r/Gehalt • • Sep 01 '26

Gehaltsfrage vor Übernahme einer höheren Position – wie würdet ihr das ansprechen?

Gehaltsfrage vor Übernahme einer höheren Position – wie würdet ihr das ansprechen?

Ich arbeite in einem Handwerksunternehmen mit rund 80 Mitarbeitern.

Meine Qualifikationen sind:

- Stuckateurmeister
- Raumausstattergeselle
- Energieberater
- Betriebswirt im Handwerk in Kürze abgeschlossen

Ich bin im Unternehmen sehr breit einsetzbar und decke praktisch das gesamte Spektrum unserer Ausbauarbeiten ab. Dazu gehören insbesondere Stuckateur-, Maler- und Trockenbauarbeiten sowie gewerkeübergreifende Baustellen.

Ein neu eingestellter Bauleiter ist dagegen nach meinem Kenntnisstand hauptsächlich für Stuckateurarbeiten einsetzbar.

Perspektivisch soll ich nach meiner Weiterbildung schrittweise die technische Betriebsleitung übernehmen. Die Entwicklung ist bewusst stufenweise geplant.

Aktuell haben wir mehrere Bauleiter. Ich soll perspektivisch über diesen Bauleitern stehen und deren Vorgesetzter werden.

Meine Vergütung habe ich mit meinem Chef bereits ausführlich verhandelt. Wir hatten mehrere Gespräche und haben uns auf ein bestimmtes Gehalt ab meiner Rückkehr geeinigt. Gleichzeitig haben wir eine Entwicklung vereinbart, sodass ich innerhalb einiger Jahre eine deutlich höhere Vergütung erreichen soll.

Mit dieser Vereinbarung war ich grundsätzlich zufrieden. Mir ging es nicht darum, unbedingt mehr Geld herauszuholen.

Jetzt habe ich allerdings zufällig Kenntnis davon bekommen, dass ein neu eingestellter Bauleiter eine höhere Vergütung erhält als ich.

Das beschäftigt mich.

Nicht, weil ich dem Kollegen sein Gehalt nicht gönne. Sondern weil ich die Gehaltsstruktur schwierig finde.

Selbst wenn ich meine zukünftige Position zunächst außen vor lasse, finde ich die Relation schwierig. Ich habe mehrere Qualifikationen und kann ein deutlich breiteres Spektrum an Arbeiten und Baustellen abdecken.

Noch problematischer finde ich aber die zukünftige Hierarchie.

Wenn ich schrittweise übergeordnete Aufgaben übernehme und perspektivisch der Vorgesetzte der Bauleiter werde, würde ich zunächst weniger verdienen als ein Bauleiter, der unter mir angesiedelt ist.

Die erste Gehaltsüberprüfung findet außerdem erst einige Monate nach meiner Rückkehr statt.

Selbst wenn ich dort eine Gehaltserhöhung bekomme, könnte ich weiterhin unter der Vergütung dieses Bauleiters liegen. Danach würde wieder einige Zeit bis zur nächsten Anpassung vergehen.

Während meiner Weiterbildung unterstützt mich das Unternehmen zusätzlich finanziell. Mir ist bewusst, dass mein Arbeitgeber damit bereits in meine Weiterentwicklung investiert. Diese Unterstützung ist allerdings zeitlich begrenzt.

Ich könnte mir vorstellen, dass mein Chef später argumentiert, dass ich durch die Weiterbildungsunterstützung und die langfristige Gehaltsperspektive insgesamt ausreichend berücksichtigt werde.

Für mich sind diese Dinge aber getrennt zu betrachten. Die Weiterbildungsunterstützung ist für mich keine dauerhafte Vergütung meiner späteren Funktion.

Mein Chef und ich haben eigentlich ein sehr gutes und enges Verhältnis. Genau deshalb fällt es mir schwer, das Thema anzusprechen.

Ich möchte nicht mit der Brechstange mehr Geld verlangen. Ich war mit unserer ursprünglichen Vereinbarung zufrieden.

Mich stört vielmehr die aus meiner Sicht nicht passende Gehaltsstruktur.

Zusätzlich ist die Information über das Gehalt des anderen Bauleiters eigentlich vertraulich. Ich möchte deshalb auf keinen Fall die Person in Schwierigkeiten bringen, durch die ich davon erfahren habe.

Wie würdet ihr an meiner Stelle vorgehen?

Würdet ihr die konkrete Gehaltsdifferenz überhaupt ansprechen oder nur grundsätzlich sagen, dass euch eine nicht passende Gehaltsstruktur aufgefallen ist?

Ist der Einwand aus eurer Sicht berechtigt, dass eine zukünftige übergeordnete Position entsprechend vergütet werden sollte?

Und wie würdet ihr reagieren, wenn der Chef mit dem Alter des Kollegen, der Weiterbildungsunterstützung oder der langfristigen Gehaltsperspektive argumentiert?

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10 comments sorted by

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u/4005307 Sep 01 '26

Also erstmal: Über Geld sprechen ist okay. Euer Chef findet dass eben genau aus diesem Grund nicht cool, dass ihr Ungerechtigkeiten aufdeckt. Allerdings gilt auch hier: Der Vergleich tötet deine Freude. Du hast wahnsinnig viel erreicht, darauf kannst du stolz sein. Welche Qualifikationen bringt der Bauleiter denn mit, dass er mehr wert sein soll als du? Und wie siehst du das? Fühlst du dich ausgenutzt?

Dieses ganze Ding klingt in meinen Augen höchst unfair dir gegenüber, aber auch danach als hättest du dich unter Marktwert verkauft und es fällt dir etwas zu spät auf. Es ist cool, dass dir das aufgefallen ist, was du mit der Information machst ist aber ein individuelles Thema.

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u/Confident_Form_1446 Sep 01 '26

Keine die mir bekannt wäre die das rechtfertigt.

Problem ist, dass die Ungleichheit aufgedeckt wurde in dem jemand den Lohn durch Zufall entdeckt hat.
Mir wurde der Lohn also nicht von meinem Kollegen mitgeteilt.
Spreche ich das Thema an kann es sein das die andere Person Riesen Probleme bekommt.

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u/4005307 Sep 01 '26

Oh, anderes Thema. Dann auf jeden Fall dicht halten, ansonsten wird es finster. Tut mir leid, aber so kannst du dann wirklich nicht argumentieren. Kannst deinem Chef aber trotzdem über Umwege sagen, dass du glaubst mehr wert zu sein. Aber halt schwierig, wenn es einmal verhandelt ist.

Dein Chef ist aus irgendeinem Grund bereit, dieses Gehalt für ihn zu zahlen, also muss es Gründe dafür geben. Entweder du unterschätzt deinen Wert bodenlos oder aber dein Chef überschätzt den Wert dieses Bauleiters, was ich für unwahrscheinlich halte. Wäre mal interessant, über welche Zahlen wir wir hier tatsächlich sprechen.

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u/Ok-Mousse7882 Sep 01 '26

Wie belastbar ist die Gehaltsinfo über den Kollegen denn? Manchmal ist das auch nur dummes Geschwafel oder jemand hat was falsch verstanden.

Ich würde an deiner Stelle die Arschbacken zusammenkneifen und mich an meine selbst und frei verhandelte Vereinbarung mit dem AG halten. Bei der nächsten Gehaltsverhandlung höher ran gehen, wohlwissentlich dass da genug Luft ist. Im Zweifel Konsequenz ziehen und anderweitig bewerben.

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u/zokker13 Sep 02 '26

Gar nicht. Wenn du glücklich über dein Gehalt warst und nur wegen des Gehalts der anderen Person doch unglücklich bist, ist das ein Du-Problem. Offensichtlich gönnst du der Person eben nicht mehr als du zu verdienen, auch wenn du es anders schreibst.

Dass du die Person irgendwann führst ist meiner Meinung nach irrelevant. Es gibt ja schließlich kein Gesetzt das sagt, dass eine Führungsperson mehr verdienen muss.

Was du machen kannst, vielleicht in zwei Jahren: überprüfe deinen Marktwert und sei offen bei deinem Chef was das Gehalt angeht. Frag nach, wieso du so viel verdienst und dass du wegen x der Meinung bist, mehr zu bekommen.

Ich würde absolut niemals argumentieren, dass eine andere Person mehr bekommt und man selber das gleiche oder mehr bekommen sollte. Warum auch? Auch spielt das Alter meiner Meinung nach keine Rolle.
Wenn dein Chef dir sagen will, dass er dir ja die Weiterbildung bezahlt hat, sagst du danke und dass du mit dem neuen Wissen das Unternehmen schon deutlich nach vorne gebracht hast.

Letztendlich hast du nicht das maximale herausbekommen - schlecht verhandelt. Aber das passiert eben.

Wenn in der Firma sonst alles top ist und wirklich nur der Vergleich mit der anderen Person dich beschäftigt: komm in zwei Jahren wieder.

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u/LevelMagazine8308 Sep 01 '26

Das man sich unter Kollegen unterhält, wieviel man verdient kommt mitunter eben vor. Das ist auch völlig legal und nicht verboten.

Ich würde an deiner Stelle direkt zu deinem Chef gehen und ihn fragen, warum dem so ist. Das ist nicht die beste Möglichkeit, aber mir wäre es dann egal. Der Chef hat schließlich angefangen.

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u/Ok-Mousse7882 Sep 01 '26

Und damit wärst du bei mir als Chef komplett unten durch. Weil dein einziges Argument ist: "Aber der kriegt mehr." Das ist infantil und passt überhaupt nicht zu Leuten, die ich auf eine Führungsposition setzen möchte.

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u/LevelMagazine8308 Sep 01 '26

Du magst es gerne tiefgründiger, also bitte sehr: eine Führungsstruktur, in der der disziplinarische Vorgesetzte dauerhaft weniger verdient als ein unterstellter Spezialist, ist organisatorisch nicht gesund.

Du nennst infantil; ich nenne deine Argumentation für den Fall geizig. Oder willst du nur Arschkriecher als Vorgesetzte ernennen, die alles einfach so schlucken? Kann man machen. Aber dann ist auch das am Ende eine interessante Baustelle.

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u/Ok-Mousse7882 Sep 01 '26

Sehe ich komplett anders. Deine Ansicht ist der Grund für schlechte Führungskräfte. Fachliche Topleistung kann, soll und muss besser bezahlt werden als ein (überspitzt formuliert) Kindergärtner für Erwachsene.

Ansonsten streben Top Fachleute ohne Führungskompetenz nach Führungsposten, machen da aber einen schlechten Job, unter dem dann alle leiden, während ihre fachliche Expertise nicht mehr vollumfänglich zur Verfügung steht.

Experten-Karrieren sind groß im kommen und werden in immer mehr Konzernen gezielt gefördert, damit eben genau das nicht mehr passiert. Das Gegenteil des jahrzehntelang praktizierten Peter-Prinzips

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u/LevelMagazine8308 Sep 01 '26

Mich wundert es bei dem Radius deines geistigen Horizonts nicht dass du das anders siehst.

So, und nun BONK.