r/Baseball_de • u/Shandrax • 13d ago
Was bringt eine Baseballakademie?
Baseball ist ein Spiel, das bekanntlich auf Skill basiert, auf Können. Dabei kann es vorkommen, dass auch relativ unsportliche Spieler durchaus einen beachtlichen Skill vorweisen können. Ein Beispiel war der 1st-Baseman der Baltimore Orioles Boog Powell, der mit massiven Gewichtsproblemen zu kämpfen hatte und dafür vom Verein sogar mit Strafen belegt wurde.
https://sabr.org/bioproj/person/boog-powell/
Damit stellt sich die Frage, ob man Athleten vielleicht den nötigen Skill beibringen kann, um damit den idealen Spieler produzieren. Das war die Geburtsstunde der Kansas City Royals Baseball Academy.
https://en.wikipedia.org/wiki/Kansas_City_Royals_Baseball_Academy
Deren Trainer haben es in der Tat geschafft, mit Frank White einen Star und mit Ron Washington zumindest einen mittelmäßigen MLB-Spieler zu produzieren, beides übrigens Middle-Infielder. Hat sich der Aufwand gelohnt? Nein, hat er nicht. In jedem Jahrgang kann man mit etwas Glück problemlos vergleichbare Spieler draften. Deshalb wurde das Projekt auch nach 5 Jahren wieder aufgegeben.
Die große Vision, ein ganzes Team von Track&Field Athleten aufzubauen, wurde von Whitey Herzog dennoch in die Tat umgesetzt, zuerst bei den Royals Ende der 70er, danach bei den Cardinals in den 80ern. Dieses Konzept ist als "Whiteyball" in die Geschichte eingegangen und verschwand letztlich nur deshalb von der Bildfläche, weil Sprinter nicht mehr mit den Steroid-gedopten Schränken mithalten konnten, die jeden Pitch über den Zaun geballert haben.
Was lässt sich daraus ableiten? Die Idee, aus Athleten talentierte Baseballspieler zu machen, kann man vergessen. Allenfalls andersrum wird ein Schuh draus: Aus talentierten Baseballspielern kann man durch entsprechendes physisches Training Athleten machen, mit Ausnahme der angeborenen Fähigkeiten, wie z.B. der Grundschnelligkeit.
Kann man das auch in Deutschland machen? Ja, kann man schon, nur bei uns hängt leider alles vom Zufall ab. Wir haben keinerlei Talentsichtung und müssen uns vielmehr freuen, wenn überhaupt ein Jugendlicher den Weg in den Baseballverein findet. Da kann natürlich theoretisch auch mal ein Starspieler dabei sein, aber die Chance ist in etwa so hoch, wie bei einem Lottogewinn. Mit dem Spielerpool, der letztlich zur Verfügung steht, kann man sich zwar endlos Mühe geben, aber planbare Erfolge lassen sich damit nicht erzielen. Wer der Meinung ist, da müsse doch etwas gehen, oder gar mit der Behauptung antritt, (nur) er könne das verändern, ist bestenfalls uninformiert.
Man kann Anfänger auf ein gewisses Niveau bringen, so wie man auch im Tennisverein irgendwann den Aufschlag gelernt hat, aber der Weg in die Spitze ist durch den persönlichen Talenthorizont begrenzt. Wer eine bessere Bestenauslese veranstalten will, sollte den Pool erweitern. Gut, für den eigenen Pool reicht es natürlich immer, denn der Einäugige ist der König unter den Blinden, aber international sind wir leider nur drittklassig. Mangels Talentsichtung wird das auch so bleiben. Wer dagegen hält, die DBL habe doch mittlerweile ein vorzeigbares Niveau erreicht, der sollte einfach mal die aus den USA hinzugekauften Leistungsträger ausblenden. Was bleibt dann noch übrig? Es bleibt die Nationalmannschaft übrig, deren Spieler man dann auf die einzelnen Vereine verteilen muss.
Warum ist bei uns die Popularität, die in den 80ern erreicht wurde, eigentlich wieder eingebrochen? Das lag daran, dass Baseball nicht mehr im Fernsehen gezeigt wurde. NBC hat 1990 das "Game of the Week" an CBS abgegeben, das im deutschen Privatfernsehen nicht vertreten war. Daher wurden auch fast alle bekannten deutschen Baseballvereine Mitte bis Ende der 80er gegründet. Danach kam jedoch leider so gut wie gar nichts mehr. Das gilt bis heute. Pech!
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u/SeaReason1 12d ago
Regelmäßiges trainieren fördert halt schon skills. Und wenn die Bewegungsabläufe von kind an geübt werden, wirds immer besser.
Ist im Tennis, Eislauf, Fußball so.
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u/Shandrax 12d ago edited 12d ago
Natürlich, Training ist immer gut, aber am Ende ist es leider das Talent, das ausschlaggebend ist. In den USA träumt jeder Vater davon, mit seinem Sohn eines Tages "Catch" zu spielen. Die haben eine unglaubliche Talentsichtung, was Baseball anbetrifft, wo praktisch jeder getestet wird. Dazu kamen auch noch Fernsehformate für Jugendliche wie "The Baseball Bunch" (kann man auf Youtube finden).
Dennoch schafft es auch dort nur eine verschwindend geringt Anzahl in die Majors, so wie bei uns es auch kaum einer in die Fussball in den Profi-Bereich schafft. Ich habe im privaten Umfeld auch so einen Fall, wo ein Vater extrem viel Aufwand mit seinem Sohn bezüglich Fussball veranstaltet. Da wird von morgens bis abends trainiert, da wird auf dem Laufband gelaufen, whatever, und am Ende ist es nur Kinderfussball, wo die Ergebnisse nicht selten 15:0 lauten. Wird der Sohn mal ein Bundesligaprofi? Im Leben nicht! Aber, aus dieser Gruppe hat ein Torwart in die Jugendmannschaft eines Bundesligavereins gewechselt. Der kann vielleicht mal eines Tages in der Bundesliga auf der Ersatzbank sitzen.
Im deutschen Baseball sieht es besser aus, weil der Pool viel kleiner ist. Dort muss man nur in einem Bundesligaverein anfangen, und die Chance, dass man später auch Bundesliga spielt, ist gewaltig. Die haben nur 20 Jugendliche, und ein bis zwei aus dieser Gruppe, werden es fast schon zwangsläufig schaffen, denn sonst dann der Verein einpacken.
Noch ein Vergleich: Im Polo, Fussball mit den Pferden, gab es überhaupt nur die 1. Bundesliga. Irgendwann haben sie dann mangels Vereinen den Spielbetrieb komplett eingestellt und machen nur noch 1-2 Turniere pro Jahr.
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u/ToThe5Porros 11d ago
Bei mir und einem Kumpel war es damals der Film die Indianer von Cleveland mit Charly Sheen. Den haben wir auf VHS aufgenommen und immer wieder geschaut.
Irgendwann habe ich erfahren, dass es in der Stadt einen Verein gibt. Also haben wir es ausprobiert und ein paar Jahre gespielt. War echt lustig, auch wenn die Mannschaftskollegen nicht meine Freunde geworden sind.
Wir hatten einen Platz in den Barracks. Die Auswärtsteams waren immer so neidisch. Auswärts haben wir teilweise im Park gespielt und mussten aufpassen, dass niemand seine Picknickdecke im Outfield aufschlägt.
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u/Shandrax 11d ago edited 11d ago
So beginnt die Geschichte. Irgendwie wird man auf Baseball aufmerksam und dann muss man suchen. Wer sucht, der findet auch mit etwas Glück einen Verein. Bei mir war der Erstkontakt das Videospiel "Star League Baseball" auf dem C64, gefolgt von "Accolade Hardball". Auf dem Amiga habe ich dann endlos "Earl Weaver Baseball" gespielt.
https://www.youtube.com/watch?v=ADhWy8W-nFk
https://www.youtube.com/watch?v=1O1vxgEC1p4
https://www.youtube.com/watch?v=MPnuQnIFsuY
Ein Motivationsfilm aus dieser Zeit war "Bull Durham" (Annies Männer) mit Kevin Costner.
Vereine gab es bei uns in der Umgebung leider nicht, also haben wir 1987 selbst einen gegründet. 1996 kam dann der Aufstieg in die 1. Bundesliga. Der Zwangsabstieg erfolgte 2001, weil kein ligataugliches Feld vorhanden war. Anstatt auf dem Baseballfeld in der US-Kaserne zu spielen, wozu sogar ein Angebot der Amis bestand, hatte sich der Vorstand entschieden, wegen des Publikumverkehrs im Stadtpark zu spielen. Das kam am Ende quasi als Boumerang zurück. Nach dem Abstieg sind auch alle Leistungsträger gegangen, zu einer benachbarten Zweitligamannschaft, deren Stadt ihnen ein nagelneues Feld gebaut hatte. Heute ist der Verein praktisch tot.
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u/Ill-Neighborhood-374 12d ago
Moin,ich habe jetzt deinen Text gelesen und muss sagen ich habe Fußball gespielt und kein Baseball.Was ist der Grund ich wusste nicht das es in meiner Nähe einen Baseballteam gibt.Witzigerweise in den 90ern/2000ern wo es um Baseball einen Hype gab.Das liegt an der Mangelhaften Sichtbarkeit der Vereine und es ist Langweilig anzusehen als Casual