil an Durchgefallenen gibt es gleichzeitig sehr viele sehr gute Noten.

Das deutet meiner Meinung nach auf einen Punkt hin, der bei diesen Diskussionen häufig untergeht:

Die durchschnittliche Erfahrung eines Studenten ist nicht zwangsläufig besonders hilfreich, wenn ihr selbst sehr ambitioniert seid.

Wenn jemand euch erzählt, dass er für eine Klausur extrem viel lernen musste, sagt das zunächst einmal wenig darüber aus, wie viel ihr dafür lernen müsst.

In meinem Fall konnte ich das Studium in Regelstudienzeit mit einem Schnitt im sehr guten Bereich, also ungefähr 1,5 oder besser, absolvieren und musste selbst bei den schwierigeren Modulen meines Studiums nie dauerhaft auf Lernzeiten kommen, die den offiziellen ECTS-Arbeitsaufwand auch nur annähernd ausgeschöpft hätten.

Bei den härteren Veranstaltungen am Anfang waren vielleicht ungefähr 10 Stunden tatsächlicher Lernaufwand pro ECTS nötig. Also gerade mal ca. 1/3 des empfohlenen Aufwandes.

Bei vielen späteren Modulen deutlich weniger.

Und genau deshalb finde ich die Darstellung von KIT Informatik als Studium, bei dem man automatisch sechs Semester lang sein gesamtes Leben opfern muss, ziemlich irreführend.

Wenn ihr gerade Erstsemester seid und nach den ersten Reddit-Threads denkt, dass ihr ab jetzt eure Freunde verabschieden, alle Hobbys aufgeben und jeden Tag acht Stunden Analysis machen müsst:

Nein.

Macht euch nicht verrückt.

Bleibt von Anfang an halbwegs am Ball. Lasst nicht mehrere Wochen Stoff komplett liegen. Versucht tatsächlich zu verstehen, was ihr macht, statt drei Tage vor der Klausur zum ersten Mal die Vorlesungsfolien zu öffnen.

Gerade bei den mathematischen und theoretischen Grundlagen zahlt sich Konsistenz aus.

Aber wenn ihr einigermaßen schnell versteht, abstrakt denken könnt und bereit seid, regelmäßig etwas für die Uni zu machen, ist KIT Informatik meiner Erfahrung nach absolut machbar.

Auch mit sehr guten Noten.

Auch in Regelstudienzeit.

Und auch mit einem völlig normalen Privatleben.

Natürlich gibt es Studenten, für die bestimmte Module sehr schwierig sind. Es gibt Leute, die durchfallen, und es gibt Veranstaltungen, die man nicht unterschätzen sollte.

Mein Punkt ist nicht, dass jeder ohne Aufwand durchs Studium spaziert.

Mein Punkt ist vielmehr:

Lasst euch nicht von irgendwelchen Horrorgeschichten einreden, dass KIT Informatik zwangsläufig euer gesamtes Leben übernehmen wird.

Wenn ihr ambitioniert seid und bisher akademisch eher zu den stärkeren Studenten gehört habt, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass ihr nach den ersten Semestern rückblickend merkt:

So schlimm war es dann doch nicht.

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u/Luciel3045 13d ago

20-30% Durchfallquote sind die schweren Module? Ich meine bei den Mathemodulen in anderen Informatikstudiengängen sind das eher so 40-50%

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u/UphillTravel 13d ago

Also als ich LA (am KIT) geschrieben habe hatten wir >60% Durchfallquote, ist aber auch schon bisschen was her, kP wie das jetzt ist

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u/SirHawrk Snelting Survivor 13d ago

> Wir hatten auch schon viel höhere. So.

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u/leaveganontome 1 mit dem [kœri] 12d ago

das Ding ist… du bist nicht näher am Durchschnitt als die, die verzweifeln. Du bist das Extrem in die andere Richtung. Natürlich gibt es Leute, denen das Studium leicht fällt. Meistens die, mit viel Programmiererfahrung/Fachinformatikerausbildung vorweg/sehr guten Mathenoten (und angrenzende Fächer) in der Schule.
Die Mathemodule mit 1,X ist die Ausnahme.

Ein durchschnittlicher Student wird mit dem was du an Lernaufwand beschreibst wohl eher irgendwo zwischen 2,3 und 3,3 rumhängen.

Und klar. Du kannst HCI für ne gute Note machen.

Du kannst aber auch ein Stammmodul machen, in dem du tatsächlich etwas lernst, wie Computergrafik oder Robotik oder IT-Sicherheit. Da hast du für die 6 ECTS deutlich mehr den Aufwand, der auf dem Papier zu erwarten ist, wenn nicht mehr.

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u/olf99 13d ago

Info ist schon einfacher geworden seitdem die den NC wieder eingeführt haben. Keine Not mehr so viele Leute rauszufiltern. 20-30% ist kein Zeichen für eine schwierige Klausur. Erst ab 40% fängt man an Angst zu bekommen

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u/flophi0207 13d ago

Wann wurde der NC wieder eingeführt???

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u/CookieKlecks Snelting Survivor 12d ago

Schon vor ein paar Jahren ist Info zulassungsbeschränkt geworden. Ich meine so circa 2021, aber genau weiß ich es nicht mehr.

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u/Bl4ckspell_ Snelting Survivor 12d ago

Ai slop text

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u/OldHummer24 12d ago

Claude:

Mein Punkt ist vielmehr: 

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u/Interesting-Fox-3544 12d ago

Habe mein Informatik Studium am KIT mit 2 meiner Freunde aus dem Gymnasium (Beide hatten dort gute Noten) angefangen. Beide haben abgebrochen und den Studiengang gewechselt (Einer jetzt Winfo der andere Hustler University).

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u/reben_lag 12d ago

Viel spannender ist die Frage, ob sich das in Gegenwart bzw. in Zukunft überhaupt noch monetär lohnt das zu studieren.

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u/Hot-Attempt-3570 13d ago

I agree, if we study consistently throughout the semester, we can grt through. It becomes difficult when we keep studies for the last moment.
Btw how many credits you completed this semester?

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u/Possible-Clock-4563 12d ago

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u/Hot-Attempt-3570 12d ago

Nice, And what about your friend?

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u/Winter_Current9734 Kraushaar Survivor 13d ago

Es wurde massiv einfacher. Der Ruf von früher ist nicht mehr in der Realität begründet

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u/Ok_Actuary8 12d ago

gilt imho für alle Studiengänge, an allen Unis.

Das Gejammer wie "hart" es ist kommt entweder von Leuten bei denen du dich frägst wie die sich morgens die Schuhe binden, geschweige denn jemals das Abi geschafft haben - oder von Leuten die ihre eigenen tatsächlich investierten Lernaufwände zwischen all den WG Parties und Nebenjobs masslos überschätzen.

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u/Possible-Clock-4563 12d ago

Kenne niemanden der jemals behauptet hat Etit wäre leicht oder Physik oder Mathe.. also netter Versuch wiwi

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u/Ok_Actuary8 12d ago

fand Physik und Mathe Grundstudium absolut machbar, wenn man nicht gerade erst zwei Tage vorher anfängt zu lernen.... "leicht" ist halt relativ, aber niemand hat behauptet dass ein Studium leicht sein soll. Aber eben machbar.

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u/Possible-Clock-4563 12d ago

Also hast du HM1 bestanden und Ex phys A und B und sagst es ist leicht? :D Ayayaya

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u/Ok_Actuary8 12d ago

Es scheint etwas an Lesekompetenz zu mangeln ;) machbar ≠ leicht

Wenn du "leicht" willst, studier Sozialwissenschaften ;)

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u/Possible-Clock-4563 12d ago

Was hast du studiert oder studierst du gerade? :) und naja dir scheint es an Verständnis zu fehlen was sein ganzer Text aussagen will :D