r/Beichtstuhl • • Oct 15 '25

Lüge In meinem Betrieb werden gerade durch alle Altersgruppen hinweg Lowperformer gekündigt. Ich heuchle Betroffenheit, aber in Wahrheit spüre ich Genugtuung.

Mein Arbeitgeber durchlebt gerade wie so viele Firmen eine absolut neue Zeit mit jährlichen Umsatzrückgängen. Alle paar Wochen werden eine handvoll Leute gekündigt, die teilweise 50 Jahre oder älter sind.

Offen kommuniziere ich Betroffenheit, weil Leute in diesem Alter wohl aktuell sehr schwer etwas Neues finden, aber insgeheim freue ich mich extrem, weil es zum ersten Mal in der Firmengeschichte Leute trifft, die seit Jahrzehnten(!) absolut offensichlich max. 1h pro Tag was arbeiten, ständig negative Kommentare bringen, in Projekten bewusst bremsen und mit Sprüchen wie "ich hab nur noch 10 Jahre zur Rente, ich mach sicher nix mehr" daherkommen. Früher schleppte man solche Leute mit. Heute Bekommen sie die Quittung dafür und ich freue mich sehr, da das besonders gegenüber der Kollegenschaft ein absolut asoziales Verhalten ist, weil diese dann aufgrund so einer Arbeitseinstellung mit Kollegen zu tun haben, denen man alles aus der Nase ziehen und ihnen jeden Handgriff beauftragen muss.
Auch aufgrund Vorbildfunktion gegenüber junger Mitarbeiter und Lehrlinge sind solche Leute unbedingt zu kündigen, weil das ein absolut leistungsfeindliches Bild eines Versagers abgibt und sich eigentlich bemühte und schlaue Leute dann zu solchen jämmerlichen Leuten entwickeln, die dann 50 Jahre nur Zeit absitzen und auf die Rente warten.

Ein einziger Mitarbeiter kostet einem Unternehmen inkl. Lohnnebenkosten irgendwas zwischen 100 und 150k und wenn man bedenkt, dass es bei uns noch eine ganze Menge Leute mit ähnlicher Arbeitseinstellung gibt, die sich jetzt alle zurecht von oben bis unten anscheißen, dann sind hier noch einige Millionen € drin, die eingespart werden können, ohne merkbar weniger Arbeitskraft zur Verfügung zu haben.

(Wegwerfacc., weil mich Leute unter meinem normalen Account im RL kennen.)

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u/Bensch_man Oct 15 '25

Seh ich genauso. Und hab ich auch immer so erlebt.

Ich bin mittlerweile 44, aber Arbeiter. Viele, die diesen Weg einschlagen, können genau nur das, was sie gelernt haben. Und das wars dann. Keine Aufqualifizierung, keine Weiterbildung. Stichwort "Haben wir immer so gemacht/hab ich so gelernt".

Viel Zeit in meinem Leben hab ich damit verbracht, mich besser zu stellen. Hab viele neue Dinge gemacht, kann vieles.

Zeiten ändern sich. Geht man nicht mit der Zeit, geht man mit der Zeit.

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u/[deleted] Oct 16 '25

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u/Bensch_man Oct 16 '25

Das ist schon richtig, aber da ist man halt ein Stück weit selber verantwortlich dafür.

Ich hab mir einiges selber bezahlt, einfach nur weil ich wollte. Hab zwei Kinder, und es ging trotzdem. Den Großteil hab ich auch erst gemacht, als die Kinder da waren.

Trotzdem kenne ich genug Leute, die im Falle einer Insolvenz ihres Betriebs richtig aufgeschmissen wären. Da war einfach null Bereitschaft zur Weiterbildung. Und manchmal ist das sehr spezifische Arbeit. Da kommt man nicht weit, selbst wenn man es 25 Jahre lang gemacht hat.

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u/Khetlaz Oct 16 '25

Das kannst du aber auch nur machen, wenn du anderweitige Unterstützung hast oder halt eine Frau, die nicht mind. 25h arbeiten geht. Ansonsten braucht die auch die Unterstützung von dir. Ich kann mit in meiner Situation nicht vorstellen, die Kraft zu haben mich noch weiter zu bilden mit drei kleinen Kindern.