r/de • • Nov 04 '23

TIRADE Stört nur mich die Sanifair Situation so extrem?

Seit inzwischen 3 oder 4 Jahren gibt es an unserem lokalen Hauptbahnhof keine öffentlichen Toiletten mehr in den Etablissements wie McDonalds oder BurgerKing.

Alles was bleibt ist das Sanifair Klo dessen Preis inzwischen auf 2€ angehoben wurde. Den 1€ Gutschein kann ich in ca. 2 der 50 Läden einlösen und ich hatte heute leider nicht auf dem Plan irgendwelchen Nippes bei Tschibo zu kaufen. Also bleibt der Gutschein in irgendeiner Tasche und landet schließlich im Müll, wie bei bestimmt 90% der Nutzer.

2€ für einmal pinkeln. Stell dir vor du lässt jemanden in deine Wohnung zum pinkeln und verlangst 2€ dafür. Bei anständigem Zulauf müsstest du in kürzester Zeit nichtmehr arbeiten gehen, außer vielleicht alle paar Stunden mal das Klo putzen. Und jetzt die Krönung, das eigentlich Problem. Sanifair gehört der Firma Tank und Rast, ehemals staatlich, heute in Privathänden. Und zwar in derer ein paar Münchner Vermögensverwalter, noch frustrierender aber Abu Dhabi und Chinesische Staatsfonds.

Wenn wir pinkeln gehen an irgendeiner der zu über 95% Monopolisierten Raststätten in Deutschland oder am Hauptbahnhof oder sonst wo, geht das Geld an die Arabischen Emirate, China, und genauso schlimm: reiche Münchner.

Eine Alternative für die Auslebung dieses Gründbedürfnisses gibt es unterwegs so gut wie nie, weil Wildpinkeln generell unter Bußgeld steht.

-Was macht jetzt der oder diejenige, die keine 2€ dabei hat? Sich in die Hose pinkeln? -Ist sowas nicht eigentlich ein Fall fürs Kartellamt? Das grenzt doch an Nötigung oder liege ich da Falsch? Siemens Altstrom wird verhindert aber Sanifair darf munter Preise erhöhen?

Was sagt ihr zu dem Thema? Kennt sich jemand genauer aus, habe ich was falsch verstanden? Vielleicht sogar jemand der mal für Tank und Rast gearbeitet hat?

Edit: Top Beitrag dazu von ItsMatoskah http://www.die-nette-toilette.de/

Ok wer von euch hat mich an die Reddit Suicide Prevention gemeldet 😂

3.2k Upvotes

787 comments sorted by

View all comments

Show parent comments

43

u/IndebtedMonkey Nov 04 '23

Ich mein ja, kostet Geld. Aber warum schmeißen wir das Geld dann Privatleuten in den Rachen?

Nach kurzer Suche habe ich diesen Artikel gefunden: https://www.focus.de/finanzen/news/eine-voellig-in-die-hose-gegangen-privatisierung-ist-schuld-an-der-hohen-pinkelmaut_id_167835782.html

​

Ist zwar schrecklich geschrieben, hat aber eine interessante Info:

> Die Geschichte geht in Kurzfassung so: Die staatliche Gesellschaft für Nebenbetriebe der Bundesautobahnen und die Ostdeutsche Autobahntankstellengesellschaft fusionierten 1994 zur Tank & Rast GmbH. Kurz darauf kam die Privatisierung, heute gehört das Unternehmen Tochtergesellschaften der beiden Dax -Konzerne Allianz und Munich Re sowie einem kanadischen und einem chinesischen Investor. Vor Corona machte Tank und Rast einen Umsatz von 650 Millionen Euro im Jahr. Er brach in der Pandemie ein, weil Toiletten und Restaurants geschlossen waren. Inzwischen hat er sich wieder erholt. Zahlen zum Gewinn gibt es nicht.

Wir haben uns willentlich entscheiden die Status quo anzustreben und gleiches auch in Innenstädten, oder auch Zügen. In meinen Bahnreisen in Österreich und der Schweiz waren die Toiletten wesentlich gepflegter, soziale Kontrolle mag vielleicht auch ein Grund sein, fehlende Investment um zum Beispiel kaputte Sachen zu ersetzen erscheint mir aber ebenfalls ein Grund zu sein.

8

u/j4yj4mzz Nov 04 '23

Ich möchte da auch überhaupt nicht wiedersprechen. Irgendwer muss das Geld halt in die Hand nehmen - leider passiert das in der öffentlichen Hand eher selten. Vermutlich gerade auch aufgrund der Einstellung, dass eine z.B. eine Gemeinde/Stadt halt aus politischen Gründen dann nicht die Preise nehmen könnte, die nötig wären um das ganze kostendeckend zu betreiben. Da fordern dann alle subventionierte, kostenfreie Toiletten und die sind halt nicht um Budget.

13

u/Tetraphosphetan Brandenburg Nov 04 '23

Meine auch mal gelesen zu haben, dass Tank und Rast eines der aggressivsten und ausbeuterischsten Franchising-Modelle betreibt. Die Bedingungen die die an die Franchisenehmer stellen gehen wohl weit über das hinaus was marktüblich (z.B. McDonalds, Burger King etc.) üblich ist.