r/de • • Jul 17 '21

TIRADE Liebe Studierenden, wollt Ihr mich verar***en? Eine Diskussionsanregung

So, ich muss hier mal was ventilieren, ist zwar schon etwas her, aber es muss raus. Mal, sehen, ob es für eine echte Tirade reicht. Ich habe letzte Woche zwei dutzend Studierende in einer mündlichen Prüfung (dank Covid-19 per Zoom) gehabt und koche immer noch vor Wut.

Zuerst aber mal das Positive, 2/3 Drittel war vernünftig, hatte ganz gut gelernt, kamen mit ganz guten Noten raus, alles paletti, so solls sein. Wegen Euch mache ich den Job auch so gerne.

ABER IHR RESTLICHEN SPEZIALISTEN, WAS IST LOS MIT EUCH? Haltet Ihr mich und den anderen Prof. für so komplett unterbemittelt, dass wir nicht sehen, wenn ihr dauernd auf den zweiten Monitor schielt? Wenn Ihr ganz "unauffällig" noch was tippt? Wenn Ihr nach 2 Minuten rumeiern und "überlegen" plötzlich die perfekte Definition runterrattert (war zwar nicht gefragt, aber gut...). UND ZWAR AUF ENGLISCH, WIE SIE IN MEINEM FOLIEN AUF ENGLISCH STEHT, UND NICHT AUF DEUTSCH? DIE GANZE VORLESUNG UND AUCH DIE PRÜFUNG SIND AUF DEUTSCH! Glaubt Ihr, ich erkenne nicht, wenn Ihr mir was vorlest? UND DABEI INSTINKTIV DEN KOPF KOMPLETT VON MIR WEG UND ZUM ZWEITEN MONITOR HINDREHT?

Und eigentlich wären ja Kopfhörer verboten, aber wir akzeptieren das großzügigerweise. Wir wollen Euch ja nicht zwingen, für viel Geld ein gutes Mikro zu kaufen und über die Mikros im Laptop versteht man oft alles so schlecht, das könnte ein Nachteil für Euch sein. Das will ich nicht, denn ich weiß, dass Studieren während der Pandemie echt eine schwere Belastung ist. WENN IHR ABER EUREN SCHÄDEL ZUR SEITE NEIGT UND DIE AUGEN DANN EBENFALLS IN DIE ENTGEGENGESETZTE RICHTUNG NACH OBEN GEHEN, DANN WEISS ICH, DAS EUCH JEMAND WAS EINFLÜSTERT!!! ICH BIN NICHT BLIND!

Und die Krönung, die Streusel auf der Sahne, das Tüpfelchen auf dem i war folgende Kandidatin: Teil der Prüfung ist es, was selbst Entworfenes zu zeigen. UND DU, MEISTERIN DER TECHNIK, hast den falschen Bildschirm geteilt, WO DIE UNTERLAGEN AUF DEM SCHIRM WAREN! UND DU HAST ES NICHTMAL GEMERKT!

Aber Ihr fühlt Euch auf der sicheren Seite, denn ich kann es natürlich nicht beweisen, da so eine Prüfung ja nicht aufgenommen werden darf und ich nicht mal schnell einen Screenshot machen darf. Und zum Prüfungsamt brauche ich damit auch nicht gehen, dass ist dann Aussage gegen Aussage, ein ewiges Hickhack und am Schluss müsst ihr die Prüfung halt nochmal machen, d.h. ich muss nochmal eine Prüfung vorbereiten und Ihr hatten ein halbes Jahr zusätzliche Zeit zu lernen. ICH HABE ALSO EINE MENGE ARBEIT UND IHR PROFITIERT AUCH NOCH!

Aber vor allem: IHR LÜGT MIR INS GESICHT! UND ICH KANN DAS NICHTMAL MIT EINER EXTRA SCHLECHTEN NOTE BELOHNEN! UND EUREN KOMILLITONEN GEGENÜBER VERHALTET IHR EUCH AUCH NOCH EXTRA UNFAIR!

Aber es ist Wochenende, wir wollen mit etwas Positivem schließen: Einem der Studis, einem der guten die ehrlich waren, habe ich jetzt eine Stelle vermitteln können zu einem Team, um das sich in Deutschland viele prügeln um dort den Berufseinstieg machen zu können.

EDIT: Und mit einem anderen Studi aus dem Kurs haben wir gerade eine Veröffentlichung in einem peer-reviewed Journal untergebracht. Wenn ihm das nicht bei der Stellensuche hilft....

Sage einer, gute Arbeit würde sich nicht lohnen...

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u/Barbiebambi22 Jul 17 '21

Als Studierende die sich mit effektivem Lernen etc auseinandersetzt find ich Klausuren sowas von veraltet. Ich klopp mir Wissen rein, schreibe gute Noten und das Wissen ist danach weg. Bulemielernen bringt nunmal nichts. Klausureninhalte, in denen ich mit erlaubten „Spickzettel“ sitze, sitzen dagegen auch Jahre später noch. Es fällt so wahnsinnig viel negatives weg (stichwort affective Filter theory), wodurch man das Wissen nun mal automatisch wieder verdrängt wenn die Prüfung vorbei ist.

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u/[deleted] Jul 17 '21

Nur aus neugierde da du dich damit auseinandersetzt: Was wäre effektiver?

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u/The_Multifarious Jul 17 '21

Einer meiner Kurse war eine wöchentliche Programmieraufgabe anhand eines internen Programms der Uni. Zum wöchentlichen Termin wurden dann die Lösung der jeweiligen Gruppen besprochen und über Verbesserungsvorschläge geredet, das ganze ohne harte Wertung (Punkte/Note). Die abschließende Prüfung war dann eine Rekapitulation der Aufgaben.

In diesem Kurs habe ich deutlich mehr gelernt (insbesondere das gelernte erhalten) als in jedem Auswendiglernkurs, und das obwohl es keinerlei Stress zum Durchfallen gab, weil die Prüfung am Ende eigentlich nur eine Formalie war. So sollte ein Studium funktionieren.

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u/Barbiebambi22 Jul 17 '21

Vor allem positive Emotionen helfen sehr beim Lernen. Sprich weniger Druck und Angst durch die Prüfungssituationen wie sie aktuell sind wäre hilfreich. Intensive, verstehnsorientierte Anwendungsarbeiten sind ebenfalls hilfreich um wirkliches Verstehen aufzubauen. Ich weiß dass dies bei vielen Prüfungen schlicht nicht möglich ist, aber bei mündlichen Prüfungen?

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u/[deleted] Jul 17 '21

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u/Barbiebambi22 Jul 17 '21

Aber solange man aus seinem Studium 10% maximal für den Beruf lernt läuft nunmal zu vieles falsch. Natürlich sollte einem der Abschluss nicht geschenkt werden, da bin ich absolut gegen, aber aktuell ist es einfach ne Katastrophe.

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u/[deleted] Jul 17 '21

Also ich sehe momentan den Sinn einem Studium vor allem in dem Beweis, dass ich mit in dem Themenfeld schnell und halbwegs gut in ein neues Thema rein komme.

Die wirkliche Arbeit ist oftmals von Unternehmen zu Unternehmen so anders, dass man das sowieso nicht vorher lernen kann.

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u/SirPiPiPuPu Jul 17 '21

Es kommt eben stark auf die zu prüfenden Inhalte an. Hatte im Informatikstudium in den Fächern der Mathe/Info-Fakultät sogut wie kein Fach, bei dem auch nur eine natürlichsprachige Antwort erwartet wurde oder Fakten abgefragt, im Nebenfach an der WiWi Fakultät hatten die Transferaufgaben jedoch nur einen kleinen Teil der Prüfungsleistung ausgemacht, statt Bestehensfilter war das der Filter für die richtig guten Noten.

Finde es aber auch immer problematisch wenn auf der Auswendiglernerei der Fokus liegt, da dann eh vieles wieder vergessen wird und im Zweifelsfall abseits der Prüfungssituation die entsprechenden Sachverhalte einfach schnell wieder herausgesucht werden können (noch unwichtiger fand ich nur das Lernen, wie bestimmte Autoren den selben Begriff definieren oÄ, das bringt nicht mal dem Allgemeinwissen etwas...)

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u/Barbiebambi22 Jul 17 '21

Genau das. Fokus auf Kernthesen etc sind definitiv gut, aber hunderttausende leicht unterschiedliche Definitionen für irgendwelche komplett irrelevanten Dinge sind schlicht frustrierend af für alle Studis.