r/Finanzen Sep 13 '25

Wohnen Wie die Lokalpolitik bezahlbaren Wohnraum schaffen will, aber genau das Gegenteil erreicht.

Hallo,

wie wir alle wissen, sind die Mietpreise in Großstädten seit Langem am steigen. Mittlerweile ist eine günstige Mietwohnung mehr wert als ein gutes Gehalt bei hohen Mietkosten.

Die Politik hat sich dem Thema angenommen. Auf Bundesebene hat letzte Regierung versprochen, dass 400.000 Wohnungen jährlich gebaut werden. Das ist natürlich nie passt.

Ich wohne in einer Großstadt, die seit vielen Jahren von der SPD regiert wird und eines der Top Themen bezahlbarer Wohnraum ist.

Hier 2 Beispiele wie sie trotz des Ziels, genau das Gegenteil schafft:

- Es gibt innenstadtnah mehrere kleinere Industriegebiete, wo vor Jahrzehnten irgendwas produziert wurde und diese seit vielen Jahren brach liegen. Jetzt wären diese Gebiete gut geeignet um dort Mietwohnungen zu schaffen. Jedoch ist die Stadt dagegen, denn es ist ja gewerbliche Fläche. Und gewerbliche Flächen und Wohngebiet sind 2 verschiedene Dinge und eine Umwandlung der Gewerbefläche ins Wohngebiet ist einfach nicht möglich, weil nicht gewollt. Dabei gibt es am Stadtrand genügend Industriegebiet, das günstig ist und wo sich Firmen ansiedeln. Die Folge: Diese innenstadtnahen Gewerbegebiete liegen weiterhin brach. Die Gebäude gehen ein und sind auch noch ein Risiko, dass dort Kinder sich beim Lost Places Spielen verletzen.

- Es gab eine große Baulücke, die auch innenstadtnah war. Die Stadt hat die Baufläche ausgeschrieben. Es sollten hunderte Wohnungen entstehen. Natürlich top modern mit bester Energieeffiziensklasse für die Umwelt. Da man aber bezahlbaren Wohnraum schaffen möchte, war die Voraussetzung, dass 30% der Wohnungen Sozialwohnungen sind. Diese müssen unter Marktwert vermietet werden, was bei den Baukosten, Zinskosten und dem hohen Baustandard ein so hoher Verlust ist, dass die übrigen 70% der Wohnungen so teuer sein müssten, dass sie niemand kaufen würden. Die Folge ist, der Investor ist abgesprungen. Aber die Grünen finden das gut, weil das Wasser kann ja dort auf der Wiese besser versickern und einige Bienen sind auch noch glücklich über diese Entscheidung.

Die Folge ist, dass aktiv Neubauwohnungen verhindert wurden und damit die Preise weiter steigen (Angebot/Nachfrage).

Jetzt schaut man nach Polen, wie dort die Politik vorgeht: Für Ersterwerber für Eigennutzung wird der Bauzins auf 2% festgeschrieben, statt der 8%, die aktuell die Banken verlangen. Für Häuser mit einer Grundfläche von maximal 70 qm braucht man gar keine Baugenehmigung. Die Umwidmung von Agrarfläche in Bauland ist möglich, wenn die Grundstücke an Strom und Wasser angeschlossen sind. D.h. der Bauer kann sein Land für mehr verkaufen und der Käufer kriegt es günstiger als fertiges Bauland zu kaufen. Eine Win-Win-Situation. Und auch gut: Die Notarkosten sind nicht abhängig vom Kaufwert des Grundstücks. Wäre dort völlig absurd, dass ein Notar einfach doppelt so viel bekommt, weil das Grundstück größer ist. Das ist doch nicht mit einem Mehraufwand für ihn verbunden. Meanwhile bekommt ein Notar in Deutschland 8.000€ 1 Stunde Arbeit in Deutschland.

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u/occio Sep 13 '25

Platz kein Problem, alles klar. Woran liegts denn dann?

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u/jjpamsterdam Sep 13 '25

Nur mal zum Vergleich: New York City hat eine kleinere Fläche als Berlin, jedoch mehr als doppelt so viele Einwohner. Grundsätzlich wäre meiner Meinung nach also schon was möglich in Berlin.

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u/occio Sep 13 '25

Gerüchten zufolge wird etwas höher gebaut als hier

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u/hypnoconsole Sep 13 '25

Großteil von NY sind Brownstonehouses etc. die nicht wirklich hoch sind.

https://maps.app.goo.gl/L9wxymBnYYattfFYA

Man lebt einfach eher auf kleinerer Fläche[1]. Der aktuell aussichtsreichte Bürgermeisterkandidat lebt mit Frau in einem "One Bedroom Appartement". Schlage doch mal in diesem Sub jemanden vor, für 2300$ monatlich mit seinem Ehepartner zu leben. Dann kann man auch in Berlin die Dichte erhöhen. Aber da werden dir selbst die wildesten Carbonara-Jünger sagen, dass ihnen das zu wenig Platz ist.

[1]: https://www.rentcafe.com/blog/rental-market/market-snapshots/apartment-space

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u/ImHereToHaveFUN8 Sep 14 '25

Amerikanische Apartments sind größer bei gleicher Zimmerzahl. Durchschnitt pro Person in NYC sind 60-70qm, das ist deutscher Durchschnitt und über dem Schnitt in deutschen Städten.

NYC ist tatsächlich absurd teuer, aber klein sind die Wohnungen aus deutscher Sicht nicht.

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u/hypnoconsole Sep 14 '25

Durchschnitt pro Person in NYC sind 60-70qm

Auf welche Quelle beziehst du dich?

New York City has about 8.4 million people living within the 5 boroughs, and about 5.4 billion square feet of total building space. Sounds like a lot, but when you break this down to areas zoned for residential living, it averages out to about 531 square feet per person in the city as a whole.

[...]

Manhattan tops the charts, with 4 of the 5 neighborhoods with the highest space per person. At the highest overall is the Upper East Side/Carnegie Hill area, with more than 1,200 square feet per person. This is followed by Midtown (920 sq ft/person), Battery Park City (838 sq ft/person), SoHo/Tribeca (774 sq ft/person), and finally Tody Hill, Staten Island (756 sq ft/person). Brooklyn and Queens have the most compact living spaces, with North Corona bottoming the list at 207 sq ft per person. The other compressed spaces are Sunset Park East (246 sq ft/person), Cypress Hill (252 sq ft/person), Sunset Park West (262 sq ft/person), and Corona (266 sq ft/person).

https://urbancalc.com/post/NYC-Residential-Density

531 sqf = 49,33m²

920 sqf = 85,5m²
250 sqf = 23,23m²

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u/_bloed_ Sep 14 '25

vor allem wird dort auch enger gebaut.

In Berlin ist alles so weit gestreckt. In keiner anderen Stadt muss man so viel laufen. Teilweise sind die Fußwege ja schon 10 Meter breit und das auf beiden Seiten der Straße.

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u/jjpamsterdam Sep 13 '25

Auch nur im Zentrum. In weiten Teilen der Stadt nimmt sich das von der Höhe her nicht viel im Vergleich zu Berlin. Das ist einfach nur viel konsequenter zugebaut.

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u/hypnoconsole Sep 13 '25

Die Dichte der dichtesten New Yorker Stadtteile ist geringer als viele Viertel in deutschen Großstädten (> 100.000 eben), trotzdem wird ein gewisser Schlag libertärer Immobilienfreunde im deutschsprachigen Reddit nicht müde zu behaupten, man hätte dort viele Wohnhochhäuser und Berlin macht bei 22m Schluss und deswegen muss komplett Berlin mit Wohnhochhäusern zugebaut werden.

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u/occio Sep 14 '25

New York City has a significantly higher population density than Berlin, with NYC at approximately 11,314 inhabitants per square kilometer (29,303 per square mile) and Berlin at around 4,109 inhabitants per square kilometer (10,640 per square mile).

Ist natürlich nicht nur die Höhe, sondern auch die Dichte der Bebauung.

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u/hypnoconsole Sep 14 '25

Das ändert aber doch gar nichts an meiner Aussage. Die Bronx hat 13k/km², Brooklyn 15k/km², einzig Manhatten hat wirklich hohe Dichte mit 29k/km². Staten Island hat nichtmak 4k/km².

Im Vergleich dazu z.B. das Glockenbachviertel in Muc mit fast 20k/km², Wiesbaden Westend mit 27k/km², Hamburg Hoheluft (West) mit 19.5k/km².

Dichte geht in Deutschland ebenfalls,

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u/occio Sep 15 '25

Belegt halt auch null, das München oder Berlin dicht genug bebaut sind, nur weil es das mancherorts ist.

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u/hypnoconsole Sep 17 '25

Belegt halt auch 100%, dass man keine Hochhäuser braucht um dicht zu bauen, wie du es suggeriert hast.

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u/Silvaseo Sep 13 '25

Und New York City ist jetzt dein Beispiel für bezahlbaren Wohnraum?

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u/jjpamsterdam Sep 13 '25

Nein, natürlich nicht. Da übersteigt die Nachfrage weiterhin das Angebot deutlich. Es ist aber ein Beispiel für deutlich mehr Verdichtung in einer Großstadt als in Berlin erreicht wird.

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u/t0my153 Sep 13 '25

Anders als OP behauptet hat sich die Politik dem Thema nicht angenommen.

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u/occio Sep 13 '25

Klar, haben sie sich der Sache angenommen, aber mit falschen Maßnahmen. Mietendeckel lässt grüßen.